Archiv für Juli 2014

NPD-Kandidaten ausgepfiffen

erschienen in Freie Presse vom 15. Juli 2014

Trillernde Pfeifen, Buhrufe und Sprechchöre haben gestern in Freiberg einen Wahlkampfauftritt der Rechtspopulisten übertönt.

Von Steffen Jankowski

Freiberg – Mehrere Hundert Menschen haben gestern Abend auf dem Freiberger Obermarkt „Gesicht gegen Braun“ gezeigt. Sie waren einem Aufruf des Bündnisses „Wir sind Freiberg“ gefolgt. Ihr Anliegen war es zu zeigen, dass Freiberg eine weltoffene Stadt ist und nationalistisches Gedankengut in dieser Stadt keinen Platz hat.

Wie der Rektor der TU Bergakademie in einer Ansprache sagte, sind derzeit unter den 5600 Studenten seiner Uni rund 800 Ausländer. „Bis zum Jahr 2020 wird dieser Anteil auf 20 bis 25 Prozent steigen“, sagte Bernd Meyer weiter. Der Wohlstand Deutschlands hänge von internationaler Zusammenarbeit ab, erklärte der Professor.

Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) erinnerte an die friedliche Revolution in Deutschland. Fast 25 Jahre später gehöre es „leider zu den Spielregeln der Demokratie“, so das Stadtoberhaupt, „dass auch die NPD im Herzen unserer Stadt eine Versammlung abhalten darf.“

Gegen 17.45 Uhr waren in sechs Fahrzeugen – zwei davon mit Magdeburger Kennzeichen – rund zwei Dutzend NPD-Politiker und -Anhänger auf der anderen Seite des Platzes vorgefahren. Die wenigen Wortfetzen, die von den NPD-Landtagskandidaten durch den Wall aus lautstarker Ablehnung drangen, waren eher Beschimpfung als Werbung. Die Versammelten, zu denen Kinder, Jugendliche und Rentner ebenso gehörten wie Bundestags- und Landtagsmitglieder, Stadträte und Normalbürger, seien „Pöbel“, „Gammel-Punker“ und „ewige Studenten“, ereiferte sich ein Redner.