Teil III: L’Italia del fascio. Aufstieg und Fall des italienischen Faschismus.

Teil III: L’Italia del fascio. Aufstieg und Fall des italienischen Faschismus.

von Alfred J. Quack

»Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoll.1«
Zwei Sachen Vorweg: Ich möchte mich zuerst bei der Redaktion und der teuren Leserschaft entschuldigen, denn dieser Text ist schon wieder länger geworden als geplant. Auch werde ich künftig nicht mehr lauthals verkünden mich beim nächsten Mal kürzer zu fassen. Außerdem findet erfreulicherweise eine Auseinandersetzung bezüglich einer Relevanz des Faschismusbegriffs mittlerweile auch in andereren linken Medien statt2, was zeigt wie richtig und wichtig diese für eine antifaschistische Theorie und die daraus resultierende Praxis ist.
Beim letzten Mal hatte ich mich mit jenen Theoretikern beschäftigt, die nach meiner Auffassung wichtige Geburtshelfer für die faschistische Ideologie waren. Außerdem ist die Entstehungsgeschichte der frühen faschistischen Bewegung Italiens etwas näher beleuchtet worden. Bevor ich diesmal etwas zur Machtergreifung und zum Ausbau der politischen Macht im faschistischen Staat schreibe, soll zunächst der Frage nachgegangen werden, wie es denn überhaupt zu einem Rechtsruck innerhalb der syndikalistischen Linken Italiens und schlussendlich zur Entstehung einer faschistischen Massenbewegung kommen konnte. Die Sorelianer waren schließlich nur eine kleine Minderheit und auch ein später vollzogener Schulterschluss mit anderen politischen Kräften erklärt nicht, wie der Faschismus binnen kürzester Zeit zur politischen Herrschaftsform avancieren konnte.
Aufgrund einer tiefgreifenden Nachkriegskrise kam es in Italien unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution zu den Biennio Rosso3. Im ganzen Land kam es infolgedessen zu sozialistischen Aufständen. Die Faschisten versuchten diese Aktionen nun zu unterbinden, wobei sie auch vor körperlichen Auseinandersetzungen nicht zurückschreckten. Dadurch machten sie sich wiederum zu Handlanger für die Interessen der Großgrund- und Fabrikbesitzer. Hier finde ich den direkten Zugang zu einer traditionslinken Faschismusanalyse, die den Faschismus als terroristische Herrschaftsform des Kapitals verstand. Der wirkliche Grund für den Hass auf die Linke war aber keinesfalls einem ernsthaften Interesse an einem Bündnis der Faschisten mit eben jener Kapitalfraktion geschuldet. Hinter der mittlerweile in Form von blutigen Straßenkämpfen offen ausgetragenen Feindseeligkeit verbargen sich eher ideologische Sachverhalte.
Ignoriert man all diese Faktoren könnte dies zu folgendem Zirkelschluss verleiten: Die Faschisten seien nichts anderes gewesen, als eine Bewegung zur Niederschlagung kommunistischer Aufstände und zur Bekämpfung gewerkschaftlicher Organisationen. Diese politische Ausgangsbedingung führte dazu, dass sich die am 23. März 1919 auf Initiative Mussolinis gegründeten Fasci di Combattimento4 faktisch als eine politische Gegenbewegung zur Linken konstituierten.
Diese neuerschaffene Bewegung proklamierte für sich sowohl revolutionär als auch nationalistisch zu sein. Die Teilnehmer der Gründungsversammlung auf der Piazza San Sepolcro in Mailand stammten aus insgesamt vier unterschiedlichen politischen Milieus: Der sorelianische Flügel der italienischen Syndikalisten – mittlerweile ein exklusiver nationalsyndikalistischer Zirkel – und einige ehemalige Sozialisten, die wie Mussolini in den extremen Nationalismus abgedriftet waren. Hinzu kam die futuristische Künstleravantgarde Filippo Tomaso Marinettis. Die Dritten im Bunde waren die Nationalisten, namentlich die Irredentisten um Caesare Battisti und die Ultranationalisten um Enrico Corradini und Gabriele d‘Annunzio. Schlußendlich waren da noch einige Personen aus dem Umfeld verschiedenster Freischärlergruppen und ehemaliger militärischer Kreise, die so genannten Arditi. Die nationalsyndikalistische Fraktion war innerhalb des Fascio personell überrepräsentiert. Sie war aber ebenfalls sehr heterogen und setzte sich aus der kleinen patriotischen Splittergruppe Partito Socialista Riformista Italiano5 unter Leitung Leonida Bissolatis und jenen von der Unione Sindacale Italiana6 abgespaltenen rechten Syndikalisten zusammen, die sich politisch entweder bei den Fasci d‘Azione Internazionalista7 der Gebrüder de Ambris oder wie Mussolini bei den Fasci d‘Azione Rivoluzionaria8 organisierten.
Ein Fascio war zunächst nichts anderes als ein loser politischer Bund unterhalb dem Organisationsniveau einer Partei. Die ästhetische Aufladung dieser Begrifflichkeit mit den verschiedensten mythischen Versatzstücken aus der römischen Geschichte und die integrative Symbolik einer im Bund vereinigten unbesiegbaren Gemeinschaft erfolgte erst viel später.
Alles in Allem haben wir es hier mit einem bizarren Gemisch völlig unterschiedlicher Geisteshaltungen zu tun, die nur in einer winzigen Gemeinsamkeit übereinstimmten: Dem entschiedenen Willen sich gegen die herrschende bürgerliche Ordnung aufzulehnen und ihr den Kampf anzusagen. Dieser Voluntarismus sollte zum spezifischen Merkmal sämtlicher faschistischer Bewegungen werden. Für die Statistikfans unter Euch noch ein kurzer Abriss zur Sozialstruktur dieser faschistischen Avantgarde: Schriftsteller, Journalisten und andere Intelektuelle stellten die größte Berufsgruppe innerhalb der Fasci dar, direkt gefolgt von den Angestellten und Arbeitern. Die kleineste Gruppe wurde von einigen wenigen Fabrikanten gebildet, die wohl eher aus Eigeninteresse an einer starken faschistischen Bewegung interessiert waren. Bezüglich ihrer Altersstruktur kann nachgewiesen werden, dass die meisten Teilnehmer erst zwischen 20 und 40 Jahren alt waren.9 Daran lässt sich einiges ablesen. Zum einen, dass die faschistische Bewegung durchaus eine integrative Funktion innehatte und zum anderen, dass sie bezüglich ihrer Altersstruktur dem im ersten Artikel beschriebenen zeitgenössischen Phänomen der juvenilen Massengesellschaft entsprach.
Die politische Lage im Land war zu dieser Zeit alles andere als stabil: Während des Krieges hatte sich ein Allparteienbündnis konstituiert, das nun infolge politischer Differenzen zerbrach. Die von den Sorelianern herbeigesehnte Synthese von Volk und Staat – die sich im Burgfrieden während des Krieges zumindest partiell einstellte – schien völlig zu zerbröckeln. Neben der ohnehin schlechten sozialen Lage lasteten zudem gebrochene Versprechungen der Entente auf dem Land. Die Arbeiterklasse unternahm – wie erwähnt – mehrfach den Versuch den Weg in eine bessere Zukunft vermittels Streik, Fabrik- und Landbesetzungen zu erzwingen. Als historisches Vorbild diente ihr dabei Russland. Auf der Gegenseite formierten sich recht schnell immer mehr rechte Gruppierungen, die nun von der Industrie mit Werkschutzaufträgen oder mit den Geldern der Großgrundbesitzer versehen gegen linke Umsturzversuche vorgingen. Jene paramilitärischen Gruppen bildeten das Standbein dieser neu gegründeten Bewegung und eine ideale Rekrutierungsmasse. Allerdings musste der Machtmensch Mussolini deren wichtigsten Führern, dem sogenannten Quadrumvirat10, ein recht hohes Maß an Selbständigkeit zugestehen.
Aus Furcht vor einer proletarischen Revolution ließen die bürgerlichen Regierungskoalitionen die Fasci weitgehend gewähren. Die Faschisten profitierten zudem vom Wohlwollen der Exekutive (ein ähnliches Phänomen kennen wir auch von der Justiz während der Weimarer Republik). Die faschistischen Gruppierungen gewannen so sehr schnell die Oberhand und konnten ihre Mitgliederzahlen innerhalb eines Jahres fast verzehnfachen. Den Biennio rosso folgten ab 1921 zwei schwarze Jahre, die so genannten Biennio nero.
Die Nachkriegsjahre brachten nicht das geeinte Italien hervor, das sich Patrioten jeglicher Couleur vor dem Krieg herbeigesehnt hatten. Unmittelbar nach Kriegsende spitzte sich die sich seit der Jahrhundertwende abzeichnende politische und soziale Krise noch weiter zu, da sie durch eine kurzfristige wirtschaftliche Depression verschärft wurde. Während dieser Zeit fanden die alliierten Friedensverhandlungen in Paris statt. Zwar gehörte Italien durch sein Bündnis mit der Entente zu den eigentlichen Kriegsgewinnern und konnte ganz legal das gesamte Trentino, Triest und große Teile Südtirols annektieren. Die italienischen Ansprüche in der Türkei und Afrika wurden jedoch nicht erfüllt. Auch die von einer großen italienischen Mehrheit bewohnte Stadt Fiume (das heutige Rjieka) an der jugoslawischen Adriaküste blieb einem Zugriff durch den italienischen Staat verwehrt. Diese Entscheidung führte zu Denunziationen seitens verschiedenster nationalistischer Gruppierungen. Die Regierung – welche den alliierten Entschluss akzeptiert hatte – wurde von ihnen als rinuncuatarii bezeichnet, was soviel wie Verzichtler bedeutet. Das Ergebnis der Verhandlungen selbst als vittoria mutilata, als verstümmelter Sieg gebrandmarkt. Die hohe Zahl der Kriegsopfer verstärkte zudem die nationalistische Propaganda. Während die Friedensverhandlungen im vollen Gange waren, besetzten italienische Freischärler die Stadt. Unterstützt wurden diese Arditi von Teilen der regulären italienischen Armee. Anführer dieses Unternehmens war der italienische Nationalist Gabriele d‘Annunzio, ein prominenter Schriftsteller. Er rief die italienische Regentschaft über die Stadt aus, welche zweifelsohne als wichtiger Vorläufer des faschistischen Systems angesehen werden kann. Über Fiume wurde der Ausnahmezustand verhängt und eine Politik der Massenmobilisierung in Gang gesetzt. Kroaten und andere Nichtitaliener zwang man sich zu assimilieren oder vertrieb sie. Linke wurden umgehend der Stadt verwiesen oder inhaftiert. Die kroatische Sprache wurde verboten. Die italienische Regierung tolerierte diese Vorgänge nicht wirklich, verhielt sich wegen der innenpolitischen Krise aber recht zurückhaltend. Unterstützung fanden die Besetzer einzig in der neu entstandenen faschistischen Bewegung. Der Rapallo-Vertrag erklärte die Stadt schließlich zum Unabhängigen Freistaat. Schließlich konnte d‘Annunzio – der weiterhin eine italienische Besetzung gegenüber dem Unabhängigkeitsstatus der Stadt favorisierte – durch einen militärischen Einsatz zum Rückzug bewegt werden. In der Folgezeit kam es in Fiume immer wieder zu faschistischen Aufständen.
»Der Faschismus versucht, die neu entstandenen proletarisierten Massen zu organisieren, ohne die Eigentumsverhältnisse, auf deren Beseitigung sie hindrängen, anzutasten. Er sieht sein Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen zu lassen. 11«
Wie erwähnt mutmaßen marxistische Theoretiker immer wieder: Der Faschismus sei eine terroristische Herrschaftsform des Kapitals. Ich habe bereits mehrfach anklingen lassen, dass ich einer solchen Faschismusinterpretation nicht viel abgewinnen kann. Allerdings ist es auch falsch die einzelnen Hypothesen zum Faschismus einfach als analytische Fehlleistungen ad acta zu legen, ohne dabei den jeweiligen historischen Kontext, die vorherrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den weltanschaulichen Background ihrer Verfasser_innen zu betrachten. Mein bisheriger Abriss über den italienischen Faschismus sollte aber verdeutlichen, dass sich hinter dem Faschismus nicht – wie allzu oft behauptet – einzig die Klasse der Kapitalisten verbarg. Auch wurden die Volksmassen nicht nur durch faschistische Ideologen verblendet, was faktisch nichts anderes bedeuten würde, als das diese die Opfer von widrigen Verhältnisse waren. Es ist zwar völlig richtig, dass der Faschismus – so wie er uns in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts begegnete – einer kapitalistischen Verfasstheit der Gesellschaft entspringt. Er muss diesbezüglich aber als Versuch der negativen Aufhebung des Kapitalverhältnisses gedeutet werden, als Versuch „das Leiden an den versachlichten Verhältnissen zur regressiv-antikapitalistischen Revolte zu kanalisieren“12.
Allerdings zielte diese Revolte keineswegs auf die Schaffung einer vormodernen Gesellschaft. Selbige diente eher als Ursprungsmythos. Der Philosoph Max Horkheimer konstatierte in Kenntnis dieser Problematik bereits in den 1930er Jahren: »Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.13« Interessant für die Meisten ist vielleicht, dass er sich später sehr deutlich von dieser Aussage distanzierte. Die Bekanntheit des besagten Zitates rührt wohl am ehesten von seiner Verbreitung im linken Milieu.
Auf das Verhältnis von Faschismus, Kapitalismus und bürgerlicher Gesellschaft soll in den kommenden Ausgaben noch ausführlich eingegangen werden. Diesmal möchte ich zunächst die Schnittmengen von klassisch linker Gesellschaftskritik und faschistischen Ideologemen aufzeigen. Meiner Meinung nach kann der Rechtsschwenk zahlreicher italienischer Syndikalisten und deren bereitwillige Konversion zum Faschismus nicht erklärt werden, ohne die ideologischen Faktoren, welche hinter dieser Wendung nach Rechts standen zu erläutern: Anstatt nämlich wie beispielsweise Marx – ganz besonders in seinen Spätschriften – das Verhältnis von Staat und Kapital zu durchleuchten, ist die Kapitalismuskritik der klassischen Linken immer schon eine rein Phänomenologische gewesen. Sie war deshalb überhaupt nicht in der Lage den Gegenstand ihrer Kritik zu durchdringen, da sie den Fokus einzig auf einzelne Erscheinungsformen richtete. Augenscheinlichstes Merkmal – von den Frühsozialisten bis zu den realsozialistischen Apologeten – war die bipolare Aufteilung des Herrschaftsverhältnisses in Beherrschende und Beherrschte. Die Frage nach den Bewegungsgesetzen des Kapitals und der Ursache für eine Unterordnung der Individuen unter eben diese Gesetzmäßigkeiten – also das sich-Einrichten in den falschen Verhältnissen und deren Deklaration zum Naturzustand – spielten hingegen kaum eine Rolle. Stattdessen begnügte sich linke Gesellschaftsanalyse meist damit, einzig die daraus resultierenden sozialen Ungleichheiten anzuprangern. Auch das Verhältnis der kapitalistischen Konkurrenz und deren Auswirkungen auf den Einzelnen, sowie der nationalstaatlichen Konkurrenz auf den Primat der Politik wurden sehr selten hinterfragt. Ein solches Weltbild konnte ergo überhaupt nicht in der Lage sein die gesellschaftlichen Differenzen objektiv zu bewerten. Folgerichtig suchte die traditionelle Linke sehr schnell ihren Frieden innerhalb der Glücksversprechungen der bürgerlichen Gesellschaft und beanspruchte für sich, den realexistierenden Verhältnissen lediglich einen Linksruck zu verleihen: Die Linke entdeckte den Staat für sich und bemühte sich recht eifrig dieses Konstrukt mit eigenen Inhalten zu füllen14. Der Widerspruch in der linken Analyse fällt besonders dann ins Auge, wenn sich die reale Umkehr des propagierten Verhältnisses von Kapitalismus und Faschismus nicht mehr verleugnen lässt: Wer hat denn bitte die Welt von der faschistischen und nationalsozialistischen Barbarei befreit? Gewiss, es gab einen Widerstand gegen die faschistischen Regimes – auch und ganz besonders von linker Seite. Jedoch war die militärische Option der alliierten Streitkräfte ungleich erfolgreicher.
Aus diesem Grund möchte ich auch versuchen den Faschismus etwas präziser begrifflich zu definieren: Der Faschismus entspringt zunächst der ganz normalen Logik einer bürgerlichen Gesellschaft und ist die Konsequenz eines gesellschaftlichen Transformationsprozesses unter dem Diktat der kapitalistischen Verwertung. Der dieser Verwertungslogik innewohnende Konkurrenzdruck zerstört nun die angenommenen gesellschaftlichen Harmonien. Hier tritt der Faschismus offen zutage: Er versucht einerseits den ökonomischen, sozialen und politischen Abstand zu fortschrittlicheren Nationen und andererseits das Auseinanderdriften des eigenen Gesellschaftkollektivs zu verhindern, indem er sich als eine Art integrative Heilslehre geriert, welche die bestehenden Disparitäten beseitigen möchte. Dies soll durch eine Synthesis sämtlicher gesellschaftlicher Akteure eines nationalstaatlichen Territoriums geschehen. Insofern ist der Faschismus durchaus eine Modernisierungsideologie. Betrachtet man die Staaten, in denen sich faschistische Regimes etablieren konnten, oder faschistische Gruppen zu Massenbewegung heranwuchsen, dann wird diese Behauptung sehr deutlich untermauert. Auf der anderen Seite wiesen die bereits etablierten Demokratien eine auffallende Faschismusresistenz auf. Zwar gab es auch in Großbritannien oder in den USA faschistische Gruppen, sie waren aber nahezu bedeutungslos: Der klassische Faschismus ist also primär eine Krisenideologie der nachholenden Modernisierung.
Im faschistischen Kollektiv steht der Einzelne nie im Vordergrund, sondern immer die Gemeinschaft. Nicht individuelle Rechte und Freiheiten sollen verteidigt werden, sondern das Individuum soll vollends im Staat aufgehen. Insoweit ist der Zusammenhang von Faschismus und Liberalismus, als die vollständige Unterwerfung der Individuen unter die abstrakten Formen Staat und Recht bereits dargelegt. Dennoch möchte ich betonen, dass der Faschismus nicht eine Folge der Aufklärung, sondern deren Negation par exellence ist. Schließlich verwirft er die liberale Vorstellung vom Rechtsstaat, der alle Rahmenbedingungen für die sonst freie Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens regelt, also die Idee vom Staat als Sachwalter der allgemeinen Vernunft. Die Gesellschaft verschmilzt hingegen mit dem Staat zu einem totalitären Herrschaftssystem.
»Für den Faschismus ist der Staat ein Unbedingtes, vor dem Einzelmenschen und Gruppen das Bedingte sind.15«
Fassen wir noch einmal zusammen: Der italienische Faschismus entstand ursprünglich innerhalb sozialrevolutionärer, zumeist syndikalistischer Zusammenhänge. Diese verbündeten sich nun mit anderen politischen Kräften, welche ebenfalls die Abschaffung der etablierten bürgerlichen Ordnung favorisierten. Es entwickelte sich eine Bewegung, deren Anhängerschaft sich selbst als Faschisten bezeichneten und deren Symbol das Rutenbündel war, das die Stärke und Überlegenheit des Bundes gegenüber dem Einzelnen symbolisierte. Inspiriert von der voluntaristischen Lehre des Sozialphilosophen Georges Sorel, dem Integralismus der Action française und unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges und seiner sozialen und politischen Folgen für die Gesellschaft entstand die faschistische Bewegung Italiens. Es ist also falsch zu behaupten, die Syndikalisten hätten damals nur ihre linken Ideale gegen eine rechte Gesinnung eingetauscht. Vielmehr entspringt die faschistische Ideologie einer falschen Gesellschaftsanalyse, die auch in Teilen der Linken sehr weit verbreitet war: Man denke zum Beispiel an den Etatismus der deutschen Sozialdemokratie16, an die Doktrin Stalins vom Sozialismus in einem Land oder an den preußischen Staatssozialismus der Lassalleianer17, um nur einige Beispiele zu nennen18. Jene groteske Bewegung berief sich dabei auf drei Grundwerte: Recht und Ordnung, die Macht des Volke und den Zusammenhalt der Volksmassen. Ein Rassenbegriff, wie er uns aus der nationalsozialistischen Ideologie bekannt ist, existierte nicht. Das soll nicht heißen, dass sich der klassische Faschismus Italiens keiner xenophoben Ausdrucksformen bediente. Im Gegenteil: Der faschistische Staat versuchte schon sehr bald die eigene Krisis vermittels kolonialer Expansionsgelüste nach außen zu kanalisieren und bediente sich diesbezüglich auch jener rassistischen Konnotationen, die im Kontext kolonialistischer Praxis allgemein üblich waren.
Bedingt durch den Modernisierungsprozess kam es im Italien der Nachkriegszeit also zu zahlreichen sozialen Spannungen. Bereits im Chaos der Vorkriegsjahre, besonders aber während des Ersten Weltkrieges wurde deshalb der Ruf nach Ordnung und Stabilität immer lauter. So fand Mussolini sehr bald Unterstützung aus unterschiedlichen politischen Lagern. Durch die Krise geschwächt ließ die Regierung die Faschisten gewähren, zumal sie sich auf den Rückhalt der Großgrund- und Fabrikbesitzer, sowie der Exekutive stützen konnten.
Die neu kreierte Bewegung wies allerdings eine enorme Heterogenität auf und dem Machtmensch Mussolini kam wegen diverser Zweckbündnisse nicht die Rolle zu, die ihm selbst vorschwebte. Außerdem waren die Ergebnisse der ersten Wahlen ein völliges Desaster, was wohl daran lag, dass nie zuvor eine Partei mit linken Parolen gegen die politische Rechte und Linke zugleich mobilisierte. Mit einer klaren Richtungsentscheidung wendete sich Mussolini 1920 deshalb vollends nach Rechts, was allerdings eine Vielzahl an Parteiaustritten, unter anderem dem des Futuristen Marinetti zur Folge hatte. Auf der anderen Seite führte dieser Entschluss und die damit verbundene Aussöhnung mit Kirche und König dazu, dass der amtierende Ministerpräsident Giovanni Giolitti die Faschisten in seinen Integrationskurs einbezog, der die politische Krise Italiens überwinden sollte. Das Gegenteil war aber der Fall: Giolitti scheiterte und trat im Juli 1921 zurück.
Mussolini avancierte während dieser Zeit zum uneingeschränkten Führer der Faschisten, zum so genannten Duce. Die bis dato noch recht lose organisierte Bewegung überführte er dann am 7. November 1921 in eine Partei, die Partito Nazionale Fascista. Mittlerweile war aus den marginalen Gruppierungen bereits eine Massenbewegung geworden. Als im Sommer 1922 faschistische Gruppen in fast allen größeren Städten Aktionen, die im Zusammenhang mit einem Generalstreik unter Federführung der sozialistischen Partei standen, gewaltsam auflösten, war die sozialistische Bewegung Italiens vollends gescheitert. Die Faschisten forderten nun Neuwahlen und drohten mit einem Marsch auf Rom, sollten diese nicht zustande kommen. Als sich dann noch mehrere zehntausend Schwarzhemden in Bewegung setzten verweigerte der amtierende König Vittorio Emanuele III. seine Zustimmung zu einem Militäreinsatz gegen die Faschisten und ernannte Mussolini zum umgehend zum Ministerpräsidenten einer Koalitionsregierung.
Hinter diesem Marsch auf Rom verbirgt sich ein Mythos, der selbst heute noch nachwirkt. Tatsächlich wäre es dem Militär mit Leichtigkeit gelungen die leichtbewaffneten faschistischen Kampfgruppen zu besiegen. Auch beschränkten sich die Aufstände – anders als nachträglich behauptet – nur auf Nord- und Mittelitalien. Die Gründe für die Entscheidung des Königs sind bis heute nicht bekannt: Es wird jedoch angenommen, dass sowohl die reale Gefahr eines Bürgerkrieges, als auch die einer Ursupation durch seinen Vetter, dem Herzog von Aosta, der ein glühender Anhänger der faschistischen Bewegung war, Einfluss auf seine Entscheidungsfindung hatten.
Die folgenden Jahre verbrachte Mussolini damit, seine Diktatur zu errichten. Der faschistische Staat wies alle Eigenschaften eines totalitären Regimes auf: Die PNF avancierte zur Einheitspartei, die regimekritische Presse wurde verboten und politische Gegner waren mit den Repressionen eines sich mehr und mehr etablierenden Polizeistaats konfrontiert. Das Exekutivorgan bildete der faschistische Großrat, der Gran Consiglio Del Fascismo. Die Monarchie wurde zu keiner Zeit angetatstet.
Bevor ich mich nun der letzten Phase des italienischen Faschismus und dem Bündnis Hitler-Mussolini zuwenden werde, muss ich an dieser Stelle noch auf die Notwendigkeit einer Unterscheidung von faschistischer und nationalsozialistischer Ideologie drängen. Die Faschismusforschung streitet schon länger darüber, ob es sich beim NS nur um eine radikalisierte Variante des Faschismus oder doch um ein eigenständiges Phänomen handelt. Bei einigen Wissenschaftlern führte dies – neben der Relativierung des offen gelebten Vernichtungswillens der NS-Volksgemeinschaft – zu den seltsamsten Kurzschlüssen. So etwa bei Ernst Nolte, der mit seinem kausalen Nexus die nationalsozialistische Judenvernichtung als logische Konsequenz des Bolschewismus deduzierte.
Auch wenn die gemeinschaftsbildende Wirkung sowohl der faschistischen, als auch der nationalsozialistischen Ideologie inhärent sind, so arbeiteten beide mit unterschiedlichen Ursprungsmythen. Ein Blick auf das Staatsverständnis der beiden Weltanschauungen zeigt uns bereits den wesentlichen Unterschied: Der italienische Faschismus verherrlichte den Staat als besondere Schöpfung des Geistes und ordnet das Individuum im stato totalitario19 vollends dem Staatszweck unter, wohingegen in der nationalsozialistischen Lehre der Staat einzig als Diener des Volkes herhalten musste. So konstatierte Mussolini „Der Staat sei die wahre Daseinsform des Individuums. Alles existiere nur innerhalb des Staates und finde nur dort seinen Wert.20“ Für die nationalsozialistische Ideologie spielte der Staat nur insofern eine Rolle, als er „die auf blutmäßiger Verbundenheit, gemeinsamen Schicksal und gemeinsamen, politischen Glauben beruhende Lebensgemeinschaft eines Volkes, der Klassen- und Standesgegensätze wesensfremd sind21” organisierte. Der NS setzte also primär auf die biologistische Kategorie der Rasse. Das Ius sanguis22 bestimmte die Zugehörigkeit zu dieser Volksgemeinschaft. Der Ausschluss aus dem Kollektiv erfolgte zunächst vermittels Diskriminierung, später dann durch gesetzlich legitimierte Ausgrenzung, bis hin zur praktizierten millionenfachen Vernichtung.
Exklusion gab es allerdings auch im Faschismus, jedoch kannte der italienische Faschismus weder eine Rassenlehre, noch bediente er sich antisemitischer Ressentiments – zumindest nicht mehr, als es seinerzeit auch in anderen Ländern üblich war. Paradoxerweise war das faschistische Italien bis 1943 von allen europäischen Nationen (die in den Zweiten Weltkrieg verwickelt waren) eines der sicherste Länder für Jüdinnen und Juden, die zunächst vor antijüdischen Pogromen im Osten (etwa in Polen unter dem autoritärem Regime von Marshall Piłsudski) oder der beginnenden antisemitischen Politik Nazi-Deutschlands flohen. Die Adaption einer rassistischen und antisemitischen Ideologie steht in engem Zusammenhang mit der Annäherung des faschistischen Italiens an das nationalsozialistische Deutschland und der daraus resultierenden Abhängigkeit. Die Phase des Niedergangs ist deshalb auch die widersprüchlichste Etappe des italienischen Faschismus.
Um die immer wieder propagierte Synthese von Volk und Staat legitimieren zu können bedarf es immer bestimmter Feindbilder. Hier zeigt sich aber auch die Inkonsistenz dieser Ideologie. Diese Problematik erläuterte bereits Franz Neumann in seinen einführenden Bemerkungen über den Wert der nationalsozialistischen Ideologie23.
Sowohl der klassische Faschismus, als auch der Nationalsozialismus brachten keine neuen Feindbilder hervor sondern denunzierten bestehende gesellschaftliche Leitbilder oder radikalisierten vorhandene gesellschaftliche Ressentiments innerhalb der Mehrheitsgesellschaft oder gesellschaftlicher Eliten. Zu einer solchen Radikalisierung kam es im faschistischen Italien in den 1930er Jahren. Der faschistische Staat strebte mittlerweise nach kolonialer Expansion und aktivierte eigens dafür den Mythos der Wiederaufstehung des römischen Reiches. 1935 überfiel Italien dann das abessinische Königreich in Nordafrika. Dabei ging die Armee mit äußerster Brutalität auch gegen die Zivilbevölkerung vor. Dennoch gelang es niemals das Land vollständig zu kontrollieren. Italien benötigte nun also militärische Bündnispartner, denn außenpolitisch war es mittlerweile isoliert. Gegenüber dem Deutschen Reich und Hitler war Mussolini allerdings recht skeptisch. Umgekehrt hegte der Führer der Nationalsozialisten gewisse Sympathien für den Duce. Mussolini lehnte auch die nationalsozialistische Rassenlehre entschieden ab. So soll er diesbezüglich einmal gespottet haben: „Wenn diese Theorien richtig wären, müssten die Lappen die höchsten Kulturträger sein!“
Stattdessen verstand er sich als Schutzmacht des austrofaschistischen Österreichs und dessen Unabhängigkeit, weshalb er 1934 nach der Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß auch eine Division am Brennerpass aufmarschieren ließ und deshalb in Konflikt mit Deutschland geriet. Die militärischen Schwierigkeiten während der Besatzung Abessiniens und der Bürgerkrieg in Spanien führten dann aber doch zu einer Annäherung zwischen dem Deutschen Reich und Italien. Dabei geriet das militärisch schlecht ausgestatte Italien immer mehr in die Abhängigkeit von Hitlerdeutschland. 1938 führte Italien deshalb aus eigenem Antrieb auch Rassengesetze ein, wobei die Umsetzung zunächst nur recht halbherzig erfolgte. Es war wohl der enorme Zugzwang gegenüber dem mächtigen Bündnispartner gewesen, der diese Entscheidung herbeiführte, denn die Ideologiegeschichte des italienischen Faschismus wies selbst keinerlei eigene Tendenz zu einer solchen Entwicklung auf.
Der Rest ist allen bekannt: Italien trat an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein und erlitt schwere militärische Niederlagen in Nordafrika, Griechenland und im mittelmeerischen Seekrieg. Im Sommer 1943 besetzten dann alliierte Truppen Sizilien. Mussolini wurde daraufhin vom faschistischen Großrat abgesetzt und verhaftet. Aus seiner Haft befreit, errichtete er mit deutscher Unterstützung ein Marionettenregime in Norditalien, die so genannte Italienische Sozialrepublik. Am 28. April 1945 erschossen kommunistische Partisanen den Duce am Comer See. Die Epoche des Faschismus in Italien fand wenige Tage vor der Niederschlagung des Nationalsozialismus ihr Ende.
Das nächste Mal wende ich mich dem klerikal geprägten spanischen Franquismus zu, der von 1936 bis 1977 fortdauern konnte: Tenemos un Caudillo! Der autoritäre Staat Francos.
Wie immer gilt: Ich verzichte bewusst auf eine geschlechtsneutrale Grammatik, weil ich es nicht für sinnvoll erachte, historische Epochen, die von der Vormachtstellung „männlicher“ Protagonisten geprägt waren, im Nachhinein von ihrer patriarchalen Verfasstheit freizusprechen.

Fußnoten: [1] zitiert aus Willhelm Reich: Die Massenpsychologie des Faschismus.
[2] Ich möchte diesbezüglich auf die Ausgabe Nr. 30 der Zeitschrift PHASE 2 verweisen: Die F-Skala. Zur Relevanz des Faschismus.
[3] Während der Jahre 1919/20 kam es unter Führung der Sozialistischen Partei Italiens zu dem Versuch – im Sinne der Beschlüsse der Dritten Internationale – den Ideen der russischen Oktoberrevolution auch in Italien zum Durchbruch zu verhelfen. Es kam zu zahlreichen Streiks und zu Fabrik- und Landbesetzungen. Diese „zwei roten Jahre“ wurden von „zwei schwarzen Jahren“, den Biennio nero abgelöst. Einer faschistischen Reaktion um 1921/22.
[4] Faschistische Kampfbünde.
[5] Sozialistische Reformpartei Italiens. Splitterpartei innerhalb der interventionistischen Linken. Stand zunächst einem Kriegseintritt gegen die Türkei im Italienisch-Türkischen Krieg ablehnend gegenüber. Erteilte jedoch später der Regierung Giovanni Giolitti aus patriotischer Erwägungen die Zustimmung zur Kriegserklärung.
[6] Union der italienischen Syndikalisten. Dachverband der italienischen Syndikalisten.
[7] Bünde der internationalistischen Aktion.
[8] Bünde der revolutionären Aktion.
[9] zitiert nach Emilio Gentile: Storia del Partio Fasccista.
[10] Ein Viermännerbund, bestehend aus Italo Balbo, Michele Bianchi, Cesare Maria de Vecchi und Emilio de Bono.
[11] zitiert aus Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.
[12] Martin Dornis: K wie Krise. in: Conne Island Newsflyer Nr. 161.
[13] zitiert aus Max Horkheimer: Die Juden und Europa.
[14] Einer auffallenden Theorieresistenz und anderen mir bislang unbegreiflichen Gründen ist die Tatsache geschuldet, dass linkes Denken selbst heutzutage fast ausnahmslos im Medium des Staates praktiziert wird. Es ist der Verdienst der materialistischen Staatskritik – sei es jener des Althusser-Schülers Nicos Poulantzas; oder ihrer hegelmarxistischen Variante, die den Staat als Garant gewaltförmiger gesellschaftlicher Einheit versteht – das überhaupt jemand auf die Idee kam, ausgehend von der Marxschen Analyse des Waren-, Geld- und Kapitalfetischs, die Kategorie des Staatsfetischs näher zu untersuchen oder überhaupt erst zu entwickeln. Materialistische Staatskritik heißt also die abstrakten Kategorien Staats- und Rechtsform zu hinterfragen, um das praktizierte Herrschaftsverhältnis der bürgerlichen Gesellschaft richtig verstehen und kritisieren zu können.
[15] zitiert aus Benito Mussolini: Dottrina del Fascismo.
[16] Dieser Begriff bezieht sich auf die staatsaffirmative Politik der deutschen Sozialdemokratie. Diese zielte auf die Durchdringung und Disziplinierung der Wirtschaft und des gesamten gesellschaftlichen Lebens durch den Staat. Eine äußerst interessante Abhandlung zur Thematik verfasste der Rätekommunist Willly Huhn: Der Etatismus der Sozialdemokratie. Zur Vorgeschichte des Nazifaschismus.
[17] Anhänger des ADAV. Strebten einen genossenschaftlichen Sozialismus an, der sich an preußisch-nationalstaatlichen Interessen orientierte.
[18] Was haben Lassalianer, Frühsozialisten, Sozialdemokraten, Leninisten, Trotzkisten, Stalinisten, das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC, national Befreiungsbewegte und die meisten Linksparteiler_innen gemein? Die Forderung nach einem besseren und gerechteren Staat, oder doch besser gleich die nach der revolutionären Aneignung der Staatsgewalt. Der Staat gilt ihnen gemeinhin als Garant gesellschaftlicher Einheit und niemand kommt auf die Idee ihn infrage zu stellen. Und diejenigen, die immer am lautesten tönen, dass sie doch gegen “jeden” Staat seien, suchen ihr aktionistisches Heil zumeist in einer Bündnispolitik mit anderen Staatsfans – getreu der linken Parole: Masse statt Klasse! So waren die Verstaatlichungsphantasien einer deutschen Sozialdemokratie unter den Auspizien der Kriegswirtschaft, sowie sämtlicher realsozialistischer Staaten mehr als nur ein feuchter Traum. Es geht ihnen immer nur darum den besseren und gerechteren Staat zu kreieren. Kaum Eine_r bemerkt die Abstraktheit der Staats- und Rechtsform an sich und fragt warum die rechtlich freien und gleichen Individuen sich einer solchen Realabstraktion unterwerfen.
[19] Ein von Mussolini im positiven Sinne verwendetes Theorem für das von ihm erschaffene Herrschaftssystem. Über die beiden Staatsrechtslehrer Carl Schmitt und Ernst Forsthoff – die mit ihren Arbeiten dem NS-Regime eine juristische Legitimität verschafften – gelangte der Begriff auch nach Deutschland, wo er sich schließlich im „totalen Staat“ nationalsozialistischer Prägung etablieren konnte.
[20] zitiert nach Karl-Peter Sommermann: Staatsziele und Staatszielbestimmungen.
[21] Der Volksbrockhaus (Ausgabe von 1943).
[22] Recht des Blutes.
[23] Franz Leopold Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944.(S.65) Die nationalsozialistische Ideologie ist bar jeglicher innerer Schönheit. […] die Konstruktionen sind wirr, eine Konsistenz ist nicht vorhanden. Jede Äußerung entspringt einer unmittelbaren Situation und wird verworfen, sobald die Situation sich ändert.”

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