Archiv für Oktober 2010

Der unbewusste Zwang zur Konformität

Redebeitrag der Antifaschistischen Aktion Chemnitz / AAK gehalten am 9. Oktober 2010 in Freiberg auf der Demonstration „Aber hier leben? Nein Danke!“:

Die Chemnitzer Öffentlichkeit stellt sich als eine bemerkenswert friedliche dar: Wer durch Chemnitz läuft, wird feststellen, dass es außer organisierter Langeweile nichts zu geben scheint. Wo in so mancher Innenstadt nach 22 Uhr noch Menschen unterwegs sind, kann der Bürgersteig in Ruhe vor Belastung friedlich schlummern. Die großen Zufahrtsstraßen mutieren für vereinzelte Nachtwander_innen zu gut gepflegten Wanderwegen. Im Bereich des Brühls ereignet sich eine Realsatire: Mit Zeugnissen einer Streetart-Szene wird Lebendigkeit suggeriert, wo keine mehr ist. Wen stört ein provokantes Graffiti, wenn die Personen doch gar nicht mehr da sind, die es stören könnte?
Genau an der Grenze der Barbarei, zwischen Dörflichkeit und Stadt – einem Relikt was früher einmal „Stadt“ hieß, ereignen sich die drastischten Zeugnisse des Umbruchs zur Post-Urbanität. An diesem soll exemplarisch illustriert werden, was diese Prozesse gesellschaftlich bedeuteten und welche Exzesse mit dieser Transformation verbunden sind. (mehr…)

„Wirksamste Instrumente der deutschen Außenpolitik“ – Die weltweite Einflussarbeit der parteinahen Stiftungen

Vortrag und Diskussion mit Jörg Kronauer

Sie seien die „wirksamsten Instrumente der deutschen Außenpolitik“, urteilteeinst anerkennend der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog. Die Rede ist von den parteinahen Stiftungen wie etwa der Konrad-Adenauer- (CDU) oder der Friedrich-Ebert- Stiftung (SPD), die – mit hohen Beträgen aus staatlichen Haushalten finanziert – über ihre Auslandsbüros in aller Welt Einfluss ausüben. Sie werben um Verständnis für Putschisten wie jüngst in Honduras (Friedrich- Naumann-Stiftung, FDP), unterstützen antichinesische Milieus in Tibet (Heinrich-Böll-Stiftung, Bündnis 90/Die Grünen) oder arbeiten völkischen Kräften in Ungarn zu, die Auseinandersetzungen mit Nachbarstaaten provozieren (Hanns-Seidel-Stiftung, CSU). Im Ausland ruft die Arbeit der Parteienstiftungen immer wieder Proteste hervor, im Inland wird sie hingegen wenig beachtet – obwohl sie erhebliche Bedeutung für die weltweite Steigerung deutscher Macht besitzt. Der Vortrag gibt anhand konkreter Beispiele einen Überblick über die Aktivitäten der parteinahen Stiftungen und ihre Dienste für die inoffizielle Berliner Außenpolitik.

mehr Infos: roter-weg.de

Biedermann Felgner und Brandstifter Saxus

Communiqué vom 14.10.2010

Im „Nationalsozialisten Privatforum“ auf thiazi.net hetzt der notorische Holocaust-Leugner und glühende Nationalsozialist „Saxus“ gegen Juden, Schwarze und Linke. Außerhalb des Internets ist „Thiazi“-Mitglied Nr. 33517 seit 2008 Kreisrat für die NPD in Mittelsachsen und erreichte 2009 als NPD-Landtagskandidat 5,7% der Direktstimmen im Wahlkreis 20 Freiberg 2. „Saxus“ heißt mit bürgerlichem Namen Tino Felgner. (Bild) Felgner wurde 1964 geboren und wuchs in der DDR auf. Er lebt von staatlicher Unterstützung, seinen Abgeordneten-Bezügen und dem Verkauf von Zinnfiguren und Militaria-Devotionalien über seinen eBay-Account „saxe64“. Durch den Hack des „Thiazi“-Forums am 17. September wurde die Identität von „Saxus“ aufgedeckt und seine tausenden Hass-Kommentare zuordenbar, durch die Veröffentlichung des „Nationalsozialisten Privatforums“ am 3. Oktober wurde auch seine dort veröffentlichte Hetze für alle einsehbar. (mehr…)

Angst vor der Sexbomb? Die Geschichte der Männlichkeit im Iran

Vortrag und Diskussion mit Fathiyeh Naghibzadeh im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Mittwoch, 27.10.2010 – 19:00 – AJZ Chemnitz

Für viele Kulturrelativist_innen dürften die Demonstrationen im Iran seit dem Juni 2009 ein ähnlicher Schock gewesen sein wie für die Islamisten im Iran und weltweit. Hatten sie doch seit Jahrzehnten verbreitet, dass Schleier und Scharia eben die Kultur der Iraner_innen seien. Verzweifelt suchen Islamapologet_innen wie Bettina Mathes nach immer neuen “Argumenten für die Burka”. Doch wurden die westlichen Fantasien über den Orient von den Ereignissen im Iran gründlich erschüttert. Viel ist seitdem über die unerträgliche Lage der Frauen im Iran und in der islamischen Welt geschrieben worden. Aber nur wenige Pioniere wie der aus Ägypten stammende Hamed Abdel-Samad beschäftigen sich mit dem Problem der Männlichkeit unter islamischen Verhältnissen. Thema des Abends soll die Geschichte der Männlichkeit im Iran vor und nach der Revolution von 1979 sowie die Frage sein, ob es sich bei der Islamischen Republik tatsächlich um eine Form des “Patriarchats” handelt, wie manche Kritiker_innen des Islamismus behaupten.

Bericht zur Demo: Aber hier leben? Nein danke!

Etwa 100 Menschen folgten gestern unserem Aufruf, um in Freiberg gegen die alltäglichen Zumutungen der Provinz zu demonstrieren. Die Demonstration war Reaktion auf Entwicklungen, die sich in den letzten Jahren in Freiberg abgezeichnet haben und thematisierte die Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, die dort die meisten Entscheidungsträger_innen befallen hat. Die verhaltenen Reaktionen auf Brandanschläge vor ein paar Monaten und eine Nazidemonstration am Donnerstag standen ebenfalls im Mittelpunkt. Und nicht zuletzt wurde das Fehlen von alternativen Treffpunkten und Freizeitangeboten problematisiert.

Die Demonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Gegen 14:30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Davor wurde in einem Redebeitrag der RAA der hiesige Umgang mit neonazistischer Gewalt kritisiert. Im Redebeitrag „Freiberg – die kollektive Unschuld“ wurde auf die Rolle Freibergs während des Nationalsozialismus eingegangen und klar gestellt, weshalb es sich am 7. Oktober verbietet, um „deutsche Opfer“ zu trauern. Die Route führte über die Annaberger Straße in die Innenstadt. Bei einer ersten Zwischenkundgebung auf der Petersstraße folgten Redebeiträge der alternativen Stadtzeitung FreibÄrger über das Elend in Freiberg und der Antifaschistischen Aktion Karl-Marx-Stadt über ihre Erlebnisse in Chemnitz. Bei einer zweiten Zwischenkundgebung auf dem Untermarkt wurde die Situation von Asylsuchenden aufgezeigt, die nicht nur in Freiberg kein leichtes Leben haben. Außerdem wurde ein Spendenaufruf der Bomber Command Association aus London für ein Denkmal für die gefallenen britischen Bomberpiloten verlesen. Gegen 16:30 kam die Demonstration wieder am Bahnhof an und wurde mit einem Redebeitrag der Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden zur Begierde des Kommunismus beendet. Damit unsere Kritik nicht verhallt, wird es alle Redebeiträge auf unsrem Blog nochmals zum Nachlesen geben.

Die Richtigkeit unserer Kritik an Lokalpatriotismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien und die Einschätzung, dass diese auch in der breiten Masse der Bevölkerung auf Zustimmung treffen, bestätigten sich auf bittere Art und Weise durch die Kommentare von Passant_innen. Von „normalen“ Leuten im mittleren Alter konnte man Sprüche wie „Die Roten gehören doch alle erschossen“ oder “Die Kanaken müssen halt alle raus“ vernehmen. Wir hoffen zumindest einige Menschen erreicht zu haben und können am Ende nur sagen: Aber hier leben? Nein danke!

Die Person, die wegen des GNWP-Logo eine Anzeige bekommen hat, soll sich bitte nochmal per Mail bei uns melden.

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Redebeitrag des FreibÄrger

„Aber hier leben? Nein danke!“ rufen wir heute den Freibergerinnen und Freibergern entgegen und meinen damit die Verhältnisse in dieser Provinz, unter denen wir schon zu lange unser Dasein fristen. Viel Verständnis für diese Parole ist uns dabei nicht entgegengebracht wurden, dafür aber Frust, verdrängte Aggressionen und Befürchtungen, die völlig an der Realität vorbeigehen. Was soll das? Hier ist es doch so schön – wurde uns entgegengehalten und sicher, zum Arbeiten, parken und Steine angucken mag das alles zutreffen. Das meinen wir aber gar nicht. Was für uns das Leben in Freiberg so anstrengend macht, sind neben fehlender alternativer Angebote und ein paar Nazis, die hier zum Glück weit weniger aggressiv auftreten, als im Rest von Mittelsachsen, vor allem die völlige Unfähigkeit mit Kritik umzugehen fast aller, die hier irgendwie mitgestalten.
Dabei meinen wir es doch gar nicht böse, trotz aller persönlicher Antipathie. (mehr…)

Redebeitrag der RAA

Rechtsmotivierte und rassistische Gewalt ist in Sachsen an der Tagesordnung. 120 solcher Angriffe haben wir als Opferberatungsstellen im ersten Halbjahr 2010 gezählt. Dabei handelt es sich ausschließlich um Gewalttaten. Nicht dabei ist die alltägliche Präsenz von Nazipropaganda in Form von Sprüherein oder Aufklebern. Auch nicht dabei sind die kleinen und großen, die subtilen und offenen, die alltäglichen und strukturellen Diskriminierungen, denen Menschen die als nicht deutsch wahrgenommen werden tag täglich ausgesetzt sind.

Die 120 Angriffe, von denen wir Kenntnis erhalten haben – die Dunkelziffer dürfte höher liegen – sind zum Großteil Körperverletzungen, von der versuchten bis zur schweren, und Bedrohungen. (mehr…)

Über die „Ausgestoßenen“ in der weltoffenen Stadt

Redebeitrag zu Situation von Asylsuchenden

Die Frage, die sich stellt, ist, was eigentlich noch geschehen muss, bis die Heimbewohner des Dreckslochs einer Unterkunft für Asylbewerber, auf der Chemnitzer Straße, endlich in ihrer Not wahrgenommen werden. Reicht die Insekten- und Ungezieferplage, oder der massive Befall von Schimmelpilzen nicht aus, um genug Grauen zu erregen? Bedeutet die Tatsache, dass Asylbewerber mit rund 30% weniger, als dem Hartz IV Regelsatz auskommen müssen, etwa nicht, dass sie unvergleichbarer sozialer Ungerechtigkeit ausgesetzt sind? (mehr…)

Keep the dream alive! communism!

Bei der Demo unter dem Motto „Aber hier leben? Nein danke!“ in Freiberg hat die AHSG wieder mal einen Redebeitrag gehalten. In Anlehnung an Bini Adamczaks inspirierende Bücher entstand der folgende Beitrag, der unser Bedürfen, Begehren und Träumen vom Kommunismus festhält…

Vom Traum, der zum Versprechen wurde…

Der Materialismus, der den „quälbaren Leib“ als Ausgangspunkt nahm für eine Analyse der Gesellschaft und deren Geschichte, vielmehr aber noch deren Kritik, ließ eine Idee erwachsen, zu der in diesem Beitrag einige Worte verloren werden sollen. Es war die jenige, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“1, um die etwas schal gewordenen Worte von Karl Marx zu verwenden – die Befreiung vom gesellschaftlich verursachten Leid, die zum Versprechen wurde durch jene, die diese Befreiung am stärksten herbeisehnten. (mehr…)

The Means of Victory

Übersetzung des Spendenaufrufes der Bomber Command Association durch die Antifaschistische Gruppe Freiberg

The Bomber Command Association, with the help of the Heritage Foundation, is raising funds to erect a permanent memorial in Central London to the 55,000 bomber aircrew killed in WW2.

Die Möglichkeit des Sieges

Die entscheidende Rolle der Männer des Bomber Command bei der Befreiung Europas von Hitlers tyrannischer Herrschaft ist in Großbritannien niemals wirklich durch Auszeichnungen, Denkmäler, oder öffentliche Erklärungen anerkannt wurden. Seit Winston Churchils politisch motivierter Auslassung der Anerkennung des Bomber Command in seiner 8. Mai Rede, waren die Briten unter den alliierten Siegern einzigartig darin, die Realität auszublenden, dass ein Kampf um Überleben und Freiheit gegen einen so bösartigen Feind kompromisslose Offensiven erforderlich macht, wie Churchill selbst 1940 noch erklärte: „Die Soldaten sind unsere Rettung, aber nur die Bomber bieten die Möglichkeit des Sieges.“ (mehr…)

Interview mit Radio F.R.E.I.

Anlässlich unserer Demonstration „Aber hier leben? Nein danke!“ am kommenden Samstag hat Radio F.R.E.I. aus Erfurt mit uns ein Interview geführt, in dem wir u.a. auf die Motivation für die Demonstration und die Zumutungen der Provinz eingehen. Das Interview könnt ihr hier anhören. Viel Spaß!

70 Nazis opfern in Freiberg

Anlässlich des 66. Jahrestages der Bombardierung Freibergs riefen Autonome Nationalisten aus Freiberg heute, 18:30 Uhr, zum Trauermarsch am Bahnhof auf. Dem Aufruf folgten ca. 70 Nazis aus Freiberg und Umgebung. Anders als letztes Jahr, wo NPD-Kreisrat Steve Weisbach eine Kundgebung angemeldet hatte, nahmen dieses Mal allerdings keine Mitglieder der Freiberger NPD am Trauermarsch teil. Auch Maik Müller, langjähriger Verbindungsmann der Freien Kräfte aus Dresden, fehlte. NPD-Stadträtin Heidelore Karsten distanzierte sich in der heutigen Stadtratssitzung gar von der Demonstration. Das lässt auf ein weiteres Zerwürfnis zwischen NPD und Autonomen und Freien Kräften schließen. Die Demonstration war durchgehend von Autonomen Nationalisten dominiert, auch viele junge Freiberger Nazis, die bisher kaum in Erscheinung getreten waren, beteiligten sich daran. Angemeldet wurde sie von Mario S. aus Langenau. (mehr…)

Veranstaltungstipp: Warum Israel?

Am 8. und am 12. Oktober um 20 Uhr wird Claude Lanzmanns Film „Warum Israel?“ im Pi-Haus Freiberg gezeigt. Der Film ist überzeugendes Plädoyer für die Existenz des jüdischen Staates. Anschauen!

Trauermarsch der Nazis am 7. Oktober

Auf der Seite der Autonomen Nationalisten Freiberg wird ein sog. Trauermarsch am 7. Oktober um 18:30 Uhr am Bahnhof Freiberg beworben. Uns wurde außerdem zugetragen, dass NPD Kreisrat Wilko Winkler für den 10. Oktober um 14 Uhr eine Demonstration am Bahnhof anmelden wird. Es kann sich bei beiden Terminen allerdings auch um den selben Trauermarsch handeln. (mehr…)