Uni ahndet Hessenkemper-Rede nicht

erschienen in Freie Presse vom 17. November 2015

Die Bergakademie nimmt von dienstrechtlichen Schritten nach den umstrittenen Äußerungen des Professors Abstand. Gleichwohl will Rektor Klaus-Dieter Barbknecht nun ein Zeichen setzen.

Von Kai Kollenberg

Freiberg. Die Resonanz auf die Rede von Heiko Hessenkemper war groß. Nicht nur, weil der AfD-Kreisrat auf einer Demonstration zum Thema „Asylchaos stoppen“ in Freiberg vor rund zwei Wochen von „Umvolkung“ und „Problemen mit der nationalen Identität“ gesprochen hatte. Die Debatte wurde vor allem von der Frage bestimmt, ob Hessenkemper als Professor der TU Bergakademie sich so äußern dürfte und ob die Hochschule nun Konsequenzen ziehen müsste. Die Uni kündigte deswegen an, sie wolle den Vorfall untersuchen. Das ist mittlerweile geschehen. Das Ergebnis: Konsequenzen für Hessenkemper wird es nicht geben.

„Wir haben die Rede geprüft“, hieß von Seiten der Bergakademie auf Anfrage der „Freien Presse“. Herr Hessenkemper habe aber an keiner Stelle den Bezug zur Bergakademie hergestellt. Deswegen könne die Universität nicht dienstrechtlich aktiv werden. „Herr Hessenkemper hat seine Meinung als Privatperson geäußert“, so die Uni.

Vor allem die Unterstützer Hessenkempers dürften diese Entscheidung mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Sie hatten in den vergangenen Tagen in Online-Kommentaren auf der Internetseite der „Freien Presse“ die Forderung nach disziplinarischen Maßnahmen für Hessenkemper deutlich kritisiert. „Herr Hessenkemper war wohl der Auffassung, noch immer in einem freiheitlichen Land zu leben, in dem die Grenzen der Meinungsfreiheit durch das Strafrecht gesetzt sind“, hieß es sarkastisch in einem Beitrag. Oder: „Wieder ein schönes Beispiel gelebter Demokratie in Deutschland im Jahre 2015″.

Auch in Leserbriefen an die „Freien Presse“ in Freiberg äußerten viele Unverständnis. So schrieb beispielsweise Hartmut Gierth aus Freiberg: „Professor Hessenkemper ist aber dort nicht in seiner Funktion als Hochschullehrer der TU Bergakademie aufgetreten, sondern als gewählter Kreisrat der AfD … Natürlich ist er vor seiner Rede vom Veranstaltungsleiter als Lehrer der Bergakademie vorgestellt worden wie eben auch die übrigen Redner mit ihrer jeweiligen Tätigkeit.“

Gleichwohl will die Hochschule die Debatten der vergangenen Tage nicht auf sich beruhen lassen. Denn auch der Studentenrat hat über den Auftritt von Hessenkemper beraten: Sie befürchteten, „dass sich die politische Meinung eines Lehrenden in seiner Lehre widerspiegeln könnte, welche möglicherweise ebenfalls Grundwerten der Universität widersprechen könnte“, teilten die Studenten danach mit. Rektor Klaus-Dieter Barbknecht möchte nun die Internationalität der Bergakademie noch stärker bei öffentlichen Auftritten betonen, als er es ohnehin schon tut. Nach der AfD-Demonstration hatte er im Gespräch mit ausländischen Studenten gesagt: „Wir als Universität leben Weltoffenheit und Toleranz vor.“ Auch bei seiner Festrede am Samstag anlässlich der 250-Jahr-Feier in der Freiberger Nikolaikirche werde Barbknecht das Thema Internationalität ansprechen, hieß es von Seiten der Universität auf Anfrage der „Freien Presse“.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter