Warum ist in Freiberg die Stimmung gegen Flüchtlinge gekippt?

erschienen auf MDR INFO

Freiberg macht zurzeit überregional negative Schlagzeilen. In der Stadt haben am Sonntagabend rund 400 zum Teil rechtsextreme Asyl-Gegner versucht, die Weiterreise von Flüchtlingen zu verhindern – aggressiv und aufgeheizt. Am Bahnhof bewarfen sie Polizei- und DRK-Autos. Drei Polizisten wurden verletzt, eine Scheibe ging zu Bruch. Nun diskutiert Freiberg, wie es dazu kommen konnte. Unser Reporter ist nach Freiberg gefahren.

von André Seifert

Nicht nur Touristen und Studenten, auch Syrer, Afghanen, Eritreer oder Iraker bummeln in diesen Tagen durch das Freiberger Stadtzentrum. Es herrscht ziemlich viel Leben in der Stadt. Doch nicht alle Freiberger kommen mit so vielen Fremden klar. „Ich würde sagen, es müsste auch mehr Polizei präsent sein. Ich war mal abends zum Einkaufen, es ist ja richtig gefährlich als alter Mann abends auf die Straße zu gehen, die Angst ist unter den Leuten auch da.“ Passiert ist dem Rentner allerdings noch nichts, so erzählt er etwas später. Ein Ehepaar, das gerade aus einem Gemüseladen kommt, kann diese Angst dagegen nicht nachvollziehen. „Die waren alle freundlich, auch gestern, da bin ich mit dem Kleinen vorbei und die hatten auch ein kleines Kind. Man braucht ja nur mal in die Schweiz zu gucken, wie hoch dort der Ausländeranteil ist – da haben wir hier ja eher ein Bruchteil.“ – „Auch in den alten Bundesländern ist der ja wesentlich höher als hier.“ So weit die Stimmen der Passanten.

Ausländer-Straftaten als Stimmungs-Aufheizer

Über 1.000 Asylbewerber hat Freiberg zurzeit aufgenommen. Hinzu kommt, dass am Bahnhof der Stadt regelmäßig Flüchtlinge in Bussen und Zügen ankommen und in andere Städte verteilt werden. Am Sonntagabend eskalierte die Lage: Rund 400 Demonstranten, darunter auch Personen aus der rechten Szene, bewarfen Flüchtlingsbusse und versuchten die Weiterreise mit einer Sitzblockade zu verhindern. Warum sich die Stimmung derartig aufheizte, dafür versucht Oberbürgermeister Sven Krüger, SPD, eine Erklärung: Straftaten, verübt von Ausländern. „Es hat aber insbesondere in den letzten Wochen Vorfälle gegeben, die die Bürger in unserer Stadt mit Recht beunruhigen. Es hat diesen bewaffneten Überfall auf einen Nettomarkt gegeben, der Täter hat mit einer Machete der Verkäuferin angedroht, ihr den Kopf abzuschlagen. Es hat einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Einfamilienhaus gegeben, wo ein Rentner-Ehepaar mit vorgehaltener Waffe in Schach gehalten wurden, während zwei andere nach Zeugenaussagen arabisch sprechende Täter das Haus ausgeräumt haben. Und das sind Dinge, die negativ dazu kommen.“

Der Überfall mit der Machete hatte im September für Aufsehen gesorgt. Ein Mann aus Libyen drohte dabei den Supermarktmitarbeitern mit einer „Kopf-Abschneide-Geste“. Polizeisprecherin Jana Kindt sagt dazu: „Wir müssen immer wieder feststellen, dass wir es mit ein und denselben wenigen Tatverdächtigen zu tun haben, die uns als „Intensivtäter“ beschäftigen und das zeigt auch dieser Fall in Freiberg, nämlich der sogenannte Machetenmann, der den Überfall auf den Nettomarkt begangen hat.“

Stadtoberhaupt Krüger verurteilt Vorfälle

Für Volkmar Elstner vom „Arbeitskreis Ausländer und Asyl Freiberg“ ist das kein Grund, Flüchtlinge nun unter Generalverdacht zu stellen, so wie es die Demonstranten am Sonntagabend am Bahnhof getan haben: „Das sind eben schwarze Schafe, diese fünf Prozent, die daneben schlagen, aber das ist doch nicht die Masse. Die Masse ist gewillt, sich zu integrieren, das sehen Sie doch an der regen Teilnahme im Deutschkurs. Das fruchtet doch langsam. Dass das nicht von heute auf morgen geht, das leuchtet doch allen ein.“ Auch Oberbürgermeister Sven Krüger verurteilt die Vorfälle vom Sonntagabend am Freiberger Bahnhof scharf. Gewalt gegen Flüchtlinge sei ein völlig falsches Signal, so das Stadtoberhaupt. Offen ist noch, ob auch in Zukunft Flüchtlingszüge und -Busse in Freiberg Station machen werden.

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