Nachbetrachtung Hess-Flashmobs

Für den 17. August hatten Nazis bundesweite „Flashmob“-Aktionen angekündigt. Bei der auch innerhalb der Naziszene umstrittenen Aktionsform sollten um 19:30 Uhr Menschen an vorher bekannt gegebenen Orten zusammen kommen und in einer Art Choreografie die letzten Worte Rudolf Hess‘ vortragen. Augrund der Ankündigung im Internet war der spontane Charakter eines „Flashmobs“ natürlich vertan. Auch Stadt und Polizei wussten Bescheid und reagierten entsprechend. In Freiberg waren am Obermarkt und dem Rest der Stadt starke Polizeikräfte präsent, der Staatsschutz war ebenfalls vor Ort. Außerdem hatten sich etwa 30 Personen gesammelt, um eventuelle Naziaktionen nicht unkommentiert hinzunehmen. Gegen diese wurden von Seiten der Polizei Platzverweise für das Gebiet um den Obermarkt erteilt, die bis zum nächsten Tag um 7:00 Uhr gelten sollten, was jedoch jeglicher Rechtsgrundlage entbehrte, da der zeitliche Rahmen solcher Verweise „angemessen“ sein muss. Nazis ließen sich um 19:30 Uhr allerdings nicht blicken, dafür begann aber genau zu dieser Zeit ein starker Regenschauer. Mit der großflächig angekündigten Aktion sollte wohl vor allem das Thema Rudolf Hess in die Öffentlichkeit gebracht und Polizeieinsätze provoziert werden, wie die Nazis in ihrer Nachbetrachtung schreiben:

„Der propagandistische Wert eines Flashmobs ist gleich null, er ist ein nach innen gerichtetes Ereignis. Das weiß jeder, der genügend Vorstellungskraft aufbringen kann oder schon einmal an einem Flashmob teilgenommen hat. Dutzende Menschen kommen zusammen, führen eine gemeinsame Handlung aus und verschwinden wieder. An der Aktion Unbeteiligte bleiben fragend zurück. Informationen können so nur schlecht transportiert werden.

Aus diesem Grunde war es für den Erfolg der Aktion auch nahezu unerheblich, ob die einzelnen Flashmobs tatsächlich in Erscheinung treten. Allein ihre Ankündigung war das Mittel, um das Thema „Heß“ in die Medien zu transportieren. Im BRD-System haben die Massenmedien zwei Aufgaben: Ein „demokratisches Bewusstsein“ zu schaffen – das verlangt der Parteienapparat – und, eine interessante Geschichte zu erzählen – das verlangt das Publikum. Rüttelt man auch nur an einem Tabu, wittern die Journalisten ihre Schlagzeile – dies umso mehr, wenn dem Tabubruch ein überregionaler Charakter innewohnt.“

Dennoch positiv, dass sich in Freiberg Menschen gegen die Naziaktionen mobilisieren ließen.

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2 Antworten auf “Nachbetrachtung Hess-Flashmobs”


  1. 1 Nachbetrachtung Hess-Flashmobs « Antifaschistische Gruppe Freiberg Pingback am 19. August 2009 um 21:40 Uhr
  2. 2 Freiberg - Blog - 19 Aug 2009 Pingback am 25. September 2009 um 0:43 Uhr
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