Leisnig (Sachsen): 3 Naziangriffe mit Axt

Leisnig (Sachsen): Am Morgen des 30.12.09 begann eine Reihe von Angriffen auf Lokalitäten in und um die Nazihochburg Leisnig von Jens S. Zuerst musste der christliche Verein Be-Greifen in Klosterbuch und dann die Redaktion der Döbelner Allgemeinen Zeitung, einen Ableger der LVZ in Leisnig dran glauben. Am späten Nachmittag war es dann das Technologieorientierte Gründungs- und Entwicklungszentrum im Leisniger Gewerbegebiet.
Zeugen identifizierten eindeutig den Kader der lokalen Naziszene Jens S.
Vermutlich aus Rache wurde am Mittwochvormittag die Redaktion der Döbelner Allgemeinen Zeitung in Leisnig (Kreis Mittelsachsen) mit einer Axt überfallen. Ein Mitarbeiter, der zum Zeitpunkt des Überfalls in der Redaktion arbeitete, konnte unverletzt entkommen. Jens S. warf zunächst eine Axt mit voller Wucht gegen die Schaufensterscheibe. Anschließend schlug er die Glasscheibe der Redaktionstür ein und zertrümmerte die Computertechnik.
Der Chefredakteur der Döbelner Allgemeinen Zeitung und der Leipziger Volkszeitung, Bernd Hilder, erklärte zu der Gewalttat: „Den Überfall am helllichten Tag auf unser Redaktionsbüro in Leisnig und einen unserer Kollegen verurteile ich auf das Schärfste. Wie auch immer dieser Gewaltakt motiviert sein mag, er stellt einen Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit dar -und damit auf die demokratische Grundordnung und das zivilisierte Miteinander. Das Redaktionsteam der Döbelner Allgemeinen wird sich auch in Zukunft nicht durch solche Einschüchterungsversuche von seiner journalistischen Arbeit abhalten lassen und weiter für eine freie Berichterstattung einstehen. Der Polizei und dem Staatsschutz danke ich für ihren schnellen Einsatz und hoffe, dass sie auch zum Schutz der allgemeinen öffentlichen Sicherheit die Täter zeitnah fassen wird.“
Die Rücksichtslosigkeit und mit welcher Brutalität Nazis zuschlagen zeigt sich auch darin, dass im Nachbarbüro der Zeitungsredaktion sich zum Zeitpunkt des Überfalls eine Frau und mehrere Kinder befanden, nicht auszudenken was hätte passieren können.

Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) erklärte: „Ich kann nur hoffen, dass es eine Einzeltat war und nun die Lage nicht eskaliert.“

Kurz vor dem Überfall auf die Redaktion suchten vermutlich die gleichen Täter den ehemaligen Klosterbucher Bahnhof heim. Dort ist ein Sozialprojekt des Vereins Be-Greifen untergebracht, das sich um ehemals drogenabhängige und heimatlose Jugendliche kümmert. „Ich bin gottfroh, dass sich keiner meiner Jugendlichen dort aufgehalten hat“, sagte Vereinsvorsitzende Elsbeth Pohl-Roux. Die Täter warfen hier die Scheiben ein und spalteten das am Gebäude angebrachte Kreuz.
Anschliessend entglasten die selben Täter im Gewerbegebiet das Technologieorientierte Gründungs- und Entwicklungszentrum.

Die Angriffsreihe der Neonazis ist ein trauriger Höhepunkt in einer Chronologie von Naziaktivitäten der letzten Monate und Jahre in der Region Leisnig.
Jens S., führender Kader der lokalen Naziszene in der Region Leisnig hatte im April diesen Jahres seine Aktivitäten seines Heimatschutzbündnisses „Bündnis für Deutschland“ offiziell eingestellt. Die Kameradschaft organisierte überwiegend Kameradschaftsausflüge, -abende (Schlauchboottour, Fußballturniere, Feste, …) mit bis zu 100 Teilnehmern, Propagandaaktionen (Flugblätter, Sticker, …), organisierte Infotische (Leisnig 17.10.2008) und beteiligte sich an regionalen und überregionalen Demonstrationen.
Nachdem sich die Kameradschaft, welche die Region Leisnig mit anderen Städten aus dem Muldentalkreis, Mittelsachsen und dem Erzgebirge vernetzte im April 2009 offiziell auflöste, nahmen die Naziaktivitäten dennoch nicht ab. Neben Kranzniederlegungen, Sprühaktionen auf Wahlplakate demokratischer Parteien im Sommer 2009 und vereinzelten Übergriffen auf nicht-rechte Jugendliche, demonstrierten Ende November 30 Neonazis durch Leisnig.

Die Naziszene in Leisnig ist gut vernetzt. Es bestehen Kontakte zu Kameradschaften in Leipzig, Colditz, Thümmlitzwalde, Döbeln, Rosswein und dem Erzgebirge. Nazikonzerte auf dem Ökohof in Auterwitz am 11.04.2009 oder am 26.09.2009 in Döbeln, tragen neben den Kameradschaftsausflügen an der bis zu 100 Nazis teilnehmen zur Vernetzung und besseren Zusammenarbeit bei.

Quelle: Indymedia

Dazu die Freie Presse vom 02.01.2010. Dass es sich um einen Übergriff von Nazis handelte, wurde nicht erwähnt:

Zeitungsredaktion in Leisnig mit Axt überfallen

Rätselraten um Angriff auf “Döbelner Allgemeine Zeitung”

Leisnig. Bisher unbekannte Täter haben am Mittwoch die Redaktion der “Döbelner Allgemeinen Zeitung” in Leisnig mit einer Axt überfallen. Wie die Zeitung mitteilte, konnte ein Mitarbeiter, der zum Zeitpunkt des Überfalls in der Redaktion arbeitete, unverletzt entkommen. Ein Vermummter hatte zunächst eine Axt mit voller Wucht gegen die Schaufensterscheibe geworfen. Anschließend schlug er die Glasscheibe der Redaktionstür ein und zertrümmerte die Computertechnik.
Der Chefredakteur der Döbelner Allgemeinen Zeitung, Bernd Hilder, verurteilte den Überfall. “Wie auch immer dieser Gewaltakt motiviert sein mag, er stellt einen Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit dar – und damit auf die demokratische Grundordnung und das zivilisierte Miteinander”, sagte er. Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) erklärte: “Ich kann nur hoffen, dass es eine Einzeltat war.”
Kurz vor dem Überfall auf die Redaktion suchten vermutlich die gleichen Täter den ehemaligen Klosterbucher Bahnhof heim. Dort ist ein Sozialprojekt des Vereins Be-Greifen untergebracht, das sich um ehemals drogenabhängige und heimatlose Jugendliche kümmert. Die Täter warfen dort die Scheiben ein und spalteten das am Gebäude angebrachte Kreuz. Die Hintergründe der Taten sind noch völlig unklar. (ddp)

Freie Presse vom 02.01.2010

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