Freiberg als Mitmach-Gemeinschaft.

Die Redaktion FreibÄrger über die ideologische Funktion der Stadtidentität.

Partizipation bedeutet in Freiberg vor allem Mitmachen. Über den stillschweigenden Konsens, libidinöse Heimatbindung und die Perfidie der 850-Jahrfeier.

Standortvorteil Heimatbindung

„Wer Sachsen kennen will, muss Freiberg gesehen haben“1 begrüßt Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm das interessierte Publikum für die Festwoche „850 Jahre Freiberg“. Denn gemeinsam mit Bürgern und Gästen will man in diesem Sommer das besondere Jubiläum der „Besiedlung der Region“ feiern und sich dabei von seiner besten Seite präsentieren – sowohl gegenüber den eigenen Einwohnerinnen und Einwohnern, als auch gemeinsam mit diesen den zahlreich erwarteten Gästen von außerhalb. Stolz ist man darauf, in Zeiten der allgemeinen Rezession und des demografischen Wandels mit steigenden Studierendenzahlen aufwarten zu können, stolz schaut man auf die Bedeutung als Ressourcen- und Umwelttechnologiestandort und blickt doch, weil sich der gemeine Provinzler vor allzu großen technischen Innovationen, die immer auch Globalisierungsprozesse bedeuten, ängstigt und in seiner prekären Identität bedroht fühlt, gern auf eine erfolgreiche und traditionsgeladene Geschichte zurück, die Halt und Heimatgefühl vermittelt: „In Freiberg wird Tradition großgeschrieben und die Moderne vorangetrieben“2. Mit dem gemeinsamen „Glück auf!“ zu Beginn jeder Schulstunde bis zum gemeinsamen Grölen des Steigerliedes – der „Freiberger Nationalhymne“3, die eigens zur 850-Jahrfeier eine neue Strophe angedichtet bekam – nach bestandenem Diplom an der Bergakademie wird derlei Provinzialismus von den Freibergern schon früh inkorporiert. Doch so antiquiert er in seinen Inhalten erscheint, so modern ist seine Form und Zweckmäßigkeit für das Funktionieren der lokalen Gemeinschaft. Denn gesellschaftliche Flexibilisierung, der Verlust traditioneller Sicherheiten, Zukunftsängste und die potentielle Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Vergesellschaftung führen, begleitet von permanenten Wandlungs- und Anpassungsprozessen, zum gesteigerten Bedürfnis nach neuen, scheinbar festen und unveränderlichen Identitäten. Die Anknüpfung an jahrhundertealte Traditionen kann, ungeachtet der Tatsache, dass sie bloßer Schein und ein ebenso modernes Phänomen ist, diese Bedürfnisse bestens befriedigen.


Beim Singen des Steigerliedes kennt man nur Freiberger.

Wo man zudem als Individuum mit Wünschen und Bedürfnissen, das seine Identität vor allem aus der selbstbewussten Gestaltung des eigenen Lebens – soweit diese in unserer Gesellschaft möglich ist – bezieht, nichts mehr zählt, beziehungsweise die ökonomischen Verhältnisse diese selbstbewusste Gestaltung nicht mehr zulassen, weil das potentielle Scheitern auf dem Arbeitsmarkt und soziale Abstiegsängste längst auch die Mittelschichten erfasst haben, dort hat der Wunsch nach Gemeinschaft Konjunktur. Das durchaus richtige Gefühl, als Mensch nicht zu zählen, sondern austauschbares Subjekt zu sein, das permanent mit anderen in Konkurrenz sich behaupten muss und dem der soziale Abstieg als Drohung unverhohlen vor Augen steht, wird durch die kollektive Verschmelzungserfahrung in der lokalen Gemeinschaft kompensiert – sei es im Sport, im Verein oder beim gemeinsamen „bürgerschaftlichen Engagement“. Dort findet man nicht nur die Solidarität, die man beim gegenseitigen Ausstechen im Büro und der Fabrik innerlich vermisst, sondern ebenso gegenseitige Anerkennung und damit emotionale Bestätigung. Zugleich ist die gemeinsame Identifikation mit der lokalen Gemeinschaft aus dem Drang gespeist, im Wettbewerb der Regionen oben mitzuschwimmen und besser zu sein, als die anderen, da doch die Finanzzuweisungen und Gewerbesteuereinnahmen auch unmittelbar Auswirkungen auf die eigene Lebensrealität haben. Das Bekenntnis zur Heimat ist zugleich unmittelbarer Narzissmus, insofern mit Erfolgen und Stolz geprotzt wird, als auch Kompensation dessen Mangels. In diesem Sinne erklärt Oberbürgermeister Schramm: „die 800-Jahr-Feier 1986 und der erste Tag der Sachsen sind gute Beispiele dafür, dass solche Feste in unserer Stadt mit viel Freude, Begeisterung und Bürgerteilnahme gemeinschaftsstiftend und gemeinschaftserhaltend sind und darüber hinaus auch einen repräsentativen Aspekt haben, der die Stadt nach außen in besonderer Weise erkennbar macht. Das ist dann auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil im kommunalen Wettbewerb der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorte.“4 Die Heimatbindung kann so immer noch darüber hinwegtrösten, wenn es auch sonst nichts gibt, das Lebensqualität und Perspektiven garantieren kann. Umso stärker ist der Lokalpatriotismus daher dort, wo am wenigstens Berechtigung für ihn besteht und umso nötiger, je deutlicher er der Realität widerspricht. Er ist ein deutliches Zeichen für gesellschaftliche Krisen- und Zerfallserscheinungen und das daraus erwachsende falsche Bewusstsein, das sich auch in der ökonomisch und auf Funktionalität zurechtgestutzten Sprache „lokaler Akteure“ ausdrückt: „Wenn wir unseren Standortvorteil gerade im Hinblick auf die Zukunftstechnologien halten wollen, müssen wir mit praktischen Beispielen zeigen, dass Freiberg ein innovativer und familienfreundlicher Standort ist“5, so etwa der Sprecher des Freiberger Bündnisses für Familienfreundlichkeit. Bernd-Erwin Schramm kann problemlos nachlegen: „Eine starke Position unserer Technischen Universität im Wettbewerb der Hochschulen ist aber auch davon abhängig, dass Standortvorteile genutzt werden können.“6 „Standortvorteile“, die die TU schon vor 10 Jahren erkannte: „Ein Auslandsstudienaufenthalt ist heute für viele schon fast selbstverständlich. Dank guter Kontakte und zahlreicher Austauschprogramme gilt dies insbesondere für die Freiberger Studenten. Doch die Internationalität der TU Bergakademie lässt sich vor allem auch daran messen, dass der Anteil ausländischer Studierender mittlerweile bei cirka 15 Prozent liegt. Diese hervorragende Chance zum interkulturellen Austausch zwischen den Studenten ist auch ein Standortvorteil für Freiberg.“7 (Rechtschreibung im Original)


Nimmt den Aktivrentnern die Angst vor der flüchtigen Moderne: Das kollektive Bekenntnis zur Scholle.

Unter anderem aus diesen Gründen wurde im April 2011 unter der Federführung des zweiten Stadtmarketingvereins – der Agenda 21 e.V. – die Initiative „Wir sind Freiberg. Lokales Netz für eine weltoffene Stadt“ gegründet. Ihr Ziel: „Auch gemeinsame Sportveranstaltungen von Deutschen und Ausländern, weitere Sprachpatenschaften, ein intensiverer kultureller Austausch, Vorträge in Kindergärten und Schulen und eine Verbesserung der Wohnbedingungen für Asylbewerber könnten dazu beitragen, der Stadt ein weltoffeneres, noch einladenderes Antlitz zugeben.“8 Die gegenseitige Toleranz und der Abbau von Vorurteilen, den die Initiative erstrebt, ist allerdings nur Mittel zum Zweck der besseren Außendarstellung. Nicht einladend und weltoffen will man sein, sondern sich ein einladenderes Antlitz geben. Und entsprechend sind die wenigen Veranstaltungen und Verlautbarungen, die es allesamt schon seit Jahren gibt und die seit 2011 lediglich unter dem gemeinsamen Label „Wir sind Freiberg“ durchgeführt wurden, größtenteils völlig inhaltsleer und dienen eher dem gemeinsamen „networken“, als etwa der Verbesserung der Wohnbedingungen für Asylbewerber, die tatsächlich zu begrüßen wäre. Um die ökonomisch abgeschriebenen Flüchtlinge, die in der Stadt sowieso kaum wahrgenommen werden, geht es aber auch gar nicht, denn „Zielgruppen der Initiative sind sowohl die Bürger der Stadt Freiberg, als auch Vertreter aus Vereinen und Organisationen, kurz alle Freibergerinnen und Freiberger, unabhängig von ihrem Alter oder ihrer Herkunft. Außerdem sollen auch alle „potenziellen Freibergerinnen und Freiberger“ (im Sinne von Menschen, die zeitweise oder dauerhaft in Freiberg zuhause sind, zum Beispiel Studenten, Mitarbeiter von Unternehmen u.a.) angesprochen werden.“9 Diejenigen also, die wirtschaftlich zum Standort Freiberg etwas beitragen und die man langfristig hier halten möchte. Das Spiegelbild der Weltoffenheit ist – und der Name der Initiative „Wir sind Freiberg“ spricht es auch klar aus – das gemeinsame Bekenntnis zur Stadt. Wer die lokale Identität annimmt, wird integriert und darf als Migrant sogar mit allerlei Folklore zur kulturellen Diversität Freibergs beitragen, oder für das Fest der Kulturen, dem „multikulturellen Höhepunkt in Freiberg“, das – wie sollte es anders sein – natürlich von der lokalen Agenda 21 jährlich veranstaltet wird, landestypische Speisen kochen. Wer Menschen „ansprechen möchte“, „Zielgruppen“ definiert und für „Weltoffenheit“ eintritt, der kann kein sympathisches Ziel verfolgen, sondern nur die Optimierung von Standortfaktoren und damit ein ökonomisches Nutzenkalkül, das sich für Menschen bestenfalls als exotisches Beiwerk interessiert. Die Verkümmerung der Sprache, die überall auftauchenden inhaltslosen Phrasen, sowie das unbedachte Kopieren von Fachtermini aus Strategiepapieren, Finanzanträgen und Pressemitteilungen sind offensichtlichster Ausdruck dessen. Sprache dient dort nicht mehr dazu, den gegenseitigen Austausch von Argumenten zu ermöglichen und dem Versuch, die außersprachliche Wirklichkeit zu erkennen, sondern ist zum einseitigen Transportmedium für Informationen und Wirklichkeitsdefinitionen geworden. Deshalb heißen Diskussionsveranstaltungen in Freiberg auch Bürgerinformationsabende, auf denen Oberbürgermeister Schramm auf interessierte Nachfragen folgerichtig Dinge wie die folgenden sagt: „Ich sehe keine Basis, das hier irgendwie kritisch zu diskutieren.“10 Der Jargon, der in Verwaltung und Stadtmarketing gesprochen wird, ist außerdem voller Floskeln und gut klingender Allgemeinplätze. In jeder Rede des Konsortiums Schramm/Krüger/Reuter, in jedem Amtsblatt und ganz besonders den Publikationen der Stadtmarketing GmbH fällt das auf. Transparenz, Bürgernähe, Weltoffenheit und Partizipation sind Schlagwörter dieser Vermarktungssprache, denn „[z]um Thema Modernität gehört auch, die Verwaltung ganzheitlich als fortschrittliches Dienstleistungsunternehmen zu etablieren.“11


Blauhemden formen auf dem Untermarkt das „Herz aus Silber“

All das ist so ideologisch gefärbt, dass sich Kritik daran eigentlich erledigt. Man könnte sich die Mühe sparen und beispielsweise die Stadtmarketing GmbH selbst zu Wort kommen lassen. Sie sagt im Grunde dasselbe, ohne jedoch zu begreifen, wie verabscheuenswert die Zustände sind, die sie affirmiert: „Menschen suchen Authentizität und Erlebniswelten. Überall auf der Welt. Es geht uns darum, in Freiberg eine große Tradition zu bewahren und Weltoffenheit zu demonstrieren. [Wohlgemerkt demonstrieren, also darstellen und nicht etwa die Verhältnisse zu verändern.] Geschichte erlebbar machen – und Innovation umzusetzen. Durch Profilierung Freibergs, durch eine Herausstellung der Kernkompetenzen und durch die überzeugende Kommunikation der Stärken setzt die Stadtmarketing Freiberg GmbH die Positionierung unserer Stadt im Wettbewerb der Regionen um.“12 Wie in Unternehmen eine corporate identity das Ziel hat, Konflikte zu befrieden und die Zustimmung der Belegschaft zu allerlei Maßnahmen herzustellen, erfüllt die Identifizierung mit Freiberg den selben Zweck. Denn wo man selbst dazugehört, dort ist man erfahrungsgemäß weniger kritisch und auf ein positives Bild nach außen bedacht. Der „größtmögliche Konsens“, den Schramm zur Konsolidierung der maroden Freiberger Stadtfinanzen einfordert, meint genau das.

Partizipationssuggestion

Auch die Mobilmachung zum „Jahr der Jahrhunderte“ fügt sich bereitwillig an lokale Stumpfsinnigkeiten an und wirbt mit einem „Herz aus Silber“, das anscheinend in Freiberg, „der kleinen, aber feinen Stadt im Herzen Sachsens“, schlagen soll. Die Stadt wird durch die sowohl organisch wie technische Metapher vom Silberherzen gleichzeitig subjektiviert und vermenschlicht, als auch einem Veredelungsprozess unterzogen und taugt so in besonderem Maße als libidinöses Identifikationsobjekt. Die dahinter stehende Strategie ist ebenso perfide wie ideologisch; die Assoziation mit dem Herzen als Symbol der Liebe bewusst gewählt und folgerichtig. Freiberg zu lieben ist erklärtes Ziel der Marketingkampagne: „Es gibt zahlreiche Gründe, auf diese Stadt stolz zu sein und sie zu lieben. Um das Gefühl der Zuneigung und Sympathie für alle sichtbar zu machen, ist für das bevorstehende Jubiläum das „Herz aus Silber“ als Symbol gewählt worden. (…) Ihre Liebe zu Freiberg beweisen auch die fast 100 Freiberger, die sich für die Aktion „Mein Gesicht für meine Stadt“ gemeldet haben, mit der das Jubiläum sachsenweit und darüber hinaus beworben wird.“13 Für die besagte Werbekampagne formten völlig konträr zum tatsächlichen Bevölkerungsschnitt junge und dynamische Berufsfreiberger ihre Hände vor den sanierten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt in Herzform. Darüber prangt der Slogan: „Ich liebe Freiberg“. Vorzeigekinder und Quotenmigranten sollen die „Kinderfreundlichkeit“, „Zukunftsfähigkeit“ und nicht zuletzt die „Weltoffenheit“ der Stadt darstellen und versichern, dass die 850-Jahrfeier „[e]in Fest [ist], das mit den Bürgern für die Bürger und Gäste der Stadt gestaltet wird – und das mit viel Herz (…)“14 Man lacht und fühlt sich wohl in der kuscheligen Bürgerschaft. Ähnlich fühlen wohl auch die Freiberger Schülerinnen und Schüler, die man bewusst im Sinne der Imagekampagne indoktriniert hat und deren Identifikation mit einer Stadt, die ihnen eigentlich nichts zu bieten hat, schon früh forciert wurde.

Wie die Blauhemden der FDJ durften sie in blauen Hemden ein lebendiges Herz in der Innenstadt formen und damit „ihren Beitrag“ zum Stadtjubiläum leisten: „Zum Start des neuen Schuljahres trafen sich am Montag 850 Schüler aus Freiberger Mittelschulen und dem Gymnasium auf dem Untermarkt zum „Herzschlag“. Dabei bildeten sie ein riesiges Herz auf einer vorgezeichneten Fläche von 28 mal 24 Metern. Die Aktion der Schüler ist ihr Beitrag zum bevorstehenden Jubiläumsjahr „850 Jahre Freiberg“. Damit setzten sie das Zeichen: „Wir lieben Freiberg – Wir feiern 850 Jahre Freiberg“.“15 Dass es selbstverständlich kein freiwilliger Beitrag der Schülerinnen und Schüler gewesen ist, sondern von Verantwortlichen der Stadt initiiert wurde und jene lediglich die stummen Statisten mimen durften, die gut aussehen und pressetaugliche Bilder ermöglichen sollten, ist ein typisches Merkmal für die Mitmach-Gemeinschaft, als die sich Freiberg geriert. Partizipation kommt als Schlagwort gut an und klingt modern und zukunftsfähig. Jedoch ist Partizipation tatsächlich gar nicht erwünscht, sondern lediglich Beteiligung im Sinne kritiklosen Mitmachens. Denn wo die Konzepte schon längst feststehen, dient sogenannte Bürgerbeteiligung nicht der inhaltlichen Aus- und Mitgestaltung, sondern ist schmückendes Beiwerk, weil die Integrationskraft der städtischen Veranstaltungen umso größer ist, je stärker diese in der Außendarstellung als gemeinsames Werk der Freiberger daherkommen. Und ganz in diesem Sinne begreift auch Oberbürgermeister Schramm den „Herzschlag“ der Schülerinnen und Schüler: „Es ist toll, wie begeisterungsfähig unsere jungen Leute sind. Sie stehen für mich als Symbol für die Zukunft unserer Stadt.“16 Eine Zukunft, die weder in selbstgestalteten Projekten, Schülerbands, Veranstaltungen, oder der Artikulation und Einforderung eigener Interessen, die die Jugendlichen in jedem Fall haben, zu liegen scheint, sondern in ihrem Bekenntnis zum Standort Freiberg. In kritiklosen Bürgern, die kopfnickend allem zustimmen, was die Stadt ihnen vorgibt, liegt für Schramm die gewünschte Zukunft. Entsprechend überrascht war daher der Moderator eines „World Café“, mit dem die Initiative „Wir sind Freiberg“ 2011 ins Leben gerufen wurde: „‘Es ist uns gelungen, wirkliche Gespräche, einen echten Austausch zu initiieren. Und neben den von uns eingeladenen Besuchern sind sogar einige von sich aus gekommen‘, sagte Möls“17, als müsste man derlei noch extra betonen, weil es sonst niemand glaubt.

Freiberg kann mehr!18

Ganz ähnlich ist der Umgang innerhalb der Verwaltungsstruktur in Freiberg und die ihr widersprechende Außendarstellung. Dort auf Bürgernähe und Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen bedacht, ist die Verwaltung bei näherem Hinsehen straff hierarchisch organisiert und von der im Wahlkampf von Schramm ganz maßgeblich proklamierten „neue[n] Kultur des Umgangs miteinander im Rathaus und in unserer Stadt“19 nicht der Hauch einer Spur. Wer ausschert, wird kalt gestellt. Das bekam nicht etwa nur der geschasste Ex-Stadtmarketingchef Gerd Przybyla am eigenen Leib zu spüren, sondern die meisten Personen im näheren Umfeld von Oberbürgermeister Schramm. Wutausbrüche, mangelnde Diskussionskultur sowie autoritäre Umgangsformen sind das übliche Klima im Freiberger Rathaus und die Stimmung entsprechend schlecht. So holte Schramm auch auf eigene Faust entgegen den Wünschen des Großteils der Freiberger Verwaltung den Tag der Sachsen in diesem Jahr nach Freiberg, dessen Organisation die überarbeiteten Verantwortlichen und dessen Finanzierung die maroden Stadtfinanzen vor eine harte Belastungsprobe stellen. Sie könnten einem fast leidtun. Einen Chef, der Dinge, wie die folgenden schreibt, wünscht man niemandem: „Liebe Freibergerinnen und Freiberger, was ein Querschlag ist, gehört im Bergbau zum Grundwissen. Schwieriger wird es mit der Bedeutung von Querschlägen im Sinne von Querschüssen. Ich habe viel übrig für unbequeme Menschen, denn ich gehöre selbst dazu, und auch bei meinen Mitarbeitern brauche ich keine Ja-Sager. Wenn aber in unserer Stadt ganz aktuell jetzt nicht nur Ufos gesichtet werden, sondern Einzelne sogar Untergangsszenarien für die Stadtentwicklung konstruieren, ja von Vandalismus und Kulturlosigkeit reden, dann ist das schlicht bösartig. Bedauerlich ist, dass die Argumentationen gegen Parkhaus und Umgehungstraße – bei denen sich diese Aktivisten um Aufmerksamkeit weit über Freiberg hinaus bemühen – von Halb- und Unwahrheiten strotzen. Das kann die große Mehrheit der Bürger in der Regel nicht erkennen. Ich habe keine Sorge wegen Nestbeschmutzung, denn so etwas geht immer in die eigene Hose. Und wenn sich Freiberg heute als bedeutender Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturstandort präsentiert, hat das nicht nur mit Glück zu tun. Das können auch so genannte Querdenker nicht infrage stellen. Ein Virus geht um in Freiberg. Ein Virus, das nach erfolgter Infektion als Krankheitsbild offensichtlich Realitätsverlust oder Wahrnehmungsstörungen zur Folge hat. Ich bin aber sicher, dass die Bürgerschaft sich nicht davon infizieren lässt. Es geht schließlich um die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Und zur Bewahrung der Schöpfung und unseres kulturellen Erbes gehört auch, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Für das Jubiläum „850 Jahre Freiberg“ werben Bürger unserer Stadt mit ihrem Gesicht unter der Überschrift: Wir lieben Freiberg. Das ist eben wie im richtigen Leben: Einen Menschen liebt man mit allen Facetten, und doch auch dann, wenn dringend erforderliche Operationen zur Erhaltung der Mobilität erforderlich sind. Glück auf!“20 Auch hier ist es die selbe Strategie: Das Lob unbequemer Menschen, dem inhaltlich nichts folgt, bis auf ein von autoritären Allmachtsphantasien erfüllter Jargon: Netzbeschmutzer, Infektionen, Krankheiten, Viren, Wahrnehmungsstörungen. Dem Leser wird sofort klar, was Schramm als legitim erachtet – seine eigene Sicht der Dinge, die, anders als die große Mehrheit der Bürger, Halb- und Unwahrheiten erkennen könne – und wen er am liebsten aus der Bürgerschaft ausschließen möchte – die Verräter, die ihre Stadt beschmutzen und sich weigern, die verordnete Bürgernähe anzunehmen. Die angesprochenen Themen sind gute Beispiele der mangelnden Muße in Freiberg, Auseinandersetzungen auszutragen und unterschiedliche Interessen als legitim zu erachten. Anstatt argumentativ zu überzeugen, werden Debatten zumeist auf einem Niveau geführt, das jeglichen bürgerlichen Gepflogenheiten der Beteiligten widerspricht. Den Kontrahenten werden niedere Beweggründe, Bösartigkeit oder Weltfremdheit attestiert und überhaupt die Existenz abweichender Meinungen als Zumutung empfunden. Man will informieren und kommandieren, statt zu diskutieren und zu überzeugen. In der Auseinandersetzung um die geplante Ortsumgehung, die nach dem letzten Einbruch der Stadtfinanzen nun nicht mehr so lautstark gefordert wird, erreichte der Umgangston schließlich seinen traurigen Höhepunkt und das städtische Agieren die Grenzen des demokratischen Rahmens. Für einen symbolischen Baubeginn, den die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann als prominentes Mitglied der Bürgervereinigung PRO-Ortsumgehung einleitete und an dem u.a. Holger Reuter und Bernd-Erwin Schramm teilnahmen, ignorierte man schlicht, die Veranstaltung versammlungsrechtlich anzumelden. Was für sich erstmalig politisch betätigende Bürger als mangelndes Wissen durchgehen mag, kann im Falle dieser drei nur als Ignoranz bezeichnet werden. Und ebenso Schramms Verweis auf „Untergangsszenarien“. Verprasste man im letzten Haushaltsjahr noch die letzten Reste der angesparten Finanzreserven, die sich immerhin auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag beliefen, entgegen aller geäußerter Bedenken für fragwürdige Sanierungs- und Infrastrukturprojekte, werden die Szenarien kaum ein Jahr später plötzlich Realität. Der Einbruch der Steuereinnahmen wird flankiert von Kürzungen im sämtlichen Bereichen. Tabus dürfe es keine geben und Schramm fordert: „Für dieses Vorhaben brauchen wir den größtmöglichen Konsens in der Stadt.“21 „Es geht uns um einen möglichst gemeinsamen Blickwinkel von Stadt, Stadtrat und Ihnen als Bürgern.“22

Konsens als imaginierte Mehrheitsmeinung

Der immer wieder geforderte Konsens ist dabei kein demokratischer, sondern entspringt dem Wunsch nach Anpassung und Unterwerfung der Einzelnen ins Stadtkollektiv. Die Gravur an der Rückseite des Rathauses ist nicht nur historisches Relikt, sondern wird ernst genommen: „Du bist ein Nichts im Ganzen, wenn Du ihm nicht dienst.“ Ebenso typisch ist der gewünschte Konsens für das Klima in vielen sächsischen Provinzstädtchen, in denen sich die Stadtoberhäupter allesamt als Fürsten aufführen. Ist die Widersprüchlichkeit und innere Spaltung moderner Gesellschaften in Großstädten nicht zu kitten und dementsprechend nicht nur akzeptiert, sondern dort sogar als Standortfaktor bewusst gefördert, erweisen sich bis zu einer gewissen Stadtgröße Borniertheit, Stumpfsinn, Stadtidentität und Abdichtung nach außen als tragfähige Konzepte lokaler Vergemeinschaftung. In diesem Sinne ist der Konsens nicht nur autoritär von oben gefordert, sondern mit breiter Beteiligung gegenüber den Außenseitern, Fremden und Nestbeschmutzern durchgesetzt. Negative Schlagzeilen in der überregionalen Presse etwa, wie sie Neonaziübergriffe oder Brandanschläge nach sich ziehen, gilt es konsequent zu verhindern und abzustreifen. Der aus ihnen resultierende Imageschaden ist meist schlimmer, als das eigentliche Ereignis. Wer regelmäßig Leserbriefe in Lokalzeitungen liest wird leicht feststellen, mit welchem Verfolgungseifer momentan noch verbal gegen abweichende Meinungen vorgegangen wird und welche Anstrengungen betrieben werden, um die Wahlheimat in gutem Licht dastehen zu lassen. Entsprechenden autoritären Anpassungszwang findet man etwa pseudo-ironisch verpackt in der Freien Presse samt zwischen den Zeilen stehendem Lösungserbitten: „Während im Westen der Republik ein Frühstückchen geknoppert wird, packen die Menschen im Osten ihre Schnitten aus der guten alten Brotbüchse. Oder auch die Weinflasche. Schon am Morgen wird in dem kleinen Park am Freiberger Bebelplatz tief in die Flasche geschaut. Dass den Weg gegenüber dem Kaufland kaum noch jemand benutzt, hat sich irgendwie schon eingebürgert. Man hat sich arrangiert. Aber ob die Herrschaften samt ihrer Hunde auch beim Stadtfest ins Bild passen?“23 Natürlich passen sie nicht, die gescheiterten und abgeschriebenen überflüssigen Menschen, die doch jedem vor Augen führen, was einem beim ökonomischen und sozialen Ausschluss aus der Gesellschaft bevorsteht und selbstverständlich passen sie nicht ins Bild der herausgeputzten und prosperierenden Stadt. Sie sind die unbequeme Wahrheit, die ebenso verdrängt wird, wie die Tatsache, dass Freiberg in der einschlägigen Jugendkultur über die Landesgrenzen hinaus als eine Hochburg der chemischen Drogen und der von ihnen produzierten Opfer gilt. Gerade auch deshalb werden die Baumaßnahmen der letzten Jahre, die zum Großteil repräsentativen Charakters waren und „Schandflecke“ beseitigt haben, von den Bürgern begeistert angenommen. Nicht Lebensqualität, sondern Imponiergehabe gegenüber Gästen ist die Forderung an die Politik: „Freiberg hat in den letzten Jahren wirklich mehr gekonnt! Wenn ich bei meinen Führungen Gäste durch Freiberg begleite, dann höre ich viel Lob über das, was in unserer Stadt geschaffen wurde. Auch wenn wir zurzeit sparen müssen, haben wir keinen Grund, Pessimismus zu verbreiten!“24


Geschmiedete libidinöse Bindung: Das Herz aus Silber.

Die übertriebene Identifikation mit der eigenen Scholle ist also Resultat eines zweischneidigen Prozesses. Einerseits wird sie bewusst politisch forciert, weil das Bekenntnis zur Heimat für das Bestehen der lokalen Ordnung funktional ist und zur Folge hat, dass weniger gemeckert und umso mehr passiv hingenommen wird; mit anderen Worten also ein Klima vorherrschend ist, in der sich leicht Politik machen lässt. Die Erwartungen sind begrenzt und entsprechend schwer zu enttäuschen und für die im Amtsblatt der Stadt verkündete Propaganda gilt sowieso rundherum Harmonie: „Die Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Freiberg und dem Ortschaftsrat Kleinwaltersdorf ist sehr gut.“25, heißt es dort in informationslastigen Artikeln über Belanglosigkeiten, die zu Ereignissen aufgeblasen werden. So die „feierliche Eröffnung“ eines Parkhauses: „[D]ies erfolgte mit großer Anteilnahme der Freiberger Bevölkerung und Besuchern und zeigt die Freude über diese positive Entwicklung der Stadt.“26 Andererseits wird die mollige Wärme des Kollektivs, mit dem man sich im Konsens wähnt, aber auch ebenso aktiv eingefordert und demnach politisch garantiert. Sie stiftet Sinn und Halt in der unsicheren modernen Welt und stabilisiert qua Abgrenzung die eigene Identität. Wer selbst nichts ist, kann sich immer noch mit seiner Heimat identifizieren und so wenigstens auf dem Ruhm anderer mitschwimmen. Der imaginierte Konsens schließlich bestärkt die eigene Ansicht als normal und vorherrschend. Wer sich mit anderen im Einklang weiß, kann eigentlich nicht falsch liegen. Durch gegenseitige Bestätigung befriedigen so die Konsensparteien und -partner ihren je eigenen Narzissmus. Das Bedürfnis nach Kollektivität und Konsens lässt sich folglich als Ausdruck eines mangelnden individuellen Selbstbewusstseins und Sehnsucht nach autoritärer Unterwerfung kennzeichnen, die immer Ausschlussprozesse und Aggression gegen andere nach sich ziehen.

Das „Jahr der Jahrhunderte“ als Heilsversprechen und großer Schwindel

Obwohl Folklore und Heimatstolz keine neuen Phänomene sind, erreicht ihre Dauerpräsenz im „Jahr der Jahrhunderte“ doch eine bisher unerreichte Qualität. Egal wohin man schaut, überall erblickt man Hinweise auf das anstehende Stadtjubiläum. Wo möglich, werden Gebäude mit Herz-aus-Silber Fahnen beflaggt, Aufkleber und Plakate verklebt und Publikationen und Internetauftritte mit dem Logo der Feierkampagne geschmückt. Wer will, kann sich selbst zur lebendigen Litfaßsäule machen und eines der 850-Jahre Freiberg T-Shirts erwerben, die etwa von Jugendlichen bei Sportwettkämpfen ganz selbstverständlich getragen werden müssen. Doch das Perfide der 850-Jahrfeier besteht nicht nur in ihrer Penetranz, sondern der Art und Weise, wie sie sich in das Gesamtbild des städtischen Agierens einfügt. Der Termin der großen Feierei fällt nicht zufällig genau auf dieses Jahr. Denn obwohl die 800-Jahrfeier erst 1986 stattfand, sind es nicht neue Erkenntnisse, dass die Stadt früher als bisher angenommen gegründet wurde, die zum unerwarteten Jubiläum 2012 führten, sondern eine bewusste Entscheidung, die Schramm und Reuter so auch kommunizieren: „Deshalb muss unbedingt darauf hingewiesen werden, dass wir in diesem Jahr 850 Jahre Besiedlung des Freiberger Raumes, und nicht die Gründung der Stadt begehen.“27 „Ich bin seit August 2008 im Amt und es waren dann ganz einfach pragmatische Gründe, das Jubiläum für 2012 zu planen.“28 Es ist der Höhepunkt ihrer Amtszeit und das Event, mit dem Schramm und die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung in Erinnerung bleiben möchten. Die Investitionen, mit denen die aktuelle Finanzsituation der Stadt gerechtfertigt wird, lassen sich dann größtenteils auch als Investitionen in das Feierjahr 2012 betrachten. Nicht zufällig fällt der Termin ihrer Fertigstellung überall vor die 850-Jahrfeier, nicht zufällig wurden Parkmöglichkeiten geschaffen, die jenseits der Besucherströme von außerhalb kaum kostendeckend betrieben werden können und nicht zufällig die zentralen Plätze der Stadt herausgeputzt und von Schandflecken beseitigt. Nicht zufällig ist auch die Ähnlichkeit zur 800-Jahrfeier, die die städtische SED-Leitung ebenfalls als Legitimation ihrer Herrschaft nutzte. Wenn auch unter anderen ideologischen Vorzeichen, ist die Vorstellung davon, wie eine Stadt funktionieren soll, heute gar nicht so viel anders, als vor 25 Jahren. Doch begnügte man sich 1986 mit der provisorischen Fassadenherrichtung der beiden Hauptstraßen der Innenstadt, ohne an der maroden Bausubstanz etwas zu ändern, ist es im Jahr 2012 ein Komplettpaket, für das man auch gern sämtliche Rücklagen verpulvert hat und in den kommenden Jahren einiges an Einschränkungen in Kauf nehmen wird. Weil die politisch Verantwortlichen nichts auf dem Kasten haben und zumindest einige von ihnen keine politische Karriere über die aktuelle Amtsperiode hinaus anstreben, bedienen sie den lokalen Narzissmus mit größenwahnsinnigen Projekten, deren Lorbeeren geschickt eingeheimst werden, ohne für die Folgen Verantwortung zu übernehmen. Die angekündigte Kürzung der Personalkosten und der geplante Ausstieg aus dem Tarifvertrag im öffentlichen Dienst sind dabei nur die Spitze des Eisberges, mit dem ein „gesellschaftlicher Konsens“ über die Optimierung des Freiberger Stadthaushaltes geschaffen werden soll.

Mit der zurückkehrenden „Normalität“29 ist in Freiberg auch die Wirtschaftskrise angekommen. Der Einbruch der Gewerbesteuer ist u.a. Folge gesamtgesellschaftlicher Wandlungsprozesse und kapitalistischer Krisenhaftigkeit. Insofern ist die große Feierei in diesem Jahr tatsächlich antizyklisches Verhalten zum richtigen Zeitpunkt. Das Spektakel dürfte die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zur Konsolidierung des Stadthaushaltes massiv vereinfachen und neue Integrationsmechanismen bereitstellen. Was in der kapitalistischen Gesellschaft tendenziell immer gilt, wird in Zeiten ökonomischer Krisen verstärkt und offensichtlich. Die alltäglichen psychischen Beschädigungen, denen jeder Einzelne ausgesetzt ist und die mit Erfahrungen von Ohnmacht, Nutzlosigkeit und Austauschbarkeit einhergehen, müssen von den Subjekten psychisch kompensiert werden, denn die vorenthaltene gesellschaftliche Anerkennung für ihr individuelles Sein wirkt unmittelbar auf den Selbstwert der Menschen und führt zu Ausflüchten, diese doch noch zu erlangen. Die kollektive Identifikation ist so Ersatz für die eigene Ohnmacht und gleichzeitig Ventil für Frustrationserlebnisse. Wer auf die narzisstischen Bedürfnisse hinter der kollektiven Verschmelzung hinweist, dem schlägt umso stärker der Hass entgegen, da er benennt, was unbewusst jeder fühlt, aber nicht wahrhaben will und entsprechend verdrängt. Dabei ist das verkümmerte Selbstwertgefühl kein individueller Mangel, sondern Ergebnis kapitalistischer Vergesellschaftung und gesellschaftlicher Übermacht. Die Verdrängung der Ursachen für die permanente Entsagung ist der Versuch, durch Unterwerfung noch einmal davon zu kommen und durch Anpassung seine bessere Verwertbarkeit zu demonstrieren, die allein den individuellen Wert der zu Subjekten degradierten Menschen im Kapitalismus garantiert. Die verinnerlichte Standortlogik, die ökonomisierte Sprache und die Versuche des gesellschaftlichen Konsens sind Ausdruck dieser Verinnerlichung gesellschaftlicher Prinzipien. Freilich ist der Versuch, durch Selbstoptimierung und Entsagung im Verdrängungswettbewerb davon zu kommen, permanent zum Scheitern verurteilt. Die Verwertbarkeit ist immer nur eine auf Zeit und die Anerkennung, die sie den ökonomisch Erfolgreichen garantiert, kann jederzeit entzogen werden. Eben deshalb muss die Zugehörigkeit zum Kollektiv immer wieder auf’s Neue hergestellt und rituell gefestigt werden. Im „Jahr der Jahrhunderte“ verdichten sich die skizzierten Prozesse auf besonders perfide und ideologische Weise. Freiberg ist dabei nur eines von vielen Beispielen, sticht aber durch die autoritären und extrem konservativen Umgangsformen innerhalb der Stadtgemeinschaft besonders hervor.

  1. Stadtverwaltung Freiberg und „850 Jahre Freiberg“ e.V. (Hrsg.): Freiberg 2012. Jahr der Jahrhunderte, S. 1. [zurück]
  2. Ebd., S. 7. [zurück]
  3. Die 850. Strophe. In: Freie Presse vom 15. Juni 2012, S. 9. [zurück]
  4. Amtsblatt Nr. 10/2012, S. 1. [zurück]
  5. URL: http://www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de/nc/ueber-die-initiative/buendnisse-von-a-bis-z/buendnis-detailansicht.html?tx_buendnisse_pi2[uid]=56 [zurück]
  6. Amtsblatt Nr. 23/2009, S. 3. [zurück]
  7. TU Bergakademie Freiberg: Report. Nachrichten aus Lehre und Forschung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. 25/2002, S. 4. [zurück]
  8. Blitzdebatten bei Kaffee und Kuchen. In: Freie Presse vom 2. Mai 2011, S 13. [zurück]
  9. URL: http://fg-on.de/wir-sind-freiberg/was-wir-wollen/ [zurück]
  10. Schramm auf dem Bürgerinformationsabend am 6. Juni 2012. [zurück]
  11. URL: http://www.freiberg.de/freiberg/content.nsf/docname/Webseite_BAE32609BD0F179EC12576710047CB10?OpenDocument [zurück]
  12. URL: http://www.freiberg-service.de/stadtmarketing.html [zurück]
  13. Amtsblatt Nr. 3/2011, S. 6. [zurück]
  14. Ebd. [zurück]
  15. Hier schlägt das Herz der Stadt. In: Blick vom 24. August 2011, S. 1. [zurück]
  16. Ebd. [zurück]
  17. Blitzdebatten bei Kaffee und Kuchen. In: Freie Presse vom 2. Mai 2011, S 13. [zurück]
  18. Freiberg kann mehr! war der Wahlslogan von Bernd-Erwin Schramm zur Oberbürgermeisterwahl 2008. [zurück]
  19. http://www.freiberg-kann-mehr.de/index2.php [zurück]
  20. Amtsblatt Nr. 3/2011, S. 1. [zurück]
  21. In Freiberg muss gespart werden. In: Blick vom 9. Mai 2012, S. 1. [zurück]
  22. Schramm auf dem Bürgerinformationsabend am 6. Juni 2012. [zurück]
  23. Glück Auf. Stadtbild. In: Freie Presse vom 21. Juni 2012, S. 9. [zurück]
  24. Leserbrief in der Freien Presse vom 19. Mai 2012, S. 11. [zurück]
  25. Amtsblatt Nr. 10/2012, S. 5. [zurück]
  26. Ebd., S. 20. [zurück]
  27. Wie alles begann – und vor allem wann. In: Blick vom 16. Mai 2012, S. 1. [zurück]
  28. http://www.freiberg-service.de/stadtmarketing/werbung-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilungen/pressemitteilung/article/freiberg-feiert-2012-das-850-jaehrige-jubilaeum.html [zurück]
  29. Vgl. die Kommentare von SolarWorldchef Frank Asbeck, Holger Reuter und dem sächsischen Finanzminister Georg Unland. [zurück]
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