Archiv für Januar 2010

Bericht über die Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar, dem 65. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee, versammelten sich in Freiberg ungefähr 25 überwiegend junge Menschen am Rathaus, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Aufgerufen zu der Gedenkkundgebung hatte die Antifaschistische Gruppe Freiberg, die mit der Aktion vor allem an die Opfer des KZ Außenlagers in Freiberg erinnern, sowie eine Kritik am Antisemitismus und am deutschen Nationalismus formulieren wollte.

Über die Geschichte des KZ Außenlagers und das Leben der Opfer konnte man sich auf der Kundgebung beim Besichtigen einer kleinen Ausstellung, die aus drei A1 Plakaten bestand, informieren. Am Infostand gab es zusätzlich die Möglichkeit sich bei der Lektüre von Flyern und diversen Büchern einmal tiefgehender mit dem Thema zu beschäftigen.

Redebeiträge gab es unter anderem von der Antifaschistischen Gruppe Freiberg zum Thema „Was ist Antisemitismus?“ und zur Geschichte des 27. Januar. Dank geht an dieser Stelle noch einmal an die Gruppen Autonome Antifa Westerzgebirge, Antifa Karl-Marx-Stadt, Emanzipatorischer Progress Mittleres Erzgebirge und an die Jugendgruppe des VVN Freiberg für ihre Redebeiträge und Unterstützung.

Mehr Informationen zum KZ Außenlager Freiberg findet ihr bei „Shalom-Mittelsachsen“ oder in den Büchern „Wir waren zum Tode bestimmt – Jüdische Zwangsarbeiterinnen erinnern sich“ von Michael Düsing und in Pascal Cziborras Buch „KZ Freiberg“.

Was ist Antisemitismus?

Ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erfordert eine Begreifbarmachung des nicht Begreifbaren: Des Nationalsozialismus und dessen Vernichtungsantisemitismus. Wird der Antisemitismus als eine besondere Form des Rassismus begriffen, als ein Vorurteil gegenüber einer Gruppe, die auch eine andere als die “Juden”1) hätte sein können, bleibt die Ausrottung der europäischen “Juden” unverstanden. Der Antisemitismus teilt mit rassistischer Ideologie, dass er Menschen aufgrund ihnen zugeschriebener Eigenschaften ausschließt. Als diese Eigenschaft gilt den Antisemit_innen die angeblich gemeinsame „jüdische Herkunft“. Stellt der Rassismus aber Menschen vor allem als minderwertig in ihrer Abstammung, roh, unzivilisiert und mit einer fassbaren Gewaltbereitschaft (auch in sexueller Hinsicht) dar, gestaltet sich die Qualität der antisemitischen Zuschreibungen gegenteilig: Den Jüdinnen und Juden wird riesige Macht zugeschrieben: Allumfassend, abstrakt und geheimnisvoll in seiner Quelle. Diese Undefiniertheit kann demnach nur Teil einer internationalen Verschwörung der „Juden“ gegen die „Völker der Welt“ sein.

Da die bürgerliche Revolution Mitte des 19 Jahrhunderts in den deutschsprachigen Gebieten scheiterte, der Bezug auf liberale Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht bestand, wurde ein anderes nationalisierendes Element benötigt, der Antisemitismus, in dem sich die allgemeine Angst vor modernem und bürgerlichen Einflüssen entfalten konnte. Mit dieser Bedrohungssituation konfrontiert, eröffnete sich den Deutschen in den Zeiten des „nation-building“ im Europa des 19. Jahrhunderts die Möglichkeit in Abgrenzung zu den “Juden” ihr eigenes Kollektiv zu umreißen – das des Deutschen Volkes. Dies kann getrost als deutsches Spezifikum gelten, denn so gab es zwar auch in anderen Ländern eine historisch entwickelte Diskriminierung von “Juden”, jedoch bildete dieser Antisemitismus nur in der deutschen Nation jenes Moment der Identitätsstiftung, welches jeden einzelnen Menschen als Angehörigen des Deutschen Volkes ausmachte und sie später miteinander in der deutschen Volksgemeinschaft verschweißte.

Die Konstruktion einer jüdischen Weltverschwörung, die die so genannte „deutsche Kultur“ zersetze, eine geheimnisvolle Macht über das Weltgeschehen habe und die deutsche Arbeiterklasse knechten solle, machte es demnach für die Antisemit_innen, in Anbetracht der erdachten rücksichtslosen Überlegenheit der “Juden2, notwendig gegen sie vorzugehen. Sie beurteilten ihr Handeln als Notwehr zur Wahrung des Wohles des Volkes. In der Konsequenz dieses Denkens ergibt sich für die Antisemit_innen die Notwendigkeit zur vollständigen Vernichtung der “Juden”. Die Antisemit_innen schreiben den “Juden” Eigenschaften zu, die ihren eigenen Fähigkeiten überlegen sind, sie sollen gerissener, erfolgreicher, rücksichtsloser, freier und viel machtvoller sein. Hinter diesen Projektionen, in die zur „Gegenrasse“ gestempelten Feinde, verbirgt sich eben das zwanghaft unterdrückte Bedürfnis der Menschen, selbst frei zu sein, Macht auszuüben und Geld zu besitzen ohne arbeiten zu müssen. Der Hass auf alles jüdische bezeichnet dabei den Selbsthass und das Negieren alles Menschlichen. Die antisemitische Paranoia darf jedoch keinesfalls als Neid der Unwissenden entschuldigt werden, der sich doch konstruktiv auszudrücken vermag. Vielmehr erliegt der in der Volksgemeinschaft kollektivierte Mensch dem unstillbaren Trieb den “Juden” absolut alles zu nehmen und bereit zu sein, um für Führer, Volk und Vaterland jederzeit zu morden.

Der Antisemitismus ist immer auch Ausdruck nicht verstandener gesellschaftlicher Zusammenhänge. Da die “Juden” seit dem Mittelalter immer wieder an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, verdingten sie sich vor allem im Handel und in der Geldwirtschaft. Das Geschäft mit dem Zins galt den Menschen stets als parasitär, die “Juden” konnten scheinbar Geld verdienen, ohne im klassischen Verständnis, zu (Hand-)Arbeiten. Die Lobpreisung der konkreten Tätigkeit, des Produzierens von Waren, ging einher mit dem Hass auf alles nicht Produktive. So erschien das Geld als die „Wurzel des Übels“, die notwendige Ausbeutung jeder einzelnen Arbeitskraft und die untrennbare Einheit von Produktions- und Finanzsphäre im Kapitalismus bleibt, der Tatsache zum Trotz, dass sie sich jeden Tag darin einfügen müssen, bis heute vom Großteil aller Menschen unverstanden. Um aber trotzdem eine Erklärung für die gravierenden sozialen Missstände im 19. und 20. Jahrhundert zu konstruieren, lud man die Schuld dafür auf die “Juden” ab. Sie wurden mit dem, für das Alltagsbewusstsein einzig sichtbaren Ausdruck des Wertes – dem Geld – assoziiert. Die “Juden” galten als das „parasitäre Finanzkapital“, als Verursacher und Nutznießer des Kapitalismus überhaupt. Gesellschaftliche Umstrukturierungen und Umbrüche, wie der Untergang traditioneller sozialer Klassen und Schichten und explosiver Verstädterung, fanden im Bewusstsein der Menschen ihre Ursache nicht in den Gesetzen des Kapitalismus, sondern drückten sich durch eine Personifizierung in den “Juden” aus. Damit einher ging auch das Bedürfnis nach klarer Aufspaltung in „Gut” und “Böse“, in Freund- und Feindgruppe. Wer in solchen völlig unbrauchbaren moralischen Kategorien denkt, versteht sich dabei automatisch als „gut“ und kann Menschen mit ebenso herbeihalluzierten Gemeinsamkeiten als Verantwortliche klar ausmachen und dafür zur Rechenschaft ziehen. Hier schlägt der moderne Antisemitismus Brücken zum weit verbreiteten Antiamerikanismus. Je nach Art des Nationalismus soll mal das bodenständige, produktive und kulturell untermauerte Deutschland, mal das alte Europa, als Gegenpol zu den angeblich gierigen, kriegstreibenden, kulturlosen USA gesetzt werden.

Obwohl der moderne Antisemitismus aus den Widersprüchen und Zumutungen einer kapitalistischen Gesellschaft resultiert, kann die Shoa ihre Erklärung nicht im Kapital als „automatischen Subjekt“ finden. Dies würde den Individuen der mörderischen deutschen Volksgemeinschaft ihre Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung absprechen. Das Begreifen des Antisemitismus als eine Ideologie, die, im Sinne der Herrschenden, die Massen mobilisiert, um sie für ihre eigene kapitalistische Ausbeutung gefügig zu machen, unterstellt letztendlich dem Holocaust einen Sinn, den er nicht haben kann. Denn entgegen der Logik des Kapitals trieb man die akribische Vernichtung der Juden auch im Angesicht des Unterganges der Volksgemeinschaft mit höchster Priorität fort. Der in der Wannseekonferenz 1942 beschlossene, industriell organisierte, Massenmord, leitete einen mörderischen Wahn gegen den Großteil der europäischen Juden ein, der nicht nur jeder ökonomischen Logik und jeder durch die Aufklärung entwickelten Vernunft widersprach, sondern als die abscheulichste Barbarei in der Menschheitsgeschichte, der absolute Bruch mit der Zivilisation überhaupt begriffen werden muss.

Literaturhinweise:

Antisemitismus – die deutsche Normalität: Geschichte und Wirkungsweise des Vernichtungswahns
Moishe Postone: Antisemitismus und Nationalsozialismus
Sebastian Voigt: Essentials der Antisemitismuskritik

Für den nachhaltigen Rückbau des Dresdner Opfermythos

Ein Text der Gruppe Abriss und Kritik gegen das deutsche Opfergedenken am 13. Februar in Dresden

Am 13. Februar 2010 jährt sich zum 65. Mal der alliierte Luftangriff auf Dresden. Wie in den letzten Jahren werden wieder alle mobilisieren, was das Zeug hält: die Nazis zu ihrem größten Aufmarsch des Jahres, BürgerInnen zur nationalen Trauer und Antifas gegen beide.
Oder? In letzter Zeit scheint es so als würden sich große Teile der antifaschistischen Linken ausschließlich auf die Nazis konzentrieren und das offizielle Dresdner Gedenken an die Luftangriffe aus der Kritik ausnehmen. Sicherlich ist es wichtig, den Nazis in Dresden endlich mal eine empfindliche Niederlage zu bereiten. Dabei sollte aber der nationale Opfertaumel nicht vergessen werden, der immer noch Jahr für Jahr in Dresden inszeniert wird. Wir wollen mit diesem Flugblatt dazu beitragen, die Dresdner Geschichtsverdrehung auch in ihrer modernisierten Variante sichtbar zu machen. Und zwar, indem wir uns einmal detailliert die Dresdner Vergangenheit angucken. (mehr…)

LKA erläßt Verfügung zur Sperrung von www.dresden-nazifrei.de

Dem Provider der Internetseite Dresden-Nazifrei.de wurde heute vom LKA Sachsen eine Verfügung zugestellt. In dieser wird die Abschaltung der besagten Seite gefordert. Kommt der Provider der Aufforderung nicht nach, ist mit einer einstweiligen Verfügung zu rechnen. Mittlerweile ist die Seite nicht mehr erreichbar. Übereinstimmend mit der Argumentation die seitens der Staatsanwaltschaft Dresdens bereits zu Wochenanfang im Rahmen der Razzien vertreten wurde hieß es, mittels der Homepage würde zu Straftaten aufgerufen. In allen Fällen geht es der Staatsanwaltschaft darum, den Aufruf zu Massenblockaden wahlweise als kriminelle oder extremistische Handlung zu diffamieren. Die Regierung- fraktionen des sächsischen Landtages lassen zwar jegliche juristische Präzission missen beim stricken des neuen Versammlunggesetzes mit heißer Nadel, das stört den ermittelnden Staatsanwalt Avenarius aber offenbar wenig. Er bleibt starr auf der Dresdner Totalitarismus Schiene: Extremist ist Extremist.

Bereits am Mittwoch gab es in Dresden und Berlin Hausdurchsuchungen aufgrund des Plakates von „Dresden Nazifrei“

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Aufrufe zum 13. Februar in Dresden

Am 13. Februar jährt sich die Bombardierung Dresdens zum 65. Mal und im Lamentieren um vermeintliche „Deutsche Opfer“ sind sich Staat, Stadt, Zivilgesellschaft und Nazis einig. Zwar will sich die Stadt Dresden laut eigenen Aussagen, allen voran Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), den Nazis mit einer Menschenkette entgegenstellen, doch ist dies vor allem ein symbolischer Akt. Die Geschichtsbetrachtung der Nazis unterscheidet sich in der Hallozination eines „alliierten Bombenholocausts“ und verzehnfachten Totenzahlen von der der offiziellen Politik, aber auch in dieser ist bereits angelegt, was den Nazis Anschluss ermöglicht und der radikalen Linken Anlass zur Kritik geben muss. Wir dokomentieren hier zahlreiche Aufrufe verschiedener Bündnisse, deren Ansichten wir nicht alle teilen. Während der Vorbereitungskreis „Keine Versöhnung mit Deutschland!“ das Gedenken kritisiert, stehen für das bundesweite Bündnis „no pasaran“ vor allem die Mobilisierungen gegen den Naziaufmarsch im Mittelpunkt. Die fehlende Kritik am Dresdener Opfermythos und der Massenansatz ist unsere Kritik an dieser Mobilisierung. Die Gruppe TOP B3erlin wiederum versucht die Inszenierung Dresdens als unschuldige Stadt in einen größeren Zusammenhang von Standortlogik und Weltmarktkonkurrenz einzuordnen, lässt dabei aber die Ideologiekritik auf der Strecke. Weitere Aufrufe gibt es außerdem von Avanti, die zum bundesweiten „no pasaran“-Bündnis gehört und der Basisgruppe Geschichte .

Aufruf des Vorbereitungskreises „Keine Versöhnung mit Deutschland!“: Keine Versöhnung mit Deutschland!“

Aufruf der Gruppe TOP B3rlin: Staat. Nation. Dresden. Scheisse. Von Bomben und Nazis, Gedenken und Deutschland

Aufruf der Basisgruppe Geschichte: Dresden – ein unzerstörbarer Mythos?

Aufruf von no pasaran: Am Ort der Geschichte Entschlossen entgegenstellen – gemeinsam blockieren!

Aufruf von Avanti: Deutschland, Dresden: Alles Opfer

Nie wieder Volksgemeinschaft !

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Nie wieder Volksgemeinschaft – Nie wieder Deutschland

Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Mittwoch, 27. Januar 2010 – 16 Uhr – Freiberg – Obermarkt

Am 27. Januar 1945 befreiten die Soldat_innen der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Etwa 6000 Häftlinge, die für lange Märsche zu schwach oder krank waren, waren dort von den Deutschen zurückgelassen worden. Die anderen etwa 60000 Häftlinge, die noch am Leben waren, wurden bereits vier Tage zuvor auf Todesmärschen in Richtung Westen getrieben. Während die alliierten Truppen unaufhaltsam vorrückten, wurden in den von Deutschen kontrollierten Gebieten weiterhin unablässig Menschen in Konzentrationslager deportiert und dort vergast. Selbst im Angesicht des drohenden Zusammenbruchs wurden große Ressourcen für die sog. „Endlösung“ mobilisiert. Erst die Befreiung durch die alliierten Truppen konnte das deutsche Mordkollektiv stoppen.

In Freiberg befand sich seit August 1944 ein Außenlager des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen jüdischen Häftlingen bestand, die zur „Vernichtung durch Arbeit“ im KZ Auschwitz-Birkenau erfasst worden waren. Auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Freiberg auf der Himmelfahrtsgasse und auf der Frauensteiner Straße mussten die Häftlinge für die „Freia GmbH“, ein Betriebsteil der Arado-Flugzeugwerke GmbH Potsdam-Babelsberg, die zu den führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschlands gehörte, Zwangsarbeit leisten. In bis zu 14 Stunden langen Schichten wurden unter anderem Tragflächen des Jagdflugzeugs Me 109 und Zielvorrichtungen für die V2 hergestellt. Ein anderes Freiberger Unternehmen, die Deutsche Seil- und Drahtfabrik, produzierte den Stacheldraht des Vernichtungslagers Treblinka. In Oederan, Flöha und Hainichen mussten weitere 1600 Menschen Zwangsarbeit leisten. (mehr…)

Informationveranstaltung des Vorbereitungskreises „Keine Versöhnung mit Deutschland“

Informationveranstaltung des Vorbereitungskreises „Keine Versöhnung mit Deutschland“ zu den Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch und das Gedenken am 13.Februar in Dresden.

20.01.2010 – 19Uhr – Roter Weg 43 – Freiberg

Der 13. Februar 2010 steht ins Haus und es sieht zum Einen nicht danach aus, als hätte Dresden in diesem Jahr ausnahmsweise keine Lust sich selber zu betrauern. Nein, das komplette Gegenteil ist zu erwarten, denn die Bombardierung jährt sich zum 65. Mal. Zum Anderen ist erneut mit etlichen tausend Nazis zu rechnen. Das Interesse an einer Blockade dieses Aufmarsches wächst, allerdings auch nur in der radikalen Linken. Zivilgesellschaft und Politik machen hingegen wenig Anstalten sich dem Aufmarsch wirklich in den Weg zu stellen. Kritik, in welchen Formen auch immer, ob praktisch oder theoretisch, ist also gefragt!

Der Vorbereitungkreis „Keine Versöhnung mit Deutschland“ bemüht sich, eine gedenkkritische Position sicht- und wahrnehmbar zu machen und darauf zu verzichten, sich ausschließlich an den Nazis abzuarbeiten. Das heißt zuallererst, die Differenzen zwischen dem bürgerlichen Gedenken und dem der Nazis richtig einzuschätzen: sie sind vorhanden, aber nur vordergründiger Art und spätestens mit dem Hauptanliegen, der Trauer um vermeintliche deutsche Opfer, erschöpft. Genau hier gilt es anzusetzen und Kritik zu üben. Unterbleibt diese, etwa aus Sorge um die Anschlussfähigkeit der eigenen Position, wird weiterhin die sowohl im bürgerlichen als auch im Nazi-Spektrum kursierende Erzählung von den Deutschen als Opfer des Zweiten Weltkriegs gestärkt und damit auch ein neuer deutscher Nationalismus legitimiert. Eine Linke, die solche geschichtspolitische Kritik aufgibt, würde sich selbst überflüssig machen.

Selbstverständlich folgt hieraus nicht, die Nazis rechts liegen zu lassen. Ein Aufmarsch, der ein offen nationalsozialistisches Weltbild propagiert, außerdem Shoa und Vernichtungskrieg relativiert darf nicht unwidersprochen stattfinden. Ihm kompromisslos entgegenzutreten ergibt sich schon allein aus dessen Größenordnung und dem damit einhergehenden ganz realen Gefahrenpotential.

Deswegen heißt es auch 2010: Keine Versöhnung mit Deutschland. Gegen jeden Geschichtsrevisionismus. Deutsche Täter_innen sind keine Opfer. Naziaufmarsch verhindern.

mehr Infos unter: venceremos.antifa.net

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Schneeberg, eine deutsche Stadt

Auf der Fahrt zum Asylsuchendenheim stoppten wir kurz im Zentrum. Dort befragten wir einige Bürger_innen zum vermeintlichen Brandanschlag auf das Heim und den mutmaßlichem rechten Hintergrund. Zwei ältere Herren mit Glühwein in der Hand antworteten uns eher skeptisch. Vom Brand haben sie nichts mitbekommen. Für solche Taten hätten sie kein Verständnis, jedoch findet einer der beiden, dass „90% der Asylanten hier nichts verloren haben“. Das schlimmste für ihn seien die „Russen“, welche mit ihren bis zu 30 Personen umfassenden „Rattenschwanz“ immigrieren.(sic!) Anschließend sprachen wir mit einer Frau. Diese hat ebenfalls nix vom Brand mitbekommen. Auch von einer rechten Szene in Schneeberg wusste sie nichts. Ihrer Meinung nach, müsste mensch doch die Deutschen verstehen, welche sich um ihre Arbeitsplätze fürchten, hinsichtlich der bevorzugten Beschäftigung billigerer arbeitenden Migrant_innen. Abwertend äußerte sie sich über eine „Zigeunerin“, die im Heim lebt und in der Region „bettelt“. Das wäre für „Zigeuner“ üblich. Nach ihren antiziganistischen Ressentiments erzählte sie uns noch das mensch sich „wieder zu deutschen Werten besinnen solle, sowie zu Nationalstolz und erhöhter Geburtenquote“. (mehr…)

Leisnig (Sachsen): 3 Naziangriffe mit Axt

Leisnig (Sachsen): Am Morgen des 30.12.09 begann eine Reihe von Angriffen auf Lokalitäten in und um die Nazihochburg Leisnig von Jens S. Zuerst musste der christliche Verein Be-Greifen in Klosterbuch und dann die Redaktion der Döbelner Allgemeinen Zeitung, einen Ableger der LVZ in Leisnig dran glauben. Am späten Nachmittag war es dann das Technologieorientierte Gründungs- und Entwicklungszentrum im Leisniger Gewerbegebiet.
Zeugen identifizierten eindeutig den Kader der lokalen Naziszene Jens S. (mehr…)