Verein erinnert an Euthanasie-Opfer

erschienen in Freie Presse vom 24. November 2018

Mitglieder des Freiberger Altertumsvereins haben in der Tötungsanstalt in Pirna-Sonnenstein einen Kranz niedergelegt.

Von Steffen Jankowski

Freiberg/Pirna – Der Freiberger Altertumsverein hält es nach den Worten seines Vorsitzenden Jürgen Bellmann für erforderlich, die Verbrechen der Nationalsozialisten weiter aufzuarbeiten und in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Im Gedenken an die Opfer haben Mitglieder des Vereins am Donnerstag in der ehemaligen Euthanasie-Anstalt in Pirna-Sonnenstein einen Kranz niedergelegt.

Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom Januar 1934 sei die menschenverachtende Grundlage gewesen, auf der bis 1945 etwa 400.000 Menschen ohne ihre Einwilligung unfruchtbar gemacht worden seien: „Die Opfer waren Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen sowie Alkoholkranke, die häufig in psychiatrischen Heil- oder Pflegeanstalten behandelt oder versorgt wurden.“ In Freiberg sei dabei eines von sachsenweit sieben „Erbgesundheitsgerichten“ gewesen, so Bellmann.

Zudem seien unter der Tarnbezeichnung T4 körperlich und geistig behinderte Menschen sowie auch KZ-Häftlinge umgebracht worden. Dafür habe man 1940 sechs Tötungsanstalten eingerichtet. Allein auf Schloss Sonnenstein bei Pirna seien dabei bis Sommer 1941 etwa 15.000 Menschen vergast worden. Insgesamt seien bislang mehr als 40 Opfer allein aus Freiberg bekannt. Auch der damalige Oberbürgermeister Werner Hartenstein sei Teil des NS-Systems und damit in erster Linie Täter gewesen, warnt der Verein vor Geschichtsverklärung.

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