alternative freiräume schaffen !!

alternative freiräume schaffen

Redebeitrag der Antifaschistischen Gruppe Freiberg anlässlich der Demonstration „Progress in Minds“ am 20.6. in Freiberg.

Befragt man Freiberger Jugendliche heute nach Defiziten in der Stadt, werden vor allem fehlende Freizeitmöglichkeiten genannt. Zwar gibt es Jugendclubs und Ausgehmöglichkeiten – unkommerzialisierte, alternative Kultur lässt sich allerdings kaum finden. Möglichkeiten der selbstbestimmten Organisation gibt es entweder nicht, oder dort, wo es sie gibt, werden ihr von Seiten der Stadt, Steine in den Weg gelegt.
Das Sun Flower Festival, das tausende zahlungskräftige Besucher_innen in die Stadt bringt, stellt da die Ausnahme dar. Für antifaschistische, gesellschaftskritische und politische Jugendkultur sieht es noch schlechter aus. Projekte, wie es sie in vielen sächsischen Städten gibt, sucht man in Freiberg vergebens. Das war allerdings nicht immer so.
Im Jahr 1994 wurde das alte Schössergut im Münzbachtal besetzt und ab da an AZ Barrikade genannt. Damals wurde ein linker Freiraum geschaffen , der ein Versuch war, nach selbstbestimmten Prinzipien zu leben. Dies war und ist in einer Gesellschaft, die von einer Vielzahl von Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnissen durchzogen ist, dringend notwendig. Die Barrikade war ein Ort der Begegnung zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebensformen. Es fanden abseits von Mainstream und Kommerz Partys und Konzerte statt. Regelmäßiges Kino, Vokü und Infoveranstaltungen förderten das Beisammensein und bildeten das politische Bewusstsein. Bis zum Ende, im Jahr 2002 wurde der Barri allerdings von Seiten der Stadt jeder erdenkliche Stein in den Weg gelegt. Es wurden Falschinformationen verbreitet und die Arbeit der Barrikade kriminalisiert, bis diese schließlich geschlossen wurde.
Seitdem findet in Freiberg ein alternatives Kultur- und Politikleben kaum noch statt. Obwohl in der Stadt zahlreiche Häuser seit Jahren leer stehen und die SWG bewohnbare Häuser zu Dutzenden abreisen lässt, ist die Stadt nicht daran interessiert, diesen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, damit in Freiberg wieder alternativ gefeiert, gelebt und geatmet werden kann. Wir brauchen einen Ort, wo wir selbst denken und handeln, einen Ort, wo wir unseren politischen Widerstand und unsere Subkulturen entwickeln können! Wir und diese Stadt brauchen ein neues, selbstverwaltetes Jugendzentrum!

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3 Antworten auf “alternative freiräume schaffen !!”


  1. 1 T 01. Juli 2009 um 19:57 Uhr

    Das ist zwar irgendwie gemein, aber ich kann mich nicht beherrschen:

    Mit Sicherheit fehlt in Freiberg ein Ort wie es die Barrikade war!!!

    Als ehemaliger Mitstreiter muß ich allerdings mit dem Mythos aufräumen, daß die Barrikade einzig durch die Repression der Stadt Freiberg zugrunde ging.
    Druck von der Stadt gab es von Anfang an, aber das hat eigentlich nie jemanden daran gehindert seine Freiheit dort auszuleben. Ganz im Gegenteil spornte dieser Druck eine Menge Leute zu vielfältigsten Aktionen an. „Den Berg hinunter“ ging es unter anderem dadurch, daß die Mehrheit es nach Studium, Ausbildung, etc. nicht mehr im engen Freiberg ausgehalten hat und in die Großstadt gezogen ist. Auch zwischenmenschliche Querelen spielten eine große Rolle, die am Ende sogar zu einer Spaltung führten (erinnert sei an das Infocafé am Obermarkt), was natürlich tödlich ist für so eine kleine Stadt mit so wenigen Aktiven. Der letzte extreme Wendepunkt war die Entscheidung enger mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Während Behörden früher in aller Regelmäßigkeit den Stinkefinger gezeigt bekommen haben, akzeptierte man jetzt eine Einmischung. Wohin das geführt hat, ist heute noch zu sehen: ein Stück grüne Wiese, wo früher einmal ein Freiraum existierte. Das Ende war somit zu einem großen Teil selbstverschuldet. Anstatt sich wie am Anfang auf sich selbst zu verlassen, für das Gewünschte zu kämpfen und dieses zu verteidigen, wurde sich auf das Wohlwollen einer Stadtverwaltung verlassen, die bis heute nicht verstanden hat wie Demokratie und Zivilgesellschaft funktionieren. Der selbst erkämpfte Freiraum wurde so leichtsinnig verspielt.
    Es reicht nicht aus bei Behörden etwas einzufordern, denn das führt (wie man sieht) ohne den nötigen Druck zu nichts als blabla. Auch die Barrikade wurde nur durch eine Besetzung „erkämpft“, Verhandlungen hätte es ansonsten nie gegeben. Auch Wohnprojekte wie auf dem Schachtweg 11 wären ohne die Besetzung der Mönchsstraße 28 undenkbar gewesen. Das alles hatte aber eben nur Bestand solange genug Gegendruck zur Stadtverwaltung existierte. Denn freiwillig rücken die konservativen Säcke nichts raus für Leute, die nicht in ihr Gartenzwergweltbild passen.
    Obwohl die Besetzerzeit lange vorüber zu sein schien, gibt es gerade in letzter Zeit auch positive Gegenbeispiele und sei es nur als Mittel um Druck aufzubauen, so z.B. in Dresden, Magdeburg und Münster. Und wenn man etwas wirklich will, sollte man auch etwas dafür tun. Oder (um ein bißchen geschmacklos zu werden) wie mein Opa immer gesagt hat : „Von nüscht kommt nüscht!“.

    P.S.: Mir ist klar wie das ganze Statement rüberkommt. Ich hasse es auch immer, wenn alte Säcke aus der sicheren Entfernung schlaue Ratschläge geben. Aber verkneifen konnte ich mir das Ganze irgendwie trotzdem nicht.
    Ich finds aber auch echt schön, daß inzwischen in Freiberg nicht mehr nur der blinde Aktionismus regiert, sondern daß sich auch, wie ich eurem Blog entnehme, mit Theorie beschäftigt wird.

  1. 1 Bericht: 20.06. Antifa-Demo PROGRESS IN MIND[S] « Antifaschistische Gruppe Freiberg Pingback am 07. Juli 2009 um 14:16 Uhr
  2. 2 Bericht über die Demonstration “progress in mind[s]“ » FreibÄrger Pingback am 25. Oktober 2009 um 23:17 Uhr

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