Teil II.: Von Links nach Rechts. Der revolutionäre Syndikalismus und die Geburt des italienischen Faschismus.

Teil II.: Von Links nach Rechts. Der revolutionäre Syndikalismus und die Geburt des italienischen Faschismus.

von Alfred J. Quack

Im letzten Artikel beschäftigte ich mich mit der kulturellen Epoche des Fin de Siècle. Ich versuchte dabei deren Einflüsse auf eine entstehende faschistische Ideologie zu illustrieren. Auf der einen Seite konnte sich in jenen Tagen ein oftmals nicht hinterfragter Fortschrittsoptimismus etablieren, der den Menschen in den Mittelpunkt seines anthropozentrischen Weltbildes rückte und biologistische Gesellschaftsinterpretationen Vorschub leistete. Andererseits sollte eine fragwürdige Zeitdiagnostik das Zerrbild einer regressiven Antimoderne hervorbringen. Im Faschismus fanden diese beiden Strömungen zueinander. Die gesellschaftlichen Diskurse jener Zeit wirkten sich sehr nachhaltig auf die faschistische Negation bestehender Gesellschaften aus.
So sehr sich die einzelnen nationalen Faschismen voneinander unterschieden, eines haben sie allesamt gemeinsam: Der Faschismus postuliert zunächst den gesellschaftlichen Verfall, indem er ein apokalyptisches Bild von der bestehenden Gesellschaftsordnung zeichnet. Anschließend geriert er sich sogleich als Problemlösung. Adorno greift dies in seiner Tunnelmetaphysik auf: Der Faschismus muss demnach als Licht am Ende eines Tunnels verstanden werden. Der individuellen Verzweiflung und der Furcht vor einem Verfall überkommener Werte begegnet er mit einem Appell an das Individuum, das sich heroisch für das Gemeinwesen aufopfern und auf etwaiges individuelles Glück zu Gunsten des gesellschaftlichen Kollektivs verzichten solle. Der Faschismus propagiert also eine gesellschaftliche Erneuerung, indem er ein altruistisches und streng hierarchisches Kollektiv konstruiert.
Der Politologe, Wissenssoziologe und Ideologiekritiker Kurt Lenk befasst sich in einem äußerst interessanten Aufsatz1) mit genau dieser Problemstellung. Er entwickelte ein Modell2), das die Affinitäten präfaschistischer, faschistischer und neofaschistischer Ideologien sehr gut darstellt. Lenk konstatiert, dass diese Ideologien sich allesamt eine Art metatheoretische Grundüberzeugung teilen. Er versteht die Dekadenz – ein Begriff der zahllose semantische Entsprechungen kennt – als einen kollektiven Vorgang, der drei Bedingungen aufweist: Einen zyklischen Geschichtsverlauf, der ein Auf und Ab kennt, an dem die jeweilige Verfallsbewegung abzulesen ist. Das Dogma einer invariablen menschlichen Natur, eine statische Antrophologie, wie sie seit Machiavelli allen konservativen Autoren zu eigen ist. Und eine zugrunde gelegte, in eine bessere Vergangenheit projizierte Norm, die einerseits als Kriterium für die behauptete Fallbewegung dient, andererseits zugleich als Ursprungsmythos fungiert. Ich halte den Exkurs zu Lenks Modell deshalb für wichtig, weil sich sämtliche Faschismen, die im Laufe dieser Artikelreihe noch behandelt werden sollen, eindeutig in dieses Schema einordnen lassen. Ein vergleichender Rekurs ist aus diesem Grund immer lohneswert, denn er offenbart diejenigen gesellschaftlichen Hintergründe und Wirkungsmechanismen, welche die allgemeine Zustimmung zu faschistischen Ideologemen erzeugen. Somit können auch die zwei wesentlichsten Fragen der modernen Faschismusforschung beantwortet werden: Warum konnte sich die faschistische Ideologie einer so breiten Zustimmung erfreuen und weshalb gelingt es Neofaschisten immer wieder an aktuelle gesellschaftliche Diskurse anzuknüpfen?
In Italien avancierte der Faschismus 1922 schließlich erstmals zur politischen Herrschaftsform in einem Staat. Der italienische Faschismus steht dabei in engem Zusammenhang mit der Biographie von Benito Mussolini. Dessen Werdegang zeigt zudem sehr deutlich, was ich in der letzten Folge bereits versuchte darzulegen: Die Tatsache, dass sich mit dem Faschismus eine völlig neue politische Strömung etablieren konnte, die sich theoretisch wie praktisch aus dem großen Fundus der zeitgenössischen Auseinandersetzungen speiste. Es ist aus diesem Grund auch überhaupt nicht verwunderlich, dass in Italien die meisten Faschisten ursprünglich aus der politischen Linken hervorgingen, immer mehr von ihren linken Idealen lossagten, um eine sich revolutionär gebärdende Rechte zu formieren, die wiederum nichts mit der klassischen Rechten gemein hatte. Die Tatsache, dass Italien zwar der erste Staat war, in dem sich die faschistische Ideologie zur bestimmenden politischen und gesellschaftlichen Größe entwickeln konnte, besagt nicht automatisch, dass der italienische Faschismus gleichzeitig auch die erste kohärente faschistische Ideologie hervorbrachte. In Frankreich prägte Maurice Barrès, ein extremer Nationalist, bereits 1898 den Begriff eines sozialistischen Nationalismus und nur einige Jahre danach kam es in Frankreich zur folgerichtigen Synthese zwischen den Ultranationalisten der Action française und dem rechten Flügel der französischen Syndikalisten unter Sorel. Allerdings spielte der französische Faschismus im Gesamtkontext nur eine sehr untergeordnete Rolle. Zu Barrès, der Action françaiseund zum Vichy-Faschismus werde ich dennoch im Laufe dieser Artikelreihe noch einiges zu berichten wissen.
Bevor ich näher auf die Entstehungsgeschichte der PNF3) eingehen werde, möchte ich mich – wie in der letzten Ausgabe bereits angekündigt – mit dem geistigen Vater des Faschismus befassen, dem französischen Sozialphilosophen Georges Sorel. Die Geschichte des italienischen Faschismus ist jedoch von zentralen Brüchen gekennzeichnet. Um diese Problematik besser verdeutlichen zu können, habe ich mich entschieden in dieser Folge nur dessen Geburtsstunde zu referieren. Das entspricht in etwa dem Zeitraum vom Dezember 1912 bis zum März 1919. In der nächsten Folge werde ich mich dann näher mit dem Ausbau und der Verfestigung seiner politischen Macht zwischen 1919 und seinem Ende 1943 befassen. Nach der Landung alliierter Kampfverbände im Verlauf des Jahres 1943 wurde Mussolini nämlich durch das italienische Exekutivorgan – den Großrat – abgesetzt. Darauf folgte die kurze Phase einer von ihm geführten Marionettenregierung in der Republik von Salò. Diese endete schließlich im April 1945 mit Mussolinis Gefangennahme und Erschießung durch italienische Partisanen.
“Wir wissen vollkommen, dass die Geschichtsschreiber der Zukunft unfehlbar finden werden, dass unser Denken voller Einbildungen gewesen ist: weil sie eine vollendete Welt hinter sich haben werden.4)“
So wie die Philosophie der Aufklärung nicht ohne einen Descartes oder Spinoza auskommen konnte, so wie die Rezeption des Gesamtwerkes von Marx eine Beschäftigung mit der idealistischen Philosophie Hegels, der Nationalökonomie von Smith und Ricardo und den Werken der Frühsozialisten voraussetzt, kommt man nicht umhin sich mit der Kulturkritik Nietzsches und der vitalistischen Philosophie von Bergson zu befassen, soll das Denken von Sorel richtig begriffen werden. Eine detaillierte Darstellung ihrer Werke sprengt jedoch den Rahmen dieser Artikelreihe. Dennoch möchte ich die wesentlichen Kerngedanken ihrer theoretischen Abhandlungen kurz erörtern.
Henri-Louis Bergson wurde am 18. Oktober 1859 in Paris geboren. Er wuchs in London auf, kehrte aber schon recht früh wieder nach Paris zurück. Er gilt heute als bedeutendster Vertreter der so genannten Lebensphilosophie5) und war zu Lebzeiten in Frankreich aber auch weit darüber hinaus als Modephilosoph populär. 1927 wurde ihm sogar der Nobelpreis für Literatur verliehen. Mit seinem Theorem vom Élan vital6), dass er erstmals in seinem Werk “L’évolution créatice” erörterte, hat Bergson die angebliche Existenz einer geistigen Kraft propagiert, die alle Bereiche des Seins zu durchdringen vermag. Dabei betonte er den besonderen Vorrang der menschlichen Intuition, die sich ihm nach in sämtlichen Schöpfungsakten manifestiert. Damit erklärte Bergson dem Rationalismus eine klare Absage. Sein Élan vital muss als eine, die Evolution und sämtliche biologischen Lebensprozesse steuernde schöpferische Lebenskraft verstanden werden, die sich ontogenetisch7) als Wille zur Formbildung und Differenzierung manifestiert.
Wer meine letzte Abhandlung über das Fin de Siècle aufmerksam gelesen hat, wird sich gewiss daran erinnern, dass sich der Biologismus als auffallendes Erklärungsmuster für gesellschaftliche Analysen durchgesetzt hatte. Bergsons Werk ist eine sehr deutliche Entsprechung für diese zeitgenössische Bestimmung von Gesellschaft. Dennoch lehnte Bergson den Darwinismus als gültiges Erklärungsmuster für gesellschaftliche Prozesse entschieden ab: Der menschliche Intellekt sei ihm zufolge vielmehr durch ein natürliches Unvermögen das Leben zu verstehen gekennzeichnet. Logisches Denken müsse demnach durch einen gesunden Menschenverstand kontrolliert werden. So gesehen muss sein postulierter Strom des Lebens als eine Art Ersatz für die sich auflösende religiöse Transzendenz interpretiert werden.
Einige Jahre vor Erscheinen von Bergsons “L’évolution créatice” verfasste ein anderer Denker zahlreiche Schriften, die weit über die traditionelle Philosophie hinaus wirkten und selbst heutzutage noch wirken. Er selbst konnte die Aufmerksamkeit, die sein Werk ab etwa 1888 auf sich lenkte, nicht mehr teilen. Der Grund dafür ist eine Art geistiger Dämmerzustand, an dem er infolge einer infektiösen Erkrankung seit Januar 1889 bis zu seinem Tod elf Jahre später am 25. August 1900 gelitten hat. Die Rede ist von Friedrich Nietzsche. Dieser wurde am 18. Oktober 1844 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in der Nähe von Leipzig geboren. Er studierte in Bonn und Leipzig klassische Philologie und wurde bereits 1869 zum Extraordinarius an die Universität zu Basel berufen. Im Jahre 1879 musste er allerdings seine Lehrtätigkeit wegen zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung aufgeben und lebte seither als freischaffender Philosoph von einer kleinen Pension. In dieser Zeit publizierte er zahllose Schriften, die von seinen Zeitgenossen allerdings noch recht skeptisch aufgenommen wurden. Ich erwähnte bereits im letzten Teil, dass Friedrich Nietzsche allzu oft zum Idealtypus eines Protofaschisten deklariert wird. Diese Aussage wird seinem Gesamtwerk allerdings nur schwer gerecht. Ich möchte deshalb dahingehend appellieren, die zentralen Gedankengänge seiner Schriften etwas differenzierter zu betrachten. Es ist zwar nicht zu bestreiten, dass Nietzsche einen enormen Einfluss auf die Entstehung der faschistischen Ideologie ausübte. Er selbst hatte mit dieser aber nicht sehr viel gemein.
“Wirbeln wir den Staub der Straßen Allen Kranken in die Nasen, Scheuchen wir die Kranken-Brut! Lösen wir die ganze Küste Von dem Odem dürrer Brüste, Von den Augen ohne Mut!8)“
Nietzsches Werk lässt sich nicht so einfach in die Philosophie des ausgehenden 19. Jahrhunderts eingliedern, die von einer Wende des Idealismus hin zum Materialismus geprägt war. Allerdings kann Nietzsches philosophischer Nachlass genauso wenig in die lange Liste von vernunftwidrigen Welterklärungsversuchen zahlreicher Zeitgenossen eingeordnet werden. Sein Kulturpessimismus hat dergleichen nicht im Geringsten etwas mit den Irrlehren der Rassentheoretiker jener Tage gemein, auch wenn Nietzsche selbst nicht frei von rassistischen und antisemitischen Ressentiments war9). Gleichwohl war es aber gerade das Gesamtwerk des alles zertrümmernden Nietzsche, das die kulturellen Befindlichkeiten jener Epoche wie kein anderes widerspiegelte. Vielleicht wird er auch aus diesem Grunde leichtfertig zu einem wichtigen Wegbereiter der faschistischen Ideologie deklariert. Mit diesem Missverständnis gilt es trotz aller Widersprüchlichkeiten in Nietzsches philosophischen Betrachtungen aufzuräumen: Betrachtet man die kulturindustrielle Verblödung breiter Bevölkerungsschichten in heutigen Zeiten, sowie den Mangel an reflexiven Einfühlungsvermögen in komplexe Zusammenhänge, dann könnten wortgewaltige Poeme wie das Obige nämlich auch völlig anders interpretiert werden.
Die Behauptung einiger linksnietzscherianischer Apologet_innen, dass seine Philosophie nur völlig falsch interpretiert worden sei, mag zwar in weiten Teilen stimmen und die Auflösung der Zweideutigkeit seiner Herrschaftskritik bringt dies auch deutlich zu Tage. Auf der anderen Seite haben seine kulturpessimistischen Auseinandersetzungen mit dem gesellschaftlichen Transformationsprozess – dem er einen schöpferischen und vitalen Menschen gegenüberstellt, der alle überkommenen Werte hinter sich lässt – zahlreiche Anknüpfungspunkte für den elitären Gestus der faschistischen Weltanschauung geliefert. Der Antimaterialist Nietzsche, der von der Determination des einzelnen Individuums durch falsch eingerichtete gesellschaftliche Verhältnisse nichts wissen wollte, entwickelte so ideale Bezugspunkte für die faschistische Negation.
Der eigentliche Denkfehler Nietzsches ist aber gerade sein Antimaterialismus: Weil er den universellen Verblendungszusammenhang völlig ignorierte, hat er die falschen Verhältnisse in seiner Verneinung von Moral, Tugend und Sitte wie kaum ein anderer zeitgenössischer Theoretiker bejaht. Im Fokus von Nietzsches Zeitdiagnostik steht dabei die Dekadenz, also der kulturelle Verfall – den der Philologe Nietzsche, der sich selbst für einen “unzeitgemäßen” Denker hielt10) – im Verfall der Tragödie lokalisierte. Diesem quasi Verfall hat Nietzsche dann mit seinem “Übermenschen11)” konfrontiert.
Die Philosophie Friedrich Nietzsches lässt sich grob in drei Phasen gliedern, wobei der Zarathustra seine gesamte Schaffensperiode dokumentiert, weshalb die Lektüre dieses Werkes auch den besten Einblick in seine Überlegungen liefert. Erst der späte Nietzsche sollte schließlich bemerken, dass seine Philosophie die propagierte Überwindung nicht herbeiführen kann. Den Grund für das Scheitern erkannte er jedoch nicht. Stattdessen wiederholte er unermüdlich seine hohle Phrase von der “ewige[n] Wiederkehr des Gleichen12)”, statt die eigentlichen Umstände des Scheiterns zu rekurrieren. Der Wiener Politikwissenschaftler und Publizist Gerhard Scheit hat dies erkannt: “Wenn in Schopenhauers Philosophie, von der Nietzsche ausgegangen ist, das Mitleid an der Stelle der Negation steht, an der Stelle wirklicher Verneinung jener Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist (Marx, Anm. vom Verfasser), dann affirmiert Nietzsches Denken diese Verhältnisse mitleidlos.13)”. Eines muss Friedrich Nietzsche allerdings zugute gehalten werden: Sein Denken intendiert auf einen völligen Individualismus, während der Faschismus am ehesten im Kontext einer kollektiven Identität zu verstehen ist.
Kommen wir nun zu Sorel. Er wurde am 2. November 1847 im nordfranzösischen Cherbourg geboren. Seinen Beruf als Ingenieur gab er bereits recht früh auf und widmete sich der Publikation seiner Werke. Der israelische Faschismusforscher Zeev Sternhell hat ihn einmal einen guten Schüler von Marx14) genannt. Damit liegt er gar nicht so falsch, denn Sorel war ein ausgewiesener Kenner der Schriften von Marx, allerdings betrieb er intensiv deren Revision. Er übernahm von Marx den Gedanken des Klassenkampfes, lehnte jedoch dessen Ökonomiekritik ab. Er plädierte sogar für ein Recht auf Eigentum und freie Marktwirtschaft. Sorel war einerseits vom revolutionären Syndikalismus15) beeinflusst. Auf der anderen Seite übte die zeitgenössische Elitentheorie einen enormen Einfluss auf ihn aus. Bergsons Lebensphilosophie war aber seine wichtigste Inspirationsquelle, zumindest war Sorel ein bekennender Schüler von Henri Bergson.
In Sorels kulturpessimistischen Kritiken am Marxismus und an der parlamentarischen Demokratie fanden dann schließlich Elitarismus und Klassenkampf zueinander. Er kritisierte den Moralismus der Arbeiterklasse, indem er konstatierte, dass sich Kampfgeist und Stärke einer Bewegung nicht im Glauben an veränderte Lebensbedingungen entwickeln können, sondern einzig durch die Vermittlung sozialer Mythen. Dabei kam es Sorel nicht auf den Inhalt dieser Mythen an. Im Vordergrund stand einzig ihre gemeinschaftsbildende Wirkung.
In der Arbeiterklasse assoziierte er ganz im Sinne des Frühsozialisten Pierre Joseph Proudhon die produktiven Elemente einer Gesellschaft, ihr gegenüber standen dann die unproduktiven Individuen. Sorels antiaufklärerisches Denken und seine konservative Gesinnung – rechtskonservative Publizisten, wie beispielsweise Armin Mohler nannten ihn nicht umsonst den Erzvater der konservativen Revolution – brach völlig mit dem reflektierenden und diskursiven Denken: Die Bourgeoisie habe sich seiner Ansicht nach in der Passivität des Konsumismus verloren. Als probates Kampfmittel dagegen setzte er auf den Generalstreik. Der Generalstreik der Arbeiterschaft, in der er die Vertreter der eigentlich produktiven Klasse ausmachte, sollte die Bourgeoisie nun aus diesem passiven Zustand vertreiben. Gleiches gilt für Gewalt. Er behauptet diese sei: “das einzige Mittel […], das den durch Humanitätsideen abgestumpften europäischen Nationen noch bleibt, um ihre ehemalige Energie wiederzufinden.16)”. So darf es auch nicht verwundern, dass er sich “einen großen Krieg, der Männer an die Macht bringen würde, die den Willen zu regieren hätten17)” herbeisehnte.
Sorel war so gesehen ein eher konservativer Autor, der getreu dem Zeitgeist im gesellschaftlichen Umwandlungsprozess einen Werteverfall diagnostizierte. Was Sorels Werk von anderen konservativen und rechten Zivilisationskritiken unterschied war sein syndikalistischer Einfluss. Seine Bücher waren, so Sternhell, oftmals nur eine Aufarbeitung sozialistischer und syndikalistischer Schriften. Allerdings vollzog Sorel in ihnen die Synthese all jener Konzeptionen, die auf eine Revolte wider der bürgerlichen Gesellschaft, deren Moralvorstellungen und politische Werte hinarbeiteten. Dies führte schließlich dazu, dass revolutionäre Syndikalisten, Nationalisten, Antiliberale und Antidemokraten trotz politischer Differenzen zusammenfanden. Diese Tatsache verdeutlicht vielleicht ein wenig, warum sich in Italien so viele Sozialisten von ihren linken Idealen lossagten und zum Faschismus konvertierten. Sorels Schriften hatten zwar auch einen gewissen Einfluss auf den zeitgenössischen Anarchismus, die wirkungsmächtigste Rezeption wurde ihnen aber durch den italienischen Faschismus zuteil. Die propagierte Kraft gemeinschaftsbildender Mythen nahm die Synthesis von Volk und Staat in einer Art Volksgemeinschaft – die zwischen produktiven und unproduktiven Individuen zu unterscheiden weiß – vorweg. Sorel bejahte zudem die menschliche Aktivität ungeachtet ihrer Zielsetzungen, affirmierte dadurch Krieg und Gewalt und stellte einzig die sich revolutionär gebärdende Tat als probates Mittel für einen auf Veränderung zielenden Heroismus in den Vordergrund.
Diejenigen von euch, die sich ausführlich mit der Geschichte des Anarchismus und Anarchosyndikalismus beschäftigt haben, werden hier gewiss Parallelen zur Propaganda der Tat18) erkennen. Tatsächlich fällt bei einer historischen Betrachtung des klassischen Anarchismus eine ganz bestimmte Ära auf, welche durch politisch motivierte Gewaltakte geprägt war, die im Nachhinein von den meisten anarchistischen Intellektuellen als ein legitimes Mittel des Klassenkampfes legitimiert wurden. Auch wenn es sich hierbei um eine unreflektierte und naive Aktionsorientiertheit handelte, muss rückblickend konstatiert werden, dass sich diese Form des Anarchismus zumindest von seinen Zielsetzungen her deutlich von Sorels Konzeptionen abgrenzen lässt. Dennoch meine ich auch hier eine gewisse geistige Verwandtschaft erkannt zu haben: Anstatt die gesellschaftlichen Verhältnisse in einem Reflexionsprozess zu erfassen und die Notwendigkeit einer Befreiung des Menschen aus seiner Unmündigkeit voranzutreiben, setzte der klassische Anarchismus auf die politische Gewalttat, als könnte man die Assoziation der Freien und Gleichen einfach mit Bomben und Sprengsätzen herbeiführen. Die Tatsache, dass die Gewalt zum politischen Mittel avancieren konnte und sogar mit den propagierten Idealen von einer gewaltfreien Gesellschaft brach, zeigt sich am deutlichsten in Bakunins Postulat, demnach die zerstörende Kraft immer zugleich auch eine Schaffende sei. Hier offenbart sich, wie sehr sich der klassische Anarchismus und das Denken von Sorel partiell ähnelten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass einzelne Anarchisten mit wehenden Fahnen zum Faschismus überliefen. Ein prominentes Beispiel ist der italienische Anarchist Mario Buda.
“Dieser junge Revolutionär ist nun Herz und Hirn der sozialistischen Partei. Bei den Massen, insbesondere aber beim Funktionärsnachwuchs […] ist er als Redner wie als Schreiber jener, den man am meisten schätzt, verehrt und nacheifert.19)“
Nachdem ich bislang nur die theoretischen Einflüsse der faschistischen Ideologie dargelegt habe, möchte ich mich nun noch der Entstehungsgeschichte des italienischen Faschismus zuwenden. Ähnlich wie das wilhelminische Reich zählte Italien zu den historischen Nachzüglern eines gesamteuropäischen Entwicklungs- und Modernisierungsprozesses. Die internationale Konkurrenz führte auch hierzulande zu massiven sozialen und politischen Spannungen. Der neu entstandene Nationalstaat hatte schon lange nichts mehr mit den eher kosmopolitischen Idealen des Risorgimento20) zu tun. Italien versuchte, ähnlich wie auch andere Kolonialmächte, die sozialen Probleme durch seine kolonialen Experimente nach außen zu leiten. Seine imperialen Ambitionen wollte es in Albanien, Dalmatien, Griechenland, vor allem aber in Libyen und Abessinien befriedigen. Das wesentlichste imperiale Konfliktfeld entspross aber dem so genannten Irredentismus. Dieser erstrebte die Angliederung der so genannten terra irredenta (unerlösten Gebiete), also jenes von Italienern bewohnte Territorium, das formell zum österreichischen Habsburgerreich gehörte.
Strukturell konnte sich in Norditalien am Ende des 19. Jahrhunderts eine durchaus erwähnenswerte Industrie etablieren. Insgesamt betrachtet blieb das Land aber agrarisch geprägt. Ähnlich wie im deutschen Ostelbien dominierte hier der Großgrundbesitz. Nach 1900 nahm die soziale Differenzierung recht sprunghaft zu. Neben der Industriearbeiterklasse entstand in Italien anders als in den übrigen europäischen Staaten ein zahlenmäßig sehr starkes Landproletariat.
Als politische Interessensvertretung der proletarischen Klassen fungierte die 1892 gegründete Partito Socialista Italiano (sozialistische Partei Italiens). Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern spaltete auch sie sich in einen reformistischen und einen revolutionären linken Flügel. Im Dezember 1912 wurde der junge Volksschullehrer Benito Mussolini, ein Vertreter des linken Flügels, der neue Chefredakteur des Parteiorgans L’Avanti (Vorwärts). Es gelang ihm die Auflage zu steigern und eine große Leserschaft an sich zu binden, was ihm auch zu einer gewissen Popularität verhalf. Bereits Mussolinis Vater war ein glühender Anhänger des revolutionären Flügels. Wohl deshalb gab er seinem Sohn auch den Namen des mexikanischen Revolutionärs Benito Juàrez. Mussolini übernahm von seinem Vater die politische Überzeugung: Er studierte sehr eifrig die Werke von Marx, Bakunin und Louis-Auguste Blanqui. Beschäftigte sich aber auch mit den Schriften Max Stirners, Nietzsches und Sorels. Auch die Elitentheorie des italienischen Soziologen und Elitentheoretikers Vilfredo Pareto inspirierte sein Denken.
Durch seine Position als Chefredakteur gelang es Mussolini immer größeren Einfluss auf die PSI auszuüben. Bei den Nationalwahlen 1913 fuhr diese dann bedeutende Mandatszugewinne ein, was zu großen Teilen Mussolinis rhetorischem Talent und seiner Beliebtheit zugeschrieben wird. Im Juni 1914 kam es in Italien schließlich zu einem großen Generalstreik, der bei vielen Sozialisten die Hoffnung auf eine revolutionäre Veränderung weckte. Dieser Generalstreik mündete schließlich in den Aufstand der Settimana Rossa (Rote Woche), der allerdings recht wirksam unterdrückt wurde. Der revolutionäre Flügel der PSI orientierte sich während dieser Zeit immer mehr an den Konzeptionen des revolutionären Syndikalismus.
Damals spitzte sich zudem die außenpolitische Situation in Europa zu und jedes der europäischen Bündnissysteme versuchte Italien auf seine Seite zu ziehen. Formell war Italien durch einen Beistandspakt an das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn gebunden, dessen Bedingungen waren aber auf das Jahr 1914 nicht anwendbar. Der Irredenta-Nationalismus widersprach ohnehin einem Pakt mit Österreich-Ungarn. Die führenden Politiker liebäugelten deshalb im zunehmenden Maße mit der Triple Entente. Davon versprachen sie sich zahlreiche Gebietsgewinne, so beispielsweise Triest, das Trentino, sowie Territorien an der östlichen Adria, in der Türkei und in Afrika. Allerdings stieß diese Politik zunächst auf Widerstand. Die Bevölkerung war nach dem italienisch-türkischen Krieg nur im geringen Maße kriegsbereit. Die liberale Mehrheit im Parlament, sowie die Sozialisten lehnten den Kriegseintritt entschieden ab. Zu den Befürwortern gehörten neben der konservativen Regierung von Premier Salandra und zahlreichen Nationalisten nur die Ultranationalisten, sowie die futuristische Avantgarde um Filippo Marinetti. Bereits 1911 hatte aber eine kleine Minderheit revolutionärer Syndikalisten den Krieg gegen die Türkei befürwortet. Nun bekamen jene reaktionären Kräfte, die in Richtung einer italienischen Beteiligung an einem möglichen Krieg drängten, plötzlich Unterstützung von dieser zahlenmäßig gar nicht so geringen, aber dennoch heterogenen Gruppe linker Interventionisten. Der syndikalistische Gewerkschaftsverband, die Union Sindacale Italiana, versuchte diesen Bestrebungen entgegenzuwirken und verabschiedete im August eine Resolution, die für eine italienische Neutralität eintrat. Die damals führenden Kräfte des Gewerkschaftsverbandes, vor allem der Führer der Mailänder Organisation Alceste de Ambris, konnten sich aber letzten Endes durchsetzen und forderten den Kriegseintritt auf der Seite der Entente. Im Oktober schlossen sich dann mehrere lokale Gruppen unter de Ambris zu einer neuen Organisation zusammen, dem Fascio Rivoluzionario d’ Internazionalista (Kampfbund revolutionärer Internationalisten).
Mussolini war zunächst Mitunterzeichner eines Antikriegsmanifestes der PSI. Im Oktober sprach er sich nun plötzlich gegen die sozialistische Linie aus. Er trat am 20. Oktober von seinem Posten als Chefredakteur zurück und gab ab November die Zeitschrift Il Popolo d’Italia (das Volk von Italien) heraus. Er wurde daraufhin aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen. Im Dezember trat er schließlich dem Facsio bei. Die Begründungen für eine italienische Beteiligung am Ersten Weltkrieg, seitens jener Syndikalisten, die nun einen erheblichen Schwenk nach Rechts vollzogen, waren durchaus sorelianisch. Sie erhofften sich vom Krieg einen Umsturz der sozialen Verhältnisse. Sorels Entwurf einer Gesellschaft der freien Produzierenden schien nun Wirklichkeit zu werden und tatsächlich antizipierte diese Theorie auch den faschistischen Korporativismus, der auch heute noch als eine Besonderheit des italienischen Faschismus gilt. Folgerichtig arbeitete der rechte Flügel der Syndikalisten von nun an mit den Ultranationalisten um Enrico Corradini, dem Wortführer der Associazione Nazionalista Italiana oder mit den Futuristen zusammen und grenzten sich mehr und mehr von klassisch-sozialistischen Positionen ab. Durch die vollzogene Synthese von an und für sich divergierenden politischen Gruppierungen, konnte sich ein Ideologiekonglomerat mit einem nationalistischen, sozialen, antiklerikalen und antikapitalistischen Profil etablieren. Während des Ersten Weltkrieges setzte sich dieser Rechtsruck weiter fort. Die mittlerweile ultranationalistisch orientierten Syndikalisten bekämpften die Linke nun als ihren politischen Gegner.
Der Erste Weltkrieg hatte auch in Italien zu einer tief greifenden ökonomischen, politischen und sozialen Krise geführt. Unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution kam es in weiten Teilen Norditaliens zu zahlreichen Streiks, sowie zu Fabrik- und Landbesetzungen. Die sozialistische Bewegung konnte sich trotz der Abspaltung der rechten Syndikalisten noch immer einer sehr breiten Massenbasis erfreuen. Dagegen formierte sich nun eine lokale Allianz von Fabrik- und Grundbesitzern, aber auch zahlreicher Kleinbauern. Mit Schutzgeldern köderten diese viele ehemalige Soldaten. Selbige lehnten schon von ihrer Gesinnung her jegliche sozialistischen Bestrebungen ab. Sie organisierten sich in paramilitärischen Kampfverbänden, ähnlich den Freikorps während der Republik von Weimar. Sie wurden Arditi (die Kühnen) genannt. Aus den Reihen dieser Arditi rekrutierten sich dann auch die Squadristi (die Schwarzhemden), wie die Mitglieder von Mussolinis im März 1919 gegründeten faschistischen Kampfbünden (Fasci di Combattimento) wegen ihrer Parteiuniform genannt wurden. Diese Kampfbünde verstand Mussolini zunächst als antisozialistische Opposition, die sich gegen zwei wesentliche Gefahren wende: “Erstens gegen den Hass der Linken und zweitens gegen deren Zerstörungswut.21)”. Diese Squadristi verstanden Gewalt, getreu dem Diktum Sorels, als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele. Zunächst waren nur Einzelpersonen – also linke Gewerkschaftler oder sozialistische Funktionäre – das Ziel ihrer Angriffe. Später erstreckten sich ihre Aktionen im Rahmen von Strafexpeditionen auf ganze Ortschaften und deren Infrastruktur. Es begann die Zeit der blutigen Straßenkämpfe Italiens. Die instabile innenpolitische Situation, sowie die Verschärfung der sozialen und ökonomischen Krise in Italien führten schließlich dazu, dass die Faschisten immer mehr an Einfluss gewannen.
Der Regisseur Bernardo Bertolucci hat diese Ära in einem fünfstündigen Filmepos sehr gut dargestellt. Wer in dieser kalten Jahreszeit gern einen guten Film anschauen möchte, dem sei 1900 hiermit empfohlen. Wer aber viel lieber einen guten Text liest, der darf schon auf die nächste Folge dieser Artikelreihe gespannt sein: L’Italia del fascio. Vom Aufstieg und Fall des italienischen Faschismus.
Anmerkung:
Ich habe bewusst auf eine geschlechtsneutrale Grammatik verzichtet, weil ich es nicht für sinnvoll erachte historische Epochen, die von der Vormachtstellung „männlicher“ Protagonisten geprägt waren, im Nachhinein von ihrer patriarchalen Verfasstheit freizusprechen.

1) Kurt Lenk: Das Problem der Dekadenz seit Georges Sorel. in: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie.
2) A-D-H: Apokalypse – Dekadenz – Heroismus.
3) Partito Nazionale Fascista. Nationalfaschistische Partei Italiens. Mit ihrer Gründung am 7. November 1921 wurde die Umwandlung der ebenfalls von Mussolini gegründeten paramilitärischen Fasci di Combattimento in eine umfassendere politische Vereinigung vollzogen.
4) , 16) zitiert aus Georges Sorel: Réflexions sur la violence.
5) Im 19. Jahrhundert entstandene Richtung der Philosophie, die in Frankreich von Bergson, in Deutschland von Wilhelm Dilthey als Gegenentwurf zu den Naturwissenschaften und deren einseitiger Betonung von Rationalität entwickelt wurde. Zum Leben gehören demnach auch nicht-rationale, kreative und dynamische Elemente.
6) aus dem Französischen übersetzt: “Lebensstrom”.
7) Der strukturelle Wandel eines Individuums ohne Organisationsverlust.
8) Friedrich Nietzsche: An den Mistral.
9) Nietzsches Bruch mit seinem früheren Freund Richard Wagner hat nachweislich etwas mit Wagners antisemitischen und rassistischen Weltbild zu tun. Dennoch wird selbst der/die gründlichste Nietzsche-Leser_in nicht bestreiten können, dass seine Ausführungen keineswegs frei von antisemitischen Nuancen sind. In “Zur Genealogie der Moral” schreibt er beispielsweise: “Alles, was auf Erden gegen die Vornehmen, die Gewaltigen ,die Herren, die Machthaber getan worden ist, ist nicht der Rede wert im Vergleich mit dem, was die Juden gegen sie getan haben: die Juden, jenes priesterliche Volk, das sich an seinen Feinden und Überwältigern zuletzt nur durch eine radikale Umwertung von deren Werten, also durch einen Akt der geistigsten Rache Genugtuung zu schaffen wusste […]”
10) siehe Friedrich Nietzsche: Ecce homo. Wie man wird, was man ist.
11) der Präfix “Über” sollte entgegen der oft üblichen Interpretationen am Ehesten im Sinne von “Überwinden” verstanden werden.
12) siehe Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra.
13) zitiert nach Gerhard Scheit: Blonde Bestie umarmt Droschkengaul. Zum 100. Todestag Friedrich Nietzsches. \\Anmerkung: Gerade deshalb ist es allerdings falsch Nietzsche als typischen Protofaschisten darzustellen. Max Horkheimer und Theodor Wiesengrund Adorno bringen diese Verkürzung auf den Punkt, als sie 1944 in der Dialektik der Aufklärung schreiben: “Indem die mitleidlosen Lehren die Identität von Herrschaft und Vernunft verkünden, sind sie barmherziger als jene moralischen Lakaien des Bürgertums. Nietzsche hat in seiner Verneinung das unbeirrbare Vertrauen auf den Menschen gerettet, das von aller tröstlichen Versicherung Tag für Tag verraten wird.”
14) zitiert nach Zeev Sternhell, Mario Sznaijder, Maia Asheri: Die Entstehung der faschistischen Ideologie.
15) Eine Art gewerkschaftlicher Sozialismus, der vom französischen Anarchisten Pierre Joseph Proudhon geprägt wurde. Der Syndikalismus propagiert die Aneignung von Produktionsmitteln durch syndikal-istische Gewerkschaften. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts existierten sowohl kommunistische, als auch anarchistische Organisationen. Eine dritte Gruppe bildeten jene rechten Syndikalisten, die später die Synthese mit dem Faschismus vollzogen, wobei es aber auch zahlreiche personelle Überschneidungen gab. Heutzutage ist ausschließlich der Anarchosyndikalismus präsent, wie er beispielsweise in der Bundesrepublik von der relativ marginalen FAU propagiert wird. In den romanischen Ländern spielte und spielt diese Bewegung allerdings eine größere Rolle.
17) ebenda.
18) Diese Formulierung wird oft auf den russischen Anarchisten Michael Bakunin zurückgeführt. Der eigentliche Verfasser ist aber der französische Anarchist Paul Brousse.
19) Der italienische Sozialist Ivanoe Bonomi äußert hier eine berechtigte Kritik bezüglich Mussolinis wachsender Einflussnahme in den Reihen der PSI.
20) Sammelbezeichnung für sowohl weltanschaulich, als auch politisch sehr heterogene Bewegungen auf dem Gebiet des heutigen Italiens, zwischen 1815 und 1870. Diese strebten nach dem Wiener Kongress von 1814/15 die Vereinigung der eigenstaatlichen Fürstentümer und Regionen der Apenninen-Halbinsel in einem unabhängigen Nationalstaat Italien an.
21) zitiert nach der Gründungserklärung der Fasci di combattimento vom 23. März 1919.

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1 Antwort auf “Teil II.: Von Links nach Rechts. Der revolutionäre Syndikalismus und die Geburt des italienischen Faschismus.”


  1. 1 Italiens bleierne Jahre « Aron Sperber's Weblog Pingback am 06. Mai 2010 um 17:08 Uhr
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