Archiv für April 2009

Ladenschluss für „WAFFEN-ARMY-SHOES“ jetzt!

Ladenschluss jetzt !
Kein Raum für nationalistische und rassistische Propaganda

„Waffen Army Shoes“ – nur ein Bekleidungsgeschäft?

Mitten in der Freiberger Innenstadt auf dem Schlossplatz 1 liegt der Laden „Waffen Army Shoes“. Im Sortiment des Ladens findet man aber nicht nur „warme und strapazierfähige Kleidung“, wie der Inhaber Tobias Schneider einmal in einem Zeitungsartikel sein Sortiment beschrieb. Im Laden lässt sich eine ganze Reihe von neonazistischen Devotionalien finden. Von T-Shirts ,Aufnähern und Aufklebern mit rassistischen und nationalistischen Motiven wie „White Power“, „88“ (steht für Heil Hitler), „Zyklon B“ über Logos von bekannten Neonazibands wie „Störkraft“ und „Landser“ findet sich alles was das braune Herz höher schlagen lässt. Den meisten Umsatz dürfte Schneider aber vermutlich mit der Kleidungsmarke „Thor Steinar“ machen, deren Logo auch auf seinem Ladenschild prangt.

Was ist „Thor Steinar“ ?

Der Trend der Nazis weg vom Skinheadoutfit ist nicht zu übersehen. Die Kleidungsmarke „Thor Steinar“ kommt da natürlich wie gerufen. Sie stellt unter Neonazis beliebte Pullover, T-Shirts und Jacken, sowie verschiedene Accessoires her. Thor Steinar gelingt dabei die Synthese von aktuellen Modetrends und Motiven, die an völkische, nationalsozialistische, mythologische und kolonialistische Symbole anknüpfen. So findet man neben Aufdrucken von Runen, welche meist auch im Nationalsozialismus Verwendung fanden, und den Namen nordischer Gottheiten auch Namen von SS-Divisionen und Abbildungen von deutschen Kampfflugzeugen und der V2-Rakete. Die Marke ermöglicht es Nazis, sich stilvoll in hochwertiger Qualität zu kleiden ohne auf völkische Symbolik zu verzichten. Die mehrdeutigen Aufdrucke helfen Nazis auch, nicht immer gleich als eben diese erkannt zu werden, da die Symbolik meist nur Kenner_innen der Szene geläufig ist. Für die Träger_innen der Marke ist vor allem die identitätsstiftende Funktion das Wichtige. Die Identität ist Teil eines Lifestyles und einer Subkultur, die ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl schafft. Durch diese Funktion werden Menschen an die Ideologie des Nationalsozialismus herangeführt. Registriert wurde die Marke „Thor Steinar“ 2002 von Axel Kopelke. Seit 2003 wird sie durch die Firma „Mediatex GmbH“ mit Sitz in Zeesen/Brandenburg vertrieben.Der Geschäftsführung werden von lokalen Antifaschist_innen Verbindungen zur rechten Szene nachgesagt. So wurde Kopelke in der Vergangenheit bei völkischen Sonnwendfeiern, einem Liederabend mit dem Nazi-Barden Frank Rennicke und bei einer NPD-Reichsgründungsfeier gesehen. Die Käufer_innen von einer Marke wie „Thor Steinar“ müssen sich bewusst werden das sie wissentlich oder unwissentlich einer rassistischen und menschenverachtenden Ideologie Vorschub leisten.

Nur ein Geschäftsmann?

Tobias Schneider, der Inhaber des Waffen Army Shoes, gibt sich selbst gern als braven und unpolitischen Geschäftsmann. Den Verkauf von Neonazi-Kleidung rechtfertigt er einfach damit das er ja auch „linke“ Artikel wie Che Guevara T-Shirts und Anstecker gegen Faschismus verkauft. Das sich mittlerweile auch Nazis mit dem Konterfei Che Guevaras schmücken dürfte auch Schneider bekannt sein. Auf die Frage der Redaktion der alternativen Stadtzeitung FreibÄrger, ob er sich denn persönlich von der rechten Szene distanzieren könne, konnte er keine eindeutige Antwort geben und flüchtete sich in Ausreden. Am Ende meinte er dann: „Ich stehe dazu, ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Wir haben Bismarck gehabt, wir haben den deutschen Kaiser gehabt. “Wie sich diese Reihe fortsetzten lässt kann sich jede_r denken. Selbst auf eine kleine Anfrage der Linkspartei im Landtag hin listete das sächsische Innenministerium den Freiberger Laden von Schneider als „rechtsextremistisch“ in seiner Antwort auf.
Das Schneider nur ein „unpolitischer“ Geschäftsmann ist, scheint also sehr zweifelhaft. Das bestätigte sich auch wieder als Antifaschist_innen im Dezember 2007 vor seinem Laden eine Kundgebung abhielten. Schneider fuhr mit einem Auto vor, auf dessen Heckscheibe der große Schriftzug „Zyklon B“ prangte, der Name des Giftstoffes, mit dem im Nationalsozialismus Millionen Menschen in Gaskammern ermordet wurden. Schneider stellte auch die Kampagne „Schöner Leben Ohne Naziläden“auf eine Stufe mit dem Nazislogan „Kauft nicht bei Juden“. Anscheinend sind für Schneider Kampagnen, die sich gegen neonazistische Strukturen im Alltag richten, dasselbe wie antisemitische Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund konstruierter Rassenzugehörigkeit, die mit der industriellen Massenvernichtung von Millionen Menschen endeten.

Neben dem Geschäft in Freiberg unterhält Schneider noch eine Filiale in Chemnitz. Deren Umzug auf die Straße der Nationen nahmen ca. 800 Antifaschist_innen zum Anlass, bei einer Demonstration über den Laden aufzuklären. Im Zuge des Umbaus des Schlossplatzes wird auch der Laden in Freiberg im Mai umziehen müssen. Ein Anlass für uns der Verbreitung von menschenverachtendem Gedankengut entschieden entgegenzutreten. Schneider ist mit seinem Geschäft aktiv daran beteiligt, rassistische und nationalistische Ideologien in der Gesellschaft zu verfestigen und macht sich und seinen Laden somit selbst zum Ziel antifaschistischer Interventionen.

Uns ist aber auch klar das nicht nur Naziläden und ein entsprechender Lifestyle das Problem sind, es sind viel mehr die vorherrschenden Verhältnisse die nationalistische, rassistische und antisemitische Denkweisen immer wieder aufs neue reproduzieren und das nicht nur am rechten Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft.

Wer sich intensiver mit Thor Steinar auseinandersetzen möchte findet auf der Internetseite mehr Informationen:
www.investigatethorsteina.blogsport.de


Antifaschistische Gruppe Freiberg , März 2009

UnterstüzerInnen:
Linkes Jugendbündnis Freiberg
Ladenschluss jetzt! – Bündnis Dresden


Auslage im Laden


Zyklon-B Schriftzug auf Schneiders Auto


Tobias Schneider vor seinem Laden (während einer Protestkundgebung)

Teil IV: Tenemos un Caudillo! Der autoritäre Staat Francos.

Teil IV: Tenemos un Caudillo! Der autoritäre Staat Francos.

von Alfred J. Quack

In der letzten Ausgabe wurden als thematischer Schwerpunkt die relativistischen Tendenzen im geschichtspolitischen Diskurs der Berliner Republik behandelt. Vielleicht wäre es diesbezüglich auch einmal interessant gewesen über den Tellerrand deutscher Befindlichkeiten zu schauen und sich mit der Geschichtsaufarbeitung des spanischen Königreiches zu beschäftigen. Der Übergang vom semifaschistischen Regime Francisco Franco Bahamondes, hin zu einer freiheitlichen Demokratie, vollzog sich dort nämlich nahezu fließend. Erst in den letzten Jahren mehrten sich kritische Stimmen und mittlerweile gibt es – sogar staatlicherseits initiiert – zahlreiche Versuche die eigene unrühmliche Vergangenheit mal mehr, mal weniger kritisch aufzuarbeiten. Diesmal soll also der Franquismus behandelt werden. Bezüglich meiner vergleichenden Faschismusanalyse geht es mir dabei vorrangig um einen Blick auf die Besonderheiten dieser Diktatur, sowie um die politischen Kräfte hinter dem einzigen faschistischen Regime, das noch nach dem Zweiten Weltkrieg, bis ins Jahr 1977 hinein fortexistieren konnte. (mehr…)

03.04.2009 / Gränitz: Neonazi-Konzert ausgefallen

03.04.2009 / Gränitz: Neonazi-Konzert ausgefallen

Von Recherche Ost (Recherche und Medienkollektiv)

Ein am 03. April im sächsischen Gränitz bei Freiberg geplantes Neonazi-Konzert wurde von der Polizei verhindert. Mehrere Dutzend angereiste Neonazis aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Tschechien sammelten sich daraufhin in einem Szene-Objekt in Dresden-Reick, wo sie jedoch keine Konzertveranstaltung mehr durchführten.

Eingeladen zu dem Konzert hatte der Dresdner Neonazi Maik Müller. Er hatte die Veranstaltung als „private Geburtstagsfeier“ tituliert und hoffte dadurch, die Einsatzkräfte der Polizei daran hindern zu können, gegen das Konzert vorzugehen. Als Veranstaltungsort sollte der „Gasthof Gränitz“ dienen. Die ehemalige Dorfgaststätte war 2001 vom ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert erworben und seither unregelmäßig für neonazistische Treffen und Veranstaltungen genutzt worden. Ursprünglich plante Deckert hier einen für die bundesweite neonazistische Szene relevanten Treffpunkt zu etablieren, was bisher jedoch nicht gelang. Auftreten sollten am Abend des 3. April fünf Bands aus der RechtsRock-Szene. Darunter „Sachsonia“ und „Priorität 18″ aus der Region Dresden und die tschechische Neonazi-Band „Attack“. Da nach Angaben der Polizei bei dem Auftritt dieser als einschlägig bekannten Bands zu erwarten war, dass es zu Straftaten kommen könne, wurde das Konzert unterbunden. Anreisenden Neonazis wurden dazu Platzverweise erteilt. In Folge dessen reisten nun mehrere Dutzend Neonazis frustriert nach Dresden, um dort in einem Szene-Objekt auf der Oskar-Röder-Straße den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Auch hier waren Polizeibeamte vor Ort, beobachteten aber lediglich präventiv das Geschehen und griffen nicht ein. Ein Konzert fand in den Räumen des szene-intern als „Baubude“ bezeichneten Klubs nicht statt.
 
Frustriert und enttäuscht äußerten sich im Nachhinein Neonazis im Internet. Bemängelt wurde, dass der in der Einladung von Maik Müller angegebene Vorabtreffpunkt an der Autobahn Dresden-Chemnitz zu spät besetzt war und zudem zu spät erst die Information über die Konzertabsage erfolgte. Ausserdem beklagte Maik Müller selbst sich darüber, dass schon Stunden vor dem Konzert der geplante Veranstaltungsort Gränitz über SMS-Verteiler bekannt gemacht wurde.
Bei RechtsRock-Konzerten ist es üblich, dass der genaue Ort bis kurz vor Beginn nur wenig Eingeweihten bekannt ist und anreisende TeilnehmerInnen lediglich einen Vorab- oder Schleusungspunkt erfahren, von wo aus sie dann mit konkreten Informationen versorgt zum Veranstaltungsort geschickt werden. So soll verhindert werden, dass die Polizei Kenntnis vom Konzert erhält.

Maik Müller ist einer der führenden Aktivisten aus dem Spektrum der so genannten parteiungebundenen „Freien Kräfte“ in Dresden. Er war unter anderem Anmelder des neonazistischen „Gedenkmarsches“ am 13. Februar 2009 und betreibt ein Internetportal der Szene. Erst kürzlich veröffentlichte er gemeinsam mit einem weiteren regionalen Protagonisten eine Erklärung, dass die „Freien Kräfte“ in Dresden die NPD nicht bei den anstehenden Wahlen dieses Jahr unterstützen werden. Die „Freien Kräfte“ werfen der NPD vor nach „jahrelangem Stillhalten“ ohne Absprache mit den „regionalen Kräften“ am 1. Mai in Dresden eine „reine Wahlkampfveranstaltung“ angemeldet zu haben. Es habe dazu im Vorfeld keine konstruktive Zusammenarbeit stattgefunden und es könne zudem nicht von einer „Arbeit auf gleicher Augenhöhe“ die Rede sein. Von anderen sächsischen VertreterInnen der „Freien Kräfte“ wurde diese Erklärung scharf kritisiert, da sie einen „Alleinvertretungsanspruch“ darstelle.

In Sachsen finden beinahe wöchentlich neonazistische Konzerte statt. Nach Angaben des „a.l.i.a.s. Dresden“ fanden 2008 mindestens 48 enstprechechende Konzerte statt.

www.recherche-ost.de