5000 Menschen demonstrieren in Plauen – Teilnehmerzahl verdoppelt

Anmerkung des Antifa Infoportal: Die Neonazipartei „Der III. Weg“, die sich maßgeblich aus ehemaligen Mitgliedern des Freies Netz Süd und der RNJ Vogtland rekrutiert, ist im Zuge der Proteste gegen Asylunterkünfte in der letzten Zeit sehr aktiv. So verteilten u.a. am 25. September ca. 15 Personen aus vier Autos heraus Flugblätter in Freiberg. Dabei kam es auch zu einem gewalttätigen Übergriff auf eine vermeintlich linke Person.

erschienen in Freie Presse vom 4. Oktober 2015

Rund 5000 Personen sind gestern in Plauen einem Aufruf der Gruppe „Wir sind Deutschland“ auf den Altmarkt gefolgt. Freitagabend hatten in der Stadt bereits die rechtsradikale Partei Der dritte Weg sowie der Runde Tisch Veranstaltungen abgehalten.

Von Elsa Middeke und Gunter Niehus

Plauen. Das junge Pärchen lässt den Blick über die Menschenmenge auf dem Plauener Altmarkt schweifen. „Das bringt sicher mehr als so eine NPD-Veranstaltung“, sagt der 27-jährige Plauener. „Ich bin sicher, dass das hier nicht alles Rechte sind.“ Er und seine 25-jährige Freundin zählen sich jedenfalls nicht zu diesem Lager. Die beiden wollten selber hören, was die sechs Redner zu sagen hatten, die gestern zwischen 17 und 18 Uhr auf der dritten Veranstaltung der Gruppe „Wir sind Deutschland“ sprachen.

Die 5000 Teilnehmer – mehr als doppelt so viele wie am vergangenen Sonntag – konnten einer bunten Mischung an Themen lauschen. Es ging um Kritik an dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP, den Islam sowie um die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Doch im Mittelpunkt der Beiträge stand der Zuzug von Asylbewerbern in die Region. Redner Nummer eins, Norman Rauh – nach Angaben der Veranstalter Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma – berichtete von angeblichen Diebstählen und Gewaltdelikten durch Ausländer. Er warf der Polizei vor, bei diesen Verbrechen nicht entschlossen genug zu ermitteln.

Auch soziale Themen wie Vogtländer, die zu ihrer Rente eine Grundsicherung beziehen, wurden am Rednerpult angesprochen. Zwei ältere Damen mit Kinderwagen nicken dazu. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Alter noch mal auf die Straße gehe“, sagt die eine. Die Stimmung erinnere sie an 1989. Die Plauener hätten auch damals etwas verändern wollen.

Die Redner schlugen meist einen scharfen Ton an. Populistische Pauschalverurteilungen gegen Flüchtlinge blieben jedoch die Ausnahme. Dies war am vergangenen Sonntag bei der Rede der 24-jährigen Altenpflegerin Conny Arnold völlig anders gewesen. Nach dieser hatten einige Menschen in Plauen die Behauptung von Veranstalter Michael Oheim – man stehe in der Mitte und nicht rechts – in Zweifel gezogen. „Das war nur die Privatmeinung von Conny Arnold“, kommentierte dies Michael Oheim gestern. „Wir gehen nicht konform mit jeder Meinung.“ Mehr wolle er nicht dazu sagen.

Dass Arnold noch einmal spricht, ist übrigens unwahrscheinlich. Es meldeten sich mehr Redner, als ins gestrige Zeitfenster passten, wie Mit-Organisatorin Anja Gottsmann sagte. „Wir haben unsere Liste für nächsten Sonntag schon gut gefüllt.“

Bereits am Freitag hatten in der Plauener Innenstadt die rechtsradikale Partei Der dritte Weg mit etwa 100 Teilnehmern sowie der Runde Tisch, zirka 60 Personen, demonstriert. Alle drei Veranstaltungen verliefen nach Polizeiangaben friedlich.

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