Asylheime: Verdacht auf weiteren Sprengsatz

erschienen in Freie Presse vom 23. Juni 2013

Auf ein Freiberger Heim und eine Unterkunft in Brand-Erbisdorf wurden Anschläge verübt. Jetzt prüft die Polizei, ob es einen Zusammenhang gibt.

Von Kai Kollenberg

Freiberg – Nachdem sich die Pyro-Attacke auf das Freiberger Asylbewerberheim am 13. Februar als Sprengstoffanschlag herausgestellt hat, untersucht die Polizei nun einen weiteren Angriff: Die Ermittler
überprüfen einen Zusammenhang zwischen der Tat in Freiberg und einem Vorfall vom 31. Dezember 2014 in Brand-Erbisdorf. Dies bestätigte eine Sprecherin gestern auf Anfrage der „Freien Presse“.

Am Silvestertag gegen 3 Uhr hatte eine nach bisherigen Erkenntnissen selbstgebaute Pyrotechnik zwei Fensterscheiben zu Bruch gehen lassen. Dabei wurden aber keine Bewohner der Einrichtung verletzt. Das Operative Abwehrzentrum in Leipzig, das bei Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte die Polizeiarbeit übernimmt, geht aktuell dem Verdacht nach, dass es sich dabei auch um einen ähnlichen Sprengsatz wie in Freiberg gehandelt haben könnte. Details wollte die Sprecherin mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen gestern nicht nennen. Dass bei der Attacke auf das Freiberger Heim Sprengstoff im Spiel war, hat auch in der Landeshauptstadt Bestürzung ausgelöst. „Es ist unerträglich, wenn Menschen, die vor Terror auf der Welt geflohen sind, nun in sächsischen Unterkünften erneut in Angst und Schrecken versetzt werden“, sagte der sächsische Ausländerbeauftragte, Geert Mackenroth (CDU), der „Freien Presse“. „Die erhöhte Aggressivität macht mir Sorgen, dennoch vertraue ich auf die Aufklärung durch unsere Polizeikräfte“, fügte Mackenroth hinzu.

Der Betreiber der Asylbewerberheime in Freiberg hat mittlerweile auf die Vorfälle in und um die Flüchtlingsheime reagiert: Die Campanet GmbH sucht weitere Sozialbetreuer für die Gemeinschaftsunterkünfte.
Zuletzt war es innerhalb von kurzer Zeit auch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern gekommen. Erst am Donnerstagnachmittag hatte die Polizei wieder eingreifen müssen. Mehrere Flüchtlinge hatten sich in Freiberg auf offener Straße geprügelt.

Mit Zaunlatten und Metallstäben gingen zwei Gruppen von Kosovaren, bei denen es sich nach Informationen der „Freien Presse“ um rivalisierende Familien handeln soll, an der Chemnitzer Straße aufeinander los. Ein 46-Jähriger wurde verletzt. Noch am selben Tag nahm die Polizei vier Tatverdächtige fest. Die 18, 19, 20 und 46 Jahre alten Männer sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Eine Polizeisprecherin verneinte einen Zusammenhang zur Messerstecherei am 9. Juni im Heim an der Chemnitzer Straße, bei der ein Inder lebensgefährlich verletzt wurde.

Die Situation hat auch das Landratsamt auf den Plan gerufen. Steffen Kräher, Leiter der Abteilung Ordnung und Sicherheit, bestätigte, dass die Anzahl der Betreuer in allen Asylbewerberheimen erhöht werden soll. Die Stadt Freiberg will zudem über Konsequenzen bei der Heimbetreuung beraten. Das teilte Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) mit.

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