Gegen Politik, Medien und „Mitläufer“

erschienen in Freie Presse vom 21. Januar 2017

Der AfD-Kandidat für die kommende Bundestagswahl ruft bei seinem Wahlkampfauftakt zum Widerstand auf. Sein Slogan lautet „Unser Deutschland zuerst“.

Von Kai Kollenberg

Holzhau/Freiberg – Mehr als eine Stunde redet Heiko Hessenkemper. Immer wieder kommt der AfD-Politiker am Donnerstagabend auf seine Kernbotschaft zurück. „Ich möchte Sie zu Aktivitäten, zu Widerständen aufrufen“, sagt er den über 100 Personen – die Partei selbst spricht von 130 Gästen – im Saal eines Holzhauer Hotels. Hierhin hatte Hessenkemper eingeladen, um auf den Bundestagswahlkampf einzustimmen. Eine Botschaft ist Hessenkemper dabei wichtig. Verkürzt gesagt, lautet die Formel: Wir gegen die.

Wer dieses „Wir“ ist, wird in seinen Ausführungen deutlich: Die AfD, Bürger, die sich nicht mehr von Politik und „Mainstream-Medien“ gängeln lassen wollten, versteht er darunter. Diese Gruppe wolle es nicht mehr akzeptieren, dass die Merkel-Regierung ihre Asylpolitik fortsetzen dürfe.

Die Vorgänge in Clausnitz, bei denen eine Menschenmenge einen Flüchtlingsbus an der Fahrt zu den Asylunterkünften hinderte, sind für ihn ein politischer Akt. „Wir haben eine Bevölkerung gehabt, die sich intensiv gegen die Umvolkungsabsichten gewehrt hat“, sagt er. „Die Medien haben daraus ein Schlachtfest gemacht.“

Als Gegner skizziert Hessenkemper Politiker, die Flüchtlingen Geld geben, obwohl das in Regionen wie dem strukturschwachen Erzgebirge eingesetzt werden müsse, um Infrastruktur aufzubauen und Lebensbedingungen zu verbessern. Geld gebe es genügend im Lande, es müsse nur anders eingesetzt werden. Trotz der geschlossenen Balkanroute hätten im Jahr 2016 280.000 Personen Asyl in Deutschland gesucht. „Ich weiß nicht, aus welchen Löchern, die kommen“, so Hessenkemper.

„Unser Deutschland zuerst“ lautet der Wahlslogan des Wissenschaftlers an der Bergakademie Freiberg. Als weiteres Ziel nennt der Professor für Glas- und Emailtechnik eine Entbürokratisierung. Statt beim Landkreis Mittelsachsen das Zuviel an Personal abzubauen, würden jetzt zusätzlich noch Integrationsbeauftragte eingestellt – einen Teil der Kosten bestreite der Kreis. Bürokraten, die verhinderten, dass etwa auf der Rauschenbach-Talsperre im Sommer Ruderboote fahren dürfen, wie er es vorgeschlagen habe, sind dem AfD-Kandidaten ein Dorn im Auge.

Die Medien sind für Hessenkemper Teil des Problems. Personen, „von Medien zusammengeschlagen“, da sie vielleicht mit der AfD sympathisieren könnten, trauten sich nicht zu den Veranstaltungen seiner Partei. Den Vorfall in Clausnitz hätten Publizisten aufgebauscht, anderes – etwa Übergriffe von Linksextremen – würde dagegen nicht berichtet: „Die politisch-mediale Klasse ist unser Problem. Man muss sich schon überlegen, was macht man dagegen“, so der Spitzenkandidat. Um gleich die Lösung zu präsentieren: „Wehren Sie sich! Treiben Sie diese Klasse von der Macht weg mit Ihren Wahlzetteln!“

Hessenkemper, Jahrgang 1956, wird auch schärfer im Ton. Politiker nennt er „Polit-Prostituierte“. Polizisten, die negieren, dass durch die Asylpolitik die Kriminalität gestiegen sei, bezeichnet er als „Mitläufer“: „Ich weiß, was passiert, wenn wir mal an der Macht sind und das Innenministerium haben: Diese Mitläufer, die müssen wir kriegen.“

Nato-Mitgliedschaft, Niedrigzinspolitik, Euro, regenerative Energien: Zahlreiche Fragen richteten die großteils männlichen Gäste an den Referenten: Hessenkemper machte deutlich, dass seine Antworten teilweise durchaus vom offiziellen Parteiprogramm abwichen. So sei die intelligente Nutzung regenerativer Energie zusammen mit moderner Kernenergie denkbar. (mit grit)

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