Kindererziehung beim „III. Weg“

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Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ verstärkt ihre Bemühungen, Kinder und Jugendliche anzusprechen. In Plauen ist neuerdings sogar ein eigener Jugendtreff im Angebot.

Von Johannes Hartl

Sonntag, 13. Mai 2018. Im sächsischen Plauen öffnete die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ wieder einmal die Türen ihres Parteibüros, um für Kinder einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs anzubieten. Auf Bildern, die später im Internet veröffentlicht werden, sind mindestens acht Minderjährige zu erkennen. Sie zeigen die Teilnehmer, wie sie Sportübungen ausführen und Selbstverteidigungstechniken einüben – angeleitet durch Funktionäre, die T-Shirts mit Parteilogos tragen. Nach Abschluss des Trainings erhielten die Kinder dann sogar „wohlverdiente Sporthemden“, heißt es stolz auf der Website der Gruppierung. Als Motiv bilden sie einen martialischen Wolf auf beigem Hintergrund ab, umgeben von einem Lorbeerkranz in der dunkelgrünen Parteifarbe.

Solche Aktionen sind im Angebot der militanten Neonazis längst keine Ausnahme mehr. Neben den Selbstverteidigungskursen für Kinder, die seit März 2018 mindestens vier Mal stattgefunden haben, bietet „Der III. Weg“ in Plauen neuerdings auch einen eigenen Jugendtreff an. Dabei wurde am 23. November eine „informative Gesprächsrunde“ veranstaltet, behauptet die Partei. Gesprochen wurde unter anderem über „neue Termine“ und über „Vorschläge für Aktivitäten“. Zudem führten die Neonazis ihren Gästen eine Dokumentation zum Thema „Fast Food“ vor, gefolgt vom Vortrag eines „gelernten Kochs“, der angeblich über gesundes Essen auf der Arbeit und in der Schule referierte.

Hinzu kamen über das Jahr verteilt weitere Einzelaktionen im Parteibüro, darunter ein „Kinderfest“ am 2. Juni vergangenen Jahres oder eine Geschenkaktion am 8. Dezember. Die begleitenden Impressionen zeigen die Neonazis jeweils genauso, wie es ihrem Selbstbild entspricht: Als Kümmerer, die mit Kindern Hausaufgaben machen, gemütlich beisammensitzen oder gemeinsam Kicker spielen.

Ehemaliger HDJ-Bundesführer beim „Tag der Gemeinschaft“

Diese Inszenierung ist offenbar Bestandteil einer verstärkten Kampagne, um gezielt Kinder und Jugendliche für die Partei anzusprechen. Bereits im November 2017 ließ sich Interesse an der Thematik erkennen: Auf der Partei-Veranstaltung „Tag der Gemeinschaft“ war damals niemand geringeres als Sebastian Räbiger aufgetreten, von Oktober 2002 bis zum Verbot 2009 Bundesführer der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ). Die neonazistische Kinder- und Jugendorganisation agierte äußerst konspirativ und verstand sich als elitärer Zirkel. Sie verfolgte das Ziel, Kinder zu überzeugten Neonazis heranzuziehen, wurde jedoch nach mehrjährigen Umtrieben wegen verfassungswidriger Bestrebungen rechtskräftig verboten.

Vor den rund 200 Gästen sprach Räbiger denn auch über sein Kernthema – nämlich darüber, „wie nationale Erziehung und Jugendarbeit aus seiner Sicht auszusehen hat“. „All das, was Jugendarbeit ausmacht, erzeugt eines: nämlich Gemeinschaft“, erklärte der verurteilte Neonazi bei dem Treffen. „Und diese wird immer, wenn sie glaubhaft ist, höher eingeschätzt, als das bequeme BRDisten-Leben mit all seinen Annehmlichkeiten.“

Nur wenige Monate später, am 15. Januar 2018, räumten die Neonazis ihre Ambitionen dann selbst ein. Im parteieigenen Podcast „Revolution auf Sendung“ wurde der Führungskader Kai-Andreas Zimmermann interviewt, damals noch Leiter des „Gebietsverbandes Süd“ des „III. Wegs“, der Bayern und Baden-Württemberg umfasst. Von den Moderatoren mit der Frage konfrontiert, welche Bemühungen „Der III. Weg“ im bündischen Jugendbereich verfolge, erklärte Zimmermann, der Aufbau einer Jugendarbeit sei „durch unsere (…) Weltanschauung vorgegeben“. (bnr.de berichtete) Auf lange Sicht solle in diesem Bereich etwas Eigenes entstehen, so das Ziel, sofern die „entsprechenden personellen Voraussetzungen gegeben sind“.

„AG Körper & Geist“ fest in der rechtsextremen Kampfsportszene

Eine zentrale Rolle spielt bei diesen Aktivitäten vor allem die „Arbeitsgruppe Körper & Geist“, ein parteinaher Zusammenschluss, der im vergangenen Juni erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ihr Logo ist ausgerechnet derselbe Wolf, der auch das T-Shirt der Kindergruppe ziert. Kein Wunder, werden die Trainings doch aus ihrem Umfeld organisiert, wie die Partei auf ihrer Website mitteilt. Die AG selbst eint die Überzeugung, dass sich die deutsche Gesellschaft physisch wie psychisch in einem steten Niedergang befinde. Dieser angeblichen Entwicklung wollen die Neonazis mit einem breiten Programm entgegentreten, insbesondere durch „sportliche und geistige Angebote“. Es solle nicht bei der politischen Bekämpfung bleiben, erklärt man beim „III. Weg“, sondern es solle mit der AG bereits der „Grundstein für ein anderes Deutschland“ gelegt werden.

In der neuen Kinder- und Jugendarbeit wollen sie das offenbar bevorzugt über die Selbstverteidigungskurse erreichen, die sie derzeit in Plauen organisieren. Dabei können die Neonazis auf ihre Erfahrungen im Kampfsportsektor zurückgreifen, schließlich ist die AG eng in die rechtsextreme Kampfsportwelt eingebunden. So entsandte „Der III. Weg“ Anfang Juni 2018 eigene Kämpfer nach Grünhain-Beierfeld im sächsischen Erzgebirge, wo das extrem rechte Kampfsportturnier „Tiwaz – Kampf der freien Männer“ stattfand. Drei Personen traten dort für den „III Weg“ in den Disziplinen Boxen und K1 an. Auch bei der wohl prominentesten Neonazi-Kampfsportveranstaltung, dem „Kampf der Nibelungen“, war die Partei 2018 in Ostritz präsent und gewann in der Disziplin K1.

Kinder in eine geschlossene braune Erlebniswelt einführen

Bislang bilden die Umtriebe in Plauen, was die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen anbelangt den vorläufigen, nach außen sichtbaren Höhepunkt. In der sächsischen Stadt agiert die Neonazi-Partei seit jeher äußerst selbstbewusst, auch weil sie dort ihr bundesweit einziges Parteibüro unterhält. Es ist der Dreh- und Angelpunkt für sämtliche Aktivitäten und bietet einen sicheren Rückzugsraum, der andernorts nur eingeschränkt oder überhaupt nicht vorhanden ist. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt jedoch, dass die Bemühungen in diesem Bereich insgesamt gefestigt wurden: Auch bei Berichten anderer Parteigliederungen finden sich mittlerweile regelmäßig Hinweise, dass Kinder zum Beispiel an Wanderungen teilgenommen haben – etwa bei den Stützpunkten Nürnberg-Fürth, Ostthüringen und Thüringer Wald/Ost.

In Kombination mit den Angeboten in Plauen, die inzwischen in regelmäßiger Frequenz durchgeführt werden, deutet das auf eine erhebliche Professionalisierung hin. Offiziell geben die Neonazis zwar vor, sich mit ihrem Angebot an die breite Öffentlichkeit zu wenden. Ob das tatsächlich zutrifft, ist weitgehend unklar. Beobachter vor Ort vermuten, dass die Kinder- und Jugendangebote eher von einem Umfeld genutzt werden, das der Partei bereits nahe steht. Mittel- und langfristig dürfte diese Entwicklung aber auch der Tatsache Rechnung tragen, dass viele Neonazi-Aktivisten Eltern geworden sind oder Eltern werden. Die Jugendarbeit kann dann ein wichtiger Baustein sein, um schon Kinder und Jugendliche in eine geschlossene braune Erlebniswelt einzuführen.

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