Archiv für November 2009

Nazis wollen kommenden Samstag in Döbeln demonstrieren

Pressemitteilung der Antifaschistischen Recherchegruppe [ARG] RDL

Für Samstag, den 28.11.2009, mobilisiert eine Döbelner Nazikameradschaft zu einer Demonstration durch Döbeln. Unter dem Motto „Volkstod verhindern“ wollen die „Nationalen Sozialisten Döbeln“ an ihre Demonstration im November 2009 anknüpfen. Im Aufruf zur Demonstration beklagen die Nazis eine angebliche „Vermischung unseres Volkskörpers mit Menschen ausländischer Abstammung“ und prangern „Zinsknechtschaft“ an (1). Umissverständlich offenbaren sie hier ihr rassistisches und antisemitisches Weltbild..

Der zweite Nazi-Aufmarsch beinah binnen Jahresfrist ist ein Zeichen für sich verfestigende Nazistrukturen in und um Döbeln. Direkte Folge dieser strukturelle Stärkung ist die zu beobachtende kontinuierliche Aktivität. Erheblich begünstigt wird die Verfestigung dadurch, dass es den Döbelner Nazis gelungen ist in einem Objekt auf der Reichensteinstraße/Am Burgstadl einen festen Anlaufpunkt zu etablieren. Genutzt wird der Treffpunkt u.a. als Proberaum der Döbelner Rechtsrockband „Inkubation“, als Ort für Schulungsveranstaltungen und als Konzertraum, wie zuletzt am 26. September 2009, als dort unter den Augen der Polizei verschiedenen Nazicombos aus Sachsen spielten (2). Zu dem kam es aus dem Objekt heraus zu einem Übergriff: Ende August wurden zwei nicht-rechte Jugendliche aus dem Objekt heraus von 15 Nazis angegriffen und schwer verletzt (3).

Die NutzerInnen dieses Objektes sind identisch mit den Demo-OrganisatorInnen. Die Bezeichnung „Nationale Sozialisten Döbeln“ ist dabei nur ein neues Label der hießigen Naziszene. In der Vergangenheit trat dieselbe Personengruppe unter der Bezeichnung „Division Döbeln“ auf, sie verbirgt sich in ähnlicher Konstellation auch hinter dem Namen „Initiative für Döbeln“.

Vor diesem Hintergrund gilt es am 28. November den Naziaufmarsch zu problematisieren, eindeutig Position zu beziehen und sich der rassistischen Hetze entgegenzustellen. Danach muss der Blick auf die Reichensteinstraße gerichtet werden und dem Nazi-Objekt ein Riegel vorgeschoben werden.

(1) siehe Homepage der „Nationalen Sozialisten Döbeln“: http://n-s-d-l.info.ms/ (eingesehen am 24.11.2009)
(2) Neben der Döbelner Band „Inkubation“ spielten damals „Storm of mind“ und „Aryan Hope“ aus Wurzen, sowie „Priorität 18“ aus Dresden.
(3) siehe Homepage der Opferberatungsstellen Sachsen: http://www.raa-sachsen.de/index.php?Itemid=3&option=com_content&catid=41

„Was deutsch ist“ – Vortrag mit Joachim Bruhn von der Initiative Sozialistisches Forum

Chemnitz, Reitbahnstraße 84 | Do, 26. November 2009 | 19 Uhr

„…auch in Deutschland gilt: Wer A sagt, muß nicht B sagen – er kann auch erkennen, daß A falsch war. Die nötige Revolution muß daher, wenn sie nicht abermals die “Revolution der Deutschen” werden soll, zu der Goebbels mobilisierte, von Anfang an Weltrevolution gegen Deutschland sein“ (isf 2009).

Der Referent widmet sich mit dem ca ira Verlag und der Gruppe isf freiburg seit zwei Jahrzehnten der Kritik der deutschen Gesellschaft, ist als Autor, war und ist als Herausgeber von Büchern u.a. von Johannes Agnoli und als Vortragsreisender aktiv.
Formuliert wird eine grundlegende Kritik an Wertvergesellschaftung und ihrer deutschen Spezifik bis zur aktuellen Formation als „Staat des Grundgesetzes“. Es bereitet „nicht die geringste Mühe, auf die Frage danach, was deutsch ist, die Auskunft zu geben: Herrschaft, Verwertung und Vernichtung“, so Joachim Bruhn in einem Buch „Was deutsch ist – Zur Kritischen Theorie der Nation“.

Mehr Infos : bildungskollektiv.blogsport.de

Der Volkstrauertag in Freiberg


Stadtdezernent Holger Reuter hält vor den Anwesenden eine Rede

Vertreter der Stadt gedenken gemeinsam mit Neonazis

Am 15. November riefen die Stadt Freiberg und lokale Initiativen wie jedes Jahr dazu auf, a.m sog. Volkstrauertag den Opfern von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung zu gedenken. Es wurden Kränze an der Gedenktafel für die Zwangsarbeiterinnen des KZ-Außenlagers in Freiberg am Landratsamt, am Gedenkstein für die bei der Bombardierung am 07. Oktober 1944 getöteten Freiberger auf dem Donatsfriedhof, sowie bei den Denkmälern für die Opfer des Stalinismus und der sog. Heimatvertriebenen abgelegt. Während um die Vertriebenen und Bombentoten eine Gruppe von 20-30 Personen trauerte, fand sich lediglich eine Handvoll Menschen von VVN und Linkspartei am Mahnmal für die Verfolgten des Naziregimes ein. Die anderen fehlten. (mehr…)

FIGHT FOR YOUR RIGHT TO PARTY

FIGHT FOR YOUR RIGHT TO PARTY
Demonstration für die Erhaltung des AJZ Chemnitz am 24.11.2009


„Ist es denn wirklich so drastisch?“

Das größte soziokulturelle Jugendzentrum der Stadt Chemnitz, seit knapp 20 Jahren einer der bedeutendsten Träger von Ju­gend- und Kulturarbeit in Sachsen, ist in akuter Gefahr. Das Jugendamt Chemnitz hatte in einem Gespräch mit dem Vorstand des AJZ am 28.10.2009 drastische Kürzungen an­gekündigt. Die Pläne der Stadt sehen Kürzungen im Stammhaus und bei einem vom Verein betriebenen Jugendklub im Stadtteil Brühl vor. Jegliche Kürzung, die das Stammhaus betrifft, ist derzeit ex­istenzbedrohend. Aktuell wird das Haus mit 2,5 Stellen aus der Jugendhilfe der Stadt getragen. Die Kürzung dieser ohne­hin schon äußerst knappen Stellen und Mittel um eine ganze Stelle ist fachlich und hinsichtlich der Betriebskosten finanziell nicht mehr kompensierbar. Doch die Pläne gehen noch weiter: Im Haushaltsjahr 2010, so das Jugendamt, sollen keine Gelder mehr für das vom AJZ e.V. betriebene Kinder- und Jugendhaus „Benario“ im Stadtgebiet Brühl zur Verfügung stehen, was die Schließung des an diesem sozialen Brennpunkt dringend benötigten Klubs bedeuten würde. Trotz der Beteuerungen der Stadt, das AJZ erhalten zu wol­len, ist das Fortbestehen nicht sicher. Die Stadt kann uns nicht schließen aber finanziell ruinieren. (mehr…)

Antinationalismus diskutieren!

Aktuell gib es eine ganze Reihe von Veröffentlichungen zur Disskusion um Antinational/Antideutsch. Aufhänger sind die „Staat. Nation. Kapital. Scheisse.“-Kampagne des „…ums Ganze!“-Bündnisses und die „Still not lovin´ Germany“-Kampagne aus Lepzig, sowie die übliche Fahnendebatte. Allerdings sticht die aktuelle Diskussion insofern hervor, als das sie solidarisch geführt wird, die Protagonist_innen sich also nicht einfach in identitärer Abgerenzung üben, sondern sich aufeinander beziehen und miteinader diskutieren, sowie die geneigte Öffentlichkeit an der Debatte teilhaben lassen. (mehr)

Antifa Action Day | 14.11.2009 | JH Rosswein

Am 14. November lädt der Treibhaus e.V. zum Antifa Action Day 2009 in das Jugendhaus Rosswein ein.
Es wird viele Vorträge, Workshops und gute Musik geben.

Kritik und Krise : Veranstaltungsreihe in Freiberg

Im Dezember lädt die alternative Stadtzeitung FreibÄrger zu zwei Vortragsveranstaltungen in die neuen Räumlichkeiten des soziokulturellen Vereins Roter-Weg e.V. ein. Die Referate sind der Auftakt zu regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen, die eine Einführung in verschiedene gesellschaftskritische Themen leisten sollen.

10.12.09 – 19 Uhr – Roter Weg 43 – Freiberg
Kritische Theorie – Kritik und Krise I:

Die marxsche Gesellschaftskritik: “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Der Vortrag führt in grundlegende Begriffe und Zusammenhänge der Marxschen Theorie ein: Gesellschaft, Produktivkräfte, Produktionsverhältnisse, Fetisch, Ideologie, Reichtum, Wert, Ware, Geld, Kapital, Arbeit, Profit, Klassen. Was ist die kapitalistische Gesellschaft? Wie stellt sich ihr Zusammenhalt her und was treibt sie auseinander? Wie hängen in ihr Denken und Handeln zusammen? Wir verhalten sich Individuum und Gesellschaft: Ist die kapitalistische Produktionsweise von einzelnen Menschen gemacht oder eine ihnen vorausgesetzte objektive Struktur? Oder keines von beiden? Welche Rolle spielen die Krisen und warum treten sie auf? Warum waren sie Marx ein entscheidender Grund zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft? Ist diese eine historische Errungenschaft? Oder ist sie rücksichtslos zu kritisieren? Oder beides? Was hat es mit der freien Entfaltung aller Individuen und der Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums durch diese – frei zusammengeschlossenen – Individuen auf sich?

Referent: Martin Dornis (freier Autor, Mitglied im Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus)

17.12.09 – 19 Uhr – Roter Weg 43 – Freiberg
Kritische Theorie – Kritik und Krise II:

Gesellschaftskritik nach Auschwitz: „…dass… nichts ähnliches geschehe“ (Adorno)

Im 19. und 20. Jahrhundert zwangen die Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaft zu einer Neuformulierung der kritischen Theorie. Im deutschen Nationalsozialismus hatte sich bewiesen, dass die kapitalistische Gesellschaft an ihren Krisen nicht zwangsläufig scheitern muss, wie es Marx vermutet und gehofft hatte. Vielmehr kann es dazu kommen, dass sie sich durch antisemitischen Massenwahn und unter Regie eines autoritären Staates gewaltförmig zusammenhält. Die Krise, die laut Marx die kapitalistische Gesellschaft auseinander treiben würde, wird dabei zu dem, was sie allein noch zusammenhält. Die Ideologie, insbesondere der Antisemitismus, kann nicht mehr als Ergebnis der Gesellschaft beschrieben werden. Vielmehr wird er selbst zum Grund, aus dem die Gesellschaft noch existiert: Das nazifaschistische Deutschland muss als ein „Produktionsverhältnis des Todes“ (isf) beschrieben werden. Im Moment des krisenhaften Zerbrechens der kapitalistischen Gesellschaft wurde in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Massenmord gestiftet. Dies erzwingt eine völlig neue Art von Gesellschaftskritik mit veränderter Perspektive: Die Gesellschaft so einzurichten, dass sich derartiges nicht wiederholt.

Referent: Martin Dornis (freier Autor, Mitglied im Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus)

Ermöglicht werden die Veranstaltungen durch die freundliche Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.