Demo setzt sich für Seenotrettung ein

erschienen in Freie Presse vom 16. Juli 2018

Knapp 100 junge Leute haben am Sonnabend in Freiberg ihre Solidarität mit Hilfsorganisationen im Mittelmeer bekundet.

Freiberg – Das Junge Netzwerk Freiberg hatte am Sonnabend zu einer Demonstration für die in Seenot geratenen Menschen und die Helfer des Dresdner Seerettungsschiffs „Lifeline“ aufgerufen. „Ich bin super zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung“, sagte Paul Kaluza gestern. Er hatte die Kundgebung angemeldet. Trotz der Urlaubszeit seien fast 100 Teilnehmer ab 13 Uhr vom Freiberger Bahnhof über den Roten Weg und den Obermarkt zum Schlossplatz gezogen, so das Mitglied der Grünen Jugend weiter: „Es gab keine Zwischenfälle oder Störungen.“

Anlass für die Demo ist der Fall des Kapitäns Claus-Peter Reisch, der nun vor Gericht angeklagt werden soll. Der Protest richte sich gegen die Kriminalisierung des Engagements der sächsischen Seenotrettungsorganisation, war in dem Aufruf erklärt worden. In diesem Sinne habe sich eine Freiberger Gruppe dem bundesweiten „Netzwerk Seebrücke“ angeschlossen.

„Wir brauchen eine politische Lösung, um das massenhafte Ertrinken im Mittelmeer zu stoppen. Menschen mit einem Herz am rechten Fleck können nicht einfach zusehen, wenn Menschen beim Versuch, vor Kriegen zu fliehen, ertrinken“, erklärte Kaluza. Es könne ja nicht die Lösung sein, so der Veranstalter weiter, einfach zu sagen, das geht uns alle nichts an. „Wenn die Frage, ob ertrinkenden Menschen geholfen werden muss, diskutabel erscheint, ist es höchste Zeit laut zu widersprechen“, erklärt der junge Mann. (mehr…)

Zuzugsstopp als Atempause

erschienen in FAZ vom 26. Mai 2018

In Freiberg funktioniert die Integration von Flüchtlingen beispielhaft. Dennoch kämpft das Rathaus für einen Zuzugsstopp, auch um die Erfolge nicht zu gefährden. Doch nun gerät der Bürgermeister zwischen die Fronten.

von Stefan Locke

Vor gut zwei Jahren wurde Firas Almohamed aus Bayern in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Chemnitz überstellt. Ihm war nicht wohl dabei. „Alle haben gesagt: Sachsen ist schlecht für Leute wie mich“, erzählt er. „Meine Mutter hat sich große Sorgen gemacht.“ Heute kann der 33 Jahre alte Mann darüber lachen. Er hat inzwischen viel von Sachsen gesehen. Von Chemnitz aus schickte man ihn erst nach Meißen und dann nach Freiberg. „Ist überhaupt nicht schlimm hier. Persönlich habe ich nie etwas Schlechtes erlebt“, erzählt Almohamed an einem Abend im Mai. Zusammen mit seiner Frau und vielen Freunden sitzt er in einem Hof im Zentrum der Bergstadt, wohin der Verein „Grenzenlos“ einmal im Monat Alt- und Neufreiberger einlädt. Es gibt Salate, Wurst und Brot, Kinder toben, vor allem aber wird erzählt. (mehr…)

Do it yourself Fest


Eine Stadt unter Druck

erschienen in Freie Presse vom 14. April 2018

Freiberg will keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Seit Monaten kämpft die Stadt um einen Zuzugsstopp, der Beschluss spaltet die Bevölkerung. Und das Land zögert mit einer Entscheidung. Doch eigentlich hat der Oberbürgermeister längst sein Ziel erreicht.

Von Oliver Hach und Ulrich Wolf

Freiberg – Das Polizeiprotokoll führt den Vorfall vom 3. Mai 2017 als „Körperverletzung – Ausländerbezug“. An der Oberschule „Gottfried Pabst von Ohain“ geraten zwei deutsche und zwei syrische Schüler aneinander. Von Rangelei ist die Rede, dann folgt der Satz: „Ein 48-jähriger Lehrer, der schlichten wollte, ging dazwischen und bekam versehentlich einen Schlag gegen die Schläfe.“

Der Schulleiter schildert den Fall als Prügelei. Ein Lehrer sei derartig beschimpft und beleidigt worden, dass man die Polizei rief, so Dieter Heydenreich. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art an der Freiberger Oberschule. Zuvor hatte bereits ein ausländischer Schüler einen Lehrer mit den Worten bedroht: „Ich komme zurück und bringe dich um!“ (mehr…)

Wer nicht zählen kann, muss hetzen. „Zuwanderer“ in der Sächsischen Kriminalstatistik

erschienen auf Sprachlos Blog

von Tobias Wilke

Dem Landeskriminalamt Sachsen ist es offenbar eine „Herzensangelegenheit“, eine sogenannte „Tatverdächtigenbelastungszahl“ für die Gruppe der Zuwanderer zu benennen, also den Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an den Zuwanderern in Sachsen insgesamt. Trotz ausdrücklicher Warnung des Bundeskriminalamt (BKA), dass diese Berechnung hochkomplex ist und etliche Fallstricke birgt. Deren Kollegen aus Sachsen haben es dennoch versucht und entsprechende Zahlen veröffentlicht – mit gravierenden Fehlern, die Populisten in die Hände spielen.

Eine kleine Denksportaufgabe

Im Zuständigkeitsbereich der (fiktiven) sächsischen Polizeidirektion Adam-Ries-Stadt lebten im Jahr 2017 genau 10 Ausländer: zwei Tunesier und ein unverheiratetes marokkanische Paar im laufenden Asylverfahren, eine Bergbaustudentin aus Shanghai, bulgarische Zwillingsschwestern, ein rumänischer Taxifahrer, ein subsidiär Geschützter aus Aleppo sowie ein Albaner, der bereits in den 90ern illegal eingereist war. Im Juli fahren die Marokkanerin und der Albaner im gleichen Bus, beide werden jedoch in der Tarifzone B mit Fahrkarten für die Tarifzone A kontrolliert. Die herbeigerufene Polizei nimmt die Personalien auf. Die Chinesin vergisst zu Semesterbeginn im Oktober, ihr Studentenvisum zu verlängern. Ende November erkrankt der Marokkaner schwer, kurz vor Weihnachten erhalten er und seine Lebensgefährtin sowie die beiden Tunesier Ablehnungsbescheide des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Preisfrage: Wie viel Prozent der Zuwanderer im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Adam-Ries-Stadt tauchen nach dem „Lösungsweg“ des Landeskriminalamt (LKA) Sachen in dessen Kriminalstatistik 2017 als Tatverdächtige auf? (mehr…)

AfD-Abgeordnete beschäftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde

erschienen auf ZEIT online

Ein Nazi-Netzwerk im Deutschen Bundestag: Mindestens 27 Mitarbeiter von AfD-Abgeordneten sind Aktivisten und Anhänger rechtsradikaler Organisationen.

Von Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke und Tilman Steffen

Das Bundestagsgebäude Unter den Linden 50 liegt 800 Meter vom Reichstag entfernt, ein grauer Zweckbau mit langen, fensterlosen Fluren auf sechs Etagen. Es beherbergt Büros der Abgeordneten. Kleine, quadratische Milchglasschilder zeigen, wer hinter den dunklen Holztüren arbeitet. Namen sind darauf zu lesen und politische Funktionen. Doch im ersten Stock sticht eine der Glasplaketten heraus. „Boelcke-Stüberl“ steht auf dem Viereck neben Raum 1069 und darunter „Landesgruppe Sachsen-Anhalt“.

Oswald Boelcke war Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Bis heute wird er von manchen Militärs als Held und Erfinder des modernen Luftkampfs verehrt. Der Konferenzraum 1069 gehört der AfD-Fraktion. Deren Mitglieder haben offensichtlich einen Hang zum Kriegerischen. Die Mitarbeiter des baden-württembergischen Abgeordneten Thomas Seitz nennen sich selbst „Brigade Seitz“ und haben eine entsprechende Facebook-Seite eingerichtet. Ihren Abgeordneten bezeichnen sie als ihren „Kommandeur“ und posten auf der Seite beispielsweise das Panzerlied, ein Soldatenlied der Wehrmacht, das 2017 aus dem Liedgut der Bundeswehr gestrichen wurde. (mehr…)

Bürgermeisterwahl: AfD stellt Kandidat für Großschirma auf

erschienen in Freie Presse vom 7. März 2018

Großschirma – Die AfD wird zu den diesjährigen Bürgermeisterwahlen in den beiden Städten Großschirma und Hainichen Kandidaten aufstellen. Das sagte der Kreissprecher der Partei, Rolf Weigand, gestern auf Anfrage der „Freien Presse“. Die Entscheidung sei auf dem jüngsten Kreisparteitag in Seelitz gefallen. Allerdings könne er noch nicht die Namen der Bewerber nennen, so Weigand. „Bis Ostern werden wir die Kandidaten öffentlich bekanntgeben“, kündigte der Ingenieur an, der seit Ende Januar Mitglied des Sächsischen Landtages ist. Rolf Weigand wohnt in Großschirma. Auf die Frage, ob er selbst als Stadtchef kandidieren wird, sagte er: „Kein Kommentar.“ Die Bürgermeisterwahl in Großschirma findet am 17. Juni statt, bis Mitte April müssen die Wahlvorschläge vorliegen. Die Bürgermeisterwahl in Hainichen ist für den 16. September anberaumt. Außerdem stehen in Mittelsachsen in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen in Großweitzschen und Altmittweida an. In diesen Gemeinden will die AfD nach eigenen Angaben keine Kandidaten aufstellen. (hh)

Wirt widerspricht der AfD

erschienen in Freie Presse vom 7. März 2018

Schwanenschlösschen: Chef sieht sich getäuscht

Freiberg – Zwischen der AfD Mittelsachsen und Sanja Koch, dem Inhaber des Restaurants Schwanenschlösschen in Freiberg, ist es zu Unstimmigkeiten hinsichtlich einer Veranstaltung gekommen, die die Partei für heute Abend in dem Restaurant am Kreuzteich angekündigt hatte. Der Bundestagsabgeordnete Heiko Hessenkemper hatte eingeladen, um über die von ihm befundene „Perversion der polit-medialen Klasse“ zu sprechen. Inzwischen aber ist die Veranstaltung ins Gartenlokal „Zur Erholung“, Scheunenstraße 24 in Freiberg verlegt. (mehr…)

Zuzugsstopp: Protest der Grünen Jugend

erschienen in Freie Presse vom 3. März 2018

Freiberg – Gegen den von der Stadt Freiberg forcierten Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge hat die Grüne Jugend am Donnerstag protestiert. Im Vorfeld des Stadtrats entrollten vier Mitstreiter der Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen ein Transparent vor dem Rathaus. Darauf ist ein Gesicht zu sehen, das an Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) erinnert. Dazu die Aufschriften „KRÜGERS WALL“ und „We will build a wall & Merkel will pay.“ Sprecherin Lea Fränzle: Der Freiberger Antrag stehe auf rechtlich unsicherer Grundlage. „Es geht nicht an, dass der Landrat die Stadt mit der Verantwortung für die Geflüchteten des Landkreises allein lässt.“ Dass der Stadtordnungsdienst nach wenigen Minuten die Aktion unterband, ärgert die Grüne Jugend. Vorstand Paul Kaluza spricht von einem „äußert fragwürdigen Verständnis“ von Meinungsfreiheit. Laut Stadt war weder eine Versammlung noch eine Sondernutzung angemeldet. „Wir leben in einer Demokratie – und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Es hätte jedoch jeder Zeit die Möglichkeit bestanden, mit mir direkt ins Gespräch zu kommen“, ergänzte OB Krüger. (acr)

Wenn der Ton rauer wird

erschienen in Freie Presse vom 2. März 2018

Volksverhetzende Beiträge im Internet, Fremdenfeindlichkeit auf der Straße und eine Region, die im Vergleich zu anderen Gegenden schlecht dasteht. Freiberg im Zeichen von Bestandsaufnahme und Zukunftsdiskussion.

Von Eva-Maria Hommel

Freiberg. „Warum Sachsen?“ – So lautet die Leitfrage eines Buches, das rund 70 Zuhörer am Mittwochabend im Städtischen Festsaal kennenlernten. Herausgeber sind Matthias Meisner, Redakteur beim „Tagesspiegel“, und Heike Kleffner, Journalistin und Fachreferentin für die NSU-Untersuchungsausschüsse im Bundestag für Die Linke.

Im Buch „Unter Sachsen“ untersuchen 29 Autoren, warum Rassismus im Freistaat besonders hervortritt. Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage „Warum Freiberg?“ Warum ist Freiberg in den Schlagzeilen als die Stadt, die keine Flüchtlinge mehr will?

Einer der Autoren ist Oliver Hach, Redakteur der „Freien Presse“. Er las aus seinem Beitrag über Clausnitz, wo Anfang 2016 ein Mob die Ankunft eines Flüchtlingsbusses blockiert hatte. Hach, der in Freiberg lebt, eröffnete die Diskussion: „Ich bin überrascht von der Wendung unseres Oberbürgermeisters.“ Als die Flüchtlingswelle begann, sei er noch besonnen aufgetreten. (mehr…)

OB: Kreis sollte Freiberg völlig außen vor lassen

erschienen in Freie Presse vom 24. Februar 2018

Die Debatte über den Antrag auf Zuzugsstopp für anerkannte Asylbewerber zeigt Wirkung. So brachte der Kreis von 107 seit Oktober neu angekommenen Flüchtlingen 11 in Freiberg unter. Der Stadt sind das dennoch zu viele.

Von Frank Hommel

Freiberg – Für Sven Krüger (SPD) ist es ein erster, aber auch längst überfälliger Schritt. So kommentiert Freibergs Oberbürgermeister die Bemühungen des Landkreises, die Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu entlasten. Landrat Matthias Damm (CDU) hatte erklärt, dass dem Kreis von Oktober bis Februar 107 Personen zugewiesen wurden, nur 11 davon brachte der Kreis in Freiberg unter. Für den OB aber bringen auch diese Menschen die Stadt näher an ihre Überlastungsgrenze. „Eigentlich wäre die richtige Konsequenz gewesen, Freiberg nun völlig außen vor zu lassen“, sagte Krüger der „Freien Presse“. (mehr…)

Sie könnten, aber wollen wohl nicht

erschienen in taz

Die Stadt Freiberg möchte keine weiteren Asylbewerber mehr aufnehmen. IntegrationshelferInnen halten die Notsituation für übertrieben.

FREIBERG taz | Es ist „Küfa“-Zeit im Haus der Begegnung des VdK auf der Freiberger Schillerstraße. An den Fasttag Aschermittwoch erinnert das Büffet internationaler Speisen und Salate der „Küche für alle“ nicht gerade. Ungefähr 60 Leute werden satt, die Hälfte von ihnen sind Biogermanen, die anderen Flüchtlinge oder ausländische Studenten der Bergakademie. Amir Mohammad aus Syrien ist über die „Mitlaufzentrale“, die Stefan Benkert 2015 ins Leben rief, in die Runde geraten. Ungefähr 80 Personen treiben unter diesem Namen seit 2015 gemeinsam Sport, reisen sogar bis zum Berlin-Marathon. „Die Integration kommt von beiden Seiten“, sagt Amir und kann gar nicht verstehen, dass sich die Stadt mit ihren Asylbewerbern angeblich überfordert sieht. (mehr…)

Erlebt die Stadt nicht immer „weltoffen“

erschienen in Freie Presse vom 22. Februar 2018

„Freie Presse“ stellt Menschen aus verschiedenen Ländern vor, die in Freiberg studieren, arbeiten, ein Zuhause gefunden haben. Sie erzählen über ihr Leben in Deutschland. Heute: Eine Kamerunerin mit starkem Charakter.

Von Esther Sarah Wolf

Freiberg – Die TU Bergakademie Freiberg zieht viele ausländische Studenten in die Bergstadt – wie Carole Tsegouog. Die 25-Jährige stammt aus Kamerun. Im März 2016 kam sie zum Studium nach Freiberg.

„Ich bin in Mbandjock geboren, das ist in Zentralkamerun. Ich wollte nach dem Abitur ein Ingenieurstudium beginnen, und Deutschland ist eines der Länder, wo es in diesem Bereich gute Ausbildungen gibt“, erzählt Carole Tsegouog.

Bereits am Gymnasium hatte sie zwei Jahre Deutschunterricht. „Es ist eine schwere Sprache, ich hatte viel vergessen.“ Nach dem Abitur und dem Bachelor-Studium in Physik an der Universität Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, belegte Carole Tsegouog einen sechsmonatigen Deutschkurs, bevor sie ihr Heimatland verließ. (mehr…)

Unterkunft Brand-Erbisdorf bleibt als Reserve bestehen

erschienen in Freie Presse vom 17. Februar 2018

Die Diskussion über die Verteilung der Flüchtlinge schwappt nach dem Freiberger Antrag auf Zuzugsstopp auf die Nachbarstadt über. OB Martin Antonow plädierte auf einer AfD-Veranstaltung für Solidarität mit Freiberg.

Von Frank Hommel

Brand-Erbisdorf – Der Landkreis verfolgt aktuell keine Pläne, Flüchtlinge in der leer stehenden Asylbewerberunterkunft in Brand-Erbisdorf unterzubringen. Das geht aus einer Antwort des Landratsamtes auf Anfrage der „Freien Presse“ hervor. „Das Gebäude wird nach jetzigem Stand weiterhin als Reserveobjekt vorgehalten“, sagte ein Sprecher.

Angesichts des von Freiberg beantragten Zuzugsstopps für anerkannte Flüchtlinge hatte Brand-Erbisdorfs Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos) mit Blick auf die aufwendig sanierte Immobilie gegenüber dem MDR erklärt, es sei bedauerlich, dass die Verteilung der Flüchtlinge im Kreis nicht von allen Schultern getragen werde. „Kulturelle Vielfalt tut jeder Stadt gut“, zitierte der MDR den OB. Dass er zu dieser Aussage grundsätzlich steht, bekräftigte Antonow am Donnerstagabend vor schätzungsweise 150 Gästen einer Veranstaltung im Sporthotel „Mönchenfrei“, zu der der AfD-Bundestagsabgeordnete Heiko Hessenkemper unter dem Motto „Buntes Brand-Erbisdorf!?“ eingeladen hatte. Bei der Verteilung der Flüchtlinge sei er für Solidarität mit Freiberg, man sei ein Wirtschaftsraum, sagte Antonow auf Nachfrage Hessenkempers. Es sei im Sinn der Bürger, keine Steuermittel zu verschwenden. Antonow: „Es geht nicht darum, Tür und Tor zu öffnen, sondern sich um die Menschen zu kümmern, für die wir einen gesetzlichen Auftrag haben.“ (mehr…)

„Freiberg zwischen Wut und Willkommen“

Veranstaltungshinweis

Zuzugsstopp: „Stadt in schlechtes Licht gerückt“

erschienen in Freie Presse vom 13. Februar 2018

Landrat Matthias Damm weist Vorwürfe aus Freiberg zur mittelsächsischen Asylpolitik zurück: Situation auf Arbeitsebene klärbar

Freiberg – Freiberg will als erste sächsische Kommune einen Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge beantragen. Der Vorstoß sorgt bundesweit für Diskussionen. Jetzt äußert sich Landrat Matthias Damm (CDU) öffentlich im Gespräch mit Grit Baldauf.

Freie Presse: Herr Damm, Sie müssen in diesen Tagen ein dickes Fell haben: Ihre Behörde ist im Zusammenhang mit dem Freiberger Antrag für einen Zuzugsstopp wegen ihrer Verteilschlüssel vielfach kritisiert worden. Sie aber haben sich bislang nicht öffentlich geäußert, weil Ihnen der Antrag nicht vorlag. Hat sich die Situation geändert?

Matthias Damm: Der Antrag selbst liegt bei uns immer noch nicht vor. Insofern können wir uns nicht anders äußern. Als Rechtsaufsichtsbehörde haben wir jetzt erst einmal Kenntnis vom Inhalt des Beschlusses. Wir haben ihn angefordert, weil wir eine Rechtsaufsichtsbeschwerde der Stadträtin Dr. Jana Pinka (Linke) zu prüfen haben. Frau Pinka hält den Beschluss für rechtswidrig. (mehr…)

Der Streit ums Zuzugsverbot geht weiter

erschienen in Freie Presse vom 8. Februar 2018

Eine Sitzung des Innenausschusses bringt keine Klarheit zu den Flüchtlingen in Freiberg. Eine Linke-Politikerin greift nun zu rechtlichen Mitteln.

Von Kai Kollenberg

Dresden/Freiberg – Nach etwas über einer Stunde war die Sondersitzung des Innenausschusses vorbei: Einen Beschluss über den Zuzugsstopp für Flüchtlinge, den die Stadt Freiberg anstrebt, gab es dennoch nicht. Die Linke hatte zwar ursprünglich beantragt, ein Zuzugsverbot in Sachsen auszuschließen und im Gegenzug Freiberg zusätzliche Gelder zur Verfügung zu stellen. Doch stattdessen vertagte sich der Ausschuss in dieser Sache: Man wolle noch abwarten, bis genauere Zahlen zur Freiberger Situation vorliege. Denn Gesprächsbedarf gibt es immer noch. (mehr…)

Hick-Hack um Zuzugsstopp

erschienen in Freie Presse vom 6. Februar 2018

Nach dem Hilfeschrei aus Freiberg, keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen zu können, geht das Gerangel um die Zuständigkeiten weiter.

Von Alexander Christoph

Freiberg – Die Stadt Freiberg hat bis dato noch keinen Antrag für einen Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge abgegeben. Dennoch soll das Schreiben, wie es gestern aus dem Rathaus hieß, „so schnell wie möglich“ auf den Weg gebracht werden. In der Zwischenzeit geht das Tauziehen um Zuständigkeiten weiter. Während Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) das sächsische Innenministerium in der Pflicht sieht, eine Entscheidung über eine sogenannte negative Wohnsitzauflage zu treffen, verweist das Haus auf die Kreisbehörde als Ansprechpartner. (mehr…)

„Auch andere Kommunen müssen sich beteiligen“

erschienen auf Deutschlandfunk

Freiberg will vier Jahre lang keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Die Zahl der zu betreuenden Kinder sei stark angestiegen und man brauche eine Pause, sagte Oberbürgermeister Sven Krüger im Dlf. Die Stadt stoße mit Blick auf die Integrationsfähigkeit an ihre Grenzen. Man dürfe einzelne Kommunen mit der Aufgabe nicht alleine lassen.

Von Sven Krüger im Gespräch mit Mario Dobovisek

Mario Dobovisek: Freiberg, eine Stadt in Sachsen, zwischen Dresden und Chemnitz gelegen. 42.000 Menschen leben dort; 2.000 von ihnen sind Geflüchtete. „Zu viel“, sagen SPD und CDU im Stadtrat. Am Donnerstagabend hat dieser auf seiner Sitzung beschlossen, vier Jahre lang keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen. Damit ist Freiberg die erste Stadt in Sachsen mit einem Zuzugsstopp für Flüchtlinge. Orte wie Wilhelmshaven, Salzgitter und Delmenhorst haben bereits ein vorübergehendes Verbot erlassen. Auch Cottbus stoppte gerade bis auf Weiteres den Zuzug von Flüchtlingen in die Stadt. Dort gibt es heute auch wieder Demonstrationen. – Am Telefon begrüße ich Sven Krüger von der SPD. Er ist Oberbürgermeister von Freiberg. Guten Morgen, Herr Krüger.

Sven Krüger: Guten Morgen! (mehr…)

Klare Kante

erschienen in F.A.Z. vom 3. Februar 2018

Im Porträt: Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger

von Stefan Locke

Dass Vernunft und Sachlichkeit Pause haben, wenn die Emotionen überkochen, hat Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger beim Thema Asyl schon oft erlebt. Die kleine Universitätsstadt in Mittelsachsen ist bei der Integration eigentlich ein Vorbild: Neben vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich um Flüchtlinge kümmern, schafft die Stadt selbst zahlreiche Angebote für die Migranten – zu Bildung, Beratung und Freizeitgestaltung; sie richtete eine Kita für Kinder mit Fluchterfahrung ein und bildet einen Asylbewerber im Rathaus aus. Aber dann bedrohte 2015 ein Flüchtling in einem Supermarkt eine Kassiererin mit einem Schwert, und sofort schlugen die Wogen hoch. Der Täter war ein mehrfach vorbestrafter Mann aus Nordafrika, der Vorfall drohte die Arbeit vieler Helfer und die Integrationsbemühungen der Stadt zunichtezumachen. (mehr…)



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