Archiv für Juni 2009

04.07. Dresden : Antifa-Demonstration gegen das iranische Regime

Im Iran werden zur Zeit Proteste gegen das Regime mit Gewalt niedergeschlagen. Viele der Demonstrant_innen gehören der studentischen Protestbewegung an. Seit der Machtübernahme der Mullahs wurden bereits mehrere studentische Proteste brutal niedergeschlagen. Die Leute, die im Iran demonstrieren riskieren dabei ihr Leben. Über 250 Menschen wurden seit den Neuwahlen im Juni durch iranische Polizei und Regierungsmilizen getötet. Das iranische Regime ist autoritär, antisemitisch, sexistisch und muss deshalb mit allen nötigen Mitteln bekämpft werden! Wir solidarisieren uns daher mit den Teilen der Protestbewegung, die sich Diktatur und religiösem Fanatismus ernsthaft widersetzen. Im folgenden der Aufruf zu einer Antifaschistischen Demonstration am 4. Juli in Dresden:

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Pressemitteilung des RAA Sachsen e.V

Pressemitteilung – Chemnitz, 28.06.2009

Massive polizeiliche Gewalt gegen Jugendliche, die zuvor von Neonazis angegriffen wurden. Zeugin filmt Polizeigewalt gegenüber Punks. Neonazis bleiben unbehelligt.

In den Nachmittagsstunden des Freitags, 26.06.09, werden am Markt in Rochlitz (Mittelsachsen) drei Punks von ca. 15 Neonazis zunächst beschimpft und dann angegriffen. Dabei wird einem der Punks mit voller Kraft eine Bierflasche am Kopf zerschlagen.

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Bericht: 20.06. Antifa-Demo PROGRESS IN MIND[S]

In Freiberg fand am 20.06. unter dem Motto „progress in mind[s] – Gegen die Deutschen Zustände – Für eine emanzipatorische Gesellschaft“ eine antifaschistische Demonstration statt. Es wurden die Nazi-Aktivitäten, besonders der Aufmarsch am 1. Mai und das anschließende Medientheater, thematisiert. Es wurde gefordert , diese als Problem im Kontext gesamtgesellschaftlicher Verhältnisse wahrzunehmen und auf die ideologischen Schnittmengen zwischen Nazis und „normalen Bürgern“ hingewiesen. Die Polizei war massivst vor Ort und strapazierte die Geduld der 200 bis 250 Teilnehmenden bis aufs letzte mit ihren überzogenen Schikanen.

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Gegen jeden Extremismusbegriff!

Gegen jeden Extremismusbegriff!

Redebeitrag der INEX anlässlich der Demonstration „progress in minds“ am 20.06.09 in Freiberg.

Antifaschistische Demonstrationen sowie das Engagement gegen Naziläden sind richtig und wichtig! Es ist notwendig, genau diese Strukturen permanent zu skandalisieren und zu bekämpfen, die auf national befreite Zonen hinarbeiten. Es ist notwendig, die Ausbreitung von jugendkulturellen Codes zu verhindern, die Naziideologien in ein popkulturelles Gewand packen. Und ebenso notwendig ist es, sich gegen die zunehmende Bedrohung durch Nazis auf der Straße zu organisieren. In Sachsen erscheint antifaschistisches Handeln und Agieren umso relevanter, und das nicht nur, aber vor allem in der Provinz: Die NPD sitzt nicht nur im Sächsischen Landtag, sondern mittlerweile in fast allen Kreistagen. In Colditz ziehen hundert Nazis durch die Dorfcity und suchen vermeintliche politische Gegnerinnen und Gegner. Gleichzeitig ist in Mügeln der dortige Oberbürgermeister nach einer Hetzjagd auf Migrantinnen und Migranten »stolz Deutscher zu sein«. Und in Mittweida wird nach Naziübergriffen kurzerhand der zivilgesellschaftliche »Antifaschistische Ratschlag« verboten.

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Ins schlechte Licht gerückt – Die Reaktionen der Stadt auf den 1. Mai

Ins schlechte Licht gerückt – Die Reaktionen der Stadt auf den 1. Mai

Redebeitrag der Antifaschistischen Gruppe Freiberg anlässlich der Demonstration „progress in minds“ am 20.06.09 in Freiberg

Nachdem die Freiberger_innen mitbekommen hatten, dass am 01. Mai hunderte Nazis durch Freiberg marschierten, war die Empörung darüber groß.
Politiker_innen und Bürger_innen waren entsetzt über den „braunen Spuk“, der nun auch nach Freiberg gekommen wäre. Dem Ansehen der Stadt sei ein erheblicher Schaden zugefügt worden. In einem Leser_innenbrief an die Freie Presse heißt es: „Die Bilder, die seit dem 1. Mai von Freiberg um die Welt gehen, sind in einer wirtschaftlich so schwierigen Zeit geradezu verheerend, für ausländische Investoren abschreckend und auch für den Hochschulstandort wenig hilfreich.“ Auch in anderen Kommentaren fällt auf, dass es vor allem die Sorge um das Image der Stadt ist, die die Freiberger_innen umtreibt.
„Die Stadtmarketing GmbH wäre bei einem Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit und Toleranz dabei gewesen“, fasste es der Stadtmarketingchef Gerd Przybyla zusammen. Und Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm ist sich sicher: „Der braune Sumpf hat in Freiberg keine Chance.“
Eine inhaltliche Auseinandersetzung und Aufarbeitung hingegen, wurde von fast keiner Seite geleistet, denn dann wären uns solche Kommentare erspart geblieben. (mehr…)

alternative freiräume schaffen !!

alternative freiräume schaffen

Redebeitrag der Antifaschistischen Gruppe Freiberg anlässlich der Demonstration „Progress in Minds“ am 20.6. in Freiberg.

Befragt man Freiberger Jugendliche heute nach Defiziten in der Stadt, werden vor allem fehlende Freizeitmöglichkeiten genannt. Zwar gibt es Jugendclubs und Ausgehmöglichkeiten – unkommerzialisierte, alternative Kultur lässt sich allerdings kaum finden. Möglichkeiten der selbstbestimmten Organisation gibt es entweder nicht, oder dort, wo es sie gibt, werden ihr von Seiten der Stadt, Steine in den Weg gelegt.
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Fascism Reloaded?

Fascism Reloaded?

Redebeitrag der Antifa R.D.L. gehalten auf der Antifa-Demonstration „progress in mind[s] am 20. Juni 2009 in Freiberg

Wiedereinmal stehen die Wahlen zum sächsischen Landtag an und erneut besteht eine reale Gefahr, dass die Nationalsozialisten von der NPD ins Landesparlament einziehen. Diese Aussicht, sowie die sprunghafte Zunahme der Aktivitäten desjenigen Spektrums der Neonazi-Szene, das mit der NPD nichts zu tun haben will oder lediglich ein instrumentelles Verhältnis zu ihr pflegt – also die Kameradschaftsszene und all jene heterogenen Gruppierungen, die am ehesten unter dem Label „Freie Kräfte“ zusammengefasst werden können – verdeutlichen die Notwendigkeit eines antifaschistischen Engagements.
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20.06. Antifaschistische Demonstration in Freiberg




progress in mind[s]

Gegen die deutschen Zuständen – Für eine emanzipatorische Gesellschaft
Antifaschistischen Demonstration und Kundgebung
20.06.09 – Freiberg – Bahnhof – 13 Uhr

Am 01. Mai marschierten über 350 Nazis durch Freiberg und verbreiteten dabei ihre menschenverachtende Ideologie. Als wäre das nicht Grund genug für eine inhaltliche Auseinandersetzung, sahen Stadt und Bürger_innen vor allem den entstandenen „Imageschaden“ als Problem. Dass Neonaziaufmärsche nur Symptome tiefer liegender gesellschaftlicher Ursachen sind, wurde völlig verkannt.
Dabei sind gerade autoritäres Gedankengut, Anpassungszwang, Rassismus, Antisemitismus und der positive Bezug auf die Nation in den Köpfen der meisten Menschen allgegenwärtig und liefern Anknüpfungspunkte und Nährboden für Nazis und ihre Ideologie. In Freiberg stellt vor allem der Laden „Waffen Army Shoes“ ein aktuelles Problem dar. Offen werden dort seit Jahren rechte Propagandaartikel und vor allem Kleidung der Marke „Thor Steinar“ verkauft – ein breiter Protest blieb bis heute aus. Wir wollen, dass all das als Problem wahrgenommen wird. Für die Veränderung der gesellschaftlichen Zustände braucht es aber eine Veränderung im Bewusstsein – „progress in minds“ sozusagen. Unsere Kritik richtet sich daher sowohl gegen die Ideologie der Nazis als auch die der bürgerlichen Gesellschaft, die Nationalismus, Antisemitismus und dergleichen mehr immer wieder aufs neue reproduziert.
Auf geht’s also am 20.6. um 13 Uhr zur Antifa-Demo in Freiberg.Treff ist am Bahnhof mit anschließender Party-Kundgebung im Albertpark! Dort gibt es als Abschlusskundgebung DJ-Sets von OG Tronic undHisteppa (Nasdia) zu hören.

Antifaschistische Gruppe Freiberg, Mai 2009

mehr Infos, Mobi-Stuff und den vollständigen Aufruf gibt es hier:

Mobistuff und Aufruf:

vollständiger Aufruf als PDF

Banner:

url: http://afg.blogsport.de/images/banner_freiberg.gif

Plakat:

vollständiger Aufruf:

progress in mind[s]

Gegen die deutschen Zuständen – Für eine emanzipatorische Gesellschaft

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration und Partykundgebung

20. Juni 2009 – Freiberg – Bahnhof – 13 Uhr

Am 01. Mai 2009 marschierten über 350 Neonazis, sog. Freie Kräfte und Autonome Nationalisten, durch Freiberg. Unter dem Motto „Zukunft statt Kapitalismus – Freiheit statt BRD“ war die Demonstration als Alternative zu einem verbotenen Nazigroßaufmarsch in Hannover vom Dresdner Neonaziaktivisten Maik Müller beim Landratsamt Freiberg angemeldet worden.
Bereits einen Tag danach wurden die Verantwortlichen in der Presse gerügt, ihr Verhalten als Versagen interpretiert. Von allen Seiten wurden Vorschläge eingebracht, wie Naziaufmärsche in der Zukunft verhindert werden könnten. Der mediale Aufschrei beschränkte sich dabei aber auf den Imageschaden der Stadt und reduzierte das Problem auf eine „Informationspanne“. Das „Bündnis gegen Extremismus“ wurde aus dem zweijährigen Winterschlaf geweckt und in Zukunft soll ein „Frühwarnsystem“ eingerichtet werden, um Informationen besser koordinieren zu können. Denn darin waren sich Leserbriefschreiber_innen und Verwaltung einig: Die couragierte Masse der Freiberger_innen hätte sich den menschenverachtenden Ideologien der Neonazis entgegengestellt, wäre sie informiert gewesen.
Diese Einschätzung verkennt die Wirklichkeit einer Mehrheitsgesellschaft, die seit Jahren die Augen vor einer rechten Alltagskultur verschließt. Regelmäßig traten Nazis in den letzten Jahren in Freiberg in Erscheinung.(1) So marschierten am 07.Oktober 2006 50 Neonazis, darunter Landtagsabgeordnete der NPD, unbeachtet von Presse und Bürger_innen, durch die Bahnhofsvorstadt. Seit 2004 sitzt die NPD in Kreistag und Stadtrat. Seit 2007 pflegen Freiberger Nazis engen Kontakt zum Dresdner Neonaziaktivisten Maik Müller, organisierten Kundgebungen in Freiberg und störten antifaschistische Veranstaltungen. Am sog. Volkstrauertag gedenken Jahr für Jahr Amtsträger_innen der Stadt gemeinsam mit Nazis „deutschen Opfern“. Empörung darüber blieb und bleibt bis heute marginal und den antifaschistischen Gruppen vorbehalten. Dass in Gränitz, nur wenige Kilometer von Freiberg entfernt, der ehemalige NPD Vorsitzende und verurteilte Holocaustleugner Günther Deckert dabei ist, ein Nazizentrum zu errichten, spielt in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle.(2) Als bekannt wurde, dass der in Italien verurteilte NS-Kriegsverbrecher Alfred Concina unbehelligt in einem Freiberger Altenheim seinen Lebensabend fristet, hatten die Bürger_innen dafür Verständnis. Auch Übergriffe auf nicht-rechte Jugendliche und als ausländisch wahrgenommene Menschen sind in Freiberg keine Seltenheit, finden aber in Presse und Öffentlichkeit nur selten Beachtung.
In der Debatte um den Nazigroßaufmarsch fanden all diese Ereignisse keinerlei Erwähnung. Statt Kritik an menschenverachtenden Ideologien zu üben, geht es den Freiberger_innen vorrangig um das Image der Stadt. So werden die Nazis vor allem als gewaltbereite Extremist_innen dargestellt, der Fokus von der Inhalts- auf die Handlungsebene verschoben. Im gleichen Atemzug können so Rechte und Linke unter dem Konstrukt „Extremismus“ in einen Topf geschmissen und die Schnittmengen zwischen rechter Ideologie und der sog. „bürgerlichen Mitte“ verschleiert werden.
Dabei stoßen Nazis mit ihren Forderungen in der Mehrheitsgesellschaft keineswegs auf taube Ohren. Die Vorstellung der blutsmäßigen Zugehörigkeit zu einer nationalen Gemeinschaft ist im kollektiven Bewusstsein vieler Menschen verankert.

german identity

Während sich in anderen Staaten die vermeintliche Zugehörigkeit zur Nation über verfassungsmäßige Werte vermittelt, definiert sich „Deutschsein“ über „Kultur“, vor allem aber über „Abstammung“. Menschen, deren Vorfahren vor Jahrhunderten das Gebiet des späteren Deutschland verließen, gelten als deutsch, anderen Menschen werden hohe Hürden auferlegt, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. In den USA hingegen gilt jeder Mensch, der auf dem US-Territorium geboren wird, als Staatsbürger_in. Dabei ist eine deutsche „Abstammungsgemeinschaft“ bzw. ein „deutsches Volk“ ein auf rassistischen Denkweisen basierendes Konstrukt und nicht nur aufgrund massiver Migrationsbewegungen in der Geschichte nicht haltbar.

Identität wird aber auch durch Geschichtspolitik erzeugt. Die offiziellen Gedenkspektakel in diesem Jahr, nämlich „60 Jahre Grundgesetz“ und „20 Jahre friedliche Revolution in der DDR“ zeichnen ein Deutschland mit vermeintlich demokratischen Kontinuitäten, das aber ebenso herbeihalluziniert werden muss, wie der Wunsch des Großteils der DDR-Bevökerung nach einer freien Gesellschaft. Demokratische Verhältnisse mussten jedoch durch die alliierten Truppen gewaltsam erkämpft werden und vielen Demonstrant_innen ging es 1989 vor allem um Reisefreiheit, Bananen, Sexshops, Gebrauchtwagen und die Wiedervereinigung als „deutsches Volk“.(3)

Gerade in Zeiten der Krise gewinnt dieses Konstrukt an besorgniserregender Zustimmung und schafft kollektive Identität. Die Nation als Gemeinschaft wird dabei immer über die individuellen Bedürfnisse einzelner Menschen gestellt und kann nur durch Anpassung und Ausschluss anderer definiert werden. Im Inneren richtet sich der Volkszorn gegen Asylsuchende, gegen als ausländisch wahrgenommene Menschen, gegen Arbeitslose und sog. „Sozialschmarotzende“ und letzten Endes gegen jeden Menschen, der nicht ins kollektive Leitbild passt. Die Gesellschaft reagiert darauf mit Anpassungsdruck, wie Einbürgerungstests, weiteren Verschärfungen des Asylrechts, oder Arbeitszwang für Hartz-IV Empfangende. Die Mehrheit der Deutschen steht solchen autoritären Forderungen offen gegenüber und verlangt die völlige Unterordnung des einzelnen Menschen unter die Gemeinschaft.

capitalist society & antisemitism

Im Falle der Finanzkrise richtet sich die öffentlich Kritik vor allem gegen „gierige Manager“ und „Spekulanten“, die als Hauptverantwortliche für die aktuellen ökonomischen und sozialen Krisenerscheinungen ausgemacht werden. Eine solche Argumentation ist oft antisemitisch gefärbt. Da die Phänomene des Kapitalismus in ihrer Komplexität nicht erfasst werden, wie etwa die Ware und ihr Doppelcharakter von einem Gebrauchswert, als konkretem Teil und dem Tauschwert, als abstraktem Teil, kommt es gemeinhin zu einer Aufteilung des Kapitalismus und seiner Erscheinungen in einen konkreten, organischen Teil, das sog. „Industriekapital“ und einen abstrakten Teil, das sog. „Finanzkapital“. Bei den Nazis wird diese Trennung zum Gegensatz zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital. Die Ablehnung des Abstrakten und die Verherrlichung des Konkreten und Organischen als eine der Grundvoraussetzungen für den Antisemitismus bei den Nazis ist in zugespitzter Form dieselbe, wie im großen Teil der Gesellschaft, wenn nämlich oberflächliche Erscheinungen, wie etwa das „Finanzkapital“ als Quelle allen Übels ausgemacht werden. Kritik muss der Struktur der Gesellschaft auf den Grund gehen, welche aufgrund ihres schleierhaften Charakters unverstanden bleibt. Die kapitalistische Gesellschaft gründet auf dem Tausch von Waren und der damit verbundenen Art zu denken. Die Waren-tauschenden Menschen glauben aufgrund ihres Handelns, ein für den Tausch bestimmtes Produkt habe natürlicherweise einen Wert. Dass sich darin ein gesellschaftliches Verhältnis, nämlich das ihrer selbst erzeugten Unterwerfung ausdrückt, ist ihnen nicht bewusst. Die Warengesellschaft formiert sich „hinter den Rücken und über den Köpfen“ der Produzent_innen von Waren, d.h. fetischistisch: die Menschen im Kapitalismus werden politisch und ökonomisch von einem Zusammenhang beherrscht, der für sie selbst unverstanden bleibt.(4) Der Kapitalismus stellt sich somit als Herrschaftsverhältnis dar, in dem die Menschen gezwungen sind, ihre eigene Arbeitskraft zu verkaufen, also Lohnarbeit zu verrichten, sich in eine Konkurrenz um Arbeitsplätze zu begeben und Waren für den Markt zu produzieren. Dabei ist die Produktion nicht an der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse orientiert, sondern produziert, um Wert zu vermehren, welcher dann als Kapital wieder investiert wird. Denn ohne permanente Expansion würde der Kapitalismus zusammenbrechen. Die aktuelle Finanzkrise ist nur die aufgeschobene Krisenerscheinung einer strukturellen Überproduktion, die mit dem Ende des sog. Fordismus begonnen hat und seitdem durch das Ausweichen an die Finanzmärkte immer wieder aufgeschoben wurde, da die realökonomisch fundierte Kapitalverwertung irgendwann an ihre Grenzen gestoßen ist.(5)
Der Kapitalismus ist allerdings nicht nur unvernünftig, sondern ein barbarischer Prozess ökonomischer und gesellschaftlicher Organisation, in dem der einzelne Mensch nicht mehr als ein Rädchen im System ist, dessen Bedürfnisse nur dann eine Rolle spielen, wenn sie der Kapitalverwertung dienen.

nazi lifestyle: more than fashion

Uns geht es darum, sich sowohl gegen den antisemitischen, rassistischen und nationalistischen Normalzustand, als auch gegen organisierte Nazistrukturen und rechten Lifestyle stark zu machen, was nur mit einer progressiven, seine Totalität umfassenden Kritik am Kapitalismus gelingen kann. Die Notwenigkeit, sich aktiv gegen Nazis und ihren Unterstützer_innen zu engagieren besteht fort, da diese leider immer noch eine konkrete Bedrohung für Leib und Leben von Menschen darstellen.
Am 20. Juni werden wir deshalb auch auf das Treiben von Tobias Schneider aufmerksam machen, der mit seinem Naziladen „Waffen- Army-Shoes“ aktiv dazu beiträgt, rassistische und nationalistische Ideologien in der Gesellschaft zu verfestigen. Im „Waffen-Army-Shoes“ finden sich eine Reihe von neonazistischen Devotionalien. Von T-Shirts, Aufnähern und Aufklebern mit rassistischen und geschichtsrevisionistischen Motiven wie „White Power“, „88“ (stellvertretend für ‚Heil Hitler‘), „Zyklon B“ über Logos von bekannten Neonazibands wie „Störkraft“ und „Landser“, findet sich alles, was das braune Herz begehrt. Den meisten Umsatz dürfte Schneider aber mit der Kleidungsmarke „Thor Steinar“ machen, deren Logo auch auf seinem Ladenschild prangt.(6) „Thor Steinar“ stellt bei Neonazis beliebte Pullover, T-Shirts, Jacken und weitere Accessoires her. Der Marke gelingt dabei die Synthese von aktuellen Modetrends und Motiven, die an völkische, nationalsozialistische, mythologische und kolonialistische Symbole anknüpfen. So findet man neben Aufdrucken von Runen, die auch im Nationalsozialismus Verwendung fanden, und den Namen nordischer Gottheiten, auch Namen von SS-Divisionen und Abbildungen von deutschen Kampfflugzeugen und der V2-Rakete. Durch modernes Design, mehrdeutige Aufdrucke und gute Verarbeitung ist es “Thor Steinar” gelungen, auch nicht-rechte Jugendliche als Käufer_innen zu gewinnen. Registriert wurde die Marke 2002 von Axel Kopelke. Seit 2003 wird sie durch die Firma „Mediatex GmbH“ vertrieben.
Der Geschäftsführung wurden von lokalen Antifaschist_innen Verbindungen zur rechten Szene nachgewiesen. Die Käufer_innen von einer Marke wie „Thor Steinar“ müssen sich bewusst werden, dass sie einer rassistischen und menschenverachtenden Ideologie Vorschub leisten und aktiv die rechte Szene unterstützen.

Tobias Schneider, der Inhaber des „Waffen Army Shoes“, gibt sich selbst gern als „braver und unpolitischer Geschäftsmann“. Den Verkauf von Neonazikleidung rechtfertigt er damit, dass er auch vermeintlich „linke“ Artikel, wie Che Guevara T-Shirts, verkaufe. Dass sich mittlerweile auch und vor allem Nazis mit dem Konterfei Che Guevaras schmücken, dürfte Schneider bekannt sein. Auf die Frage der Redaktion der alternativen Stadtzeitung „FreibÄrger“, ob er sich persönlich von der rechten Szene distanzieren könne, konnte er keine eindeutige Antwort geben und flüchtete sich in Ausreden. Selbst auf eine kleine Anfrage der Linkspartei im Landtag hin, listete das sächsische Innenministerium in seiner Antwort den Freiberger Laden von Schneider als „rechtsextremistisch“ auf. Aber auch andere Ereignisse lassen auf Schneiders rechte Gesinnung schließen. So prangt auf seinem Auto der Schriftzug „Zyklon B“ – Name des Giftstoffes, mit dem im Nationalsozialismus Millionen Menschen ermordet wurden.
Im Zuge des Schlossplatzumbaus wird das „Waffen Army Shoes“ von dort verschwinden und Schneider sich nach einem neuen Standort umsehen müssen. Unsere Forderung ist einfach: keinen (neuen) Raum für das Geschäft und seine menschenverachtende Propaganda. Nazis und ihr Lifestyle müssen als Problem wahrgenommen werden – nicht wegen des Imageschadens , sondern aufgrund der Inhalte, die er verbreitet.(7)

progress in mind[s]

Allerdings sind auch Naziläden nur Symptome falscher gesellschaftlicher Verhältnisse. Die stillschweigende Akzeptanz der Mehrheitsgesellschaft und deren Alltagsrassismus, deren Fetischdenken und deren Verwertungslogik sind der Nährboden, auf dem auch in Freiberg Nazis marschieren können, auf dem Menschen bedroht und zusammengeschlagen und Asylsuchende abgeschoben werden. Ohne Kritik am Normalbetrieb können wir das Problem menschenverachtender Naziideologien nicht erfassen.
Das Glücksversprechen einer freien Gesellschaft hingegen, kann nur jenseits kapitalistischer Verwertung erfüllt werden. Dabei geht es uns letztendlich um eine solidarische Welt, die frei ist von Rassismus und Antisemitismus, frei von Sexismus und anderer Diskriminierung jeder Art, frei von Zwang und Autorität und die es jedem und jeder Einzelnen ermöglicht, aus Zwangskollektiven jeglicher Art auszubrechen, um ohne Angst verschieden sein zu können.

Antifaschistische Gruppe Freiberg , Mai 2009

[web] http://antifa-freiberg.tk
[mail] antifa_freiberg@gawab.com

Anmerkungen // Zum Weiterlesen:

1 AGF: Chronik rechter Aktivitäten in Freiberg
http://afg.blogsport.de/kampagne/

2 AGF: Das Deutsche Haus – über das entstehende Nazizentrum in Gränitz
http://freibaerger.org/2009/03/das-deutsche-haus/

3 Leipziger Antifa: Aufruf zu Demonstration „Es gibt nichts zu feiern, außer dem 8. Mai!“
http://achtermaileipzig.blogsport.de/

4 Dornis, Martin: Die Notwendigkeit einer kommunistischen Solidarität mit Israel. In: CEE IEH. Der Conne Island Newsflyer. Leipzig
http://www.conne-island.de/nf/158/24.html

5 Trenkle, Norbert: Weltmarktbeben (Teil 2). Über die tieferliegenden Ursachen der aktuellen Finanzkrise. In: Phase 2 . Zeitschrift gegen die Realität. Nr. 29. Leipzig http://phase2.nadir.org/

6 Investigate THOR STEINAR: Die kritische Auseinandersetzung mit einer umstrittenen Marke
http://investigatethorsteinar.blogsport.de/

7 AGF: Ladenschluss für „Waffen-Army-Shoes“ jetzt
http://afg.blogsport.de/2009/04/27/ladenschluss-fuer-waffen-army-shoes-jetzt/

aktueller Hinweis zu einer Veranstaltungsreihe des Bildungskollektivs Chemnitz:

Wrackts ab, Rockers!

Wrackt’s ab, Rockers! Krise und Kritik des Kapitalismus

Seminarreihe im Tee-Ei – Untermarkt 5 – Freiberg

Mit der „Kernschmelze der Finanzwirtschaft“ vom Oktober 2008 sieht kaum noch ein Beobachter weniger als die tiefste Wirtschaftskrise seit der großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts für gekommen. Linke wie der Rätekommunist Paul Mattick hielten die damalige Weltwirtschaftskrise für „die Todeskrise des Kapitalismus.“ Tatsächlich aber brach der Kapitalismus nicht in sich zusammen, wurde der Kapitalismus nicht durch eine Revolution hinweggefegt, sondern unter der faschistischen Barbarei im Namen seiner Überwindung neu organisiert. „Die Revolution war nicht da, es kam Auschwitz.“ (Gerhard Stapelfeldt)
Für die kritische Analyse der Gesellschaft ist Auschwitz nicht nur als der Zivilisationsbruch zu denken, sondern auch als Bruch zu jeglicher bis dahin formulierten Kritik des Kapitalismus und zu jeglicher Utopie seiner Überwindung.
Die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts und die faschistische Barbarei legitimierten auch den Versuch, ein sozialistisches System zu errichten und dies im Namen des Klassikers Marx. Allerdings ohne die Lektüre seines Hauptwerks „Das Kapital“. Das Zusammenfallen des „Kasernenhofsozialismus“ nach 1989 ließ scheinbar den Kapitalismus am „Ende der Geschichte“ als Sieger zurück.
Kritiker wie Wolfgang Pohrt und Robert Kurz formulierten bereits in den 80er Jahren eine andere Kritik am Kapitalismus als die Arbeiterbewegung. Kurz sah gar den Zusammenbruch des Ostblocks nur als Vorspiel des Zusammenbruchs auch des wettbewerbskapitalistischen Systems an. Ist dieser jetzt gekommen? Und wenn nein, müssten die Kritiker von Herrschaft und Ausbeutung darauf warten?
Die Seminarreihe hat einführenden Charakter und will anknüpfend an Internet-Audio-Vorträge aus dem Spektrum zwischen kritischer Theorie und Wertkritik die Grundzüge der wertkritischen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus, seiner Krise(n) und seiner deutschen Form vorstellen. Es soll verdeutlicht werden, wie eine Kritik des Kapitalismus mit Hilfe der Kategorien von Wert, Ware, Geld, Kapital formuliert wird und welche Kontroversen hierbei bestehen.

Mittwoch | 10.6.2009 | 19 Uhr
Nach dem Big Bang ist vor dem Big Bang – Die Krisentheorie der Gruppe Exit.

Wie erklärt Robert Kurz mit Hilfe der marxschen Kategorien Wert, Ware, Geld, Kapital die aktuelle Krise? Welche Bedeutung hat hierbei die These vom Abschmelzen der Wertsubstanz? Inwiefern bietet die Kurzsche Beschreibung Ansätze für eine Kritik an den derzeitigen Formen von Krisenideologie, der Fixierung auf Bankerboni z.B. und was lässt sich von Konjunkturpaketen und Verstaatlichungen zur Krisenlösung erhoffen?

Mittwoch| 17.6.2009 | 19 Uhr
to know the worst – die position der initiative sozialistisches forum zur krise

Gesellschaft stellt sich unter den aktuellen bürgerlich kapitalistischen Verhältnissen als etwas Negatives dar: als der Ausschluss aller durch alle. Vor diesem Hintergrund kritisiert Jochen Bruhn von der initiative sozialistisches Forum sowohl Robert Kurz als auch Moishe Postone. Kurz produziere Krisentheorie, aber keine Gesellschaftskritik, Postone begehe den Fehler der ökonomistischen Reduktion des Wertbegriffs. Was ist gesellschaftliche Totalität? Wie ist das Auseinanderfallen von Gebrauchs- und Tauschwert im Kapitalismus kritisch zu betrachten? Welche Rolle spielt der Staat? Wie bildet sich die Krise innerhalb der Gesellschaft selbst ab?

Mittwoch – 24.6.2009 – 19 Uhr
Alles ist so komplex – Kapitulation der kritischen Theorie?

Mit der grundlegenden Behauptung der Unerkennbarkeit der Welt, so der Hamburger Soziologe Gerhard Stapelfeldt, schalte das neoliberale Denken die klassische linke Kritik am Kapitalismus still. Die Konsequenzen der Krise seien derzeit noch nicht absehbar, um so schwerer wiege die Schwäche emanzipatorischer Kritik. Was ist neoliberale Ideologie? Besteht sie tatsächlich nur aus Rationalisierung und Deregulierung? Welche Bedeutung haben derzeit neoliberale und ordnungspolitische Ansätze beim staatlichen Versuch der Krisenbewältigung?

Mittwoch – 01.7.2009 – 19 Uhr
Vom Mangel zum Bewusstsein? – Vertreter der Gruppe krisis zum Ressourcenproblem des Kapitalismus

Nicht nur eine innere Schranke der Kapitalverwertung tue sich derzeit auf, sondern auch eine äußere werde erkennbar: die Begrenztheit und Gefährdung der natürlichen Ressourcen. Auch Kurz’ Exkollegen von der krisis – Gruppe oder Sozialwissenschaftler wie Elmar Altvater sehen das so, erstere machen schon Vorschläge für eine Rationierung von Benzin. Wenn es derzeit auch schauerlich um den emanzipatorischen Gehalt dieser Kritiken bestellt ist, was ist dran an der Verbindung zwischen „Peak Oil“ und dem Finanzcrash im Oktober 2008?

Infos: www.bildungskollektiv.blogsport.de
www.freibaerger.org