Freiberg: „Die Mörder sind unter uns!“

Am 06. Mai fanden in Freiberg und in weiteren Städten Deutschlands Aktionen gegen in Italien als Mörder verurteilte Männer statt. Diese sind beteiligt gewesen, an der Ermordung von 560 italienischen Zivilisten.
In Freiberg gab es einen Infotisch, Diskussionen und eine Unterschriftenaktion. Bei dieser kamen über 130 Unterschriften zusammen. Die Aktion wurde von etwa 40 Antifaschist_innen unterstützt.
In über 250 Dörfern in Italien wurden während des zweiten Weltkrieges Zivilisten von Deutschen und faschistischen Milizen ermordet. Das größte Massaker fand in Marzabotto bei Bologna statt – dort wurden über 700 Kinder, Frauen und alte Männer hingerichtet. Ein anderes Massaker ist nun Anlass für eine bundesweite Protestaktion.

Am 12. August 1944 überfiel die 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ das kleine norditalienische Dorf Sant‘ Anna di Stazzema. Unter dem Vorwand, Partisanen zu bekämpfen, trieb sie die BewohnerInnen zusammen, warf Handgranaten in die Menge und erschoss wahllos alle, auf die sie traf. 560 BewohnerInnen von Sant‘ Anna wurden ermordet, nur wenige entkamen.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges leben die Täter unangefochten in der Bundesrepublik Deutschland. Erst 60 Jahre später begann in La Spezia (Italien) der Prozess gegen die Verantwortlichen. Das Urteil, am 23. Juni 2005 gefällt, lautete: lebenslänglich für alle 10 Angeklagten. Unter den zehn Verurteilten befindet sich auch, der in Freiberg lebende, Alfred Mathias Concina.

Weitere Infos
Zu den Massakern
Zu Concina

Verlesen wurden, neben zwei Redebeiträgen, auch die Grußworte von Enio Mancini einem Zeitzeugen von St´ Anna di Stazzema

Liebe deutsche Freunde, wir haben von eurer lobenswerten Initiative erfahren, mit der ihr die deutsche Öffentlichkeit darauf hinweisen wollt, wie wichtig und dringend es ist, dass auch in eurem Land weiter für die Wahrheit und für Gerechtigkeit gestritten wird. Am 22. Juni des vergangen Jahres hat ein italienisches Gericht in La Spezia endlich ein Urteil gesprochen im Verfahren gegen 10 SS-Soldaten, die am 12. August 1944 an dem Massaker in Sant‘Anna di Stazzema beteiligt gewesen sind.
Es handelt sich um Werner Bruss, Alfred Concina, Ludwig Göring, Karl Gropler, Georg Rauch, Horst Richter, Heinrich Schendel, Alfred Schönemberg, Gerhard Sommer und Heinrich Sonntag. Sie alle wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch wenn dieses Urteil mit unverzeihlicher Verspätung kommt, so stellt es doch eine symbolische Vergeltung für das Unrecht dar, das 560
ermordete Unschuldige, meist Kinder, Alte und Frauen, sowie die Überlebenden und Familienangehörigen der Opfer erleiden mussten. Jetzt müsste auch endlich die Staatsanwaltschaft Stuttgart, so wie sie es uns seit Langem versprochen hat, ähnliche Maßnahmen in Deutschland einleiten. Doch zu unserem großen Bedauern passiert das bis heute leider noch nicht.
Nachdem 60 Jahre lang Gerechtigkeit verweigert wurde, scheint es leider, als würde man weiterhin den historischen und moralischen Wert dieser Prozesse unterbewerten, obwohl sie doch die einzige Möglichkeit darstellen mit Nachdruck zu bekräftigen, dass Niemand, egal welcher Armee oder Miliz er angehört, an keinem Ort der Welt, angesichts solcher Verbrechen glauben darf, ein Recht auf Straffreiheit zu haben.

Wir danken Euch nochmals und fühlen uns Euch und euren Forderungen verbunden.

Verein der Märtyrer von Sant‘Anna di Stazzema
Enio Mancini

weitere Bilder von der Aktion in Freiberg
Artikel auf Indymedia

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