Archiv für Mai 2011

Podiumsdiskussion: Deutschland – nichts als ein kapitalistischer Staat?

01. Juni – 18:30 Uhr – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Grimmaische Str. 12, Seminarraum 1 – Leipzig

Podiumsdiskussion mit Vertretern und Vertreterinnen von Autonome Antifa [f] Frankfurt; Antifa Freiberg; Projekt Emanzipation (LE); Hannes G.

„Deutschland – nichts als ein kapitalistischer Staat? – Zur Bedeutung der Nationalismuskritik heute“

Anfang der 90er wurde von großen Teilen der radikalen Linken vor einem gesellschaftlichen Roll-Back hinter bürgerliche Standards bzw. der Gefahr eines 4. Reichs gewarnt. Demnach gäbe es in Deutschland bestehende Kontinuitäten des Nationalsozialismus, allen voran die Ideologie von Volksgemeinschaft und Antisemitismus, welche zunächst bekämpft werden müsse. Heute scheint der deutsche Nationalismus durch den Prozess einer Modernisierung gegangen zu sein. Für einige war die Modernisierung Grund sich von einer generellen Kritik der Nation zu verabschieden und nunmehr ihr Augenmerk auf den globalen Antisemitismus, “den Islam” und/oder der globalisierungskritischen Linken zu richten. Aber ist die Konsequenz daraus, dass das moderne Deutschland nicht mehr unmittelbar in die Barbarei des NS umzuschlagen droht, sich auch von jeder Kritik an Staat und Kapital bzw. Bewegungslinken zu verabschieden? Hat sich zwischen Rostock Lichtenhagen und der Fußball WM 2006 der Männer eine “Normalisierung” vollzogen? Für Teile der radikalen Linken war diese offensichtlich und somit Anlass, den deutschen Nationalismus nur noch als Ausdruck der unmittelbaren Interessen der Staatsbürger_innen als Angehörige der Volkswirtschaft zu deuten. Ihre Kritik am Nationalismus gründet nur noch in der Kritik der kapitalistischen Verhältnisse, die notwendig nationalstaatlich organisiert seien. Nach dieser Sichtweise hat sich eine spezifische Kritik an Deutschland erübrigt. In diesem Rahmen zeigt sich auch eine Affinität zu Großdemonstrationen mit anderen – zum Teil auch latent antisemitischen – Gruppierungen. Birgt dieser Bewegungscharakter die Gefahr einer negativen Aufhebung in sich, oder ist er Voraussetzung für die Wirkmächtigkeit emanzipatorischer Politik?

Diese Veranstaltung wird mit Gastrefrent_innen verschiedener Gruppen als Podiumsdiskussion am 1. Juni, im Seminarraum 1 der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Grimmaische Straße 12, stattfinden. Es ist eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Kampagne „the future is unwritten“ des ersten Mai Bündnisses.

mehr Infos: mayday2011.blogsport.eu

1. Mai: Nazi-Demo in Brno

von Blick nach Rechts

Im Hass vereint

Um gegen eine vermeintliche „Fremdarbeiterinvasion“ zu demonstrieren, kamen am 1. Mai im tschechischen Brno Neonazis aus verschiedenen Ländern Europas zusammen. Deutlich wurde einmal mehr: Die NPD ist für ihre osteuropäischen Gesinnungskameraden ein leuchtendes politisches Vorbild.

Böller knallen, große Gruppen junger Neonazis laufen umher, Parolen hallen durch enge Gassen. Nur wenige Einheimische und Touristen laufen an diesem 1. Mai durch Brno, mit rund 370.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Am Hauptbahnhof patrouillieren ein paar Beamte der Polizei und beobachten skeptisch die anreisenden Teilnehmer der Neonazi-Demonstration, die für diesen Tag von der „Dělnická strana sociální spravedlnosti“ (Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit, DSSS) angemeldet wurde.

Ein kreisender Polizeihubschrauber weist den Weg zu einem Park in der Innenstadt, dem Treffpunkt der Neonazis. Es gibt keine Absperrgitter, keine strengen Vorkontrollen, immer wieder kreuzen sich die Wege von Gegendemonstranten und Rechtsextremisten. Der Aufmarsch soll durch ein von Roma bewohntes Viertel führen und steht unter dem Motto „Fremdarbeiterinvasion stoppen“.

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