Freiberger Thesen: CDU-Basis flirtet mit AfD

erschienen in Freie Presse vom 12. November 2018

Das Positionspapier des CDU-Stadtverbands war vor einem Jahr umstritten und ist es immer noch – auch innerhalb der Christdemokraten.

Von Steffen Jankowski

Freiberg – Die Freiberger CDU fremdelt mit ihrem Generalsekretär in Sachsen. Das ist am Freitagabend auf der öffentlichen Mitgliederversammlung zum Thema „Ein Jahr Freiberger Thesen“ deutlich geworden. „Die Schnittmenge zwischen uns könnte bei 50 Prozent liegen“, sagte CDU-Stadtverbandschef Holger Reuter vor rund 50 Anwesenden in Richtung des Chemnitzers. Alexander Dierks konterte: „Dafür sind wir eine Volkspartei.“

Im Oktober vorigen Jahres hatte die Freiberger CDU Forderungen gegenüber ihrer eigenen Parteispitze im Bund aufgemacht, die auch als „Freiberger Thesen“ apostrophiert werden. Neben dem Rücktritt Angela Merkels vom Parteivorsitz und ihrem Verzicht auf eine erneute Kanzlerkandidatur sowie einer Energiepolitik mit Braunkohle und Kernkraft ging es dabei vor allem um eine härtere Gangart in der Asylpolitik. So waren beispielsweise ein Aufnahmestopp für Asylbewerber und die sofortige Abschiebung aller Ausreisepflichtigen verlangt worden. (mehr…)

Die Novemberpogrome in Freiberg 1938

Veranstaltungshinweis: Michael Düsing hält am 14. November um 19:00 Uhr im Stadt- und Bergbaumuseum auf Einladung des Freiberger Altertumsvereins einen Vortrag über die Novemberpogrome in Freiberg.

„Ein lange vorbereiteter Bruch der Zivilisation“

erschienen in Freie Presse vom 8. November 2018

Geschichtsforscher Michael Düsing über die Reichskristallnacht in Freiberg

Freiberg. Morgen jährt sich zum 80. Mal die sogenannte Reichskristallnacht, bei der auch in Freiberg Juden drangsaliert wurden und der Holocaust eingeläutet wurde. Im Dom wird mit einer Gedenkveranstaltung daran erinnert. Und der Freiberger Geschichtsforscher Michael Düsing hat ein neues Buch zu dem Thema herausgebracht. Frank Hommel sprach mit ihm.

Freie Presse: Herr Düsing, die Nacht vom 9. zum 10. November 1938 ging als Reichskristallnacht in die Geschichte ein. Überall in Deutschland gab es organisierte Ausschreitungen gegen Juden. Was geschah damals in Freiberg?

Michael Düsing : Im Freiberger Anzeiger hieß es danach, es seien „ein paar Fensterscheiben“ zu Bruch gegangen. Meine Recherchen stützen sich auf Zeitzeugenberichte und die Protokolle der Polizei. Da ergibt sich ein anderes Bild. In der ersten Eintragung vom 10. November 5.20 Uhr hieß es, bei einem jüdischen Modeladen in der Burgstraße/Ecke Rinnengasse seien die Fenster eingeschlagen worden. Kurz darauf brach auch ein Brand aus. In den Polizeiprotokollen findet sich weiter der Satz, bei sämtlichen jüdischen Geschäften seien fast sämtliche Schaufenster eingeschlagen worden. (mehr…)

„Nachtreten der CDU in Mittelsachsen unangebracht“

erschienen in Freie Presse vom 2. November 2018

Grünen-Kreisrat Sebastian Walther kritisiert Reaktion auf Merkels Rückzug

Von Steffen Jankowski

Freiberg – Die Ankündigung von Angela Merkel, im Dezember den Parteivorsitz in der CDU abzugeben und 2021 nicht wieder als Kanzlerkandidatin anzutreten, hat Kreisrat Sebastian Walter (Grüne) als Schritt bezeichnet, „selbstbestimmt den Übergang einzuleiten“. Das gelinge den wenigsten Amtsinhabern in der Politik und verdiene Respekt. Der Niederwiesaer weiter: „Dieses Nachtreten, wie wir es jetzt in der CDU Mittelsachsen erleben, ist völlig unangebracht. Es ist auch dieser fehlende Stil in der politischen Auseinandersetzung, der in unserer Region immer mehr Menschen von der Politik wegtreibt.“ Er verweist dabei auf die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann („Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen“) und den Leubsdorfer Ex-Bürgermeister Ralf Börner („Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken“). (mehr…)

AfD wirft Stadt-CDU vor, gespalten zu sein

erschienen in Freie Presse vom 1. November 2018

Landtagsmitglied Weigand fordert klare Aussage zu Koalitionsaussichten

Von Steffen Jankowski

Großschirma – Der AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Weigand hat die Freiberger CDU aufgefordert, „dem Wähler für die Kommunalwahl im Mai ein klares Signal senden.“ Die Stadt-CDU gebe kein geschlossenes Bild, urteilt der Großschirmaer. Er bezieht sich dabei auf jüngste Berichte in der „Freien Presse“. Einerseits habe der CDU-Landtagsabgeordnete und Freiberger Stadtrat Steve Ittershagen die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag als nicht koalitionsfähig sowie populistisch und nicht lösungsorientiert bezeichnet. Andererseits sei von CDU-Stadtverbandschef Holger Reuter Gesprächsbereitschaft gegenüber der AfD bekräftigt worden. „Unser Kreisvorsitzender Dirk Zobel hat klar dargelegt, dass wir als demokratische Partei in der Sache entscheiden und uns keinen Gesprächen verschließen“, erklärt Weigand dazu. (mehr…)

Kreis-CDU: Frau Merkel muss weg

erschienen in Freie Presse vom 29. Oktober 2018

Parteitag-Mehrheit für Führungswechsel

Freiberg – „Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken.“ – Mit diesen klaren Worten hatte Ralf Börner aus Leubsdorf seinen Antrag kommentiert, der bei der Kreismitgliederversammlung der CDU Mittelsachsen am Sonnabend in Altmittweida für heftige Debatten gesorgt hat. Der Ex-Bürgermeister forderte einen Führungswechsel an der Spitze: Angela Merkel solle zum Bundesparteitag Anfang Dezember in Hamburg nicht wieder zur Vorsitzenden gewählt werden, dafür soll die CDU Mittelsachsen ein klares Votum abgeben. Börner sprach von einem linksliberalen Kurs, den die Partei seit Jahren unter Merkel eingeschlagen habe. Dazu würden unter anderem Fehlentscheidungen in der Flüchtlingspolitik zählen. Dadurch verliere die CDU immer mehr Zustimmung. Das sah auch die große Mehrheit der Parteitagsvertreter so: 130 Mitglieder waren anwesend, 120 gaben ihre Stimme ab, 77 davon schlossen sich dem Antrag an. (mehr…)

„Rücktritt der Angela Merkel ist überfällig“

erschienen in Freie Presse vom 26. Oktober 2018

Der CDU-Stadtverband lädt für den 9. November zur Debatte über „Ein Jahr Freiberger Erklärung“. An einer Kernforderung hält Stadtverbandsvorsitzender Holger Reuter fest.

Freiberg. Wenn sich die CDU reformieren will, geht das nur ohne Angela Merkel – diese Einschätzung hat Holger Reuter gestern erneut bekräftigt. Der 62-Jährige ist der Chef des CDU-Stadtverbands Freiberg, der Anfang Oktober vorigen Jahres mit der Forderung nach dem Rücktritt der Parteivorsitzenden bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Das auch als „Freiberger Thesen“ bezeichnete Papier war in der Stadt auf heftige Kritik beispielsweise von Linken, SPD und Grünen sowie dem Verein „Freiberg.Grenzenlos“ gestoßen. Die Diskussion erhitzte sich dabei insbesondere an den Forderungen nach einem sofortigen Aufnahmestopp für Flüchtlinge sowie nach der sofortigen Abschiebung aller Ausreisepflichtigen und kriminellen Asylbewerber. (mehr…)

Björn Höcke droht mit „Dunkeldeutschland“

erschienen auf Telepolis

Der AfD-Politiker spricht Klartext über das von ihm angestrebte undemokratische Regime. Eine Auseinandersetzung mit seiner Denkweise

Von Meinhard Creydt

Björn Höcke gehört zu den führenden Politikern der AfD. Er fiel mehrfach mit selbst für die AfD extremen Äußerungen auf. Die Relativierung dieser Vorstöße („ich habe doch n u r … “) gehört wie auf der anderen Seite die Etikettierung „Nazi“ zu den Ritualen einer Auseinandersetzung, bei der die Begründung der Behauptungen nicht den Platz erhält, den sie haben sollte.

Dazu kommt, dass Trennlinien zwischen Behauptungen, Unterstellungen und tatsächlichen politischen Ansichten verschwimmen. Sei es, weil Vertreter der Neuen Rechten sich auf mehrdeutige Provokationen gut verstehen, sei es, weil manche ihrer politischen Gegner zu schablonenhaft vorgehen.

Höcke selbst gibt nun mit der Veröffentlichung eines knapp 300 Seiten langen Protokolls eines Gespräches, das Sebastian Hennig mit ihm geführt hat („Nie zweimal in denselben Fluss“, Berlin 2018), die Gelegenheit, dass seinen Ansichten genau „auf den Zahn gefühlt“ wird. Das soll im Folgenden geschehen.
Er trägt nicht nur seine politischen Auffassungen vor. Seine Ausführungen wollen nicht nur argumentieren und Stimmung machen. Sie verkörpern eine bestimmte Lebensart und subjektive Gestimmtheit. Von deren Durchsetzung in der ganzen deutschen Bevölkerung erwartet sich der AfD-Politiker Großes. Das Gesprächsprotokoll präsentiert die von Höcke gewollte politische und psychische Transformation in schonungsloser Offenheit. (mehr…)

Die Normalisierung der AfD durch die Freie Presse

Die südwest- und mittelsächsische Heimatzeitung Freie Presse ist für ihre obrigkeitsnahe Berichterstattung und unkritischen Journalisten bekannt. Die falsch verstandene politische Neutralität, auf die man sich beruft, um politisch kontroverse Debatten aus den eigenen Räumlichkeiten, wie der Freiberger Pressetonne, herauszuhalten, führt immer wieder zur Aufwertung und Normalisierung der rechtsextremen AfD. Seit längerer Zeit betreiben die Redakteure der Freien Presse das Spiel der Partei, indem sie ihre Veranstaltungen und Wahlkämpfe rein dokumentarisch begleiten und der Selbstdarstellung der AfD viel Raum auf ihren Seiten geben. Der Freiberger Realität, wo die AfD längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und offen über Koalitionsbündnisse diskutiert wird, wird man damit sicher gerecht und vielleicht ist der offene Klientelismus gegenüber der AfD bereits Kalkül. Restriktionen der demokratischen Presse, wie sie die FPÖ in Österreich vorantreibt, hat die Freie Presse so im Falle einer Machtübernahme der AfD sicher nicht zu befürchten. Wie es besser geht, zeigt die Sächsische Zeitung in ihrer Wochendendausgabe mit dem Titelthema „Die Gefahr von rechts“ und dem lesenswerten Überblick über neonazistische Gewalt in Sachsen.

„Wir spielen auf Sieg, nicht auf Platz“

erschienen in Freie Presse vom 13. Oktober 2018

AfD-Spitzenfunktionäre Dirk Zobel und Rolf Weigand setzen für die Kommunalwahlen in Mittelsachsen auf Programm für ländlichen Raum

Freiberg – Im Herbst 2013 gegründet, ist die AfD die jüngste politische Partei in Mittelsachsen. Für die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 geben der neue Kreischef Dirk Zobel und Landtagsmitglied Dr. Rolf Weigand ein klares Ziel vor: 50 Prozent plus der Stimmen im Kreistag und in möglichst vielen Stadt- und Gemeinderäten will der Kreisverband holen. Mit Grit Baldauf und Franziska Pester sprechen sie über das 30- Kernpunkte-Programm zur Wahl. (mehr…)

Neonazi-Gewalt in der sächsischen Heimat

erschienen in Sächsische Zeitung vom 13./14. Oktober 2018

Regelmäßig fliegen im Freistaat seit mehr als 20 Jahren rechtsextreme kriminelle Vereinigungen auf. Unsere Karte dokumentiert, wo sie genau herkommen.

Von Ulrich Wolf, Thomas Schade und Alexander Schneider

Es ist Ende September 2000, als sich der damals neue SZ-Politikchef, Dieter Schütz, auf den Weg macht zur Staatskanzlei. Er ist verabredet zu seinem ersten Interview mit Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Kurz zuvor hatte Brandenburgs Regierungschef Manfred Stolpe für Aufsehen gesorgt mit der Aussage, Ostdeutschland sei anfälliger für Rechtsextremismus als Westdeutschland. Schütz erinnert sich: „Die Atmosphäre war gereizt, Biedenkopf steigerte sich hinein.“

Dann fiel der legendäre Satz: „Und die sächsische Bevölkerung hat sich als völlig immun erwiesen gegenüber den rechtsradikalen Versuchungen.“

18 Jahre später klingt das anders. Für den amtierenden Ministerpräsidenten Michael Kretschmer ist Rechtsextremismus „die größte Gefahr für unsere Demokratie“. Und der neue Fraktionschef Christian Hartmann sagte der Leipziger Volkszeitung, in Sachsen habe sich der Rechtsextremismus „in der Fläche ausgebreitet“.

In der Tat entstanden in keinem anderen Bundesland seit der Wende so viele kriminelle, teils sogar terroristische, neonazistisch geprägte Vereinigungen. (mehr…)

Veronika Bellmann und COMPACT

Nach zahlreichen Interviews in extrem rechten und neurechten Zeitschriften hat die mittelsächsische MdB Veronika Bellmann (CDU) nun auch dem rechtsesoterischen COMPACT-Magazin (Ausgabe 10/2018) ein Interview gegeben, in dem sie die Hetzjagden in Chemnitz verharmlost. Hier gibt es das komplette Interview.

Keine Hetzjagd in Chemnitz – Interview mit Veronika Bellmann

Ausschnitt aus COMPACT 10/2018

Die Sachsen stehen am Pranger: Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann mahnt Differenzierung an – und richtet diesen Appell auch an die Führungsspitze ihrer eigenen Partei. Derzeit gehen zudem die innerparteilichen Diskussionen über eine mögliche Koalition mit der AfD in alle Richtungen.

Frau Bellmann, die Vorgänge in Chemnitz wurden von der Bundeskanzlerin und ihrem Sprecher auf der einen und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer auf der anderen Seite unterschiedlich bewertet. Welcher Sichtweise neigen Sie zu?

Ministerpräsident Kretschmer hat es richtiggemacht. Der Respekt vor der Rechtsstaatlichkeit gebietet es, auf mögliche Straftaten nicht sofort mit politischen Meinungsäußerungen und Vorverurteilungen zu reagieren. Sich auf diejenigen zu berufen, die mit entsprechender Fachkompetenz Quellen auf Echtheit und Authentizität prüfen und den Sachverhalt juristisch bewerten können, auch wenn das eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen sollte, erspart hernach das Drehen semantischer Pirouetten. (mehr…)

Jugendliche in Ostdeutschland: Wir waren wie Brüder

erschienen in taz vom 1. Oktober 2018

Unser Autor ist vor Neonazis weggelaufen und er war mit Rechten befreundet. In den Neunzigern in Ostdeutschland ging das zusammen. Und heute?

von Daniel Schulz

Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man sie umarmt und das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom.

Als ich bei über hundert Kilometern pro Stunde einem BMW hinter uns auf die Motorhaube pisse, spüre ich diese Macht. Als ich da im Dachfenster stehe, die Hose bis zu den Oberschenkeln heruntergelassen, sehe ich das große weiße Gesicht des Fahrers: Die Augen geweitet, vor Schreck, Entsetzen, Empörung, bläht es sich auf wie ein Ballon, ich würde gern mit einer Nadel hineinstechen.

Ich bin neunzehn, ich bin zehn Meter groß und acht Meter breit, ich bin unverwundbar.

Als am 27. August 2018 Männer meiner Generation, so um die vierzig, in Chemnitz einen „Trauermarsch“ veranstalten und einige ihre nackten Hintern in die Kameras halten, wie man es bei YouTube sehen kann, denke ich an meine Autobahnfahrt. Als schwere Männer Hitlergrüße zeigen und Menschen angreifen, deren Hautfarbe ihnen nicht passt, als die Polizisten nicht einschreiten, bin ich paralysiert, als würde etwas Dunkles hochkommen, von dem ich dachte, ich hätte es hinter mir gelassen. Aber ich erinnere mich auch an diesen Machtrausch, den Kick, wenn du jemandem klarmachst: Regeln? Und was, wenn ich auf deine Regeln scheiße, mein Freund? Was dann?

Ich sehe Chemnitz und frage mich: Was habt ihr mit mir zu tun? Was ich mit euch? (mehr…)

Verein kritisiert CDU-Duo

erschienen in Freie Presse vom 28. September 2018

Für Freiberg Grenzenlos ist AfD keine Machtoption

Freiberg. In die Debatte um eine mögliche Koalition von CDU und AfD, die die beiden Christdemokraten Holger Reuter und Jörg Woidniok ins Spiel gebracht hatten, schaltet sich nun der Verein Freiberg Grenzenlos ein. Sprecher Jörn Grabenhorst wirft den CDU-Politikern eine „scheinheilige Argumentation“ vor. Denn der umgarnte Koalitionspartner rücke in atemberaubendem Tempo immer weiter nach rechts, mache Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig. Noch dazu sei das Personal der AfD eng verwoben mit rechten Organisationen und marschiere nicht weit von Freiberg Seite an Seite mit Neonazis. (mehr…)

AfD schwört Anhänger auf Wahljahr ein

erschienen in Freie Presse vom 24. September 2018

Mit Ansprachen und Freibier hat die Partei am Samstag in Dorfchemnitz einen Ausblick auf 2019 geworfen.

Von Steffen Jankowski

Dorfchemnitz – Etwa 120 Mitglieder und Sympathisanten der Alternative für Deutschland (AfD) sind am Sonnabend der Einladung des AfD-Kreisvorstands Mittelsachsen zu einer „Motivations- und Dankeschön-Veranstaltung“ in die Gaststätte „Am Chemnitzbach“ in Dorfchemnitz gefolgt. Anlass war das Ergebnis, das die Partei bei der Bundestagswahl vor einem Jahr in der Gemeinde erzielt hatte. (mehr…)

Diskussion über schwarz-blaue Ideen

Nachdem die Rechtspopulisten Holger Reuter und Jörg Woidniok im Magazin Kontraste über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD spekuliert haben, ist in Freiberg eine Debatte über das Verhältnis der CDU zu den anderen Rechtspopulisten entbrannt. (mehr…)

„Fremdscham“ – Freiberger Bürgermeister tritt aus SPD aus

erschienen auf Welt online

Der Freiberger Oberbürgermeister Krüger gibt in einem Facebook-Post seinen Austritt aus der SPD bekannt. Bundesweite Aufmerksamkeit hatte der 44-Jährige für seine Forderung nach einem vierjährigen Zuzugsstopp für Flüchtlinge bekommen.

Seit August 2015 ist Sven Krüger Oberbürgermeister der sächsischen 42.000-Einwohner-Stadt Freiberg, vor knapp 20 Jahren trat er in die SPD ein. Anfang des Jahres machte er bundesweite Schlagzeilen, als er einen vierjährigen Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge forderte: „Ich möchte verhindern, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt.“ (mehr…)

Rassistische Mobilisierungen in Chemnitz – eine Einordnung

erschienen im Antifaschistischen Infoblatt

Um die 1000 Personen folgten am 26. August 2018 diversen Aufrufen aus den sozialen Netzwerken, sich in der Chemnitzer Innenstadt nahe des Karl-Marx-Monuments zu treffen. Grund dafür war eine Auseinandersetzung auf dem alljährlichen Stadtfest der drittgrößten Stadt Sachsens in der Nacht zuvor, die für einen 35-jährigen Chemnitzer tödlich endete. Schnell wurde sich auf einschlägigen rechten Webseiten auf einen möglichen Migrationshintergrund der Täter geeinigt und, die Tat in den Kontext anhaltender Auseinandersetzungen mit Geflüchteten in der Chemnitzer Innenstadt gesetzt.

Uns als Redaktionskollektiv haben die Vorfälle bestürzt. Nicht nur hinsichtlich des tragischen Todes von Daniel H., einem Familienvater der auch der linken Subkultur nahe stand, sondern auch in Bezug auf die Dynamik der rassistischen Mobilisierung. Die Instrumentalisierung des Todes, die darauf folgenden Hetzjagden auf Migrant_innen und Geflüchtete sowie die Bereitschaft Tausender, mit einer militanten Neonaziszene an Aufmärschen teilzunehmen waren Gründe, uns dem Thema zeitnah anzunehmen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

„Stadt der Moderne“

Chemnitz, eine Stadt mit geringem Bevölkerungszuwachs, hat wochentags wie am Wochenende wenig Großstadtflair zu bieten. Der historische Brühl-Boulevard unweit des Hauptbahnhofs wird erst seit ein paar Jahren wieder mit Leben gefüllt, vorrangig von Kreativen. Eine Einkaufsmeile im Zentrum gilt daher als beliebter und belebter. Besonders der Bereich zwischen Stadthallenpark und der Zentralen Umsteigestelle ist ein stark frequentierter Treffpunkt von Jugendlichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Die damit verbundenen Konflikte veranlassten die Behörden, diesen Ort als „gefährlich und verrufen“ einzuordnen – Kriminalitätsschwerpunkte, wie sie in jeder anderen Großstadt existieren, wenn viele Menschen aufeinander treffen. Die Gerüchte um die Gefahr an Orten wie der „Zenti“, wo selbst die Busfahrer Angst hätten auszusteigen, sind der Nährboden für Ressentiments, die vor allem gegenüber Geflüchteten bestehen. Schon im August letzten Jahres heizten Vertreter der lokalen AfD die Gerüchteküche an, indem behauptet wurde, dass das Stadtfest vorzeitig beendet werden musste. Grund sei eine Massenschlägerei gewesen, an der sich nach Polizeiangaben 100 Personen beteiligt hätten. In den Auseinandersetzungen hätten sich zum Großteil Geflüchtete befunden und nur vereinzelt Deutsche, wie Augenzeugen später zu berichten wussten. Laut rechter Webseiten wäre die Stimmung aggressiv gewesen, es soll angeblich auch sexuelle Übergriffe gegeben haben. Die Polizei dementierte Letzteres. Gerüchte um eine Messerstecherei konnte sie ebenfalls nicht bestätigen. (mehr…)

Holger Reuter und Jörg Woidniok offen für eine Koalition mit der AfD

In einem Beitrag von Kontraste vom 13. September 2018 über die zukünftigen Koalitionsmöglichkeiten der AfD in Ostdeutschland äußern sich Lokal- und Landespolitiker der CDU aus Brandenburg äußert pragmatisch gegenüber der Linkspartei. In Sachsen ist es ausgerechnet der CDU-Stadtverband Freiberg, in dem Holger Reuter und Jörg Woidniok ihre Sympathien gegenüber einer schwarz-blauen Koalition bekennen. (im Video ab Minute 5:13)

CDU im Osten Koalieren mit der Linken oder der AfD?

Rote Socken Kampagne? Das war einmal! Die CDU im Osten braucht dringend neue Machtoptionen. In einem Jahr stehen Wahlen an. Rechnerisch könnte es dann vielleicht nur noch mit den Linken oder der AfD zu einer Regierung reichen. Vor diese Wahl gestellt, schielen in Sachsen die ersten CDU-Politiker auf die AfD. Und in Brandenburg geht die CDU konkrete Kooperationen mit der Linken ein. Beides ist ein Tabubruch gegen den erklärten Willen der CDU-Bundesvorsitzenden Merkel. (mehr…)

Jugendarbeiter über Rechtsextremismus: „Wir sind nicht mehr“

Hunderte von rechtsextremen Anschlägen auf das Schalom in Chemnitz – kein einziger Täter gefasst

Anlässlich der aktuellen Vorfälle in Chemnitz möchten wir auf dieses sechs Jahre alte Interview aufmerksam machen.

erschienen auf belltower.news

1998 gründete Uwe Dziuballa zusammen mit sechs anderen jüdischen und nicht-jüdischen Engagierten den Verein Schalom e.V. in Chemnitz. Ziel war es, deutsch-jüdisches Leben wieder in die Alltagskultur der Bundesrepublik einzubinden. Ein Vorsatz, der eindeutig geglückt ist: Der Verein hat inzwischen 130 Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern und ist als Stütze für Einwanderer/innen so wie Chemnitzer/innen aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Doch nicht alle sind für dieses Anliegen offen: Davon zeugen hunderte von rechtsextremen Angriffen, die seit der Vereinsgründung gegen den Verein und sein Restaurant verübt worden sind. Das hindert Uwe Dziuballa allerdings nicht, sich weiter mit beispiellosem Engagement für den Fortbestand des jüdischen Lebens in Chemnitz einzusetzen.

Das Interview führte Antonia Oettingen.

Was hat Sie dazu bewegt, den Verein und das Restaurant Schalom in Chemnitz zu eröffnen?
Ich habe in den USA erlebt, wie jüdisches Leben zum Alltag gehören kann. Der Umgang mit dem Judentum erfolgt dort, ohne das Fingerspitzengefühl notwendig wäre. Ähnliches wollten wir auch in Deutschland ermöglichen. Deswegen haben wir 1998 den Verein Schalom e.V. gegründet. Wir bieten unter anderem Hilfe für jüdische Immigranten an, laden sie zunächst einmal zu einer Suppe und einem Gespräch ein und begleiten Sie dann auf dem Weg zu den Behörden. Ich bin in Karl-Marx-Stadt geboren und war dann in Jugoslawien im Kindergarten. Ich weiss also wie es ist sich fremd zu fühlen. In so einer Situation ist Praktikabilität gefragt. Wir haben durch unseren Verein seit etwa fünf Jahren die Möglichkeit, Verfahrenswege für Neuangekommene zu verkürzen. 1999 entstand dann die Idee, ein gleichnamiges Restaurant zu eröffnen. Zunächst einmal erhofften wir uns, mit dem Vorsatz den Verein weiter zu fördern. Außerdem wollten wir neue Gesichter für Schalom e.V. begeistern. Und wir glaubten daran, über das Kulinarische den ‚Aha-Effekt‘ bei den Leuten zu erreichen. (mehr…)

Wir trauern

Ohne Raimund Hethey, Gründungsmitglied des FreibÄrger und langjähriger Mentor für so viele, wäre Freiberg heute wahrscheinlich ein noch tristerer Ort, viele Naziaktivitäten unbekannt und Alfred Concina vergessen worden. Dieses Blog hätte es wahrscheinlich nicht geben. Am 28. August ist Raimund an einer schweren Krankheit gestorben. Du wirst uns fehlen.



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