„Es geht ihm gut, dem Herrn Woidniok“

erschienen in Freie Presse vom 4. Dezember 2017

Abschiebe-Forderung des CDU-Politikers sorgt für weitere Proteste

Freiberg – Die starke Kritik zur Forderung von Jörg Woidniok, Chef der CDU/RBV-Kreistagsfraktion Mittelsachsen, Geflüchtete nach Syrien abzuschieben, hält an. „Es geht ihm gut, dem Herrn Woidniok. Er hat niemals Krieg erlebt, musste sich sicher auch von keinem Familienmitglied trennen und hat vielleicht auch nie ein traumatisches Erlebnis gehabt“, kommentierte Kornelia Metzing vom Arbeitskreis Ausländer und Asyl Freiberg. „Immer wieder treffen wir auf Kinder, die Bilder von Bomben abwerfenden Flugzeugen, toten Menschen und zerstörten Häusern malen. Hilfsorganisationen geben Standorte in Kriegsgebieten auf, da auch die Krankenhäuser zerstört werden. Und in Freiberg wohnen Menschen, denen Arme oder Beine fehlen. Sie kommen auf Krücken zu uns, die ihnen die Armbeugen wund reiben, und bekommen keinen Ersatz, der ihnen besser gerecht wird, oder andere Gehhilfen, obwohl dies technisch möglich wäre. Nach Herrn Woidnioks Meinung sollten sie in die Kriegsgebiete zurückgeschickt werden“, so die Freibergerin.

Aufgrund der aktuellen Nachrichten zum Syrienkonflikt könne sie sich nicht vorstellen, dass es dort in absehbarer Zeit möglich sein werde, „blühende Landschaften“ aufzubauen, schrieb Cornelia Hünert an „Freie Presse“. Das von Woidniok verwendete Zitat beziehe sich auf Helmut Kohl, der zur politischen Wende versprach, die neuen Bundesländer wieder in wirtschaftlich prosperierende und wohlhabende Landstriche zu verwandeln. „Unabhängig davon, dass das bis heute nur teilweise gelungen ist, liegt Syrien – im Gegensatz zur Situation Ostdeutschlands damals – nach einem mehrjährigen Bürgerkrieg ganz offenbar vielerorts in Schutt und Asche. Momentan ist vollkommen unklar, ob sich das Land stabilisieren wird und zu einer säkularen Regierung mit neuer Verfassung finden kann. Es stellt sich mir die Frage, inwieweit die hiesigen Bürgerkriegsflüchtlinge überhaupt Rahmenbedingungen für die Rückkehr in ihre Heimat und den Aufbau ,blühender Landschaften‘ finden werden oder, ob sie nicht weiter um Leib und Leben und das ihrer Familien fürchten müssten“, so die Freibergerin. Die indirekte Parallele zu „blühenden Landschaften“ sehe sie als unangemessen und irreführend an – „enttäuschend und weit ab von einer sachlichen Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema“. (bk)

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