Archiv für März 2010

Was lange währt, wird endlich gut?

erschienen in FreibÄrger #72

von Michael Düsing

Voraussichtlich nun im Mai 2010, nach etlichen Bauverzögerungen, soll das neue Einkaufszentrum in der Freiberger Petersstraße, am Ort des einstigen Schocken-Kaufhauses, seine Pforten öffnen und eine fast 100jährige Handelstradition an dieser Stelle wieder aufnehmen.
Im März 1914 als zehntes Kaufhaus der in Zwickau ansässigen Unternehmer Simon und Salman Schocken eröffnet, gehörte das Freiberger Kaufhaus Schocken bis 1938 zum damals größten sächsischen und immerhin viertgrößten deutschen Warenhauskonzern.
Nach dessen „Arisierung“ durch die Nazis als MERKUR AG geführt, diente es nach dem Krieg für wenige Jahre als zentrales Einkaufsmagazin für Offiziere der Roten Armee. 1947/48 wurde es der Konsumgenossenschaft übertragen, selbstredend im Osten ohne Entschädigungszahlung an die zehn Jahre zuvor enteigneten und vertriebenen jüdischen Eigentümer, und war bis 1992 als „Kontakt-Kaufhaus“ des Konsum bekannt. Das endgültige Aus kam im April 2000 mit der Insolvenz der Kaufring AG für das inzwischen „Kaufhaus Zack“ genannte Handelshaus. Der dann nur notdürftig im Erdgeschoss noch betriebene Billighandel passte zum nicht mehr aufzuhaltenden Ruin des einst attraktiven Kaufhauses.
Freibergs OB, zuerst Konrad Heinze, nach ihm auch Dr. Uta Rentsch, versprachen jeweils vor ihren Wahlen, den Freibergern ein Kaufhaus zurück geben zu wollen. Die Realität holte indes beide schnell ein. Bekannte Kaufhauskonzerne listeten schon längst Städte von der Größenordnung Freibergs nicht mehr als potenzielle Standorte für „klassische“ Kaufhäuser. Die Zeiten, in denen Freiberg als Kaufhausstandort interessant gewesen war – wie etwa nach der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, als die Gebrüder Schocken Freiberg hoch attraktiv als Handelsplatz fanden – sind unwiederbringlich vorbei. Und der „Kaufhausboom“ der Nachkriegszeit in den 60er/70er Jahren hatte, zumindest was seine „westdeutsche“ Ausprägung betraf, den realsozialistischen Osten nur schimärisch erreicht. (mehr…)

Brandanschlag auf Gebäude am Roten Weg 43 in Freiberg

Pressemitteilung des soziokulturellen Vereins „Roter-Weg e.V.i.G.“

In der Nacht vom 20. zum 21. März 2010 verübten bisher noch unbekannte Täter_innen einen Brandanschlag auf das Haus am Roten Weg 43 in Freiberg und stahlen zwei Büroschilder der Partei „DIE LINKE“. In dem Haus befinden sich unter anderem das Bürgerbüro der MdL Dr. Jana Pinka, das Büro der Fraktion „Die Linke“ im Landkreis Mittelsachsen, die Redaktion der Zeitschrift „FreibÄrger“ sowie die Räumlichkeiten des sich in Gründung befindenden soziokulturellen Vereins „Roter-Weg e.V.“. Bei dem Anschlag ist der komplette Eingangsbereich des Hauses ausgebrannt und es entstand ein Sachschaden von mehreren tausend Euro.

Bereits vor zwei Wochen hatten Unbekannte die Scheiben im Eingangsbereich eingeworfen. Außerdem klebten schon mehrfach neonazistische Aufkleber an den Briefkästen, mit Aufschriften wie: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Erst vor zwei Tagen hatten Nazis mehrere hundert Aufkleber des neonazistischen „Resiststore“ Versand in der Freiberger Innenstadt verklebt. Wir gehen daher von einem politisch motivierten Hintergrund aus und vermuten Neonazis als Täter_innen.

mehr bilder unter: http://de.indymedia.org/2010/03/276371.shtml

Ein zivilgesellschaftliches Schauspiel

Bericht der Antifa Karl-Marx-Stadt über die Ereignisse am 5. März

Aus den Erfahrungen des letzten Jahren mit den immer größer werdenden Nazi-Aufmärschen sollte bereits im Herbst 2009 eine Lehre gezogen werden. Aus diesem Grund gab es die Idee einer Bündnisgründung speziell für den 5. März 2010. Beteiligt waren verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und antifaschistische Gruppen. Schon im Vorfeld wurde angekündigt, eine Kundgebung vor dem Kinderheim in Bernsdorf anzumelden, um diesen Platz zu besetzten für etwaige Kundgebungen von Nazis. Wenig später wurde eine antifaschistische Demonstration angemeldet um einen möglichen Nazi-Aufmarsch durch die Innenstadt vor die Reitbahnstraße 84 zu verhindern. 2009 war dies geschehen. Trotz reichlicher Bedenken wurde die Route direkt vor das Wohn- und Kulturprojekt genehmigt und durchgeführt. Die ursprünglich geplante Antifa-Demonstration 2010 sollte am Hauptbahnhof starten. Am Karl-Marx-Monument sollte dann eine Zwischenkundgebung durchgeführt werden, um sich dann für den Abschluss vor der Reitbahnstraße 84 mit der angemeldeten Kundgebung zu vereinigen.

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Gegen den staatlich verordneten Anti-Extremismus!

Kundgebung zur öffentlichen Kritik an einer LehererInnenfortbildung in Halle, Freitag 19. März 2010; 12.00 Uhr; Gedenkstätte »Roter Ochse«in Halle/Saale

Am Freitag, den 19. März wird in der Gedenkstätte »Roter Ochse« in Halle/Saale eine zweitägige LehrerInnenfortbildung unter dem Titel Diktaturvergleich als Methode der Extremismusforschung – Hingucken: Sowohl nach rechts als auch nach links beginnen. Wie die Titel der Einzelveranstaltungen ahnen lassen, geht es maßgeblich darum den historischen Blick auf Nationalsozialismus und DDR für eine wissenschaftlich erscheinende Legitimation des Extremismusansatzes zu benutzen. Nicht das Erkenntnisinteresse über die Entstehung und Funktionsweise von Nationalsozialismus und Realsozialismus stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung, vielmehr soll das pädagogische Publikum von der Funktionalität des Extremismusansatzes überzeugt werden. Mit dessen Hilfe entscheiden staatliche Behörden und selbst ernannte Wärter der Demokratie über die Grenzen des politisch Sagbaren. Was den TeilnehmerInnen der Fortbildung schon durch die Wahl des Tagungsortes als Veranstaltung im Geiste von Demokratie und zivilgesellschaftlichem Engagement angeboten wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine staatsfixierte Auffassung von politischem Handeln. (mehr…)

Wider die antifaschistische Einheitsfront

Der folgende Text ist ein Redebeitrag, der am 5.3. bei der verhinderten Demonstration „Das Tränenmeer trocken legen“ in Chemnitz vorgelesen werden sollte. Wir möchten ihn hier noch einmal dokumentieren und zugleich als eine Reaktion auf den offenen Brief der KPF-Sachsen der Partei „Die Linke“ verstanden wissen.

Wenn es heißt, DIE Antifa demonstriere heute in Chemnitz, gilt es zu widersprechen. Es braucht wohl kaum betont zu werden, dass die verschiedensten antifaschistischen Gruppen ein heterogener Haufen sind und sich in ihrem Verständnis von Gesellschaftskritik und ihren Zielen stark unterscheiden. Das, was sich heute alles Antifa nennt, auf einen gemeinsamen Nenner herrunterzubrechen ist unmöglich. Auf die Frage, was „Antifa“ bedeute, gibt es immer noch verschiedene Antworten.

Wir betrachten Antifaschismus nur als einen Teilbereich kritischer Intervention und für ein Gesamtverständnis der Gesellschaft ungeeignet. Dafür notwendig ist die Auseinandersetzung mit Staats-, Ökonomie-, und Ideologiekritik und die daraus resultierende Forderung nach der allgemeinen Emanzipation der Menschen, nach der Freien Assoziation der Individuen im Kommunismus. Das erfordert durchaus den Kampf gegen Neonazis, hört dort allerdings noch längst nicht auf.

Neonazis mögen mit am reaktionärsten und menschenverachtendsten seien, das haben aber zum Glück die größten Teile der Gesellschaft erkannt und stellen sich ihnen entgegen. Nun gibt es aber keine geschlossene Naziideologie und keine geeinte Rechte. Vielmehr setzt sich das emanzipationsfeindliche Gedankengut der Neonazis aus vielen ideologischen Fragmenten zusammen, wie Nationalismus, Etatismus, Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Autoritarismus, völkisches Denken oder Sexismus und diese Ideologien sind keineswegs nur auf Nazis beschränkt. Sie finden sich in der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ ebenso, wie bei vielen sogenannten „Linken“ und müssen auch immer wieder wegen ihrer Funktionen und Genese auf die gesellschaftliche Verfasstheit im Ganzen zurückbezogen werden. (mehr…)

Nazikonzert im Raum Freiberg

Der neonazistische „Liedermacher Sebastian“ ist nach unseren Informationen am 06.02. im Raum Freiberg aufgetreten. Das Konzert ist Teil einer Tour durch Sachsen, die vom Freien Netz Erzgebirge unterstützt wird. Als Veranstaltungsort hat vermutlich der alte Gasthof in Gränitz gedient, wo schon des öfteren solche Konzerte stattfanden.
Der alte Gasthof gehört dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden und Holocaustleugner Günther Deckert und wird schon seit längerem von Neonazis als Treffpunt genutzt.


Neonazis vor dem Gasthof in Gränitz

Mehr Infos zu dem Nazizentrum in Gränitz findet ihr unter: graenitz.blogsport.de