Archiv für September 2012

SS-Uniform im Festumzug: Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft

aus Freie Presse vom 22. September 2012

von Gabriele Fleischer

Nach Bekanntwerden neuer Details vom Auftritt der Militärtechnikfreunde beim Tag der Sachsen will Freibergs Rathauschef genaue Aufklärung.

Freiberg – Der Auftritt der Militärtechnikfreunde Sachsen am zweiten Septemberwochenende in Freiberg wird nun ein Fall für den Staatsanwalt. Nachdem diese Woche bekannt geworden war, dass im Umzug zum Tag der Sachsen eine Uniform der Waffen-SS getragen wurde, hat Freibergs Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) am Donnerstag die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Waffen-SS war schließlich 1946 beim Nürnberger Prozess als verbrecherische Organisation verboten worden.

Obwohl kein Veranstalter, will auch das Landratsamt Mittelsachsen zur Aufklärung beitragen und wartet auf Filmmaterial vom MDR, wie Landrat Volker Uhlig (CDU) gestern erklärte: “Dass im Umzug eine Tarnuniform der Waffen-SS dabei war, hatte beim Vorbeimarsch keiner bemerkt. Da muss man sich genau auskennen. Aber als zuständige Behörde für den Vollzug des Waffengesetzes im Kreis sind wir unserer Pflicht nachgekommen und haben unangemeldet kontrolliert.” Seinen Mitarbeitern sei es zu verdanken, dass Verstöße am Stand der Militärtechnikfreunde entdeckt und Auflagen erteilt wurden. Mündlich sei mit der Interessengemeinschaft vereinbart worden, dass Waffen und Munition zu entfernen sind. Da be im Umzug aber Waffen getragen wurden, prüfe das Amt nun alle rechtlichen Möglichkeiten, um das zu ahnden, kündigte Uhlig an.

Prüfen wollen das und das Tragen der Uniform auch die Militärtechnikfreunde, wie Mario Gerbet, einer ihrer Vertreter, gestern auf Nachfrage der “Freien Presse” erklärte. Während er betonte, dass die Trägerin besagter Uniform kurzfristig dazugestoßen und kein Mitglied der Gemeinschaft sei, wusste er gestern angeblich nicht einmal, ob es wirklich eine Waffen- SS-Uniform war.

Andererseits sprach er davon, dass selbst das gesetzeskonform sowie polizeilich und staatsanwaltschaftlich abgesegnet sei. Dass viele Menschen bei ihrem Auftritt negativ berührt waren, kann Gerbet verstehen, aber man habe sich an ein “heikles” Geschichtsthema gewagt und sich der alten Militärtechnik angenommen. “Wir sind nicht fehlerfrei, lassen uns aber nicht als Nazis bezeichnen”, betonte er.

Das Zur-Schau-Stellen der Wehrmacht-Fahrzeuge, von Waffen und Kleidung hat nicht nur den kulturpolitischen Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Volker Külow, abgestoßen, auch der Verband der Verfolgten des Naziregimes zeigte sich empört. Einen bitteren Beigeschmack hat es für deren Mitglieder auch deshalb, weil sie das Kuratorium vom Tag der Sachsen in Freiberg ausschließen wollte. “Erst nach energischen Protest konnte die Teilnahme der ältesten antifaschistischen Organisation Deutschlands erreicht werden”, heißt es vom Landesvorstand, der sich gegen eine unpolitische Darstellung der faschistischen Wehrmacht wendet. Auch Heidrun Hiemer (CDU), Oberbürgermeisterin von Schwarzenberg, Ausrichterstadt des Tages der Sachsen 2013, fiel der Auftritt der Militärtechnikfreunde “negativ auf” und hat für sie ein Achtungszeichen gesetzt. Sie will bei der Planung des Umzuges sensibel prüfen, wer teilnimmt. Eine Erklärung vom Kuratoriumsvorsitzenden Matthias Rößler gab es bisher nicht. Offenbar macht man Freiberg als Gastgeber für den Vorfall allein verantwortlich.

Wehrmacht-Fans feierten mit

erschienen im Berliner Kurier

Nazi-Skandal beim „Sachsentag“

Eklat in Freiberg: Beim Volksfest „Tag der Sachsen“ sind Wehrmacht-Fans am Wochenende mit Militärfahrzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg durch die Stadt gefahren.

Wie die Partei Die Linke am Sonntag mitteilte, handelte es sich dabei um eine Gruppe namens „Militärfreunde Sachsen“. Die Männer präsentierten sich demnach auf dem Fest mit über 300.000 Zuschauern in originalen Uniformen, Autos und Motorrädern der Wehrmacht und stellten unter anderem einen Wegweiser mit der Aufschrift „Moskau“ auf. Zudem zeigten sie kleine militärische Übungen.

Aktion soll parlamentarische Konsequenzen haben

Volker Külow, kulturpolitischer Sprecher der Linken, nannte die Vorfälle einen Skandal. Es sei „instinktlos“ und „kriegsverherrlichend“, wenn eine „mörderische Maschinerie wie die Wehrmacht verharmlost wird“.

Der Linken-Politiker kündigte für Montag parlamentarische Konsequenzen an. So werde unter anderem eine kleine Anfrage an die Landesregierung geben. Insbesondere müsse sich Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) erklären, der als Präsident des Kuratoriums „Tag der Sachsen“ die Verantwortung für die Vorfälle trüge, so Külow.

Skandal-Auftritt kein Einzelfall

Das Zeigen von Kriegstechnik aus dem Dritten Reich scheint beim Tag der Sachsen indes keine Besonderheit zu sein. Wie Recherchen der Nachrichtenagentur dapd ergaben, präsentierten offenbar schon zum 20. Tag der Sachsen in Kamenz Wehrmacht-Fans mit einem eigenen Stand.