AfD: Wohlgesetzte Worte und Adrenalin

erschienen in Freie Presse vom 29. Januar 2018

Auf dem Neujahrsempfang der Partei sprach erst das Landtags- und dann das Bundestagsmitglied. Der Ton änderte sich damit.

Von Steffen Jankowski

Großschirma – Rund 50 Gäste sind am Freitagabend der Einladung der Alternative für Deutschland (AfD) zum Neujahrsempfang nach Großschirma gefolgt. Besonders begrüßte AfD-Landtagsmitglied Rolf Weigand den Bürgermeister von Dorfchemnitz, Thomas Schurig (Freie Wähler). In der Gemeinde habe seine Partei das beste Ergebnis bei der Bundestagswahl im September vorigen Jahres geholt, betonte der Gastgeber. Die 47,4 Prozent AfD-Stimmen begründete Schurig später damit, dass sich die Bürger nicht mehr ernst genommen fühlten: „Ich habe die Fernsehleute gefragt, ob sie auch gekommen wären, wenn bei uns 60 Prozent CDU gewählt hätten.“

Weigand bezeichnete Großschirma in seinen Begrüßungsworten als lebendige Stadt. Er sei 2011 mit seiner Frau in den Ortsteil Kleinvoigtsberg gekommen und dort gut aufgenommen worden. Ein Schlüsselerlebnis sei für ihn gewesen, als er für ihr erstes Kind einen Baum gepflanzt habe: „Das ist etwas Bleibendes, das ist Heimatverbundenheit.“

Inzwischen habe er auch promoviert, ein Buch geschrieben und im vorigen Jahr ein Haus gebaut, so der Geschäftsführer der Firma Ancorro weiter. Großschirma sei „eine der am besten vertretenen Gemeinden in Deutschland: Wir haben einen Bundestagsabgeordneten, ein Landtagsmitglied und drei Kreisräte.“

Neben den beiden Kreisräten Volkmar Schreiter (FDP) und Gunther Zschommmler (Regionalbauernverband) spielte er damit auch auf seinen Parteifreund Heiko Hessenkemper an. Der Professor der Bergakademie, der sowohl im Bundes- als auch im Kreistag sitzt, erklärte, er könne „den wohlgesetzten Worten nicht so ganz folgen und werde etwas Realität hereinbringen, damit Sie mit genügend Adrenalin in die Gespräche gehen.“ Der Landkreis tue für Flüchtlinge mehr als nötig, so Hessenkemper unter anderem: „Acht Asylkoordinatoren sind nicht vorgeschrieben.“

„Mitläufer“, die das System am Leben hielten, so der Bundestagsabgeordnete weiter, sollten vorsichtig sein: „Vielleicht haben wir 2019 schon das Innenministerium. Wir werden sie kriegen.“ Zur Landtagswahl werde die AfD „Divisionen“ mobilisieren. Derzeit gehe er per Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Freiberger Schulleiter vor, der sich gegen den Besuch einer Klasse bei ihm als Abgeordneten in Berlin gestellt habe. Da lasse er nicht locker, so der 62-Jährige.

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