Kopf-an-Kopf-Rennen bis zuletzt im Wahlkreis Mittelsachsen

erschienen in Freie Presse vom 25. September 2017

CDU-Frau Veronika Bellmann und AfD-Mann Heiko Hessenkemper liefern sich einen Kampf um das Direktmandat im Bundestag. Dass die Union schwächelt, hat nicht nur etwas mit dem Bundestrend zu tun.

Freiberg – Zieht Veronika Bellmann erneut für vier Jahre in den Bundestag ein? Diese Frage hat das politische Mittelsachsen in den vergangenen Monaten und Wochen bewegt. Bis Redaktionsschluss war allerdings nicht klar, ob ihr dies wirklich gelungen ist. Ein vorläufiges Endergebnis gab es vom Statistischen Landesamt für den Wahlkreis 161 noch nicht. Nach dem vorläufigen Ergebnis von 22.12 Uhr hatte sie 32,4 Prozent, Heiko Hessenkemper von der AfD 31,5 Prozent der Stimmen.

Klar war schon vorher, dass ein Durchmarsch, wie er Bellmann noch 2013 geglückt war, nicht wieder gelingen würde. Vor vier Jahren gab es im Wahlkreis noch klare Verhältnisse. Veronika Bellmann konnte damals mehr als jede zweite Stimme auf sich vereinen: 51,9 Prozent erhielt sie. Mehr als dreißig Prozentpunkte Vorsprung hatte sie damals zum Zweitplatzierten Lothar Schmidt von der Linken. Bellmann war die unumstößliche Kraft im Wahlkreis. Damals, und das muss man heute betonen, trat die AfD allerdings noch nicht mit einem eigenen Direktkandidaten an. Und die Flüchtlingskrise, die viele Mittelsachsen an der CDU zweifeln ließ, war noch nicht abzusehen.

In diesem Jahr war die Situation eine ganz andere. Die AfD hatte früh mit ihrem Wahlkampf begonnen. Ende Januar startete Heiko Hessenkemper seine Kampagne unter dem Motto „Unser Deutschland zuerst“. In den Monaten danach tourte er, unterstützt vom Kreisverband, regelmäßig mit Diskussionsveranstaltungen, Stammtischen und Bürgerdialogen durch den Wahlkreis. Erst beinahe wöchentlich, dann mit zunehmender Intensität. Hessenkemper und die AfD machten Wahlkampf, als die übrigen Parteien ihre Strategie suchten und mit der Planung ihrer Veranstaltungen beschäftigt waren. Die AfD war dauerpräsent. Das hinterließ Spuren.

Am Ende gab es selbst in der Union Stimmen, die nicht mehr ausschlossen, dass Hessenkemper das Direktmandat hole. Und so bangte Bellmann mit Parteifreunden und Weggefährten gestern Abend lange in der Alten Mühle in Wegefahrt. Man müsse das Ergebnis analysieren und auswerten, so CDU-Kreischef Sven Liebhauser. Hessenkemper selbst sagte bei der AfD-Wahlparty in der Wiesenmühle bei Mobendorf, er habe gute Chancen gehabt, über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, aber dass er Chancen auf das Direktmandat gehabt habe, sei eine „freudige Überraschung“ und wäre das „Sahnehäubchen“ gewesen. (kok/fhob/grit)

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