AFD und die Blaue Narzisse

Am 11. Februar lud der Kreisverband der AFD Mittelsachsen den Blaue Narzisse Redakteur Felix Menzel zur Vorstellung seines Buches Junges Europa, in dem er zusammen mit Philip Stein acht Szenarien für die Europäische Union beschreibt, in den Gasthof „Letzter 3er“ nach Freiberg ein. Vor etwa 35 Zuschauern verbreitete er seine Thesen gegen die „Bürokratisierung der EU“, „Überfremdung“ sowie „Masseneinwanderung“ und forderte die Stärkung der nationalen Souveränität. Angekündigt wurde Menzel als „Chefredakteur des konservativen nonkonformen Jugendkulturmagazins ‚Blaue Narzisse‘“. Die Blaue Narzisse entstand ursprünglich als Magazin von Chemnitzer Schülern und Studenten und hat sich seit ihrem ersten Erscheinen 2004 zu einem wichtigen Organ der Neuen Rechten entwickelt. Die Neue Rechte ist ein Sammelbecken intellektueller Rechter, die sich vom klassischen Neonazismus abgrenzen und in Anlehnung an die Ideen von Carl Schmitt und den italienischen Faschismus um die Erringung einer kulturellen rechten Hegemonie (Kulturrevolution von Rechts) kämpfen. Zentral sind außerdem die Ideen von Ethnopluralismus und einer Erneuerung der nationalen Identitäten. Als Think Tank kann in Deutschland das Institut für Staatspolitik (IfS) um Götz Kubitschek gelten, das die Zeitschrift Sezession und im Verlag Edition Antaios neurechte Bücher herausgibt und in dessen Dunstkreis sich Menzel ebenfalls bewegt.
Zum Umfeld der Neuen Rechten gehören außerdem die Bewegung der Identitären sowie die Wochenzeitung Junge Freiheit, die den Begriff allerdings ablehnt und stattdessen einen bürgerlichen Konservatismus anstrebt. Die Neue Rechte ist Teil eines europaweiten kulturellen Backlashs und findet in zahlreichen rechten Parteien europäischer Staaten, wie Front National (Frankreich), Vlaams Belang (Belgien), Lega Nord (Italien), FPÖ (Österreich), SVP (Schweiz) oder der BNP (Großbritannien) ihre Pendants. In den letzten Jahren konnten diese Parteien ihre Ergebnisse massiv steigern. So rangiert der Front National bei letzten Umfragen bei 34 Prozent. In der AFD wurde die Debatte um die inhaltliche Ausrichtung sehr konflikthaft ausgetragen. Im Gegensatz zur Bundespartei scheint sich der Freiberger Kreisverband allerdings deutlich weiter rechts so positionieren und die Flanke zur Neuen Rechten offen zu halten.

weitere Infos:
Heinrich-Böll Stiftung: Studie zur AFD

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