Archiv für Mai 2015

Pegida liefert sich Bruderstreit in Freiberg

erschienen in Freie Presse vom 25. April 2015

In der Kreisstadt gibt es plötzlich zwei Ableger der Bewegung: Freigida und Pegida Freiberg. Sie wollen beide im Mai in der Stadt demonstrieren – auch gegeneinander.

Freiberg. Die Verwirrung im sozialen Netzwerk Facebook war groß: „Wer denn nun, was denn nun, wo denn nun?“, fragte ein Nutzer auf der Seite von Freigida. Die bisher virtuelle Freiberger Bewegung, die seit Anfang des Jahres den Frust vieler Bürger im Netz artikulieren möchte, hat nach wie vor viele Unterstützer. Rund 1300 waren es gestern. Doch Freigida hat Konkurrenz bekommen. Seit dieser Woche existiert auch Pegida Freiberg.

Bald könnte es zu einem Aufeinandertreffen der beiden Gruppen kommen: Freigida gegen Pegida Freiberg. Denn gemeinsam mit anderen Unterstützern will Pegida Freiberg am 11. Mai um 18.30 Uhr in der Bergstadt demonstrieren. Wo genau die Demonstration lang ziehen wird, ist noch nicht final geklärt. Am Montag wollen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben das Gespräch mit dem Landratsamt suchen. Und auch Freigida hat vor, an jenem Montag in Freiberg Präsenz zu zeigen: „Ich überlege, ob wir eine Gegendemo organisieren“, sagte der Gründer der Gruppe der „Freien Presse“. Er wolle gegen die andere Truppe ein Zeichen setzen.

Freigida-Gründer distanziert sich

Zwischen Pegida Freiberg und Freigida tobt nicht weniger als ein Richtungsstreit. Beide beanspruchen für sich, vom Dresdner Team um Pegida-Kopf Lutz Bachmann autorisiert zu sein. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen den beiden Gruppen: Pegida Freiberg teilt die Ziele der Ursprungsbewegung aus Dresden: Die Kritik an der Asylpolitik gehört zum Markenkern.

Freigida will sich damit aber nicht länger gemein machen, beteuert der Initiator gegenüber der „Freien Presse“. Der 29-Jährige, der Freigida aus der Taufe gehoben habe, möchte seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Sein Berufsleben soll nicht unter seinem Engagement bei Freigida leiden. Dennoch möchte er den Ruf von Freigida verteidigen.

Die Hintermänner von Pegida Freiberg hätten seine Gruppe übernehmen wollen, sagt er. Treibende Kraft dabei sei Steffen Musolt gewesen, der auch federführend bei Pegida Chemnitz-Erzgebirge mitwirkt und kurz auch bei Freigida dabei war. Musolt hatte zeitweise am Facebook-Auftritt von Freigida mitgearbeitet. Allerdings teilt der Freigida-Chef nach eigener Aussage die Ansichten der Chemnitzer Bewegung nicht. Er habe doch sogar einmal ein Parteibuch der Linken gehabt.

Die Asylpolitik sei für ihn nur noch ein Randthema, sagt der Freigida-Gründer. Er sei früher zeitweise Parteimitglied der Linken gewesen. Die teils scharfen Kommentare gegen Ausländer, die auch auf der Freigida-Seite bei Facebook zu lesen waren, lehne er ab: „Es sind Sachen dabei, wo ich brechen könnte.“

Ihm gehe es vielmehr darum, dass die Politik Sorgen der Bürger nicht genügend ernst nehme. Am liebsten will er eine Interessengemeinschaft gründen, die sich kommunalpolitisch in Freiberg engagiert. Er hat deswegen auch den Dialog mit der Stadt gesucht. Rund 20 Unterstützer will er um sich geschart haben.

Gespräch mit OB Schramm

Zweimal hat der Freigida-Kopf Freibergs Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) zum Gespräch getroffen – einmal davon im Rathaus. Dabei sprachen sie über verschiedene kommunale Themen – beispielsweise das Sicherheitsgefühl der Einwohner, wie der OB bestätigt. Schramm ist es aber wichtig zu betonen, dass seine Ablehnung der Pegida-Idee nach wie vor aktuell ist. Der Freigida-Gründer habe sich ihm gegenüber von ausländerfeindlicher Stimmungsmache und den Zielen von Pegida distanziert.

Die Konkurrenz von Pegida Freiberg will sich zu den Äußerungen der früheren Mitstreiter von Freigida eigentlich nicht äußern. Steffen Musolt, der sich als „Geburtshelfer“ der Freiberger Pegida sieht, bezeichnet die Vorwürfe als „vollkommenen Schwachsinn“. „Ich möchte nur vereinen“, sagt der 68-Jährige. „Wir werden den Teufel tun, etwas gegen Freigida zu machen.“