Archiv für Dezember 2010

Es wird eben gelogen, gelogen ohne Ende…

In der Nacht zum 24. Oktober wurde Kamal K. am Leipziger Bahnhof ermordet. Die Hintergründe der beiden Tatverdächtigen lassen auf einen eindeutig rassistischen Hintergrund schließen; dennoch waren die Reaktionen sehr mäßig. Unter anderem deshalb ruft der Initiativkreis Antirassismus Leipzig zu einer antirassistischen Demonstration auf. In ihrem Aufruftext und in einem Leserbrief an die Leipziger Internet Zeitung lässt der Initiativkreis dabei aber notwendige Sorgfalt auf der Strecke und kommt auf teilweise absurde Vorwürfe. Wir haben weder Lust noch Zeit, uns dazu intensiver zu Wort zu melden, möchten aber auf eine Antwort der Leipziger Internet Zeitung auf einen Leserbrief verweisen, der einige Aspekte gut zusammenfasst. Dass der Initiativkreis darin Beleidigungen erblickt, lässt einmal mehr auf die Unfähigkeit der Antirassisten schließen, sich mit Kritik inhaltlich auseinanderzusetzen. Eine Kritik äußerte auch das Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus. (mehr…)

Wie das vierte Reich in einem Glückspulli verschwand – Zum Altern antideutscher Kritik

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Donnerstag, 16.12.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Clemens Nachtmann

So ist der Lauf der Dinge: was gestern scheinbar noch Minderheitenfaible war, ist heute schon Mehrheitsprogramm; so kompromisslos „antideutsch“, wie vor 15 Jahren nur ein paar Versprengte sich gebärdeten, führen sich heutzutage deutsche Leitartikler und Feuilletonisten allemal auf und verdolmetschen damit sowohl eine verbreitete Zuschreibung von außen als auch die kurrente Selbsteinschätzung der Deutschen, die sich mehrheitlich längst nicht mehr als bornierte, verkniffene, obrigkeitshörige Spießer, sondern als weltoffene, lockere und zivilcouragierte Bonvivants begreifen.

Angesichts der Tatsache, dass im Deutschland des Jahres 2010 die nicht enden wollende Demontage des Sozialstaats ideologisch von ebenso endlosen Polemiken gegen den „paternalistischen Obrigkeitsstaat“ deutscher Prägung sekundiert wird; dass die Deutschen, weit entfernt davon, fremdenfeindlich aufzutreten, vor Begeisterung für „fremde Kulturen“ gar nicht an sich halten können; dass die Reaktion auf die Bankenkrise gar nicht besonders panisch, sondern im Gegenteil eher gemäßigt ausfiel; dass die Außenpolitik des Nationalstaats Deutschland im Kern darin liegt, gegen den „nationalstaatlichen Egoismus“ aufzutreten und für „gerechte“, auf dem Völkerrecht basierende Konfliktlösungen sich einzusetzen – wie ist unter diesen Umständen materialistische Kritik neu zu justieren und was bleibt von ihrer antideutschen Stoßrichtung?