Freiberg/Wurzen: „Die Mörder sind unter uns!“

Mehr als 40 junge AntifaschistInnen fanden sich in Freiberg zusammen, um in unmittelbarer Nähe zum Markt einen Infostand durchzuführen. Es handelte sich um eine Aktion im Rahmen des bundesweiten Aktionstags „Die Mörder sind unter uns!“, der sich mit den Massakern an der italienischen Zivilbevölkerung beschäftigt.
Obwohl mehrere Täter vom Gericht in La Spezia verurteilt sind, werden sie in Deutschland nicht zur Rechenschaft gezogen. Neben Aktionen in Berlin, Nürnberg, Hamburg, Bremen oder Österreich gab es auch jene beiden in Sachsen.
Bekannt ist der ehemalige SS-Mann Concina, der im Freiberger Altenheim lebt und für das Verbrechen in der toskanischen Gemeinde Sant Anna di Stazzema verurteilt ist. In Freiberg wurden rund 500 Flyer verteilt und auf Tafeln ZeitzeugInnenberichte bzw. Prozessbeobachtungen ausgestellt. Daneben gab es die Theateraktion „Der nette Opa von nebenan“. Ein als Greis verkleideter Mann schlenderte durch die Stadt – seine Hände rot von Blut. Hinter ihm laufen drei Personen mit weiß geschminkten Gesichtern, die T-Shirts tragen, auf denen 5 von über 10.000 Opfernamen zu lesen sind. Die Aktion sorgt auf dem Weihnachtsmarkt für Aufsehen. Nach 2 Stunden wird der Infostand abgebaut und die AntifaschistInnen fahren weiter nach Wurzen.

In Wurzen lebt ein anderer Verurteilter. Kurt Spieler, ehemaliger Angehöriger des 36. Regiments der 16. Panzergrenadierdivision, wurde vom Gericht in La Spezia wegen den Morden in der Apeninn-Gemeinde Marzabotto für schuldig erklärt. Dort töteten deutsche Soldaten etwa 770 Menschen. Nur für Spieler und einen weiteren Soldaten war bisher eine Anklage auf der Grundlage einer direkten Tötung möglich. Auf dem ansonsten leeren Marktplatz fanden sich mehr als 50 Menschen ein, um die Veranstaltung zu begleiten. Neben Redebeiträgen gab es auch Tafeln mit den Namen der Opfer von Marzabotto. Auch die Theateraktion wurde in Wurzen wiederholt. Ein erster Versuch, das Verbrechen zu thematisieren, das bisher in der Region nicht präsent war.

Vor allem junge Nazis fühlten sich in beiden Städten provoziert. Während in Freiberg ein Mitglied der NPD versuchte, seine Kameraden per Telefon zu verständigen, verteilten die Wurzener Nazis Flugblätter. Unter der Überschrift „Ruhm und Ehre dem deutschen Soldaten“ zeigten sie deutlich ihre Sympathie für SS und Massenmörder. Die an Autos angebrachten Flyer wurden allerdings eingesammelt und entsorgt…

Alles in allem ein erfolgreicher Tag, an dem Hunderte von Informationsmaterialien verteilt wurden. Darin fordern wir die sofortige Eröffnung der Prozesse gegen alle an den Massakern beteiligten Kriegsverbrecher.

AK „Die Mörder sind unter uns!“

SS-Mörder lebt in Freiberg
Artikel auf Indymedia


Kundgebung in Wurzen

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