70 Nazis opfern in Freiberg

Anlässlich des 66. Jahrestages der Bombardierung Freibergs riefen Autonome Nationalisten aus Freiberg heute, 18:30 Uhr, zum Trauermarsch am Bahnhof auf. Dem Aufruf folgten ca. 70 Nazis aus Freiberg und Umgebung. Anders als letztes Jahr, wo NPD-Kreisrat Steve Weisbach eine Kundgebung angemeldet hatte, nahmen dieses Mal allerdings keine Mitglieder der Freiberger NPD am Trauermarsch teil. Auch Maik Müller, langjähriger Verbindungsmann der Freien Kräfte aus Dresden, fehlte. NPD-Stadträtin Heidelore Karsten distanzierte sich in der heutigen Stadtratssitzung gar von der Demonstration. Das lässt auf ein weiteres Zerwürfnis zwischen NPD und Autonomen und Freien Kräften schließen. Die Demonstration war durchgehend von Autonomen Nationalisten dominiert, auch viele junge Freiberger Nazis, die bisher kaum in Erscheinung getreten waren, beteiligten sich daran. Angemeldet wurde sie von Mario S. aus Langenau.


Anmelder der Demonstration

Gegen 18:30 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Die Route führte abermals durch die Bahnhofsvorstadt über die Buchstraße, Lange Straße, Schönlebestraße und Peter-Schmohl-Straße zum Donatsfriedhof, wo einige der Bombentoten in einem Massengrab beerdigt liegen. Nach einem kurzen Intermezzo begaben sich die Nazis über die Frauensteiner Straße und Bahnhofstraße wieder zurück zum Bahnhof, wo die Demonstration gegen 20:15 Uhr endete.

Die Stadt und der Verein gegen Extremismus reagierten dieses Mal früher, als die Jahre zuvor und hatten schon im Voraus vor der Jakobikirche ein Friedensgebet, sowie eine Kundgebung angemeldet und verunmöglichten den Nazis damit eine Aktion an dieser Stelle. In Reden lobten Landrat Volker Uhlig (CDU) und der Stellvertreter des Oberbürgermeisters die Einigkeit des Stadtrates, der geschlossen gekommen war. Dass sich darunter auch NPD-Stadträtin Heidelore Karsten befand, die noch letztes Jahr an gleicher Stelle gemeinsam mit Nazis trauerte, störte ihn dabei anscheinend nicht. Auch die Linkspartei nahm keinen Anstoß an der problematischen Ausrichtung der Veranstaltung. In weiteren Äußerungen warf Uhlig den Nazis vor, die vermeintlichen Opfer zu verhöhnen und dass diese von keiner politischen Gruppierung instrumentalisiert werden dürften. Ebenfalls stieß man wieder ins gleiche geschichtsrevisionistische Horn, wie letztes Jahr und relativierte die Naziaktivitäten in Freiberg. Viele „Rechtsextremisten“ wären von außerhalb angereist; das Problem also importiert. Davon, dass „Bürger heute Flagge gegen Neonazis [zeigten]“, wie die Freie Presse titelte, merkte man wenig. Man beließ es abermals bei bloßer Symbolpolitik. Nicht zuletzt wegen diesen Ereignissen rufen wir am 9. Oktober dazu auf, unter dem Motto „Aber hier leben? Nein danke!“ durch Freiberg zu demonstrieren und endlich einmal emanzipatorische Inhalte dorthin zu tragen.


Bürgerspektakel vor der Jakobikirche







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