OB: Kreis sollte Freiberg völlig außen vor lassen

erschienen in Freie Presse vom 24. Februar 2018

Die Debatte über den Antrag auf Zuzugsstopp für anerkannte Asylbewerber zeigt Wirkung. So brachte der Kreis von 107 seit Oktober neu angekommenen Flüchtlingen 11 in Freiberg unter. Der Stadt sind das dennoch zu viele.

Von Frank Hommel

Freiberg – Für Sven Krüger (SPD) ist es ein erster, aber auch längst überfälliger Schritt. So kommentiert Freibergs Oberbürgermeister die Bemühungen des Landkreises, die Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu entlasten. Landrat Matthias Damm (CDU) hatte erklärt, dass dem Kreis von Oktober bis Februar 107 Personen zugewiesen wurden, nur 11 davon brachte der Kreis in Freiberg unter. Für den OB aber bringen auch diese Menschen die Stadt näher an ihre Überlastungsgrenze. „Eigentlich wäre die richtige Konsequenz gewesen, Freiberg nun völlig außen vor zu lassen“, sagte Krüger der „Freien Presse“.

Mit der Forderung, dass gar keine Asylbewerber mehr in seiner Stadt unterkommen sollen, legt der OB gegenüber dem Antrag des Stadtrats auf Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge noch einmal nach. „In dem Moment, in dem eine Familie hier untergebracht wird, greifen sofort die Schulpflicht und der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz“, begründet er den neuerlichen Vorstoß im Gespräch mit der „Freien Presse“. Freiberg habe vier Schulen mit Deutsch als Zweitsprache, dazu das Kolleg, an dem Asylbewerber unabhängig vom Status Abitur ablegen könnten. „Das sind bessere Bedingungen als anderswo, verständlicherweise wollen die Menschen deshalb hier bleiben oder herkommen.“ Also sollten Asylbewerber von Anfang an in anderen Orten wohnen, damit sie sich dort integrieren.

Aufgrund des starken Zuzugs in den jüngsten Monaten sei Integration in Freiberg kaum mehr möglich, so Krüger. Schon in seiner Neujahrsansprache hatte er beklagt, in manchen Kitas und Schulen würden sich nicht-deutsche Sprachinseln bilden. Aktuell fehlen in Freiberg ihm zufolge 473 Kita- und Hortplätze. Dazu seien kurzfristig zwölf zusätzliche Klassenräume nötig.

Der Antrag auf Zuzugsstopp liegt bei der Landesdirektion zur Bearbeitung. Nach wie vor ungeklärt sind auch die Differenzen hinsichtlich der Anzahl in Freiberg lebender Flüchtlinge. Der OB geht von bis zu 2000 Flüchtlingen und Asylbewerbern aus. Landrat Damm sprach zuletzt von 900 Personen. Ein Grund für die Differenzen sei, so Krüger, dass es keine genaue Statistik über Flüchtlinge gebe. Je nach Art der erhaltenen Leistung und Betreuung würden sich Daten in verschiedenen Datensätzen verstecken.

Der Landkreis verweist darauf, dass die Zahlen zwischen Stadt und Kreisbehörde demnächst abgeglichen würden. Vorher könne keine Aussage getroffen werden. „Wir bemühten uns mit Nachdruck um ein Gespräch mit der Stadt Freiberg, um alle Zahlen aufzuklären“, so ein Sprecher. „Nach unserem mehrfachen Nachhaken gibt es nun einen Gesprächstermin in der kommenden Woche.“

Die Statistik sei aber nicht das Hauptproblem, sagte Krüger. „Die Zahlen sind das eine. Wir brauchen so schnell wie möglich eine Lösung.“

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter

0 Antworten auf “OB: Kreis sollte Freiberg völlig außen vor lassen”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× sieben = sieben