FDP-Idee: Bergmann als Ampelmännchen

erschienen in Freie Presse vom 11. Dezember 2018

Vor der morgigen Berg- parade in Freiberg meldet sich ein Landtagskandidat zu Wort. Er will die Tradition stärker im Stadtbild verankern. Brandneu ist der Gedanke nicht.

Von Frank Hommel

Freiberg – Wer hätte gedacht, dass Ampelmännchen mal solch eine Karriere hinlegen? Nicht nur, dass die Ost-Variante einem ganzen Landstrich Identität verleiht. Und millionenfach Tassen, T-Shirts und Stoffbeutel ziert. Nein, einige handverlesene Städte zeigen stolz ihre eigenen Ampelmännchen vor. Lokalstolz in Rot-Grün. So Mainz seine Mainzelmännchen, Bremen seine Stadtmusikanten. Im hessischen Friedberg fängt bei Grün ein Elvis an zu tanzen, im vogtländischen Plauen zeigen die Comicfiguren „Vater und Sohn“ des Zeichners Erich Ohser an, wann sich Straßen sicher überqueren lassen und wann davon besser Abstand zu nehmen ist.

In diesen Club könnte nun auch Freiberg aufgenommen werden – wenn es nach dem Willen des hiesigen FDP-Chefs und Landtagskandidaten Benjamin Karabinski geht. Der hat sich gestern mit dem Vorschlag zu Wort gemeldet, in Freiberg die Ampelmännchen-Symbole als Bergmann zu gestalten. Auf diese Art will er die Bergbautradition im Freiberger Stadtbild außerhalb der Adventszeit präsenter machen. „Ich finde es hervorragend, dass mit dem Christmarkt und insbesondere mit der morgigen Bergparade die Bergbautradition unserer Stadt in den Mittelpunkt rückt und diese Historie dadurch sichtbar wird. Ich wünsche mir aber, dass die Bergbautradition unserer Stadt außerhalb der Adventszeit präsenter wird“, begründete der 37-Jährige seinen Vorstoß. Zur Umsetzung müssten lediglich die Leuchtschablonen an den Fußgängerampeln ausgetauscht werden. Karabinski: „Der Aufwand ist niedrig, der Effekt aber ist groß.“

Mit den FDP-Stadträten habe er über die Idee bereits gesprochen, sagt Karabinski. Die fänden das attraktiv, sagt er. OB Sven Krüger findet das auch, weist aber darauf hin, dass der FDP-Mann nicht der erste war. Denn die Stadt Duisburg im Ruhrgebiet hat bereits im Oktober Fußgängerampeln mit Bergmanns-symbolik eingeweiht. Der Journalist Dirk Wurzel leitete den ZDF-Bericht über Duisburg via Facebook an den OB weiter mit den Worten: „Wäre das nicht auch was für Freiberg?“ „Fände ich auch toll“, kommentierte Schriftstellerin Sabine Ebert.

Hauer und Steiger in Grün und Rot an der Fußgängerampel? Knut Neumann dagegen schüttelt es bei dieser Vorstellung. „Wenn heute der 1. April wäre, würde ich sagen: Prima Vorschlag“, erklärt der Vorsitzende der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. Er finde, dass das Geld besser eingesetzt werden könnte: „Zum Beispiel für echte Traditionspflege.“ Und falls es allgemein um Verbesserung der Lichtzeichenanlagen gehe, wäre ihm lieber, die Ampel am Kreiskrankenhaus würde schneller umschalten: „Da nützt ein Männel nichts.“ OB Krüger will den Aufwand dennoch prüfen lassen: „Aber die Fertigstellung der Baumaßnahmen und die Vorbereitung und Durchführung des Christmarktes sind für uns als Stadt wichtiger. Das Jahr besteht aus zwölf Monaten, die alle gut genutzt werden wollen.“ Da stellt sich nur noch die Frage, ob irgendwann auch die Blindenampeln bei Grün nicht mehr piepsen, vibrieren oder knacken, sondern mit der Freiberger Hymne freien Weg signalisieren: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.“

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