Archiv für Februar 2011

Veranstaltungshinweis: Fritz Bauer – Tod auf Raten

Kinopolis Freiberg – 14. März – 20:30 Uhr

Im Rahmen des bundesweiten Filmfestivals „Uber Mut“ wird „Fritz Bauer – Tod auf Raten“ auch im Freiberger Kinopolis zu sehen sein. Der Film ist eine Hommage an den jüdischen Remigrant Fritz Bauer, der in den 50er und 60er Jahren einer der Juristen war, die sich besonders der Aufarbeitung der NS-Verbrechen widmeten. Im Anschluss wird es eine Diskussion mit Dr. Michael Düsing vom „Projekt Shalom“ geben.

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess begann im Dezember 1963 und endete nach 183 Verhandlungstagen im August 1965. 357 Zeugen wurden gehört, 211 waren KZ-Häftlinge gewesen. Mehr als 20 SS-Leute und Beteiligte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurden zu teilweise lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Dass der Prozess überhaupt zu Stande kam, ist vor allem der Hartnäckigkeit von NS-Verfolgten wie Fritz Bauer zu verdanken. Der damalige hessische Generalstaatsanwalt hatte den Prozess vorbereitet und vorangetrieben. Nach den Prozessen kommentierte er die Zäsur juristischer Aufarbeitung des Nationalsozialismus mit den Worten: »Wir Juristen in Frankfurt haben erschreckt gerufen nach dem Dichter, der das ausspricht, was der Prozess auszusprechen nicht imstande ist.«
Fritz Bauer, zurückgekehrter jüdischer Emigrant, war einer der wenigen prominenten Juristen des postnationalsozialistischen Deutschlands, die sich von Anfang an vehement für die Verfolgung von NS-Verbrechen eingesetzt haben. Neben seiner Mitinitiatorenfunktion bei den Frankfurter Auschwitzprozessen spielte Bauer auch eine wichtige Rolle bei der Ergreifung Adolf Eichmanns, indem er dessen Aufenthaltsort an den israelischen Geheimdienst Mossad verriet, damit dieser in Jerusalem vor Gericht gestellt werden konnte.
Im restaurativ-regressiven Klima der Adenauer-Ära galt Fritz Bauer mit seinen Aufsätzen und Reden mit Titeln wie »Mörder unter uns« und »Am Ende waren die Gaskammern« als eine »Provokation für den Zeitgeist«. Antisemitische und politische Anfeindungen begleiteten das Leben des jüdischen Schwaben. Bis zu seinem Tod 1968 in Frankfurt blieb ihm weitestgehend die Anerkennung für sein Engagement gegen das »Vergessen« und »Verdrängen« verwehrt.
Der im Februar 2010 zur Berlinale uraufgeführte Dokumentationsfilm von Ilona Ziok erzählt nicht nur das Leben Fritz Bauers. Vielmehr beschreibt er – durch Originalaufnahmen Bauers und vor allem durch die Interviews mit Freunden und Kollegen – die unglaubliche Verharmlosung, Verdrängung und aktive Vertuschung nationalsozialistischer Beteiligung von Juristen, Staatsanwälten und Richtern bis weit in die 1990er Jahre hinein. Fritz Bauer war einer derjenigen, die den Kampf um Verfolgung von NS-Juristen und die Aufarbeitung ihrer Verbrechen geführt haben. Heute gilt Bauer auch als Aufbauhelfer einer demokratischen Rechtspflege in der jungen Bundesrepublik. Querulant, Außenseiter und immer auf der Suche nach unpopulären Lösungen gegen herrschenden Mehrheiten und Autoritäten beschreibt das Leben und Wirken Fritz Bauers allerdings besser…

Damit’s mal richtig sitzt – Antifa Demo am 5.März in Chemnitz

Mobi-Veranstaltung in Freiberg: Dienstag den 01.03., 19 Uhr, Roter Weg 43

Polizeiliche Repression gegen Antifaschist_innen, eine zahnlose bürgerliche Demonstration und durch die Stadt ziehende Geschichtsrevisionisten/-innen und Antisemiten/-innen – Grund genug auf die Straße zu gehen!

Jährlich marschieren am 5. März, dem Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz 1945, mehrere hundert Neonazis auf. Dies wird zum Anlass genommen einen städtischen Ausnahmezustand sowie einen zivilgesellschaftlichen Aufstand auszurufen. Eine Stadt mit dem Wunsch, neben der Universität und der Beherbergung der ältesten Bewohner_innenschaft Europas, Technikcampus-Firmen und Fachkräfte anzulocken, benötigt ein weltoffenes, friedliches und tolerantes Image. Ganz im Sinne moderner Bürgerlichkeit schreiten Demokratiebewegte jedes Jahr gegen Nazis und für Frieden ein. Leider normal ist dabei das Zusammenspiel von sogenannter Zivilgesellschaft, die die Stadt im antifaschistischen Massenspektakel verteidigen wollen, und städtischer Verwaltung und Polizei, die darum bemüht sind alles in geordnete Bahnen zu lenken. Die geschätzten Kolleg_innen der Chemnitzer Wachtmeisterei waren immer vor Ort, um dafür zu sorgen, dass neben zivilgesellschaftlich-kommunalen Unmutsbekundungen ein reibungsloser Ablauf der Nazi-Aktionen möglich ist. Gegen einen Großteil derer, die dem neonazistischen Gedenken etwas entgegenzusetzen versuchten, steigerte sich von Jahr zu Jahr der Repressionsdruck. Die Chemnitzer Bereitschaftspolizei fiel dabei wiederholt wegen ihres aggressiven oder schlicht vorzivilisatorischen Verhaltens auf. Das Bild vom Gruppenführer, der seine abgerichteten und wild gewordenen Beamten gerade noch unter Kontrolle hat, ist ein bekanntes Motiv.

Am 5. März 2011 gilt es zu intervenieren, um den Frieden im Rahmen des Gedenkens sowie die Ordnung im Umgang mit Neonazis in der Stadt aufzukündigen!

11:00 Uhr AJZ Chemnitztalstraße 54

weitere Infos unter http://aak.blogsport.de

„Sieg-Heil“ in der Provinz: Die Politik des Wegschauens

Panorama vom 10. Februar 2011

Irgendwie sind sie in den letzten Jahren ein wenig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden: die Neonazis. Obwohl das Problem Rechtsextremismus nach wie vor höchst aktuell ist. Zum Beispiel im sächsischen Limbach-Oberfrohna: Überfälle auf Jugendliche, Brandanschläge und NPD-Veranstaltungen – in der Kleinstadt treten die Rechtsextremen bei zahlreichen Gelegenheit völlig offen auf. Während es früher teilweise sehr schwer war, Rechtsextremismus zu dokumentieren zeigen die Neonazis heute den Hitlergruß vor laufender Kamera.

Der Bürgermeister redet das Problem aber lieber klein: Er schätzt die „Erscheinungen“ nach eigenen Angaben „anders“ ein als die Opfer der rechten Gewalt, die nun schon seit mindestens zwei Jahren anhält. Panorama über eine Kleinstadt in Sachsen, in der Neonazis inzwischen zum alltäglichen Stadtbild gehören und einen Bürgermeister, der offenbar nicht genug unternimmt.

Dokumentation der Beiträge zur Veranstaltung Gegen den linken Konsens

Auf der Website der Bahamas sind seit kurzem die Redebeiträge der Veranstaltung Gegen den linken Konsens dokumentiert, die wir nicht vorenthalten möchten.

Gewaltphantasien gegen Affektiertheit (Redaktion Bahamas)
Spalten statt Versöhnen (AG No tears for krauts – Halle)
Der Stachel der Kritik (Martin Dornis)
Über die Voraussetzungen der Israelsolidarität (Soeren Pünjer)
Wir Terroristen des Wortes (Justus Wertmüller)

Naziaktionen im Vorfeld des 13. Februars

Wie jedes Jahr veranstalten sächsische Neonazis im Vorfeld des 13. Februars eine sogenannte Aktionswoche, um ihr geschichtsrevisionistisches Gedankengut zu verbreiten. In Freiberg fanden sich am 8. Februar Neonazis aus der Umgebung zusammen, um an der Brücke an der Dresdner Straße ein Transparent aufzuhängen. Auch im Vorfeld des 8. Oktobers – dem Tag der Bombardierung Freibergs – hing an der selben Stelle ein Transparent. An der gestrigen Aktion beteiligten sich u.a. Nick D. aus Brand-Erbisdorf und der bekannte Freiberger Nazi Réne Z.
Zusätzlich wurden in der Freiberger Innenstadt zahlreiche Aufkleber verteilt.

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FreibÄrger #75 erschienen

Mit einiger Verspätung ist nun endllich die neue Ausgabe des FreibÄrger erschienen und kann demnächst an den bekannten Verkaufsorten erworben werden. Zudem ist seit einigen Tagen die Internetpräsens der Zeitung wieder online, so dass auch die Texte der aktuellen Ausgabe bald einsehbar sind.

Kultur als politische Ideologie

An dieser Stelle sei auf den Text „Kultur als politische Ideologie“ der beiden dänischen Autoren Frederik Stjernfelt und Jens-Martin Eriksen verwiesen, der gerade im neuen CEE IEH veröffentlicht wurde und einige interessante Gedanken zur aktuellen Diskussion um Universalimus und Kulturalismus bereithält. In diesem Zusammenhang sei auch ein Interview mit den Autoren erwähnt, welches in der Wochenzeitung Jungle World erschienen ist.

Der Kulturalismus der heutigen Linken speist sich stark aus anti-imperialistischen Diskursen. Aber wer so denkt, spielt nicht nur einer reaktionären Haltung im Islam, sondern auch einer Politik des „Teile und Herrsche“ in die Hände.

I. Kulturalismus

Die Kontroverse über den Multikulturalismus hat die politischen Frontverläufe verändert. Die Linke verteidigt den Respekt vor Minderheitskulturen, während die Rechte als Hüterin der Nationalkultur auftritt. Doch diese beiden Positionen bilden lediglich zwei Spielarten einer kulturalistischen Ideologie. Kulturalismus nennen wir die Vorstellung, dass Individuen von ihrer Kultur determiniert sind, dass diese Kultur eine abgeschlossene, organische Ganzheit bildet und das Individuum nicht in der Lage ist, seine oder ihre Kultur zu verlassen, sich vielmehr nur innerhalb dieser verwirklichen kann. Zudem behauptet der Kulturalismus, Kulturen hätten Anspruch auf besondere Rechte und Schutzmaßnahmen – auch wenn sie selbst die Rechte des Einzelnen verletzen. (mehr…)