Täter der Freiberger Brandanschläge verurteilt

Wie die Freie Presse meldete, wurde der 27-jährige Tatverdächtige, der kurz nach zwei Brandanschlägen im letzten Jahr auf von Migranten betriebene Restaurants gefasst wurde, zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

In der Freien Presse vom 28. Januar heißt es:

Brandstifter muss in eine Entziehungsanstalt

Das Landgericht Chemnitz hat einen 27-jährigen Freiberger gestern wegen zweier versuchter Brandstiftungen zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Von Steffen Jankowski

Freiberg – Das Geständnis des Angeklagten gestern vor dem Landgericht Chemnitz war klar – seine Motive dagegen obskur. Er habe am 27. und 29. Juli 2010 zwei ausländische Restaurants in Freiberg in Brand setzen wollen, bekannte der 27-jährige Freiberger – aus Protest dagegen, dass „das Menschsein immer mehr auf der Strecke bleibt.“ Um die zwölf Menschen, die in den beiden Häusern wohnten, sorgte er sich dabei – trotz seiner laut Gutachten durchschnittlichen Intelligenz – kaum.

„Sie können froh sein, dass das alles so ausgegangen ist.“

Hans-Michael Langfritz Vorsitzender Richter

Die wirre Erklärung des schlanken Zwei-Meter-Mannes mit dem kindlich-trotzigen Gesichtsausdruck begann bei der Gastronomie, in der die Kunden „mit suspekten Produkten gelinkt“ würden, weil es nur noch um Zeit und Geld gehe. Danach schwadronierte der Acht-Klassen-Schüler, der Koch gelernt und auch vier Monate in Österreich gearbeitet haben will, über „die Inder höherer Kasten“, die in Deutschland Restaurants mieten würden, um Touristen für ihr Land zu gewinnen. Schließlich zitierte er noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass Multikulti gescheitert sei, und vergaß auch nicht zu erwähnen, dass Griechenland den Euro gefährde. Dabei redete er sich in Rage, gestikulierte und schien zum Teil von seinen eigenen Worten belustigt zu sein; ansonsten verfolgte er eher gelangweilt auf dem Stuhl wippend den Prozess.

Die von Staatsanwalt Thomas Hinke verlesene Anklageschrift sei „zutreffend“, räumte er ohne Zögern ein. Derzufolge hatte er am Nachmittag des 26. Juli 2010 vier so genannte „Molotow-Cocktails“ gebaut und war zusätzlich mit Steinen bewaffnet in der Nacht gegen 3.30 Uhr zur Poststraße gezogen, um ein indisches Restaurant abzufackeln. Die Tür war aber widerstandsfähiger als gedacht – es blieb bei gut 10.000 Euro Schaden im Eingangsbereich.

Fast exakt 48 Stunden später griff er in ähnlicher Weise ein Dönerlokal an der Burgstraße an. Diesmal schlug er ein Fenster ein und warf die vier vorbereiteten Brandsätze ins Innere. Weil die aber am Verlöschen waren, kletterte er zum Nachlegen hinterher und holte später sogar noch einen großen Stein von der Obermarkt-Baustelle – um die Tür einzuwerfen, damit das Feuer mehr Luft bekommt und besser brennt. Auf dem Weg randalierte er noch an zwei weiteren Imbissen.

Sein Mandant habe ein Zeichen setzen, aber keine Personen schädigen wollen, erklärte Verteidiger Andreas M. Kohn. Er habe vielmehr bewusst Lärm geschlagen und sich überzeugt, dass es Fluchtwege gebe. Das ließ der Vorsitzende Richter Hans-Michael Langfritz nicht gelten: „Es gibt auch Leute mit tiefem Schlaf und Pflegebedürftige. Sie können froh sein, dass das alles so ausgegangen ist.“

Die 6. Strafkammer verurteilte den neunfach wegen Drogendelikten, Körperverletzung und Diebstählen Vorbestraften zu 45 Monaten Haft und wies ihn zugleich in eine Entziehungsanstalt ein. Gutachter Frank Postrach hatte eine Drogenabhängigkeit seit dem 16. Lebensjahr attestiert – ohne medizinische Hilfe seien „ähnliche Handlungen zu befürchten.“ Auch im letzten Wort zeigte der Angeklagte kaum Schuldbewusstsein. Schläger und Alkoholfahrer würden viel milder bestraft: „Wo ist da die Waage?“ Auf eine Revision wolle er aber verzichten.

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