Rechte Vereine in Freiberg

Das Kulturbüro Sachsen hat vor kurzem die Broschüre „Sachsen rechts unten 2019″ veröffentlicht, in der die Entwicklung einer rechten Vereinslandschaft in Sachsen beschrieben wird. Im Kapitel „Vom Helfen und Unterstützen. Soziale Kampagnen von rechts“ findet sich auch ein Abschnitt über den Verein „Freiberg zeigt Herz“, den wir im Folgenden dokumentieren:

Vom Helfen und Unterstützen. Soziale Kampagnen von rechts

Das Thema, bedürftige Menschen zu unterstützen, spielt auch in Freiberg eine Rolle. Rico Martinez hat-te im Jahr 2017 die Idee, für einsame und bedürftige Menschen ein Weihnachtsessen zu organisieren. Die Resonanz, die der für das Jahr 2012 als verdienstvoller Freiberger geehrte1 und damit in der Stadt durchaus bekannte Martinez daraufhin erfuhr, war überwältigend. Die Presse berichtete, andere Vereine und viele Bürger*innen unterstützen das Projekt. Allerdings trat Rico Martinez vor der Presse mit einem Sweatshirt von Thor Steinar auf.2 Diese Modemarke operiert in der Gestaltung der Kleidungsstücke mit Anspielungen auf den deutschen Faschismus, die germanische Mythologie, die völkische Bewegung und Kolonialismus.3 Am gleichen Tag, an dem der Artikel erschien, berichtete Rico Martinez auf seiner Facebook-Seite „Mein Freiberg“ über eine Spende eines Mitgliedes von Soldiers of Odin, Germany, Division Sachsen. Die Person, R. M., die die Spende übermittelte, wird von Martinez mit einem Spitznamen bezeichnet, dürfte also ein guter Bekannter, wenn nicht Freund sein. Soldiers of Odin ist im Jahr 2015 in Finnland als asylfeindliche Organisation gegründet worden und hat inzwischen Ableger in mehreren europäischen und nordamerikanischen Ländern. Es gibt zumindest Überschneidungen zu rassistischen und neonazistischen Gruppierungen, auch wenn es nach Selbstdarstellung um Nachbarschaftshilfe geht.4 Auch im konkreten Fall lässt sich R. M. aufgrund seiner Selbstdarstellung auf Facebook bis in die jüngste Vergangenheit dem neonazistischen Spektrum zuordnen. Eine Nähe von Rico Martinez zu rassistischen und rechtsextremen Kreisen kann anhand dieser Indizien vermutet werden. Die Einträge auf Facebook sowohl auf der Seite von „Freiberg zeigt Herz“ als auch auf der privaten Seite von Rico Martinez, die ihn als Träger eines Thor-Steinar-Sweatshirts zeigten, als auch die Spende von R. M. als Vertreter von Soldiers of Odinwurden gelöscht. Das könnte als Distanzierung gewertet werden. Jedoch wirkt R. M. in dem Verein „Freiberg zeigt Herz“ aktiv mit. Auch die zeitliche Übereinstimmung des Beginns der Aktivitäten von Martinez mit denen von „Jugend packt an“ könnte darauf hindeuten, dass hier einer Strategie der extremen Rechten gefolgt wird. „Freiberg zeigt Herz“ ist jedoch anders als die bisher beschriebenen Beispiele in Freiberg stark verankert. Viele Menschen, Vereine und Unternehmen unterstützen das Projekt. Eine rassistische oder völkische Motivation ist zumindest bisher nicht erkennbar.Akteure aus dem neonazistischen Spektrum und dessen Umfeld treten nicht (mehr) vordergründig bzw. als solche gleich erkennbar in Erscheinung. Der Bekanntheitsgrad von Martinez in Freiberg als mehrfacher Deutscher Meister im Kraftsport dürfte der Wirksamkeit des Projekts zugutegekommen sein. Möglicher-weise wirkt die breite Verankerung einem rassistischen Ausschluss entgegen. Es drängt sich dennoch die Frage auf, wem Menschen, denen eine solidarische Gesellschaft wichtig ist, folgen und welche Impulse im kommunalen Diskurs gesetzt werden.

  1. Online: http://www.freiberg.de/freiberg/content.nsf/docname/Webseite_5A8AF0950E78AEADC1257AE D0046425E?OpenDocument, zuletzt eingesehen 31.01.2019 [zurück]
  2. Freie Presse vom 2.12.2017 [zurück]
  3. Eine ausführliche Auseinander- setzung mit dieser Modemarke bietet ReInvestigate THOR STEINAR, hg. v. BIKuLAR e.V., Berlin o.J. [2018]; online verfügbar unter: http://investigatethorsteinar.blogsport.de/images/reinvestigatets20171801.pdf, zuletzt eingesehen am 18.02.2019 [zurück]
  4. Freie Presse vom 2.12.2017 [zurück]
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1 Antwort auf “Rechte Vereine in Freiberg”


  1. 1 Mathias 08. Mai 2019 um 21:23 Uhr

    R.M. steht vermutlich für Rene Metzger aus Kleinschirma. Der war auch bei den Gründern von Freigida dabei. Im Dynamo Umfeld ist er auch unterwegs.

    Nazis haben Namen und Adressen.

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