Archiv für Februar 2015

Hitlers Bomber und das KZ Freiberg

erschienen in Freie Presse vom 18. Februar 2015

1000 jüdische Frauen aus Auschwitz bauten ab Sommer 1944 in Freiberg an einer „Wunderwaffe“ der Nazis. Ein Freiberger Historiker dokumentiert die ergreifenden Schicksale der Häftlinge – und welche enorme Bedeutung die sächsische Kleinstadt noch kurz vor Kriegsende für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie bekam.

Von Oliver Hach

Freiberg. Mehr als 300 Meter lang war er einst, der rote Backsteinbau hinter dem Landratsamt. Doch im Sommer 2011 kamen die Abrissbagger. Mit Fördermitteln aus Brüssel wurde gründlich aufgeräumt. Es verschwand ein großer Teil der gigantischen Industrieruine, mit der man nichts mehr anfangen konnte. Geblieben sind Parkplätze, Grünland und eine Info-Tafel zum „Teilabbruch des alten Porzellanwerkes Frauensteiner Straße in Freiberg“. Darauf der Hinweis: „Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung. Investition in Ihre Zukunft“.

Michael Düsing hat auch investiert: in die Bewahrung der Vergangenheit. Dass weiter erinnert wird an das, was man von diesem Ort wissen muss. Unter einem trüben Winterhimmel steht er vor einer Fassade aus bröckelndem Mauerwerk und zerbrochenen Fensterscheiben. Wo sie endet, schloss sich einst ein weiterer Gebäudeflügel an. Dort bauten vor 70 Jahren jüdische Frauen an Hitlers „Wunderwaffe“.

Im Sommer 1943 toben schwere Luftkämpfe über Deutschland. Immer mehr Städte werden von englischen und amerikanischen Bombern angegriffen. Die deutsche Luftwaffenführung erhöht den Druck auf die Rüstungsindustrie. Die Produktion von Jagdflugzeugen und Bombern soll massiv gesteigert werden, zugleich werden gefährdete Fertigungsstandorte in vermeintlich sichere Gebiete verlegt.

Von strategischer Bedeutung sind dabei die Arado-Flugzeugwerke mit Sitz in Potsdam-Babelsberg, die den ersten strahlgetriebenen Bomber der Welt liefern. Die Düsenjets des Typs Ar 234 werden von Rüstungsminister Albert Speer in einer Rangfolge der Dringlichkeit an zweiter Stelle gelistet – noch vor den von der NS-Propaganda gefeierten V-2-Raketen. Doch die wichtigsten Produktionsstandorte in Brandenburg-Neuendorf und in Wittenberg gelten nicht mehr als sicher. (mehr…)

Unbekannte werfen Böller auf Asylbewerberheim

Freie Presse vom 14. Februar 2015

Freiberg (dpa/sn) – Bei einer Böller-Attacke auf ein Asylbewerberwohnheim in Freiberg ist ein Bewohner leicht verletzt worden. Wie die Chemnitzer Polizei mitteilte, erlitt er in der Nacht zum Samstag ein Knalltrauma. Welche Art von Pyrotechnik die unbekannten Täter verwendeten, müssten die Ermittlungen klären, hieß es. Auch die Höhe des Sachschadens blieb zunächst unklar. In unmittelbarer Nähe des Tatortes wurden zwei Männer beobachtet, die mit einem Auto davonfuhren. Ob sie etwas mit der Attacke zu tun hatten, ist bisher nicht bekannt. Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei hat die Ermittlungen übernommen, war jedoch für Nachfragen zunächst nicht erreichbar. Das OAZ untersucht alle Straftaten mit extremistischem Hintergrund im Freistaat.