Archiv für Dezember 2018

Die hässliche Seite von Freiberg (8)

Auf Klassenfahrt mit der AfD

erschienen in Freie Presse vom 19. Dezember 2018

Abgeordnete laden Schüler ein, damit die den Politikbetrieb in Berlin kennenlernen. Lange war das eine Praxis, die geräuschlos ablief. Doch das ändert sich gerade.

Von Oliver Hach

Freiberg – Mittagessen in einem Restaurant in Kreuzberg, Besuch des NS-Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“, schließlich die Plenarsitzung des Bundestages: Den Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Freiberg wurde einiges geboten vergangene Woche in Berlin. Bevor der Tag in der Kuppel des Reichstagsgebäudes ausklang, war noch der Termin im Abgeordnetenbüro. „Diskussion mit MdB“ hieß es im Programm.

Klassenfahrten wie diese gibt es seit langem. Jeder Bundestagsabgeordnete darf jährlich drei Gruppen mit je 50 Personen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen. Das Presse-und Informationsamt der Bundesregierung organisiert diese politischen Infotouren und stellt einen Betreuer. Programm, Unterkunft, Verpflegung und Bahnfahrt zahlt der Staat aus Steuermitteln. (mehr…)

Und dann räumen wir hier auf

erschienen in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Dezember 2018

Neonazis, Schusswaffen, Crystal Meth: Ein Syrer wird in Torgau angeschossen und stirbt fast. Schuld daran wird er wohl selber sein

von Carolin Wiedemann und Leo Forell

Firas Karim* spürt nicht, wie die Kugel sich in seinen Körper bohrt, durch ihn hindurchstößt, knapp an seinem Herzen vorbei. Er hört nur das Knallen, nachdem sie ihn geschubst haben und er zurückschubsen wollte, den einen Mann, die zwei Männer, die plötzlich vor ihm standen, und die anderen, die dahinter waren. Er stolpert. Die Laternen erhellen den Marktplatz von Torgau in Sachsen. Keine Spur von seinen Cousins, die gerade noch neben ihm waren. Karim beginnt zu laufen. Das Knallen war ein Schuss, das weiß er jetzt. Er muss hier weg.

Kenneth E., der Mann, der aus knapp zwei Meter Entfernung auf ihn zielte, ist aber ohnehin schon zurück in der Wohnung direkt am Marktplatz. Zu seiner Freundin auf der Couch sagt er, „der Asylant“ habe Stunk gemacht.

Der „Asylant“. Karim ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Achtmal muss er operiert werden, damit er den Abend in Torgau überlebt. Das Landgericht Leipzig hat den Täter gerade wegen versuchten Mordes zu 13Jahren Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Kaum jemand hat von diesem Fall gehört. Mitten auf dem Marktplatz einer deutschen Kleinstadt versucht ein Mann, einen Syrer umzubringen, und keine überregionale Zeitung berichtet darüber. Die sächsische Polizei hakt den Mordversuch unter „Schießerei“ ab; ein rassistisches Tatmotiv wird in der kurzen Meldung nicht erwähnt. Der Torgauer Lokalzeitung ist das Verbrechen nicht einmal einen eigenen Artikel wert. (mehr…)

Maos Schläger aus Berlin-Neukölln

erschienen in Tagesspiegel vom 10. Dezember 2018

Der „Jugendwiderstand“ attackiert systematisch Andersdenkende – am liebsten ebenfalls Linke. Nun kommt raus: Ihr Wortführer ist ein Kreuzberger Kindergärtner.

von Maja Friedrich und Jan Werkener

Es braucht nicht viel, um zu ihrem Ziel zu werden. Ein falsches T-Shirt, die falsche Zeitung in der Hand. Oder eine politische Meinung, die sie nicht teilen. Attackiert wird zum Beispiel, wer in ihrer Gegenwart den chinesischen Staatsgründer Mao Zedong kritisiert. Oder wer es wagt, sich öffentlich zum Existenzrecht Israels zu bekennen. Auf der diesjährigen Demonstration am 1. Mai stürmten sie den feministischen Block und entrissen Teilnehmern ein Transparent, auf dem stand: „Den antisemitischen Konsens brechen! Jugend gegen Antisemitismus und Rassismus!“ Solche Slogans seien Teil einer schmutzigen Kampagne, rechtfertigten sie sich später in einer Erklärung.

Die Gruppe nennt sich „Jugendwiderstand“ und ist derzeit die mit Abstand bizarrste Strömung in der politischen Linken Berlins – vor allem die aggressivste. Ihre Mitglieder beanspruchen den Bezirk Neukölln für sich, gehen aber auch in Kreuzberg, Mitte und Wedding gegen Andersdenkende vor. Am liebsten gegen Linke. Der Verfassungsschutz stuft sie als gewaltbereit und antisemitisch ein, der Staatsschutz beim LKA ermittelt. Ihre Angriffe hat das nicht gestoppt. (mehr…)

FDP-Idee: Bergmann als Ampelmännchen

erschienen in Freie Presse vom 11. Dezember 2018

Vor der morgigen Berg- parade in Freiberg meldet sich ein Landtagskandidat zu Wort. Er will die Tradition stärker im Stadtbild verankern. Brandneu ist der Gedanke nicht.

Von Frank Hommel

Freiberg – Wer hätte gedacht, dass Ampelmännchen mal solch eine Karriere hinlegen? Nicht nur, dass die Ost-Variante einem ganzen Landstrich Identität verleiht. Und millionenfach Tassen, T-Shirts und Stoffbeutel ziert. Nein, einige handverlesene Städte zeigen stolz ihre eigenen Ampelmännchen vor. Lokalstolz in Rot-Grün. So Mainz seine Mainzelmännchen, Bremen seine Stadtmusikanten. Im hessischen Friedberg fängt bei Grün ein Elvis an zu tanzen, im vogtländischen Plauen zeigen die Comicfiguren „Vater und Sohn“ des Zeichners Erich Ohser an, wann sich Straßen sicher überqueren lassen und wann davon besser Abstand zu nehmen ist. (mehr…)

AfD gegen Migrationspakt

erschienen in Freie Presse vom 6. Dezember 2018

Partei schart auf dem Freiberger Schloßplatz Anhänger um sich

Freiberg – Eine Kundgebung der (AfD) zum Thema „Migrationspakt stoppen!“ fand gestern Abend auf dem Schloßplatz statt. Nach Angaben der Veranstalter waren es zunächst etwa 200, später 350 Teilnehmer, die mit Fahnen, Transparenten und Rufen wie „Merkel muss weg“ demonstrierten. Bei der laut Polizei angemeldeten Kundgebung sprachen der mittelsächsische AfD-Kreisvorsitzende Dirk Zobel, Landtagsabgeordneter Rolf Weigand und Mike Moncsek vom Landesvorstand. Nach seinen Worten will die AfD bei den Wahlen 2019 unter anderem „das Land zum Wackeln“ bringen.

Thema war die Ablehnung des Migrationspaktes, den Deutschland auf einem UN-Gipfel kommende Woche unterzeichnen will. Die AfD kritisiert, dass die Bundesregierung „hinter verschlossenen Türen“ über den Pakt verhandelt und ihn den Bürgern vorenthalten habe. Martina Böswald, laut AfD wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten der Partei, griff ebenfalls zum Mikrofon. Sie nimmt für sich in Anspruch, ihre Fraktion auf das Thema und damit die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht zu haben. Am Rande der Kundgebung wurden Unterschriften gegen die Unterzeichnung des Paktes gesammelt.ar