Archiv für Februar 2009

Teil III: L’Italia del fascio. Aufstieg und Fall des italienischen Faschismus.

Teil III: L’Italia del fascio. Aufstieg und Fall des italienischen Faschismus.

von Alfred J. Quack

»Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoll.1«
Zwei Sachen Vorweg: Ich möchte mich zuerst bei der Redaktion und der teuren Leserschaft entschuldigen, denn dieser Text ist schon wieder länger geworden als geplant. Auch werde ich künftig nicht mehr lauthals verkünden mich beim nächsten Mal kürzer zu fassen. Außerdem findet erfreulicherweise eine Auseinandersetzung bezüglich einer Relevanz des Faschismusbegriffs mittlerweile auch in andereren linken Medien statt2, was zeigt wie richtig und wichtig diese für eine antifaschistische Theorie und die daraus resultierende Praxis ist. (mehr…)

Teil II.: Von Links nach Rechts. Der revolutionäre Syndikalismus und die Geburt des italienischen Faschismus.

Teil II.: Von Links nach Rechts. Der revolutionäre Syndikalismus und die Geburt des italienischen Faschismus.

von Alfred J. Quack

Im letzten Artikel beschäftigte ich mich mit der kulturellen Epoche des Fin de Siècle. Ich versuchte dabei deren Einflüsse auf eine entstehende faschistische Ideologie zu illustrieren. Auf der einen Seite konnte sich in jenen Tagen ein oftmals nicht hinterfragter Fortschrittsoptimismus etablieren, der den Menschen in den Mittelpunkt seines anthropozentrischen Weltbildes rückte und biologistische Gesellschaftsinterpretationen Vorschub leistete. Andererseits sollte eine fragwürdige Zeitdiagnostik das Zerrbild einer regressiven Antimoderne hervorbringen. Im Faschismus fanden diese beiden Strömungen zueinander. Die gesellschaftlichen Diskurse jener Zeit wirkten sich sehr nachhaltig auf die faschistische Negation bestehender Gesellschaften aus. (mehr…)

Teil I.: Das Fin de Siècle und die Renaissance des Irrationalen

Teil I.: Das Fin de Siècle und die Renaissance des Irrationalen

von Alfred J Quack

“Es war das Fin de Siècle, ein Mythos ohne Glanz. Man hatte sich so sehr an Schnelligkeit gewöhnt, dass sie nicht mehr leidenschaftlich und hoffnungsfroh beklatscht, sondern als Existenzgrundlage angesehen wurde.”1)
Der Name Fin de Siècle2), der ursprünglich auf eine gleichnamige französische Komödie zurückzuführen ist, dient heutzutage eher der Umschreibung einer bestimmten kulturellen Epoche im ausgehenden 19. Jahrhundert bis etwa zum Ersten Weltkrieg. Sie wird auch das Zeitalter der Dekadenzdichtung genannt.
Historisch betrachtet war jene Ära von umfangreichen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Spannungen geprägt. In der persönlichen Wahrnehmung der Zeitgenossen spielte wohl schon deshalb die Dekadenz, also der propagierte Verfall allgemein anerkannter Norm- und Wertvorstellungen eine besondere Rolle. Was war geschehen? (mehr…)

Die Geschichte des Faschismus

Die Geschichte des Faschismus

Der Faschismus: Versuch einen ambivalenten Begriff zu analysieren.

von Alfred J. Quack

“Der Faschismus hat einen Namen, der an sich nichts sagt über den Geist und die Ziele der Bewegung. Ein Fascio ist ein Verein, ein Bund, Fascisten sind Bündler, und Fascismus wäre etwa Bündlertum.1)“
Als der deutsche Sozialdemokrat Fritz Schotthöfer diese Worte im Jahre 1924 niederschrieb, war ihm wohl durchaus bewusst, dass der Terminus Faschismus an sich überhaupt nichts aussagt. Stattdessen erklärte er in dieser Schrift vielmehr Faschismus und Bolschewismus zu Brüdern im Geiste der Gewaltsamkeit2). Nun ist es aber falsch Schotthöfer deshalb zu einem Vordenker der so genannten Totalitarismustheorie zu erklären. Ein Blick auf die Geschichte des italienischen Faschismus beweist eher, dass zahlreiche Anhänger_innen des linkssyndikalistischen Flügels der italienischen Sozialisten – zu denen im Übrigen auch Benito Mussolini gehörte – einen wesentlichen Einfluss auf die entstehende faschistische Bewegung in Italien hatten. Das soll nicht heißen die italienische Linke oder zumindest große Teile davon waren per se willige Geburtshelfer_innen der PNF3). Es beweist aber, dass sich im italienischen Faschismus etwas ganz Neues die Bahn brach, dass nicht im Geringsten etwas mit bisher etablierten politischen Strömungen oder bekannten gesellschaftspolitischen Akteuren gemein zu haben schien.
Was Schotthöfer seinerzeit nicht ahnen konnte: Das Synonym «faschistisch» kennzeichnete schon längst eine Bewegung, die durch ihre Rigorosität und Brutalität jeden Versuch die menschliche Existenz ethisch und moralisch zu bestimmen in Frage stellen sollte. Generell hat sich die Geschichtsphilosophie seitdem mit der brennenden Fragestellung zu befassen, inwiefern aktuelle Gesellschaftsprozesse zwangsläufig in Barbarei münden. Kein Wunder also, dass es heutzutage auch Konsens ist, die faschistische Ideologie als unheilvollste, zugleich aber auch als massenwirksamste Ideologie des 20. Jahrhunderts zu begreifen.
In den Geisteswissenschaften, vor allem in den geschichtswissenschaftlichen Kontroversen, spielt die Faschismusforschung heute eine gewichtige Rolle. Es gibt mittlerweile zahllose Erklärungsversuche, wobei die meisten das Thema gründlich verfehlen. Wem es interessiert, einen sehr guten Überblick diesbezüglich liefert die umfangreiche aber lesenswerte Arbeit des amerikanischen Historikers Stanley Payne. (mehr…)