Ein Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen 2018: Neonazis foltern Christopher W. zu Tode – weil er schwul war

erschienen in Belltower News

Stephan, Terenc und Jens hatten sich vorgenommen, Christopher W. umzubringen – weil er schwul war und damit nicht in ihr rechtsextremes Weltbild passte. Am 17. April 2018 folterten die Männer ihren 27- Jährigen Bekannten in einem verlassenen Gebäude in Aue zu Tode.

Von Kira Ayyadi

2018 gab es in Sachsen ein Todesopfer rechtsextremer Gewalt. Zunächst wurde der Fall nicht als rechtsextrem motiviert geführt, doch diese Einschätzung wurde inzwischen revidiert. Aktuell stehen die Täter in Chemnitz vor Gericht.

Hier der bisher bekannte Tatverlauf, der die Verrohung und Brutalität der Täter zeigt:

In einem Milieu, das geprägt ist von Alkohol, Drogen, Aussichtslosigkeit und rechtsextremer Ideologie, treffen sich am 17. April 2018 vier „Freunde“ im erzgebirgischen Aue. Am Ende des Tages ist einer von ihnen tot. Christopher W., ein stetes Mobbingopfer, wird von Stephan (22), Terenc (27) und Jens (22) so lange gefoltert, bis er schließlich stirbt. Sein lebloser Körper ist so übel zugerichtet, dass die Polizei anfangs Schwierigkeiten hat, ihn zu identifizieren.

Wie konnte es zu diesem Gewaltexzess kommen? Stephan, Terenc und Jens sind rechtsextrem, auch wenn sie offenbar nicht in organisierten Neonazi-Strukturen vernetzt sind. Aber mindestens zwei von ihnen ie tragen ihre Ideologie als Tattoos offen zur Schau. Sie bezeichnen Christopher W. zwar als eine Art Freund, aber Christopher W. ist schwul und wird von ihnen als Fußabtreter benutzt. Hass auf Homosexuelle gehört für viele Neonazis dazu – gleichgeschlechtlich zu lieben ist für sie ein Verrat an Familienwerten und „Volkskörper“, wenn nicht gar eine psychische Störung oder „Degeneration“.

Der Hass der drei Täter auf Homosexuelle entlud sich am Abend des 17. Aprils 2018 in massiver Gewalt. Entsprungen ist sie offenbar in einem rechtsextremen Milieu, in dem es zur Normalität gehört, Hakenkreuze zur Schau zu tragen, antisemitische Parolen zu grölen und laut rassistische und homofeindliche Neonazi-Musik hören. (mehr…)

Wir trauern

Rechte „Bürgerinitiative“ hetzt gegen Bautzner Stadtratskandidatin

erschienen in Tagesspiegel

Sie wird als „Antifa-Schlampe“ beschimpft: Annalena Schmidt engagiert sich dennoch in Bautzen, will in den Stadtrat. Eine von Neonazis geplante Demo fällt aus.

von Matthias Meisner

Was ist los in Bautzen? Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stellte diese Frage, als er vor ein paar Tagen bei Annalena Schmidt anrief. Einer jungen Hessin, die seit drei Jahren in Bautzen lebt, sich in der Stadt gegen rechte Umtriebe engagiert. Und die jetzt mit ihrer Kandidatur für den Stadtrat auf Ticket der Grünen heftige Diskussionen ausgelöst hat in der ostsächsischen Stadt. Gewählt wird im Mai. Dass die Stimmung in Bautzen aufgeheizt ist, hat sich bis in die Dresdner Staatskanzlei herumgesprochen.

Rechte mobilisierten für den 8. März sogar zu einer Demonstration gegen Schmidt, Motto „Annalena im Stadtrat verhindern. Gegen hessische Verhältnisse in Bautzen“ – bis die am Donnerstagnachmittag überraschend abgesagt wurde. Die Anmeldung sei zurückgezogen worden, teilte das Landratsamt Bautzen im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Eine Begründung wurde von der Behörde nicht genannt. (mehr…)

Eine Freiberger Debatte und ihre Folgen

erschienen in Freie Presse vom 7. Februar 2019

Vor einem Jahr stand der geplante Zuzugsstopp im medialen Fokus. Das gesellschaftliche Klima sei noch immer vergiftet, heißt es jetzt aus der Opposition im Landtag. Der OB sieht aber Erfolge.

Von Kai Kollenberg

Dresden/Freiberg – Das Fernsehen war gekommen, um aus dem Rathaus zu berichten. So viel mediale Aufmerksamkeit bekommt Freiberg selten. Im Februar vergangenen Jahres stand die Bergstadt im Zentrum der deutschlandweiten Öffentlichkeit. Vor und nach der Stadtratssitzung Anfang Februar 2018 wurde darüber debattiert, was nun wieder in Sachsen vor sich gehe. Denn Freiberg, das befürwortete der Stadtrat am 1. Februar schließlich mit großer Mehrheit, wollte keine Asylbewerber mehr aufnehmen: Man könne die damit verbundenen Lasten nicht mehr tragen, argumentierte das Rathaus. Eine Entscheidung mit gehöriger Sprengkraft.

Ein Jahr später hat sich die Aufregung weitestgehend gelegt. Nach Monaten des Hin und Her zwischen Stadtverwaltung, Landratsamt, Landesdirektion und Innenministerium kamen die Beteiligten zu einer Übereinkunft. Der Landkreis sicherte dabei zu, alle „zulässigen Maßnahmen“ bei der Verteilung von Asylbewerbern zu prüfen, um eine überproportionale Inanspruchnahme Freibergs zu verhindern. (mehr…)

Rück-Wechsel beim AfD-Kreisvorsitz

erschienen in Freie Presse vom 7. Februar 2019

Oederan – René Kaiser aus Niederschöna ist auf dem Kreisparteitag der AfD in Oederan zum Kreisvorsitzenden gewählt worden. Der Diplom-Bergingenieur wechselt den Posten wieder mit Dirk Zobel; der Rochlitzer hatte ihn im April 2018 abgelöst. Für den Neujahrsempfang des Bundestagsabgeordneten Prof. Heiko Hessenkemper und des Landtagsabgeordneten Rolf Weigand (beide AfD) vor rund 50 Gästen im „Goldenen Löwen“ Niederbobritzsch am Mittwochabend hatte sich Kaiser entschuldigt: „Ich muss mich jetzt erst einmal in die Protokolle der Vorstandssitzungen aus dem vergangenen Dreivierteljahr einlesen.“ Bei dem Kreisparteitag in der Oederaner „Stanze“ seien auch gut 40 Kreistagskandidaten der AfD aufgestellt worden, so Kaiser.jan

Ende einer Illusion. Das berichten enttäuschte AfDler

erschienen in Sächsische Zeitung vom 8. Februar 2019

Nach einem Parteitag brodelt es in Ostsachsens AfD. Die Ersten an der Basis treten aus, weitere könnten folgen.

Von Tobias Wolf, Thomas Mielke, Sebastian Beutler und Gregor Becker

Er hat seine politischen Träume zerrissen. Olaf Forker hält die Reste seines AfD-Mitgliedsausweises in den Händen. Erst 2017 war er in die Partei eingetreten, jetzt ist er schon wieder draußen. Kurzentschlossen. Auslöser war der Kreisparteitag vor rund drei Wochen in Niesky. Auf dem Programm stand die Kür der AfD-Landtagskandidaten für die Wahlkreise 57 bis 60 im Landkreis Görlitz. Danach war von Postengeschacher die Rede, von Demütigungen, von Machtspielen, gar von Wahlmanipulationen. Unbestritten ist: Etwas ist schiefgelaufen, die Kandidatenkür soll im März wiederholt werden. (mehr…)

Döbeln nervt, also lass mal was tun

erschienen in ZEIT Campus

Im sächsischen Döbeln gibt es das Kulturzentrum Treibhaus, einen Ort der Gegenkultur. Seit 20 Jahren arbeiten Menschen dort gegen Rechtsradikale. Wie lange noch?

von Erica Zingher

Eigentlich sollte diese Geschichte über die mittelsächsische Stadt Döbeln anders beginnen. Sie sollte kurz vor Weihnachten ihren Anfang finden, als in den Bäckereien der Duft von Räuchermännchen hing. Die Geschichte sollte mit dem Sozialarbeiter Stephan Conrad beginnen und mit dem Treibhaus, einem soziokulturellen Zentrum in der Bahnhofsstraße Nummer 56. In der sächsischen Provinz, wo es sonst nicht viel gibt, sind solche Zentren wichtige Orte für junge und andersdenkende Menschen. Aber ihre Zukunft ist bedroht.

Döbeln ist eine Stadt mit 21.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, die bis vor Kurzem kaum einer kannte. Aber das hat sich geändert und so beginnt die Geschichte einige Wochen später, die Bahnhofsstraße ein paar Hundert Meter weiter unten, in der Nummer zwei. Mit einem Sprengsatz, der Döbeln in die überregionalen Nachrichten brachte.

Am 3. Januar 2019, einem Donnerstagabend, gegen 19.20 Uhr, sollen drei Männer eine Substanz vor dem AfD-Parteibüro zur Explosion gebracht haben. Sie flüchteten im Auto, später wurden sie als Tatverdächtige festgenommen. Die Männer im Alter von 29, 32 und 50 Jahren wurden nach kurzer Zeit wieder freigelassen, Verdächtige in dem Fall sind sie immer noch. Bis heute ist ungeklärt, welches Motiv sie hatten, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

In den Tagen nach dem Vorfall machte die AfD Mittelsachsen auf ihrer Facebook-Seite „linke Antidemokraten“ dafür verantwortlich und warb im selben Satz um neue Mitglieder. Auch vorher hatte es schon Kundgebungen der AfD in Döbeln gegeben, auch Informationsstände in der Altstadt, bei der letzten Bundestagswahl bekam die AfD 29 Prozent der Stimmen. Sichtbar ist die Partei in der Stadt aber kaum, bis eben auf das Büro. Die AfD braucht hier keine öffentlichkeitswirksamen Auftritte, gewählt wird sie auch so.

Nach dem Anschlag ist es schnell wieder ruhig geworden in Döbeln. Ausgestanden sei der Vorfall aber noch nicht, sagt Conrad, der Sozialarbeiter vom Treibhaus. Entscheidend werde es, wenn ein Urteil fällt. Außerdem stehen Döbeln in diesem Jahr noch drei Dinge bevor: eine Kommunal- und Bürgermeisterwahl und eine Landtagswahl. Für Conrad und das Treibhaus geht es dabei nicht nur um die Stimmung im Land, sie bangen auch um ihre Existenz. Conrad fürchtet, dass die AfD nach dem Anschlag noch mehr Stimmen bekommen wird. (mehr…)

Weigand führt AfD-Nachwuchs

erschienen in Freie Presse vom 25. Januar 2019

Kleinvoigtsberg. Die Mitglieder des sächsischen Landesverbands der Jungen Alternativen haben jetzt Dr. Rolf Weigand zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Der 34-jährige Weigand lebt in Kleinvoigtsberg und sitzt seit 2018 für die AfD im Landtag. Im Nachgang seiner Wahl machte der neue Landeschef deutlich, dass die Nachwuchsorganisation der AfD aufgrund der Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen und dem damit einhergehenden Wahlkampf im Jahresverlauf stark gefragt ist. Stellvertreter ist der Dresdner Student Fabian Küble. (acr)

Die hässliche Seite von Freiberg (9)

Landesdirektion rüffelt Geheimniskrämer

erschienen in Freie Presse vom 19. Januar 2019

Präsident Gökelmann: Grundsatz der Öffentlichkeit bei Beratung über Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Kreisstadt verletzt

Freiberg – Der Freiberger Stadtrat hat beim Thema Zuzugsstopp für Asylbewerber nach Ansicht der oberen Rechtsaufsicht wiederholt Gesetze missachtet. Steffen Jankowski hat die wichtigsten Aspekte zusammengefasst:

Was hat es mit dem Zuzugsstopp auf sich?

Der Freiberger Stadtrat hatte Oberbürgermeister Sven Krüger am 1. Februar 2018 ermächtigt, eine „negative Wohnsitzauflage“ für anerkannte Flüchtlinge zu beantragen. Der Antrag, der beim Sächsischen Innenministerium, der Landesdirektion und dem Landratsamt eingereicht werden sollte, hatte zum Ziel, eine vierjährige Zuzugsbeschränkung für das Stadtgebiet Freiberg zu erreichen. Die Sitzung hatten mehr als 50 Besucher verfolgt; nationale und internationale Medien berichteten darüber. (mehr…)

Die Stille nach dem Aufstand

erschienen in FAZ vom 10. Januar 2019

Vor drei Jahren wurde Clausnitz weltweit bekannt, nachdem Bürger einen Bus mit Flüchtlingen darin blockiert hatten. Heute kämpft der Ort wieder mit dem Alltag.

Von Stefan Locke

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist ein erklärter Fan des ländlichen Raums, und als solcher lädt ihn am Dienstagabend ein Bürger in Clausnitz ein, doch mal am Wochenende gemeinsam im Bus vom benachbarten Holzhau nach Rehefeld zu fahren und dort essen zu gehen. Auf den Bus werde man vergeblich warten, und falls man doch irgendwie ans Ziel gelangen sollte, dort auf keine Gaststätte treffen, prophezeit der sichtlich aufgebrachte Mann. Das Busnetz werde nämlich immer weiter ausgedünnt, und jüngst habe auch noch die letzte Gaststätte geschlossen. „Wir haben den Eindruck, als würden wir gar nicht mehr zu Sachsen oder Deutschland gehören“, ruft er und dann natürlich auch noch, dass er Kretschmer „diesmal zu 90 Prozent nicht wählen“ werde. (mehr…)

Frau in Sachsen getötet – Polizei kritisiert AfD

erschienen in Göttinger Tageblatt vom 7. Januar 2018

In Sachsen wurde eine 35-Jährige getötet. Der Tatverdächtige nahm sich anschließend offenbar das Leben. Der AfD-Kreisverband Salzgitter nutzt das mögliche Beziehungsdrama als Stoff für obszöne Falschbehauptungen.

Von RND/dpa/mat

Brand-Erbisdorf. Eine 35-Jährige, die am Freitagmorgen tot an einer Straße im sächsischen Brand-Erbisdorf neben einer Kleingartenanlage entdeckt wurde, ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Die Obduktion habe den Verdacht eines Tötungsdelikts bestätigt, teilte die Polizeidirektion Chemnitz mit.

Als Tatverdächtiger gelte ein Bekannter aus dem Umfeld der Frau. Dessen Leiche sei im Zuge der Ermittlungen in einer Wohnung gefunden worden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Auch der Mann solle obduziert werden. Die Frau stammte aus der Region, auch der Verdächtige sei ein Deutscher, sagte eine Polizeisprecherin. Ob der Fundort der Leiche auch der Tatort war, wollte die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht bekanntgeben. Auch wann und wie die 35-Jährige umgebracht wurde, blieb offen.

Im Internet hatte die Polizei am Wochenende versucht, der Verbreitung falscher Spekulationen Einhalt zu gebieten. Auf Twitter bat sie den Kreisverband der AfD-Salzgitter, die Verbreitung von Fake-News zu unterlassen. Die AfD hatte den Artikel eines als rechtsextrem bekannten Nutzers, der die Tat in Zusammenhang mit Ausländern bringt, im Netz weiterverbreitet. „Erst wurde die “Kuffar-Schlampe” wie ein Stück Vieh durchvergewaltigt, dann geschlachtet und wie Müll im Straßengraben entsorgt? Nein, nicht in Arabien, sondern in #Freiberg #Sachsen“, zitiert die AfD Salzgitter aus dem Text.

Das Landeskriminalamt reagierte auf die obszönen Bemerkungen, bezeichnete die Äußerungen als „hetzerisch, infam und schlicht #FakeNews“, die sie zu korrigieren hätten. Außerdem wiesen die Beamten den Kreisverband darauf hin, dass der Tatverdächtiger ein Deutscher ist.

Kindererziehung beim „III. Weg“

erschienen auf blick nach rechts

Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ verstärkt ihre Bemühungen, Kinder und Jugendliche anzusprechen. In Plauen ist neuerdings sogar ein eigener Jugendtreff im Angebot.

Von Johannes Hartl

Sonntag, 13. Mai 2018. Im sächsischen Plauen öffnete die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ wieder einmal die Türen ihres Parteibüros, um für Kinder einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs anzubieten. Auf Bildern, die später im Internet veröffentlicht werden, sind mindestens acht Minderjährige zu erkennen. Sie zeigen die Teilnehmer, wie sie Sportübungen ausführen und Selbstverteidigungstechniken einüben – angeleitet durch Funktionäre, die T-Shirts mit Parteilogos tragen. Nach Abschluss des Trainings erhielten die Kinder dann sogar „wohlverdiente Sporthemden“, heißt es stolz auf der Website der Gruppierung. Als Motiv bilden sie einen martialischen Wolf auf beigem Hintergrund ab, umgeben von einem Lorbeerkranz in der dunkelgrünen Parteifarbe. (mehr…)

Dritter Weg Mittelsachsen/Hammerleubsdorf- ein starkes Stück Erzgebirge. Hier wird Tradition groß geschrieben.

erschienen auf Indymedia

Wir wohnen im Freiberger Umkreis, wir beobachten die Nazis hier und wir berichten über sie

von Die Häsinnen vom Flöhatal

Dieser Text möchte über Aktivitäten der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ (DW) informieren, speziell über ihren Stützpunkt Mittelsachen.Ein weiterer Fokus wird auf das Fehlverhalten von Behörden und bürgerlicher Kräfte gelegt. Im Gesamten haben wir diesen über eineinhalb Jahre beobachtet. In der Darstellung unserer gesammelten Erkenntnisse über ihre Strukturen, möchten wir auf eine theoriegeleitete, mit Fachbegriffen überlaufende Sprache verzichten, um den Bericht so transparent wie möglich darzustellen und ihn somit für einen breiten Teil der Bevölkerung zugänglich zu machen. Mit diesem Bericht wenden wir uns von einem üblichen Outing einzelner Akteure ab, da es uns vordergründig um Aufklärung über die Aktivitäten dieser Gruppe extremer Rechter geht. Weiter wollen wir den Versuch einer Einordnung wagen, warum es trotz hoher medialer Aufmerksamkeit für die extreme Rechte einfach ist, in Sachsen zu agieren. Auf dieser Basis werden wir lediglich einzelne Akteure beleuchten, deren Aktionen in einen gesellschaftlichen Kontext setzen und damit verbunden die Missstände im Verständnis von Demokratie in der ansässigen Bevölkerung beschreiben. (mehr…)

Die hässliche Seite von Freiberg (8)

Auf Klassenfahrt mit der AfD

erschienen in Freie Presse vom 19. Dezember 2018

Abgeordnete laden Schüler ein, damit die den Politikbetrieb in Berlin kennenlernen. Lange war das eine Praxis, die geräuschlos ablief. Doch das ändert sich gerade.

Von Oliver Hach

Freiberg – Mittagessen in einem Restaurant in Kreuzberg, Besuch des NS-Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“, schließlich die Plenarsitzung des Bundestages: Den Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Freiberg wurde einiges geboten vergangene Woche in Berlin. Bevor der Tag in der Kuppel des Reichstagsgebäudes ausklang, war noch der Termin im Abgeordnetenbüro. „Diskussion mit MdB“ hieß es im Programm.

Klassenfahrten wie diese gibt es seit langem. Jeder Bundestagsabgeordnete darf jährlich drei Gruppen mit je 50 Personen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen. Das Presse-und Informationsamt der Bundesregierung organisiert diese politischen Infotouren und stellt einen Betreuer. Programm, Unterkunft, Verpflegung und Bahnfahrt zahlt der Staat aus Steuermitteln. (mehr…)

Und dann räumen wir hier auf

erschienen in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Dezember 2018

Neonazis, Schusswaffen, Crystal Meth: Ein Syrer wird in Torgau angeschossen und stirbt fast. Schuld daran wird er wohl selber sein

von Carolin Wiedemann und Leo Forell

Firas Karim* spürt nicht, wie die Kugel sich in seinen Körper bohrt, durch ihn hindurchstößt, knapp an seinem Herzen vorbei. Er hört nur das Knallen, nachdem sie ihn geschubst haben und er zurückschubsen wollte, den einen Mann, die zwei Männer, die plötzlich vor ihm standen, und die anderen, die dahinter waren. Er stolpert. Die Laternen erhellen den Marktplatz von Torgau in Sachsen. Keine Spur von seinen Cousins, die gerade noch neben ihm waren. Karim beginnt zu laufen. Das Knallen war ein Schuss, das weiß er jetzt. Er muss hier weg.

Kenneth E., der Mann, der aus knapp zwei Meter Entfernung auf ihn zielte, ist aber ohnehin schon zurück in der Wohnung direkt am Marktplatz. Zu seiner Freundin auf der Couch sagt er, „der Asylant“ habe Stunk gemacht.

Der „Asylant“. Karim ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Achtmal muss er operiert werden, damit er den Abend in Torgau überlebt. Das Landgericht Leipzig hat den Täter gerade wegen versuchten Mordes zu 13Jahren Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Kaum jemand hat von diesem Fall gehört. Mitten auf dem Marktplatz einer deutschen Kleinstadt versucht ein Mann, einen Syrer umzubringen, und keine überregionale Zeitung berichtet darüber. Die sächsische Polizei hakt den Mordversuch unter „Schießerei“ ab; ein rassistisches Tatmotiv wird in der kurzen Meldung nicht erwähnt. Der Torgauer Lokalzeitung ist das Verbrechen nicht einmal einen eigenen Artikel wert. (mehr…)

Maos Schläger aus Berlin-Neukölln

erschienen in Tagesspiegel vom 10. Dezember 2018

Der „Jugendwiderstand“ attackiert systematisch Andersdenkende – am liebsten ebenfalls Linke. Nun kommt raus: Ihr Wortführer ist ein Kreuzberger Kindergärtner.

von Maja Friedrich und Jan Werkener

Es braucht nicht viel, um zu ihrem Ziel zu werden. Ein falsches T-Shirt, die falsche Zeitung in der Hand. Oder eine politische Meinung, die sie nicht teilen. Attackiert wird zum Beispiel, wer in ihrer Gegenwart den chinesischen Staatsgründer Mao Zedong kritisiert. Oder wer es wagt, sich öffentlich zum Existenzrecht Israels zu bekennen. Auf der diesjährigen Demonstration am 1. Mai stürmten sie den feministischen Block und entrissen Teilnehmern ein Transparent, auf dem stand: „Den antisemitischen Konsens brechen! Jugend gegen Antisemitismus und Rassismus!“ Solche Slogans seien Teil einer schmutzigen Kampagne, rechtfertigten sie sich später in einer Erklärung.

Die Gruppe nennt sich „Jugendwiderstand“ und ist derzeit die mit Abstand bizarrste Strömung in der politischen Linken Berlins – vor allem die aggressivste. Ihre Mitglieder beanspruchen den Bezirk Neukölln für sich, gehen aber auch in Kreuzberg, Mitte und Wedding gegen Andersdenkende vor. Am liebsten gegen Linke. Der Verfassungsschutz stuft sie als gewaltbereit und antisemitisch ein, der Staatsschutz beim LKA ermittelt. Ihre Angriffe hat das nicht gestoppt. (mehr…)

FDP-Idee: Bergmann als Ampelmännchen

erschienen in Freie Presse vom 11. Dezember 2018

Vor der morgigen Berg- parade in Freiberg meldet sich ein Landtagskandidat zu Wort. Er will die Tradition stärker im Stadtbild verankern. Brandneu ist der Gedanke nicht.

Von Frank Hommel

Freiberg – Wer hätte gedacht, dass Ampelmännchen mal solch eine Karriere hinlegen? Nicht nur, dass die Ost-Variante einem ganzen Landstrich Identität verleiht. Und millionenfach Tassen, T-Shirts und Stoffbeutel ziert. Nein, einige handverlesene Städte zeigen stolz ihre eigenen Ampelmännchen vor. Lokalstolz in Rot-Grün. So Mainz seine Mainzelmännchen, Bremen seine Stadtmusikanten. Im hessischen Friedberg fängt bei Grün ein Elvis an zu tanzen, im vogtländischen Plauen zeigen die Comicfiguren „Vater und Sohn“ des Zeichners Erich Ohser an, wann sich Straßen sicher überqueren lassen und wann davon besser Abstand zu nehmen ist. (mehr…)

AfD gegen Migrationspakt

erschienen in Freie Presse vom 6. Dezember 2018

Partei schart auf dem Freiberger Schloßplatz Anhänger um sich

Freiberg – Eine Kundgebung der (AfD) zum Thema „Migrationspakt stoppen!“ fand gestern Abend auf dem Schloßplatz statt. Nach Angaben der Veranstalter waren es zunächst etwa 200, später 350 Teilnehmer, die mit Fahnen, Transparenten und Rufen wie „Merkel muss weg“ demonstrierten. Bei der laut Polizei angemeldeten Kundgebung sprachen der mittelsächsische AfD-Kreisvorsitzende Dirk Zobel, Landtagsabgeordneter Rolf Weigand und Mike Moncsek vom Landesvorstand. Nach seinen Worten will die AfD bei den Wahlen 2019 unter anderem „das Land zum Wackeln“ bringen.

Thema war die Ablehnung des Migrationspaktes, den Deutschland auf einem UN-Gipfel kommende Woche unterzeichnen will. Die AfD kritisiert, dass die Bundesregierung „hinter verschlossenen Türen“ über den Pakt verhandelt und ihn den Bürgern vorenthalten habe. Martina Böswald, laut AfD wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten der Partei, griff ebenfalls zum Mikrofon. Sie nimmt für sich in Anspruch, ihre Fraktion auf das Thema und damit die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht zu haben. Am Rande der Kundgebung wurden Unterschriften gegen die Unterzeichnung des Paktes gesammelt.ar



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