Fremdenfeinde in Freiberg


Herzlichen Glückwunsch, die „weltoffene“ Stadt Freiberg hat es mal wieder in die überregionalen Medien geschafft! Anlass ist das dumpfe Treiben der autochtonen Bevölkerung, sie hatte sich auf Anraten des lokalen Pegida-Ablegers „Freigida“ am Sonntag zum erneuten Male am Bahnhof versammelt um ankommende Flüchtlinge mit einer Hasstirade zu empfangen, damit niemand auf den Gedanken käme, es gebe in dieser Stadt einen Grund zu bleiben. Die 400 Fremdenfeinde versuchten außerdem, abfahrende Sonderbusse zu blockieren, sodass die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen musste. Es wurden acht Strafanzeigen gestellt. Ironie der Geschichte: Im bornierten Affekt war den Freibergern noch nichteinmal aufgefallen, dass die Asylsuchenden gar nicht in der Stadt untergebracht werden sollten, sondern von dort auf andere sächsische Städte verteilt. Aber der Fremdenfeind hasst Flüchtlinge eben pauschal und auch ohne realen oder projizierten Anlass.

Bilder: https://www.flickr.com/photos/mf-art

MDR-Beitrag: http://m.mdr.de/mediathek/fernsehen

Die Presse berichtet:

Aufgeheizte Stimmung bei Ankunft von Flüchtlingszug in Freiberg

erschienen in Freie Presse vom 25. Oktober 2015

Freiberg. Vor der Ankunft des Flüchtlingszuges in Freiberg haben sich zahlreiche Demonstranten und Gegendemonstranten sowie Schaulustige versammelt. Die Stimmung zwischen den rund 100 Menschen aus dem offensichtlich rechten Lager und den rund 60 Asylbefürwortern ist aufgeheizt. Bislang kam es nur zu verbalen Auseinandersetzungen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort und hat Einsatzfahrzeuge zwischen den Lagern postiert.

Nach Recherchen der „Freien Presse“ soll es sich bei den ankommenden Asylbewerbern um weniger als 700 handeln. Diese sollen nicht in Freiberg oder Mittelsachsen verbleiben, sondern umgehend weiter nach Leipzig und Dresden transportiert werden.

UPDATE 18:58 Uhr: Auf dem Bahnhof in Freiberg bestand eben die große Gefahr, dass die Lage eskaliert. Schätzungen zufolge haben sich dort knapp 300 Demonstranten versammelt. Die Polizei trennt das große rechte Lager von knapp 50 Asylbefürwortern. Der Flüchtlingszug hatte kurz vor 18 Uhr den Bahnhof erreicht. Seitdem werden die Flüchtlinge abteilweise abgeholt und auf Busse aufgeteilt, die offensichtlich nach Dresden und Leipzig befördert werden. Eine Sitzblockade hatte die Polizei vor dem Bahnhof auflösen können. Recherchen der „Freien Presse“ zufolge wurde jetzt Verstärkung angefordert. Im Einsatz sind auch eine Reihe von Rettungswagen, weil im Zug selbst mehrere medizinische Notfälle behandelt werden müssen.

UPDATE 20:43 Uhr: Bis 19.30 Uhr gab es laut Polizeihauptkommissar Göbel, der als Einsatzleiter fungierte, keine Festnahmen und keine Verletzten. Allerdings spitzte sich die Situation spürbar zu. Eine weitere Hundertschaft der Polizei war angefordert, um die Lage im Griff zu behalten. Dem Vernehmen nach soll die Polizei Pfefferspray eingesetzt haben, um Sitzblockaden aufzulösen. Dies bestätigte der Einsatzleiter jedoch nicht. Er kündigte ein offizielles Statement für Montag an.

Unterdessen kümmerte sich ein Großaufgebot an Rettungssanitätern und Ärzten um medizinische Notfälle im Zug. Eine Mutter von drei jugendlichen Kindern musste im Rettungswagen versorgt werden. Sie bekam eine Infusion. Einem vier Monate alten Baby ging es so schlecht, dass extra in einem Zugabteil eine provisorische Krankenstation eingerichtet wurde. Eine junge schwangere Frau verzog schmerzhaft das Gesicht. Sie kam auf eine Trage, wurde in warme Decken gehüllt und wurde in einen Krankenwagen verlegt. „Wir entscheiden jeweils im Einzelfall, ob wir die Kranken mit dem Bus mitfahren lassen können oder ob sie ins Krankenhaus gebracht werden müssen“, sagte Jana Lützner, Referatsleiterin Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz im Landratsamt. Auch das Team von zunächst rund 25 DRK-Helfern musste aufgestockt werden – um die Ankommenden zu versorgen, aber auch wegen der explosiven Lage vor dem Bahnhof. Ein Führungsstab für die Sanitäter wurde spontan vor Ort gebildet, um eine handlungsfähige Einsatzgruppe aufzubauen. Mit dieser Dimension habe man zunächst nicht gerechnet, sagte Lützner.

Bei der Ankunft des ersten Sonderzuges am 11. Oktober in Freiberg hatten lediglich Dutzende Schaulustige vorm Bahnhof gestanden. Die Szene blieb weitgehend friedlich. Davon konnte am Sonntagabend keine Rede mehr sein. (bk/hh)

Sitzblockaden vor Flüchtlingsbussen in Freiberg – Drei Polizisten verletzt

erschienen in Freie Presse vom 26. Oktober 2015

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei gestern Abend die Ankunft von etwa 700 Flüchtlingen am Freiberger Bahnhof abgesichert. Etwa 400 Asylgegner und rund 50 Befürworter der Willkommenskultur galt es, im Zaum zu halten.

Von Kerstin Blossey und Heike Hubricht

Freiberg. Die Ankunft des zweiten Sonderzuges mit Flüchtlingen hat gestern Abend rund um den Freiberger Bahnhof für einen Ausnahmezustand gesorgt. Mehrere Stunden lang mussten rund 200 Einsatzkräfte von Landes- und Bundespolizei zwei gegnerische Gruppierungen voneinander trennen, um tätliche Auseinandersetzungen zu verhindern.

Außerdem galt es, Sitzblockaden aufzulösen, die Asylgegner immer wieder bildeten, um die Abfahrt der Sonderbusse zu verhindern, die die Flüchtlinge nach Dresden und Leipzig bringen sollten. Dabei mussten die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben unmittelbaren Zwang anwenden, in einem Fall Pfefferspray und Winkelschlagstock einsetzen. Drei Polizisten wurden verletzt.

Da Angriffe auf die im Verlaufe der Abendstunden insgesamt 13 mit Flüchtlingen besetzten Busse nicht ausgeschlossen werden konnten, begleitete die Polizei die Busse aus Freiberg heraus. Dabei wurden die Konvois aus Bussen, Polizei- sowie DRK-Fahrzeugen beworfen. Ein Polizeifahrzeug wurde beschädigt. Die Polizei erstellte nach eigenen Angaben acht Strafanzeigen, u.a. wegen Beleidigung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.

Der Sonderzug war kurz nach 18 Uhr aus Richtung Dresden eingefahren. In den Abteilen saßen etwa 700 Flüchtlinge. Alleinreisende junge Männer ebenso wie Familien mit Kindern. Einige von ihnen trugen kleine Rucksäcke, andere Plastetüten, manche kamen völlig ohne Gepäck. „Wir sind aus Syrien, aus Damaskus“, sagte ein junger Mann. Ein Älterer zeigte auf seinen Mund und signalisierte, dass er Durst habe. Laut einer Vertreterin der Landesdirektion hätten die Flüchtlinge im Zug Wasser bekommen. In ihren Unterkünften würden sie wieder versorgt.

In Freiberg sollten keine der Ankommenden bleiben, auch in Mittelsachsen nicht, sagte Steffen Kräher, Abteilungsleiter beim Landratsamt.
Die Gruppe der Asylbefürworter winkte den Flüchtlingen zu.

Etwa 50 Befürworter der Willkommenskultur hatten ihre Demonstration bei der Behörde offiziell angemeldet und auch einen Versammlungsleiter gestellt. Das war bei der Gegenseite nicht der Fall, betonte Steffen Kräher. Diese Gruppe, der offensichtlich Rechtsorientierte angehörten, aber auch Asylgegner aus der Bürgerschaft, wuchs stündlich an. Zuletzt war von etwa 400 Menschen die Rede. Mit Rufen „Ausländer raus“ und „Wir sind das Volk“ brachten sie ihre Meinung zum Ausdruck. Die Asylbefürworter hingegen riefen auf Englisch „Refuges welcome“ („Flüchtlinge willkommen“). Ein Busfahrer aus Düsseldorf betrachtete das Treiben kopfschüttelnd: „Erst standen die Leute mit Plüschtieren für die Flüchtlingskinder an den Bahnhöfen, jetzt so was“, sagte er.

Unterdessen kümmerte sich ein Großaufgebot an Rettungssanitätern und Ärzten um medizinische Notfälle im Zug. Eine Mutter von drei jugendlichen Kindern musste im Rettungswagen versorgt werden. Sie bekam eine Infusion. Einem vier Monate alten Baby ging es so schlecht, dass extra in einem Zugabteil eine provisorische Krankenstation eingerichtet wurde. Eine junge schwangere Frau verzog schmerzhaft das Gesicht. Sie kam auf eine Trage, wurde in warme Decken gehüllt und wurde in einen Krankenwagen verlegt. „Wir entscheiden jeweils im Einzelfall, ob wir die Kranken mit dem Bus mitfahren lassen können oder ob sie ins Krankenhaus gebracht werden müssen“, sagte Jana Lützner, Referatsleiterin Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz im Landratsamt. Auch das Team von zunächst rund 25 DRK-Helfern musste aufgestockt werden – um die Ankommenden zu versorgen, aber auch wegen der explosiven Lage vor dem Bahnhof. Ein Führungsstab für die Sanitäter wurde spontan vor Ort gebildet, um eine handlungsfähige Einsatzgruppe aufzubauen. Mit dieser Dimension habe man zunächst nicht gerechnet, sagte Lützner.

Bei der Ankunft des ersten Sonderzuges am 11. Oktober in Freiberg hatten lediglich Dutzende Schaulustige vorm Bahnhof gestanden. Die Szene blieb weitgehend friedlich. Davon konnte gestern keine Rede mehr sein.

Einen Tag nach den Protesten gegen ankommende Flüchtlinge am Freiberger Bahnhof hat sich dort die Situation wieder normalisiert. „Die Lage ist ruhig“, sagte eine Polizeisprecherin am Montag.

Polizei muss Flüchtlinge schützen

erschienen bei tagesschau.de am 26. Oktober 2015

Hunderte Menschen haben im sächsischen Freiberg Busse mit durchreisenden Flüchtlingen angegriffen. Die Polizei musste diese mit einem Großaufgebot schützen. Sie sollten von Bayern aus auf Unterkünfte in Sachsen verteilt werden.

Im sächsischen Freiberg hat ein Großaufgebot der Polizei etwa 700 Flüchtlinge vor rund 400 Demonstranten schützen müssen. Diese bewarfen nach Angaben der Polizei einen Konvoi aus 13 mit Flüchtlingen besetzten Bussen sowie Fahrzeugen des Deutschen Roten Kreuzes und der Polizei mit Böllern und Lebensmitteln. Drei Beamte wurden bei den Krawallen im Verlauf des Abends verletzt.

Die Demonstranten hatten sich Sonntagabend am Bahnhof versammelt, wo ein Zug mit Flüchtlingen angekommen war. Mit mehreren Blockaden versuchten sie, die Abfahrt der Busse zu verhindern, in die die Flüchtlinge in Freiberg umgestiegen waren. Laut der Polizei waren die mehr als 700 Flüchtlinge aus Bayern mit dem Zug nach Freiberg gebracht worden und sollten von den Behörden mit Bussen in Sachsen weiter verteilt werden.

Bei der Abfahrt aus Freiberg wurde der Konvoi dann angegriffen. Die Polizei musste Blockaden räumen und dafür in einem Fall auch Pfefferspray und einen Schlagstock benutzen. Etwa 200 Beamte waren im Einsatz. Acht Strafanzeigen wurden gestellt.

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