Archiv für März 2019

Veranstaltungshinweis

Ein Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen 2018: Neonazis foltern Christopher W. zu Tode – weil er schwul war

erschienen in Belltower News

Stephan, Terenc und Jens hatten sich vorgenommen, Christopher W. umzubringen – weil er schwul war und damit nicht in ihr rechtsextremes Weltbild passte. Am 17. April 2018 folterten die Männer ihren 27- Jährigen Bekannten in einem verlassenen Gebäude in Aue zu Tode.

Von Kira Ayyadi

2018 gab es in Sachsen ein Todesopfer rechtsextremer Gewalt. Zunächst wurde der Fall nicht als rechtsextrem motiviert geführt, doch diese Einschätzung wurde inzwischen revidiert. Aktuell stehen die Täter in Chemnitz vor Gericht.

Hier der bisher bekannte Tatverlauf, der die Verrohung und Brutalität der Täter zeigt:

In einem Milieu, das geprägt ist von Alkohol, Drogen, Aussichtslosigkeit und rechtsextremer Ideologie, treffen sich am 17. April 2018 vier „Freunde“ im erzgebirgischen Aue. Am Ende des Tages ist einer von ihnen tot. Christopher W., ein stetes Mobbingopfer, wird von Stephan (22), Terenc (27) und Jens (22) so lange gefoltert, bis er schließlich stirbt. Sein lebloser Körper ist so übel zugerichtet, dass die Polizei anfangs Schwierigkeiten hat, ihn zu identifizieren.

Wie konnte es zu diesem Gewaltexzess kommen? Stephan, Terenc und Jens sind rechtsextrem, auch wenn sie offenbar nicht in organisierten Neonazi-Strukturen vernetzt sind. Aber mindestens zwei von ihnen ie tragen ihre Ideologie als Tattoos offen zur Schau. Sie bezeichnen Christopher W. zwar als eine Art Freund, aber Christopher W. ist schwul und wird von ihnen als Fußabtreter benutzt. Hass auf Homosexuelle gehört für viele Neonazis dazu – gleichgeschlechtlich zu lieben ist für sie ein Verrat an Familienwerten und „Volkskörper“, wenn nicht gar eine psychische Störung oder „Degeneration“.

Der Hass der drei Täter auf Homosexuelle entlud sich am Abend des 17. Aprils 2018 in massiver Gewalt. Entsprungen ist sie offenbar in einem rechtsextremen Milieu, in dem es zur Normalität gehört, Hakenkreuze zur Schau zu tragen, antisemitische Parolen zu grölen und laut rassistische und homofeindliche Neonazi-Musik hören. (mehr…)

Wir trauern

Rechte „Bürgerinitiative“ hetzt gegen Bautzner Stadtratskandidatin

erschienen in Tagesspiegel

Sie wird als „Antifa-Schlampe“ beschimpft: Annalena Schmidt engagiert sich dennoch in Bautzen, will in den Stadtrat. Eine von Neonazis geplante Demo fällt aus.

von Matthias Meisner

Was ist los in Bautzen? Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stellte diese Frage, als er vor ein paar Tagen bei Annalena Schmidt anrief. Einer jungen Hessin, die seit drei Jahren in Bautzen lebt, sich in der Stadt gegen rechte Umtriebe engagiert. Und die jetzt mit ihrer Kandidatur für den Stadtrat auf Ticket der Grünen heftige Diskussionen ausgelöst hat in der ostsächsischen Stadt. Gewählt wird im Mai. Dass die Stimmung in Bautzen aufgeheizt ist, hat sich bis in die Dresdner Staatskanzlei herumgesprochen.

Rechte mobilisierten für den 8. März sogar zu einer Demonstration gegen Schmidt, Motto „Annalena im Stadtrat verhindern. Gegen hessische Verhältnisse in Bautzen“ – bis die am Donnerstagnachmittag überraschend abgesagt wurde. Die Anmeldung sei zurückgezogen worden, teilte das Landratsamt Bautzen im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Eine Begründung wurde von der Behörde nicht genannt. (mehr…)