Die linke Formierung

„[D]ie Entscheidung ist gefallen. Für den 19. Februar 2011 gibt es die Großmobilisierung zu Massenblockaden nach Dresden.“ Dass man vor diesem Spektakel, bei dem das Gros der Teilnehmenden an den unheimlichen Aufmarsch der ML-Zombies auf der LLL-Demo beinahe heranreicht, besser Reißaus nehmen sollte, möchten wir im Folgenden versuchen darzulegen.

Der Fluch des Superlativs!!!

Großmobilisierung; Massenblockaden; Event; Europas größter Naziaufmarsch; endgültig Geschichte werden zu lassen; bundesweit; auf jeden Fall zu verhindern; können und werden wir nicht; öffentlichkeitswirksam; aktiv werden; Aktionstag; trommelt alle eure Freunde zusammen usw. usf. Diese Sprache spricht Bände. Man braucht nicht erst Victor Klemperers L.T.I. zu lesen, um den Tatendrang, die Kraft und den superlativierten Sinn zu erkennen, mit denen bei no pasarán und Dresden-Nazifrei Politik gemacht wird: Mit einer Sprache, die schon von ihrer Struktur her auf etwas verweist, das zum Fürchten ist. Welch autoritärer Gestus muss in den Köpfen der Menschen herrschen, die die überwiegende Zahl ihrer Ergüsse mit Ausrufezeichen beenden und für die es Höchstleistungen darstellt, Sätze zu formulieren. Sätze, die diese Bezeichnung verdienen und vom Jargon emanzipiert ohne Verlautbarungen der Entschlossenheit und Versicherungen der eigenen, gemeinsamen Identität auskommen. Sätze also, die Inhalt, oder im höchsten aller Fälle gar Kritik, transportieren.

So kommen bei der Mobilisierung nach Dresden Form und Inhalt in wunderbarer Weise zusammen; bricht jedes Wort dem Bedürfnis nach Gemeinsamkeit, Identität und autonomen Gruppen kuscheln sich Bahn. Wie für die L.T.I., so gilt auch für die Sprache der Mobilisierung: „Tendenz, gespannte Bewegung auf ein Ziel hin, ist Pflichtgebot, elementares und allgemeines. (..) Sein ganzer Sprachschatz ist von dem Willen zur Bewegung, zum Handeln beherrscht.“1 Tätigkeitsworte und das Schreiben im Futur sind symptomatisch für die Aufrufe von no pasarán und Dresden-Nazifrei: wir werden; blockieren; verhindern, stoppen; wollen; es nicht belassen werden usw. usf. Die Bewegung ist Alles, der Einzelne Nichts. Stillstand ist der Tod.

„Der Weg ist das Ziel“

    no pasarán

„Dieses Ziel eint uns“

    Dresden-Nazifrei

Es gibt daher Aktionskonferenzen, Aktionskonsense, Blockadetrainings und dergleichen mehr. Alles verweist auf das Prinzip der Bewegung und die Tat an sich. Im Aufruf für 2011 ist eine Begründung für das Blockadespektakel no pasarán gerade einmal drei Sätze wert; Dresden Nazifrei verzichtet gleich ganz darauf. Anscheinend will man längst nicht mehr überzeugen, sondern rekrutieren. Das Verhindern von Naziaufmärschen scheint sich für die überwiegende Mehrheit bereits aus sich selbst heraus zu legitimieren und bedarf keiner weiteren Ziele und Analysen. Daran schließt ein weiteres zentrales Merkmal der Verlautbarungen no pasaráns und Dresden-Nazifreis an: Das der Behauptung. Der Naziaufmarsch am 13. Februar wäre der wichtigste Naziaufmarsch Europas, ist etwa zu lesen. Doch Belege dafür finden sich höchstens rudimentär zwischen den drei Sätzen, die als Begründung nicht durchgehen können.2 Warum aber sollte ausgerechnet das durchgekaute und abgehandelte Thema der Trauermärsche bedeutsamer sein, als etwa zahlreiche Demonstrationen gegen sogenannte Kinderschänder, herbeihalluzinierte „Überfremdung“, Globalisierung, oder aktuelle politische Anlässe? Waren etwa die antisemitischen Aufmärsche anlässlich der Verteidigung des israelischen Souveräns gegen die „Free-Gaza Flotille“ im letzten Jahr, an denen sich u.a. auch die Antifaschistische Linke Berlin – eine im no pasarán-Bündnis organisierte Gruppe – beteiligte3, nicht minder gefährlich? Eine Tatsache, die die ALB als Bündnispartner völlig diskreditieren sollte. Und ist die Behauptung kein Schlag ins Gesicht jener Antifaschist_innen in Ungarn und Russland, die dort einer organisierten rechten Pogromstimmung ausgesetzt sind?4

Dennoch verwundert es nicht, wie die Massenbündnisse zu dieser Feststellung kommen. Für ihren begrenzten Horizont scheinen die Ereignisse in und um Dresden der Nabel der Welt zu sein. Wer die eigene Relevanz nur an den versammelten Massen auf der Straße misst, wem die Teilnehmendenzahlen auf Demonstrationen Erfolgsindikatoren sind, wer als ideelle Gesamtantifaschist_in trotz durch und durch mackerhaften Gebärdens auf Gender Gap beharrend nur in Organisationszusammenhängen denken kann, muss zwangsläufig im mobilisierungstechnischen Schwanzvergleich5 mit den Neonazis enden und genau dort deren Gefährlichkeit erblicken. In dieser Art der Auseinandersetzung kommen no pasarán und Dresden-Nazifrei der von ihnen kritisieren Extremismusdoktrin erstaunlich nahe.

Eine Kritik an neonazistischen und anderen menschenverachtenden Ideologien kommt nicht umhin, diese auf ihre Wirkmächtigkeit zu untersuchen. Wie es auch no pasarán richtig benennt, sind autoritäre Charakterstrukturen und menschenverachtendes Denken in der Gesellschaft weit verbreitet. Jedoch muss man auch anerkennen, dass es mittlerweile in fast allen Teilen der Gesellschaft Konsens ist, sich von Neonazis zu distanzieren und der Trauermarsch überall auf starke Ablehnung stößt. In Dresden ist für die Nazis kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Niemand will sie haben; nicht einmal die stockkonservative Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Wenn no pasarán daher schreiben, dass die Aktionen von Dresden-Nazifrei und no pasarán als genauso störend empfunden würden, wie die menschenverachtende Propaganda(sic!) der Neonazis, ist das eine dreiste Behauptung, die von der Wirklichkeit Lügen gestraft wird. Dass die Bündnisse nicht gerade das Wohlwollen der Stadtoberen auf sich ziehen, ist sicher der Fall – mehr aber auch nicht. Die Außenseiterrolle, die no pasarán für sich in Anspruch nimmt, ist längst vom gesellschaftlichen Mainstream rekuperiert und lediglich der Gestus ein anderer.

Oft – und dort liegt das Problem – äußert sich das jedoch nur in einem Unbehagen gegen Nazis, das irgendwo zwischen sozialer Erwünschtheit, Selbstvergewisserung und Antira-Aktivismus zu verorten und aus diesem Grund nicht in der Lage ist, über eine Ablehnung von Neonazis hinauszugehen. Gegen Nazis zu sein ist OK, den Kapitalismus zu kritisieren und mit ihm verbundene Phänomene, wie Vereinzelung, Entfremdung, empfundene Ohnmacht und die fehlende Subjektivität der Individuen, als eine der Ursachen für Massenbewegungen und kollektive Identifizierung zu benennen, zu viel des Guten. Theodor W. Adorno schrieb bereits 1963 in seinem Aufsatz Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, dass das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie potentiell bedrohlicher sei, als das Nachleben des Nationalsozialismus gegen die Demokratie.6 Und auch mehr als 40 Jahre später ist Deutschland von einer faschistischen Machtübername unendlich weit entfernt. Daher ist der Verweis darauf, dass das Blockadespektakel durch die deutsche Geschichte notwendig wird, bereits empirisch widerlegt. Notwendig wäre ganz anderes, etwa, sich die Ursachen für menschenverachtendes Denken bewusst zu machen und an deren Abschaffung zu arbeiten.

Obwohl behauptet wird, mit den durchgeführten Blockadeaktionen den Rahmen des symbolischen Protestes verlassen zu haben, sind die Blockaden letzten Endes genau das – rein symbolische Aktionen. Dresden-Nazifrei verrät dies auch, wenn Leute dazu aufgefordert werden, ein wirksames Zeichen zu setzen. Menschenverachtendem Gedankengut auf der Straße begegnen zu wollen, ist utopisch. Vor allem aber haben die Blockaden keinen Adressaten und einen Erkenntnisgewinn werden sie nicht bieten. Nazis, die um ihre gesellschaftliche Marginalität wissen, bekommen das an diesem Tag lediglich noch einmal gespiegelt, während alle anderen sich gegenseitig bestätigen, wie blöd sie Nazis finden. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wenn Nazis am 19. Februar einen richtig beschissenen Trauermarsch erleben, ist das unbedingt zu begrüßen – aber wir glauben, dass es nicht die Auswirkungen hat, wie die Blockadelustigen sie sich gern einreden. Nach Dresden zu fahren ist einfach, aber nutzlos und hat mit Zivilcourage nichts zu tun. Es ist eine riesige Selbstbespaßung, die die dafür aufgebrachte Mühe nicht wert ist.

Angesichts all der Zumutungen, die diese Gesellschaft bereit hält, ist es geradezu irrwitzig, für ein Event, wie den 13. Februar, seine Kraft und Energie zu verschwenden, wo es an anderen Stellen so viele Gründe gibt, sich einzumischen. Welche Fortschritte könnten im Asylrecht und der deutschen Abschiebepraxis erreicht werden, gäbe es einen annähernd vergleichbaren Protest dagegen. Wie viele Menschen könnten vor widrigen Lebensumständen oder ihrem Tod bewahrt werden, riefe einmal ein Bündnis dazu auf, Abschiebungen zu verhindern. Und wie viel reicher an Perspektiven wäre die Provinz, flösse Engagement auch einmal dort hin. Jede progressive politische Veranstaltung im Jugendclub; selbst jedes kulturelle Programm, das nicht von rechten Inhalten oder rechtem Publikum dominiert wird, ist dort nachhaltiger, als die noch so große Großblockade. Doch dort fehlen sowohl der klar lokalisierbare „Feind“, an dem sich abzuarbeiten wäre, als auch der jährliche Eventcharakter. Denn damit rechnet das autonome Herz: Dass in Dresden was geht!

Der Spaßfaktor

Genau diese bewegungslinke Scheiße ist es, die es für uns unerträglich macht, die Mobilisierungen nach Dresden gutzuheißen. „Der Mobi-Stuff des Antifa-Bündnis „no pasarán“ für diese Saison(sic!) ist fertig.“, heißt es etwa auf der Homepage des Bündnisses no pasarán, so, als würde man ein Fußballspiel bewerben.

Der Trauermarsch der Nazis und die Proteste dagegen wurden längst zu einer Schimäre aufgeblasen, die sich selbst am Leben erhält und für nicht wenige Gruppen den einzigen Zweck ihrer politischen Arbeit ausmacht. Das Ziel fällt dabei hinter die Inszenierung zurück.
Gesellschaftskritik ist kein Karnevalsverein. Wer schon Wochen vor dem 19. Februar voller Spannung und Vorfreude darauf brennt, in Dresden ein bisschen Action zu erleben, liquidiert damit die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft, in der eine Auseinandersetzung mit menschenverachtendem Gedankengut obsolet wäre, zugunsten des privaten Vergnügens. Das ist natürlich – um im Sprech von Dresden-Nazifrei zu bleiben – legitim, aber hat mit einer Auseinandersetzung mit menschenverachtendem Denken etwa so viel zu tun, wie ein Wanderausflug mit dem AK Freizeit in die Sächsische Schweiz.

Im Aufruf no pasaráns für 2011 wird es hingegen problematisch. „Wir stören gerne“, steht dort geschrieben. Eine winzige Überschrift, in der doch so Vieles steckt. Müsste es nicht zum Kotzen sein, überhaupt die Anstrengungen betreiben zu müssen, die no pasarán und Dresden-Nazifrei zweifelsohne leisten? Könnten nicht auch die Menschen bei no pasarán und Dresden-Nazifrei ihre begrenzte Lebenzeit sinnvoller nutzen, gäbe es die Naziaufmärsche gar nicht?
Etwas gern zu tun impliziert unweigerlich ein sich Abfinden mit den Verhältnissen und das nicht etwa in Resignation, was zwar bedauerlich, aber eher noch nachvollziehbar wäre, sondern in purer Zufriedenheit. Es ist dagegen zum Kotzen, in einer Gesellschaft wie dieser leben zu müssen. Jeden Tag, den das länger der Fall ist, ist ein Tag, der für immer verloren ist. An der Kritik daran (die von den Bündnissen noch nicht einmal geleistet wird) Spaß zu haben, ist nichts anderes als Sadismus.

Des Weiteren ist die zitierte Passage Indiz dafür, welches Moment in der Mobilisierung eine große Rolle spielt. Selbst das Wort Mobilisierung weißt darauf hin. Die Blockaden sind nicht nur Mittel, sondern auch Zweck für sich. Zusammen in einer Blockade zu sitzen ist aufregend und schweißt zusammen wie der Winter die Volksgenossen im Winterhilfswerk. Man harrt gemeinsam in eisiger Kälte und Schnee aus und geht solidarisch miteinander um. Grund genug, alle politischen Divergenzen ad acta zu legen und die Klassengrenzen zu vergessen. Das ist die Ersatzgemeinschaft als Kompensation für die eigene Marginalität im handlichen Taschenformat.

Wie in jedem Prozess der Identifikation braucht es auch hierbei einen klaren Feind, gegen den sich abgegrenzt werden kann. Zu kritisieren ist daran nicht, dass Neonazis es sind, von denen sich abgegrenzt wird, sondern, dass dieser Prozess überhaupt der Identifikation dient. Dabei wird sich nicht mit Ideologien auseinandergesetzt und ein kritischer Begriff von Gesellschaft gebildet, sondern vor allem dessen versichert, dass man selbst doch auf „der guten Seite“ steht. Ist das dann einmal erfolgt, wird stillschweigend, zustimmend oder gar aktiv unterstützend in Sportgruppen Jagd auf Neonazis – oder wen man dafür hält – gemacht und in Kauf genommen, dass sich Menschen beim Angriff mit Pflastersteinen ernsthaft verletzen und dann noch erwartet, dass dergleichen Verhalten nicht etwa eine Denunziation bei der Polizei nach sich zieht, sondern Stillschweigen vor den „Repressionsapparaten des Staates“.

Sandkastengeneral ra0105 meldet…

Dieser Korpsgeist findet ebenfalls Ausdruck in Sprache und Gestik no pasaráns. Texte und Aufrufe des Bündnisses strotzen von militärischen Begriffen: Neonazis mussten eine empfindliche Niederlage hinnehmen, umzingeln, Busse in einer langen Kolonne, das Nazi-Großevent wird geknackt, Gegner, örtliche Verlagerung der Blockaden, wird von uns nicht unbeantwortet bleiben. Die Antifaschistische Linke Berlin ist sich noch nicht einmal zu blöd, von Menschenblockaden zu sprechen. Warum nicht gleich von Menschenmaterial? Bei no pasarán sind es Tausende von Menschen, die die Schlagkraft der Truppe ausmachen. Und auf der Website findet sich tatsächlich eine Adaption des Slogans Che Guevaras „Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnam“: „Schafft zwei, drei, viele Busse…“.

Die angestrebten Massenblockaden sind ein Mittel, auf das man setzt. Ebenfalls eine Formulierung, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Auf etwas zu setzen ist der Fall, wenn man bewusst eine Strategie verfolgt. Das intendiert ein Kalkül, Abwägung von Sachverhalten, wie man es aus Militärmanövern, oder auch der institutionalisierten Politik kennt. Es geht dabei um Hegemonie auf dem Schlachtfeld, oder in der Gesellschaft; um Interessenkampf, oder Entscheidung auf der Straße. Wer auf etwas setzt, hat längst begonnen, Realpolitik zu machen. Verwundern muss das nicht bei denen, die nicht den Kapitalismus mitsamt seinen Vergesellschaftungsformen überwinden wollen, sondern nur ein auf Ausbeutung basierendes Wirtschaftssystem.

Quo vadis Dresden?

Wie kann vor diesen Hintergründen ein ideologiekritischer Umgang mit und in Dresden stattfinden? Wir sind der Ansicht, dass das Abarbeiten an Nazis auf der Straße in Dresden zu nichts führen wird. Gerade in der sächsischen Provinz geht von organisierten Neonazis eine akute Gefahr aus. Sie liegt nicht nur in Leib und Leben bedrohender Gewalt, sondern in ihrem Einfluss auf die Sozialisation der Jugendlichen und der Erosion alternativer Subkultur. Dass dagegen das alljährliche, überdimensionierte Familientreffen in Dresden eine derart wichtige Vernetzungs-, Bestärkungs- und Politisierungsfunktion einnimmt, wie immer wieder behauptet, möchten wir nicht völlig abstreiten, aber in der dargebrachten Vehemenz bezweifeln. Es erscheint im Gegenteil auch die Vermutung nicht völlig abwegig, dass die Aufmerksamkeit, mit der die Naziaufmärsche in Dresden begleitet werden, für diese verstärkend wirkt. Denn dass Frustration zu Selbstreflexion führen kann, ist eine steile These, wie nicht zuletzt die Ausschreitungen im Anschluss des verhinderten Trauermarsches im letzten Jahr belegen. Der Verbreitung menschenverachtenden Gedankengutes werden no pasarán und Dresden-Nazifrei auf dieser Weise nicht begegnen können.

Hier liegt auch die Gefahr, die wir im Kern der Proteste entdecken. Der militante Gestus und die Beteiligung der widerwärtigsten Gruppen und Einzelpersonen reproduzieren menschenverachtendes Gedankengut auf unterschiedlichste Art und Weise. Die Politisierung von Menschen, die in Dresden sicherlich geschieht, birgt neben Chancen auch große Gefahren. An deren Ende könnten an der Stelle von kritischen Menschen auch Sozialdemokraten, Grüne, ML-Kommunisten oder andere linke Elendsverwalter stehen. Das Erleben als Teil eines breiten Bündnisses verheißt jedenfalls nichts Gutes. Für die zu leistende radikale Gesellschaftskritik ist das wahrscheinlich viel gefährlicher, als die organisierten Neonazis, um die sich längst die zivilgesellschaftlichen Institutionen kümmern.

Antifaschistische Gruppe Freiberg, Januar 2011

  1. Klemperer, Victor (1957): LTI. Stuttgart: Reclam, 22. Auflage 2007, S. 304. [zurück]
  2. „Der alljährlich als Trauermarsch inszenierte Großaufmarsch stellt mit zuletzt über 6.000 TeilnehmerInnen den größten Naziaufmarsch Europas dar. Aber er ist nicht nur wegen seiner Größe relevant, sondern auch wegen seiner Ausstrahlungswirkung ins europäische Ausland und seiner Binnenwirkung in die verschiedenen, sonst oft zerstrittenen Spektren der Nazis. Autonome Nationalisten, NPD, DVU, der ganz rechte Rand von Burschenschaften und Verbänden sowie Nazis aus anderen europäischen Ländern kamen zusammen und konnten sich gemeinsam als mächtige Bewegung darstellen und erleben.“, ist alles, was im Aufruf von no pasarán dazu geschrieben steht. [zurück]
  3. Vgl.: http://anti.blogsport.de/2010/06/01/stoppt-das-massaker-in-gaza-ueber-linke-und-ihre-freunde/ [zurück]
  4. Vgl.: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,734389,00.html und http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/pogromstimmung-in-moskau/ [zurück]
  5. Ein besonders drastisches Beispiel findet sich z.B. hier: http://de.indymedia.org/2011/01/298545.shtml?c=on#c694825 [zurück]
  6. Adorno, Theodor W. (1963): Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit. In: Eingriffe. Neun kritische Modelle. Frankfurt am Main: Suhrkamp, Sonderausgabe zum 40jährigen Bestehen der edition suhrkamp 2003, S. 126. [zurück]
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32 Antworten auf “Die linke Formierung”


  1. 1 farfalla 24. Januar 2011 um 22:12 Uhr

    sehr interessante auseinandersetzung mit no pasaran und dresden nazifrei.
    passend dazu gibt es ja neuerdings auch noch die parole:
    ‚bring zwei‘
    inhaltsleerer kann eine ‚mobilisierung‘ für das ‚event‘ in dresden nicht mehr werden. demnach ist der ‚aktionskonsens‘ von dresden nazifrei zugleich richtig und widerwärtig: egal welches polilitisches spektrum- hauptsache blockieren.

    kritik allerdings für euren schlusssatz:
    es mag meiner meinung nach zutreffen, dass gesamtgesellschaftlich gesehen der sog. aufstand der anständigen sein demokratisches land ‚nazifrei‘ halten will. speziell in dresden sind zivilgesellschaftliche organisationen, die sich gegen nazis engagieren, aber sehr marginal, so, dass nicht darauf verlass sein kann, dass beispielsweise eine OB Orosz effektiv etwas gegen naziaufmärsche unternehmen wird.

  2. 2 s.r. 25. Januar 2011 um 20:54 Uhr

    „speziell in dresden sind zivilgesellschaftliche organisationen, die sich gegen nazis engagieren, aber sehr marginal, “

    das ist ja noch nichtmal so das problem. das problem ist, dass die polizei es nicht hinkriegt, den permanenten straßenterror der neonazis dort, wo er auftritt, zu bekämpfen. die können hausdurchsuchungen und organisationsverbote durchsetzen wie sie wollen, solange es möglich ist, dass jeden tag irgendwelche leute (besonders, aber längst nicht mehr nur im osten, siehe aachener land oder dortmund) zusammengeschlagen,bedroht und eingeschüchtert werden,und die polizei nur mit „können wir nix machen“ antwortet, solange bleibt auch handfestes antifa-engagement bitter nötig.

    leider findet das abseits von groß-events,wie sie hier völlig zu recht kritisiert werden, kaum statt.

  3. 3 ... 26. Januar 2011 um 14:15 Uhr

    Schwenkt mal lieber noch eine Runde eure Israel Flaggen ;)
    Dass ihr No Pasaran und Dresden Nazifrei nicht vorwerft Antisemiten zu sein ist echt alles…

  4. 4 s.r. 26. Januar 2011 um 17:05 Uhr

    @…

    schön,wenn man sich jeder kritik mit dem vorwurf, die verfasser seien antideutsch,israelsolidarisch oder wasauchimmer, entziehen kann.
    hast du auch nur über eine zeile dieses texts mal ernsthaft nachgedacht?

  5. 5 Thomas 27. Januar 2011 um 1:46 Uhr

    AUf den hier im Text kritisierten linken Organisationen bin ich nicht vertraut, jedoch kann ich dem nur zustimmen dass die Eventgeilheit unweigerlich die jährlichen Naziaufmärsche als Notwendigkeit kategorisiert eben durch den Spaß an Ihnen. Ziel und Zweck kritischen Denkens und HAndelns ist doch solche Veranstaltungen wenn möglich komlett zu verhindern, und dafür ist es sicherlich notwendig konkrete Vorstellungen aufzuzeigen und ein anderes Denken zu demonstrieren und nicht diese ewig platten Parolen, die an sich schon gar nicht richtig verstanden werden.
    Was noch umso wichtiger ist, und sehr schön hier im Text vermittelt, dass das rechte Potenzial, nicht in Hochform auf Demos aufkommt, sondern in alltäglichen Situationen in Sachsen im sozialen Umfeld und eben gerade jeden Tag unter uns. Und das ist eben die größte Gefahr nicht so ein publikes Zeugnis von vollkommener Dummheit. Grad in Freiberg und Umgebung wo die rechte Potenz in den Presse und auch durch Bürgermeister und Co totgeschwiegen wird, ist eher ein Problem. Diese Probleme und noch viele mehr sind doch eben graduell gefährlicher und noch viel nötiger vehement zu kritisieren.

    Was aber schlimmer ist als das primitive Eigenverständnis der linken Demoveranstalter und ihren adrenalinfröhnenden Anhängern, sind diese aberwitzigen und nichtssagenden, dumpfsinnig, mit Klischees bestückten, und unsachlichen ausartenden Comments ohne jeglichen konstruktiven INhalt zu dem Artikel.

  6. 6 wurst 27. Januar 2011 um 3:22 Uhr

    Leute, eure Texte sollten mal an Zeitschriften gehen. Im Internet tummeln sich doch eh nur die Trolls …

  7. 7 Nackt tanzender Illtis 27. Januar 2011 um 12:56 Uhr

    Es ist irgendwie traurig das sich die Linken Gruppen nur-noch im Internet tummeln und Hassreden gegeneinander fahren, jeden kleinsten Satz auseinandernehmen, jeden kleinen Fehltritt mit den Weltuntergang gleichzusetzen.
    Bestehen die Strukturen denn nur aus Leuten die etwas aus der Entfernung begutachten und dann sagen „nein nein Leute so nicht“?

    Warum wir der Feind im Freund gesucht? Haben wir den nicht genug die gegen uns stehen?

  8. 8 taktlos 27. Januar 2011 um 16:48 Uhr

    Jedoch muss man auch anerkennen, dass es mittlerweile in fast allen Teilen der Gesellschaft Konsens ist, sich von Neonazis zu distanzieren und der Trauermarsch überall auf starke Ablehnung stößt.
    In Dresden ist für die Nazis kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

    achsooo ??? davon hab ich grade in dresden und allg. sachsen noch nichts mitbekommen. im gegenteil viele dresdner fühlen sich als opfer der allierten bombenangriffe und solidarisieren sich wenn auch nicht öffentlich mit dem trauermarsch.das argument der „sinnlosen stadt zerstörung ist in aller munde.

    Auch mehr als 40 Jahre später ist Deutschland von einer faschistischen Machtübername unendlich weit entfernt. Daher ist der Verweis darauf, dass das Blockadespektakel durch die deutsche Geschichte notwendig wird, bereits empirisch widerlegt.

    hmm kommt drauf an wie du faschismus definierst….nach Mussolini sind wir nicht soo weit entfernt wie von dir dargestellt….:
    Als Kennzeichen des Faschismus nach italienischem Vorbild gelten daher voluntaristische und futuristische Politikkonzepte, die den Machtwillen ökonomischen Zwängen vorordnen und die künftige radikale Umgestaltung der Gesellschaft als nationale Bestimmung anstreben, diktatorische Herrschaftsformen, die sich als Volkswille ausgeben, mit ausgeprägtem Personenkult und einer starken Ästhetisierung der Politik, die gegensätzliche Interessen und Strömungen überwölben und zusammenhalten soll.
    also ich erkenne die BRD irgendwie wieder…

    Welche Fortschritte könnten im Asylrecht und der deutschen Abschiebepraxis erreicht werden, gäbe es einen annähernd vergleichbaren Protest dagegen. Wie viele Menschen könnten vor widrigen Lebensumständen oder ihrem Tod bewahrt werden, riefe einmal ein Bündnis dazu auf, Abschiebungen zu verhindern.

    sicherlich ist es traurig das zu den von dir genannten problemen so wenig interesse in der bevölkerung besteht….aber das du mit ner demo die lage/ btw ausbeutung der sogenannten „3.welt“ änderst is ja wohl utopisch ….dennoch ist hier deine kritik völlig richtig

    Waren etwa die antisemitischen Aufmärsche anlässlich der Verteidigung des israelischen Souveräns gegen die „Free-Gaza Flotille“ im letzten Jahr, an denen sich u.a. auch die Antifaschistische Linke Berlin – eine im no pasarán-Bündnis organisierte Gruppe – beteiligte3, nicht minder gefährlich?

    lächerlich sowas zu schreiben nachdem die befunde der mind. 3 hingerichteten auf dem tisch liegen, leider hat sich nix geändert : für dich nochmal zum mitmeiseln das ultrarechte/ zionistische regim in israel (welches hier andauert vergöttert wird ) hat diese morde angeordnet, welche von euch hier für soo selbstverständlich/unumgehlich angesehn werden…aber die israel debatte will ich hier nicht wieder anheizen da bei klarer betrachtung jedem antifaschisten/antizionisten/antirassisten/antinationalen der sich mit israel die lezten 20 jahre beschäftigt auf der hand liegt.

    İbrahim Bilgen (60) wurde am Oberkörper getroffen, dann auf der rechten Seite des Rückens, rechten Oberschenkel, beide von hinten. Dann wurde er von einer „baton round“ am Kopf aus nächster Nähe getroffen und die ganze Ladung durchschlug den Schädel und blieb im Gehirn stecken, was bedeutet, er wurde am Boden liegend erschossen.
    Fahri Yaldiz (42) wurde von fünf Kugeln getroffen, im Oberkörper, linkes Bein und drei im rechten Bein. Die tödliche Kugel drang neben der linken Brustwarze ein, traf das Herz und die Lunge und kam an der Schulter heraus. Er war sofort tot.
    Ali Heyder Bengi (38) wurde von sechs Kugeln getroffen, eine im Oberkörper, im Bauch, im rechten Arm, im rechten Oberschenkel und zwei in die linke Hand. Seine Leber wurde verletzt und er verblutete. Laut Zeugen lag er verwundet an Deck und wurde in den Rücken geschossen.
    Cevdet Kiliçlar (38) war Journalist und fotografierte die israelischen Soldaten als er durch einen Schuss genau zwischen den Augen getötet wurde.
    Cengiz Akyüz (41) und Cengiz Songür (46) wurden durch mehrere Schüsse verwundet und als sie Schutz suchten wurde Akyüz in den Kopf geschossen. Bei Songür traf eine Kugel den Thorax, die dann ins Herz und in die Aorta drang. Beide waren sofort tot.
    Çetin Topçuoğlu (54) half verwundeten Passagieren als er von drei Kugeln getroffen wurde. Eine drang in die Schädelbasis und kam vorne am Hals raus. Die zweite ging in den linken Oberschenkel und blieb im Becken stecken. Die dritte traf die rechte Bauchseite und kam am Rücken heraus. Die Schusswinkel deuten an, er lag kniend am Boden als ihn die Schüsse trafen.
    Necdet Yildirim (31) wurde einmal in den Thorax von vorne und einmal von hinten erschossen.

    aber warn ja nur antisemiten die haben das verdient…..

    Ich stimme dir zu das die blockade in dresden mit sicherheit nicht das gesellschaftliche denken ändert(welche demo tut das schon ?)…aber jeden als aktionlustigen spinner darzustelln der sich mit der blockade solidarisiert ist fraglich….

    sind welche(wo ich auch einer von bin ) die sich in ihren 4 wänden treffen und dort soziale revolution spielen nicht genauso unnütz um die gesellschaft mit ihrem egoistischen /kapitalischen/ ignoranten/ verwertbarkeitsdenken zu konfrontieren ?
    die revolution muss aus der mitte der gesellschaft kommen…doch was ist die mitte in unserer gesellschaft ? für mich ist sie das oben genannte…

  9. 9 Taktlo$$ 28. Januar 2011 um 10:46 Uhr

    Das ist ein ausgesprochen guter und krtischer Text der Antifa Freiberg. Leider kommt diese Selbstreflexion nicht bei allen Linken, insbesonderen Gewalttätern, an.

    Ich möchte mal auf den Autor des Kommentars vor mir eingehen.

    „achsooo ??? davon hab ich grade in dresden und allg. sachsen noch nichts mitbekommen. im gegenteil viele dresdner fühlen sich als opfer der allierten bombenangriffe und solidarisieren sich wenn auch nicht öffentlich mit dem trauermarsch.das argument der „sinnlosen stadt zerstörung ist in aller munde.“

    Tatsache ist, dass mit der Zerstörung Dresdens ein ungeheuer riesiges Kulturgut der gesamten Erdenbevölkerung verloren ging. Dies kann man nicht negieren. Es ist am Ende egal, ob diese Zerstörung sinnlos war oder nicht, dass behalte ich den studierten Historiker vor, die darüber wissenschaftlich entscheiden dürfen. Für mich als Laien ist zu erkennen, dass immenses Kulturgut verloren ging. Das menschliche Leid war wohl der Zeit des 2. Weltkrieges entsprechend und fügt sich nur in die Reihe vieler anderer Verbrechen ein. Und ja, Bomben auf die Zivilbevölkerung abzuwerfen ist ein Verbrechen. Deshalb müsste mal die militante Antifa prinzipiell darüber nachdenken, ob sie zivile Opfer gutheißen kann, denn bombardiert wurde nicht nur Dresden.

    „hmm kommt drauf an wie du faschismus definierst….nach Mussolini sind wir nicht soo weit entfernt wie von dir dargestellt….:
    Als Kennzeichen des Faschismus nach italienischem Vorbild gelten daher voluntaristische und futuristische Politikkonzepte, die den Machtwillen ökonomischen Zwängen vorordnen und die künftige radikale Umgestaltung der Gesellschaft als nationale Bestimmung anstreben, diktatorische Herrschaftsformen, die sich als Volkswille ausgeben, mit ausgeprägtem Personenkult und einer starken Ästhetisierung der Politik, die gegensätzliche Interessen und Strömungen überwölben und zusammenhalten soll.
    also ich erkenne die BRD irgendwie wieder…“

    Das ist ja mal maßlos an den Haaren herbeigezogen. Niemand nutzt mehr Nation und Rasse um ihrer selbst willen, sondern werden als Element des Kapitalismus verstanden, um zielgenau finanziellen Gewinn der Mächtigen zu erwirtschaften. Das Problem ist also deutlich ein anderes.

    „Ich stimme dir zu das die blockade in dresden mit sicherheit nicht das gesellschaftliche denken ändert(welche demo tut das schon ?)…aber jeden als aktionlustigen spinner darzustelln der sich mit der blockade solidarisiert ist fraglich….

    sind welche(wo ich auch einer von bin ) die sich in ihren 4 wänden treffen und dort soziale revolution spielen nicht genauso unnütz um die gesellschaft mit ihrem egoistischen /kapitalischen/ ignoranten/ verwertbarkeitsdenken zu konfrontieren ?
    die revolution muss aus der mitte der gesellschaft kommen…doch was ist die mitte in unserer gesellschaft ? für mich ist sie das oben genannte… “

    Natürlich darf es eine Gegendemo geben, aber doch nicht im Sinne eines Nachahmens gewaltbereiter Hooligans. Wenn die militante Antifa genau das will, dann hat sie schon längst verloren. Nicht nur aus moralischer Sicht, sondern leider leidet die Antifa auch an deutlicher Selbstüberschätzung, denn niemand kann soviel Kampferfahrung vorweisen wie die Schläger aus entsprechenden Hooliganformierung des Fußballumfeldes. Diesen Kampf hat die Antifa, wie bereits gesagt, schon längst verloren. Und da gibt es (politisch) auch nichts zu gewinnen! Wer sich schlagen will, soll mit Dynamo Dresden ein Auswärtsspiel besuchen und sich vor oder nach dem Spiel im Wald treffen. Der Spaß an blanker Gewalt sei gestattet, aber niemals in Verbindung eines politischen Anliegens.

    Meine Güte, ja natürlich sind solche Treffen in deinen 4 Wänden unnütz. Die Möglichkeit zu einem alternativen Gesellschaftssystem hat es doch schon längst gegeben und seit dem Zusammenbruch des Ostblocks will die Mehrheit diese Alternative auch nicht zurück. Der Zug ist längst abgefahren. Nur der Kapitalismus hat aus den Fehlern und des Scheiterns des Sozialismus gelernt, denn noch nie war so stark wie je zuvor.

    Links sein ist und bleibt eine Utopie, ein theoretischer Idealzustand. Willkommen im Reich der Tagträumer!

  10. 10 ... 28. Januar 2011 um 11:13 Uhr

    @taktlos
    word!
    seh ich genauso!

  11. 11 Antifa Jugend Plauen 28. Januar 2011 um 12:31 Uhr

    Ihr tut uns damit einen großen gefallen wenn ihr Dresden fernbleibt. Dann müssen wir wenigstens nicht eure nationalfahnen ertragen. Gegen jeden Nationalismus!!!

  12. 12 wurst 28. Januar 2011 um 13:26 Uhr

    na los, na los. googelt weiter, es muss noch mehr antifa-gruppen geben.

    ps: wurst ist ein fake. der kommentar stammt nicht von mir.

  13. 13 AO 29. Januar 2011 um 2:35 Uhr

    in wiefern die Anti-Nazibündnise in Dresden tatsächlich zu einer fundierten gesellschaftskritik oder dessen einleitung beitragen ist in der tat fraglich.
    ich stimme euch in vielem eurer beobachtungen zu, dennoch bin ich mir nicht sicher wie eure alternative aussehen soll.
    ist es eine kritik an dem guerilla-ethos der von vielen linken aktivistInnen getragen wird? ist es eine kritik an dem dogma der militanten revolution, die es nicht geben wird bzw. die nichts anderes zu tage bringen wird als eine genauso autoritäre gesellschaft wir sie schon besteht?
    wollt ihr aufklärung statt „revolution“?
    wollt ihr diskussionsgruppen statt riots?
    utopie statt realpolitik?

    wer will das nicht?

    oder ist es eine kritik an einer linken Gemeinschaft, die sich selbst in einer subkulurellen nische außerhalb der gesellschaft verkriecht und sich dort mit bengalen selbst beweiräuchert?
    und selbst wenn.
    jede unreflektierte versteifung auf subkulturelle dogmen ist natürlich zu kritisieren, dennoch ist eine alternativkultur notwendig. veränderungen in einer gesellschaft werden nicht durch diskurse entstehen. alternative strukturen entstehen nicht durch einen gesellschaftlichen konsens(sie können nur durch diesen anerkannt werden und somit von der Alternative zum Standard werden), sondern durch die aktive gestaltung ihrer Mitglieder. durch das in die Weltsetzen einer alternative Lebensweise wird sie für einen gesellschaftlichen diskurs erst erfahrbar und kann zu dessen reflektion darüber führen, alles andere ist spekulation.
    genau dieses in die Welt-setzten sehe ich auch bei massenblockaden wie sie in dresden geschehen sollen gegeben.
    es wird hier, wenn den Bündnissen auch nicht klar, ein ganz pragmatisches „sich widersetzen“ gegen den allgemeinen bürgerlichen umgang mit den Strukturen begangen. Das wiedersetzen gegen eine hegemonie des Staates und seiner zivilgesellschaft im rahmen eines zivilen ungehorsams ist für mich ein aufzeigen einer emanizipatorischen alternative zu dem umgang mit autoritäten und herrschaftsmechanismen, die legitim ist. deshalb unterstütze ich jedeN der nach dresden fährt um sich gegen Nazis und gegen den zivilgesellschaftlichen Umgang mit ihnen wiedersetzt um einen anderen umgang mit eben diesen erst diskutierbar zu machen.

  14. 14 Fotos Dresden 2010 29. Januar 2011 um 21:52 Uhr

    http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157623427770524/

    vielleicht wirds dieses jahr genau so wie letztes jahr ???

  15. 15 ex-S 03. Februar 2011 um 21:01 Uhr

    eine kleine ergänzung zum sonst guten artikel:

    der begriff der „sprache“, wie klemperer in verwendet hat und wie ihn auch ihr verwendet, ist heute überholt. die sprache, die verwendet wird, ist hier und bei klemperer stets die selbe. verschiedene geschriebene und gesprochene varietäten und varianten werden als „sprachgebrauch“ oder „jargon“ (dieser kann sich demzufolge auch nicht von sätzen emanzipieren) bezeichnet. dazu hat die sprachwissenschaftliche auseinandersetzung mit klemperer selbst aber auch anderer nachkriegsliteratur (wie zb das wörterbuch des unmenschen), die sich „der sprache der nazis“ angenommen hatte, geführt. der grund hierfür ist ein politischer. wird auf „die sprache der nazis“ referiert, impliziert das den gedanken, eine böse clique hätte die deutschen verführt, weil sie ein andere sprache sprachen. schauen wir aber in die lti, sehen wir dort, dass selbst klemperer als verfolgter jude eigenheiten des ns-sprachgebrauchs übernommen hat. so erklärt er in bester ns-biologismus-manier, dass die nazis eine krankheit am deutschen volkskörper wären. die führenden nazis haben also keine andere sprache gesprochen, sondern ganz im gegenteil, nicht nur die gleiche wie rest der deutschen, sondern ihr gebrauch hat sich überdies noch in allen gesellschaftlichen schichten ausgebreitet. eine erkenntnis, die entscheidend dazu beiträgt, dass die nazis nicht „die anderen“ waren, sondern einfach nur die deutschen.

  16. 16 s.r. 08. Februar 2011 um 20:29 Uhr

    @taktlos
    der antisemitische furor verliert also dadurch an gefährlichkeit, dass geisse indizien vorliegen,die dafür sprechen, dass auf der marvi marmara ein paar soldaten ausgerastet sind und geschossen haben,obwohl es in diesem moment nich notwendig war? wer so denkt,dem ist nicht mehr zu helfen. auf welche quellen berufst du dich eigentlich?

  17. 17 taktlos 12. Februar 2011 um 16:23 Uhr

    @s.r.

    Der Bericht des Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHVHR)
    ist meine quelle….

    http://www2.ohchr.org/english/bodies/hrcouncil/docs/15session/A.HRC.15.21_en.pdf

    …..
    der antisemitische furor verliert also dadurch an gefährlichkeit, dass geisse indizien vorliegen,die dafür sprechen, dass auf der marvi marmara ein paar soldaten ausgerastet sind und geschossen haben,obwohl es in diesem moment nich notwendig war?

    das hab ich nie behauptet…ich habe lediglich kritisiert das ihr menschen die sich mit palästina solidarisieren bzw israels außenpolitik kritisch betrachten als antisemiten abstempelt.

    das dass aber mit antisemitismus nix zu tun hat kapiert ihr antideutschen nie

    auserdem geht es nicht nur um die marvi…sondern um die gesamte zionistische/rassistische außenpolitik israels(von dauerblockade,atomwaffenbeitz,mossad über mauer/siedlungsbau,etc,etc)…wer so eine außenpolitik verfolgt darf sich über hass in der nachbarschaft und in der welt nicht wundern….

  18. 18 taktlos 14. Februar 2011 um 16:44 Uhr

    @s.r

    der antisemitische furor verliert also dadurch an gefährlichkeit, dass geisse indizien vorliegen,die dafür sprechen, dass auf der marvi marmara ein paar soldaten ausgerastet sind und geschossen haben,obwohl es in diesem moment nich notwendig war

    …das hab ich nie behauptet, ich kritisierte das menschen die sich mit palästina bzw den menschen die dort leben solidarisieren als antisemiten abgestempelt werden

    hier zu meiner quelle zwecks der hinrichtungen an den menschen der hilfsflotte: http://www2.ohchr.org/english/bodies/hrcouncil/docs/15session/A.HRC.15.21_en.pdf

    nachtrag:
    und weiste wem nicht mehr zu helfen ist ?? ich sags dir…leuten wie dir die sich wünschen/denken das dass nazi-problem von den bullen bereinigt/gelöst wird….

    ..und wieder zensur ?

  19. 19 s.r. 16. Februar 2011 um 9:04 Uhr

    haha,sehr schön, ihr vollpfosten jammert ständig rum, dass ja alle welt euch völlig zu unrecht als antisemiten abstempeln würd eund bestätigt das danach flugs selber. schieb dir deine „israelkritik“ sonstwohin,dir geht es nich um die palästinenser sondern darum,israel zu delegitimieren.darauf läuft all dieses dumme gewäsch hinaus.diese ganzen drecks“argumente“ wurden schon zigfach entkräftet, aber sie werden immer und immer wieder vorgeholt. atomwaffenbesitz…ja klar hat israel atomwaffen. und das ist auch gut so,im gegensatz zu apokalypse-fanatikern wie ahmadinedjad haben die die tatsächlich nur zur abschreckung. mossad? sorry, aber jetz wirds eklig. alle staaten dieser welt haben geheimdienste,so auch israel. aber hinter diesem bloßen nennen des namens „mossad“ steckt nix weiter als das antisemitische raunen darüber, dass die juden natürlich wieder den mächtigsten und einflussreichsten geheimdienst der welt hätten blabla. für den ganzen dumpfen rest rate ich di:besuche einen vortrag von alex feuerherdt zur „agenda der israelktitiker“,wenn er den mal in deiner nähe hält, stöber auf lizaswelt,spiritofentebbe oder wasweißich, dort wurden all diese hohlen phrasen schon längst widerlegt und als das denunziert, was sie sind: lügen und antisemitische wahnvorstellungen.

  20. 20 taktlos 16. Februar 2011 um 17:50 Uhr

    @ sr

    du wolltest von mir ne quelle zu dem überfall auf die flotte-> haste bekommen-->versteh nicht warum du dich jezt so aufspielst

    und ich denke nicht das du über meine meinung urteilen kannst da du mich nicht kennst

    desweiteren stell ich fest das du lizaswelt als quelle nennste, da kann ich nur lachen solche unfundierte hetze wie auf der seite betrieben wird findet mensch sonnst nur im „braunen sumpf“

    und wie schon im ersten post geschrieben will ich mich nicht über israel unterhalten, da es wieder nur auf beleidigungen raus läuft, wie du auch schon schön demonstriert hast….

    aber evtl helfen dir ja die bullen gegen die pösen pösen antisemiten^^

  21. 21 Monju 17. Februar 2011 um 17:24 Uhr

    Nur dass das nicht ganz aus dem Blick gerät: auf der Berliner Demonstration „gegen das Militärmassaker“ im Juni 2010, die maßgeblich von der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) und der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB) organisiert wurde, haben diese „ehrbaren Antifaschisten“ nicht nur gemeinsam mit Faschisten und
    Antisemiten (z.B. Anhänger von Graue Wölfe, Alperen Ocaklari, Hamas, Hizbollah) demonstriert. Sie haben auch diesen Leuten ihr Megafon zur Verfügung gestellt damit sie „Es lebe die Hamas“, „Es lebe die Hizbollah“ und „Tod den Juden“ (“Khaybar ya Yahod”) skandieren konnten, während ALB und ARAB keine fünf Meter daneben standen. http://www.youtube.com/watch?v=dL5LJfXUSk4

  22. 22 info 17. Februar 2011 um 23:19 Uhr

    na gugge ma daa.. die setzten sich ja doch auseiander mit dem gedenken .. na ei nich das da jetzt nen feindbild flöten geht?
    http://iobic.de/gedenkdiskurs

  23. 23 Frau 19. Februar 2011 um 11:48 Uhr

    mh … also „Disstexte“ gegen andere linke Gruppen und Veranstaltungen halte ich persönlich für ziemlich schwach. Die ganze Zeit andere kritisieren und selbst mit Israelflaggen durch die Stadt ziehen und die Amerikaner als die größten Helden (unsere Befreier, genau…) feiern, was ich persönlich für ziemlich falsch halte (und ich schreibe dazu keine Texte im Internet). Mh, was habt ihr denn versucht, diese Veranstaltung in andere Bahnen zu leiten? Rassismus ist ein weitverbreitetes Problem und es wird sich auch nicht ändern, wenn man Nazis raus schreit oder Deutschland auflöst… Die Ursache des Rechtsextremismus ist vor allem der Kapitalismus und nicht Deutschland oder irgendwelche inhaltslosen Gegendemos!

  24. 24 ex-S 21. Februar 2011 um 2:05 Uhr

    an meine vorposterin:
    so eine beschissene masche, da kommt mir die kotze! herumheulen, weil irgendjemand deine linke volksgemeinschaft kritisiert, aber ohne ein einziges argument zu nennen (und auch noch wie selbstverständlich darauf verweisen, sowas tust du nicht im internet), gegen israelsolidarische leute abziehen. „die“ darf man also anscheinend als linker kritisieren, weil sie ja eh nicht dazugehören. aber wehe, wenn jmd kritik am eigenen linken dorf übt, das findest du dann irgendwie „falsch“ – weißt du auch warum?

    ps: tatsächlich: die usa sind befreier. aber um das zu verstehen, musst du mal die ideologie-brille absetzen.

    pps: deinen schlusssatz hast du von so einem random-satz-generator schreiben lassen, oder?

  25. 25 maul 21. Februar 2011 um 15:12 Uhr

    „unsere Befreier, genau“

    Was sonst?

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