Archiv für November 2010

Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller

Dienstag, den 21. Dezember 2010 um 19 Uhr
Geisteswissenschaftliches Zentrum Leipzig, Hörsaal 2010, Beethovenstr. 15
Eintritt: 2 EUR

Die Debatten über Einwanderung in Deutschland der letzten Jahre sind von einer kaum mehr zu überbietenden Verlogenheit. Während der keineswegs nur ostzonale Ausländer-Raus-Block in jüngster Zeit sich islamkritisch aufplustert, um über political incorrect oder als Sarrazin-Fan-Gemeinde seine Hassbotschaften ins Land zu schicken, spielt das political korrekte Deutschland jeden Einwand gegen weniger schöne Entwicklungen in den Parallelgesellschaften routiniert herunter und denunziert die Kritiker als Rassisten. Die einen unterstellen der größten Zuwanderergruppe im Land, den Türken, sie produzierten massenhaft Kopftuchmädchen und lehnten die Mehrheitsgesellschaft pauschal ab, die anderen lassen es zu, dass die Gesandten Ankaras im türkischen Verbandswesen als berufene Sprecher der türkischen Minderheit ihren nationalchauvinistischen und/oder islamistischen Denkmüll als ernst zu nehmende Debattenbeiträge beisteuern. Das ganze vollzieht sich als Integrationsdebatte, die ihre eigenen Voraussetzungen nicht zu benennen weiß. (mehr…)

28.11|AJZ Chemnitz|Eine Seefahrt. Die ist lustig? – Zur Geschichte des deutschen Antizionismus

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Sonntag, den 28.11.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz.

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die Shoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.«

Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

Brandanschlag in Limbach-Oberfrohna


Gestern ereignete sich erneut ein brutaler Überfall in Limbach-Oberfrohna. Gegen 21:00 Uhr befand sich eine Gruppe Alternativer Jugendlicher auf dem Weg nach Hause, als ihnen auf Höhe der Albert-Einsteinstraße Ecke/Weststraße eine Gruppe von fünf bekannten Nationalisten aus Limbach-Oberfrohna und Umland begegneten. Die Gruppe der Rechten begann sofort mit verbalen Angriffen und forderten den Aufenthaltsort von bestimmten Personen. Die Jugendlichen wollten keine Auseinandersetzung und versuchten aus dem Blickfeld der Rechten zu kommen, diese ließen jedoch nicht ab. Als nun vier weitere Freunde, der Verfolgten, diese zufällig traf und diese begleiten wollte, eskalierte die Situation. Auf Höhe der Helenenstraße/Paul-Seydel-Straße attackierte der Rädelsführer der Gruppe einen 14-jährigen und schlug diesen zu Boden, als Freunde helfen wollten, wurden diese auch brutalst von den Rechten attackiert. Eine Person erlitt dadurch eine Platzwunde, wahrscheinlich durch einen Schlagring, die später im Krankenhaus behandelt werden musste. Die anderen Betroffenen erlitten Blessuren von Schlägen und Tritten.
Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht und nur kurze Zeit später sammelten sich im gesamten Stadtgebiet Gruppen des rechten Spektrums unter anderem vor dem Jugendtreff Eastside an der Albert-Einstein-Straße, was auch der Polizei mitgeteilt wurde. (mehr…)

Über die Zukunft

Auf dem Blog für Freiberger Subkultur electronic-nights erschien vor Kurzem ein Fazit über die Entwicklung der Subkultur der letzten Jahre, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Auch der Blog bietet immer wieder gute Hinweise auf Veranstaltungen, die es ja auch hier hin und wieder doch mal gibt.

Die Überschrift sagt schon vieles aus, doch erst ein kurzer Rückblick: 2004 überlegten Jörg (KX) und ich, wie wir alle Informationen zur hiesigen Subkultur bündeln und für alle zugänglich machen können. Nach einiger Ideen- und Namensfindung, stand dann Mitte 2005 auch endlich die erste electronic-nights Version im Netz. Damals leider noch stark statisch programmiert, da wir beide keine Ahnung von php hatten und kostenfreie CMS noch nicht soweit ausgereift waren, dass wir auf diese zurückgreifen wollten. Im Grunde war es damals schon ein Blog mit Veranstaltungshinweisen und -kritiken.

2006 machte dann die Alte Mensa dicht, der Alte Bahnhof folgte ein Jahre später, Cocktail of House/Fever96/Teck-Attack/Drum&Bass/Dipol usw. gab es irgendwann auch nicht mehr. Die Porzelline war dann mehr oder weniger nur das letzte Aufbegehren und mit House verbindet das Freiberger Publikum heute nur noch eine ausgeleierte Electrohouse-Version, die stupidem RnB der letzten Jahre in Sachen Oberflächlichkeit in nichts mehr nachsteht. Auf die Gründe des Übels bin ich schon einige Male eingegangen, doch in Sachen Subkultur und alternativen Veranstaltungen hat die Stadt auf jeder Ebene versagt. Dies lässt es leider immer schwieriger werden, für diese Seite noch geeigneten Content zu finden. Beliebig austauschbare Veranstaltungen in Stadtclub, Tivoli & Co. brauchen an dieser Stelle nicht erwähnt werden und das allgemeine Interesse ist auch merklich gesunken, soweit ich die Besucherzahlen lokaler Webseiten im Auge hatte.

Somit stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll erscheint, Zeit und vorallem Geld für eine Seite aufzubringen, deren Relevanz sich mit dem Ableben der hiesigen Subkultur eigentlich aufhebt. Wer nach lokalen Halligalli-Veranstaltungen sucht, kann dies auf den einschlägig bekannten Veranstaltungsportalen machen und in absehbarer Zeit wird sich in und um Freiberg auch nichts entwickeln, worüber es sich zu berichten lohnt. Zudem fehlt mir immer häufiger durch die Entfernung zu Freiberg eine Einschätzung, was vor Ort eigentlich gerade passiert. Lange Rede, kurzer Sinn: Lust diesen Blog weiterzuführen habe ich schon, jedoch gehen mir die Themen aus.

Es darf diskutiert werden!

Auf nach Döbeln! Den Nazis am 6.11.2010 entgegentreten.

Wir dokumentieren hier für Euch den Aufruf des Anti-Nazi-Bündnisses für den 6. November 2010.

Für Samstag, den 06.11.2010 rufen die „Nationalen Sozialisten Döbeln“ zu einer Demonstration unter dem Motto: „Steht auf gegen die Übermacht der Demokraten – Nationalen Sozialismus durchsetzten“ auf.
Nachdem die Nazis im November der beiden Vorjahre in der Stadt Döbeln relativ ungestört demonstrieren konnten, soll ihnen das in diesem Jahr nicht gelingen!

Die Aktivitäten der hiesigen Szene haben sich in der letzten Zeit sowohl qualitativ als auch quantitativ verstärkt: Erinnert sei dabei unter anderen an die beiden Brandanschläge im Juli und August diesen Jahres. Einmal betraf es die Autos von zwei MitarbeiterInnen des soziokulturellen Vereins Treibhaus e.V., ein anderes Mal wurde ein Transparent am Gebäude des Vereins angezündet.

Die Nazis mobilisieren von 13 – 17 Uhr zum Hauptbahnhof Döbeln. Die genaue Route steht noch immer nicht fest – sicher ist aberschon, dass sie vom Hauptbahnhof durch die ganze Innenstadt laufen wollen. Die Demonstration ist von den „Nationalen Sozialisten Döbeln“ für 80 – 130 Personen angemeldet.

Wir wollen die Aufmärsche nicht nur in Großstädten verhindern, sondern insbesondere im ländlichen Raum, wo sie sich vermeidlich sicher und ungestört fühlen! Wir wollen keinen antidemokratischen und menschenverachtenden „Nationalen Sozialismus“ sondern eine offene, pluralistische und demokratische Gesellschaft, in der soziale Rechte jedem und jeder zustehen!

Zeigt euch solidarisch und kommt am Samstag, 06.11.2010 mit nach Döbeln! Wir treffen uns um 10.00Uhr am Kundgebungsort Lindenallee (neben Hauptbahnhof). Bringt so viele Leute wie möglich mit. Rechte Aufmärsche verhindern – den Nazis keinen Meter!

weitere Infos: buendnisdoebeln@googlemail.com oder: http://buendnisdoebeln.blogsport.de/ .