Nichts Neues in Colditz

+++alternative Kundgebung am 22. August+++

Colditz in Sachsen kann mit Fug und Recht als „Angstzone“ bezeichnet werden. Nicht nur Neonazis dominieren die Szenerie, auch die Stadt tut alles um zivilgesellschaftliches und antifaschistisches Engagement zu verhindern. Dies beweisen die notgedrungene Absage eines für den 22.8. geplanten antirassistischen Fussballturniers und der Umgang mit einer alternativ dazu angemeldeten Kundgebung

Für den 22.8.2009 hatte der Verein Freiräume Muldental e.V.zusammen mit der Gruppe 468 und dem Club Courage e. V. ein antirassistisches Fußballturnier in Colditz geplant. Da die sachsenweite Kampagne „Meine Stimme gegen Nazis“ derzeit durch den Landkreis Leipzig tourt, bot es sich für die Kampagnen an bei diesem Turnier Station und daraus eine gemeinsame Veranstaltung zu machen – mit Fussball, live-Musik, Infoständen und Redebeiträgen und dem klaren Tenor:, dass ein Wiedereinzug der NPD in den Sächsischen Landtag genauso wie Diskriminierung, Rassismus und rechte Gewalt im Alltag keine Chance haben dürfen.

Nachdem dem Sportverein, auf dessen Platz die Veranstaltung stattfinden sollte, die politische Dimension der geplanten Veranstaltung bewusst geworden war, nahm der Vorsitzende die zuvor erteilte Zustimmung zur Nutzung des Sportplatzes zurück. Er machte das Einverständnis des Vereins von der Zustimmung der Stadtverwaltung bzw. des Bürgermeisters abhängig, da er mutmaßlich Beschädigungen durch die örtliche Neonaziszene befürchtete.

Am 12. August fand ein Kooperationsgespräch zwischen den lokalen InitiatorInnen, dem Bürgermeister Manfred Heinz, dem Colditzer Ordnungsamt, der Polizei und dem Sportverein unter Vermittlung des Mobilen Beratungsteams des Kulturbüro Sachsen e.V. statt. Am Ende konnten die GesprächsteilnehmerInnen keine einvernehmliche Lösung finden. Das geplante antirassistische Fußballturnier wurde nach unannehmbaren Forderungen seitens der Stadt Colditz de facto untersagt. Wichtig ist zu wissen, dass der Vorsitzende des Colditzer Sportvereins zur Durchführung der Veranstaltung bereit gewesen wäre, wenn die Stadt Colditz die Veranstaltung unterstützt hätte. Dazu waren die politisch Verantwortlichen nicht bereit. Vielmehr wurde gefordert, dass die Veranstalter für jegliche Sachbeschädigung auf dem Sportplatz zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem 22. August 2009 haften sollten. Ebenso wurde als Grund für die Nichtdurchführung des Turniers angeführt, dass die Stadt bzw. der Bürgermeister nicht frühzeitig in die Planung einbezogen wurden.

Die ordnungspolitischen Befürchtungen, dass es zu Sachbeschädigungen seitens der Neonazis kommen könnte, sind nicht ganz von der Hand zu weisen. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu bedrohlichen Naziübergriffen. So versammelten sich bspw. am 23.02.2008 etwa 100 Neonazis aus der Region Colditz, Leisnig, Döbeln, Mittweida in Colditz und überfielen und demolierten ein Elektrowarengeschäft und eine Turnhalle (in der links-alternative Konzerte veranstaltet wurden) sowie den Dönerimbiss einer türkischen Familie. Unter den Angreifern waren auch Angehörige des etwa ein Jahr zuvor verbotenen »Sturm 34. (siehe zb. Colditz, eine »national befreite Zone« in Sachsen, in: Gamma. Antifa-Newsflyer für Leipzig & Umland, Nr. 183 – Sommer, 2008, S. 1-2, http://gamma.antifa.net/)
Wie in den benannten Fällen ähneln sich vor allem die Reaktionen der politischen VerantwortungsträgerInnen (siehe auch: Beitrag „Colditz im Landkreis Leipzig in „Meine Stimme gegen Nazis“ Die Broschüre zur Kampagne, http://www.meine-stimme-gegen-nazis.de/index.php5?go=broschuere-6-raeume). Nicht die Neonazis, sondern die, die sich gegen rechts engagieren, werden zum Problem gemacht: Wurde dem Eigentümer der Turnhalle 2008 mitgeteilt, dass er keine Konzertveranstaltungen durchführen darf, wiederholt sich diese Szenerie im Jahr 2009 aufs Neue, durch die faktische Untersagung der Nutzung des Sportplatzes. .

Vor dem Hintergrund der Verunmöglichungshaltung der Stadt entschlossen sich die Kampagne „Meine Stimme gegen Nazis“ sowie der Freiräume Muldental e.V. das Grundrecht auf Demonstration zu nutzen und meldeten für den 22.8. alternativ eine Kundgebung auf dem Markt von Colditz an. Dort sollten zumindest Kulturprogramm, Redebeiträge und Infostände ihren Platz finden. Im Kooperationsgespräch am heutigen Mittwoch allerdings wurde offensichtlich, dass die Behörden alles versuchen um die Initiative(n) zu be. Bzw. verhindern. So werden von den Veranstaltern absurde und mit dem Versammlungsrecht nicht konform gehende Forderungen gestellt (zb sollen diese sich eigenständig um die Sperrung von Straßen kümmern – wozu etliche Behördengänge vonnöten wäre, sie sollen verpflichtet werden die BewohnerInnen über Lautstärkebeeinträchtigung zu informieren, des weiteren wurde klar gesagt, dass nicht genug Polizei vor Ort sein wird).
Sowohl die involvierten ColditzerInnen als auch die Kampagne „Meine Stimme gegen Nazis“ und FreundInnen werden sich dies nicht bieten lassen.
In diesem Sinne: kommt am 22.8. nach Colditz und zeigt euch solidarisch.

http://www.myspace.com/freiraeumemuldental
http://tolerantes-sachsen.de/text.php?ID=348
http://meine-stimme-gegen-nazis.de

Radio Corax sprach mit Peter Lewkowitz vom Freiraum Muldental e.V. über die Situation und die Möglichkeiten gegen Neonazisstrukturen im ländlichen Raum arbeiten zu können:

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1 Antwort auf “Nichts Neues in Colditz”


  1. 1 Freiberg - Blog - 21 Aug 2009 Pingback am 24. September 2009 um 21:37 Uhr
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