Das rassistische Framing der Freien Presse

Rassistische Einstellungen werden durch unsensible und Ängste schürende Berichterstattung in den Medien verstärkt. Mit dem Begriff des „Framing“ wird die Verknüpfung unterschiedlicher Vorstellungsinhalte und Assoziationen beschrieben, die durch unterschiedliche Formulierungen einer Nachricht – bei gleichem Inhalt – ausgelöst werden. Wie ein rassistisches Framing funktioniert, hat heute die Freie Presse mit der effektheischerischen Schlagzeile „Machetenmann steht erneut vor Gericht“ demonstriert. Die Bezeichnung „Macheten-Mann“ tauchte vor einigen Jahren in lokalen Medien auf, als ein Tunesier die Kassiererin in einem Freiberger Netto angeblich mit einer Machete bedroht hatte. Die AfD, rechtspopulistische Medien wie das COMPACT-Magazin und der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger griffen die Geschichte dankbar auf, um die asylfeindliche Stimmung in der Stadt weiter anzuheizen. Wie sich vor Gericht später herausstellte, hatte es bei dem Vorfall gar keine Machete gegeben.

Während in früheren Artikel der Freien Presse noch vom „sogenannten ‚Macheten-Mann‘“ in Gänsefüßchen gesprochen wurde, ist im heutigen Artikel direkt vom „sogenannten Machetenmann“ die Rede, der nur wenige Zeilen später unvermittelt zum Machetenmann wird. In einer Bildunterschrift heißt es dann: „Der als Machetenmann bekannte, heute 26-jährige Tunesier – hier ein Archivbild von ihm – stand schon oft vor Gericht, auch wegen gefährlicher Körperverletzung“.

In einem Infokasten wird schließlich aus einer kleinen Anfrage der AfD zitiert. Während in der Antwort auf die Anfrage lediglich von „mehrfach tatverdächtigen Zuwanderern“ die Rede ist, wobei unklar bleibt, um welche Taten es sich handelt, werden daraus in der Überschrift der Freien Presse in sinnfrei redundanter Sprache „Mehrfach-Intensivtäter“, die durch den textlichen Kontext Assoziationen zu Gewaltverbrechen auslösen.

Mehrfach-Intensivtäter: In Mittelsachsen waren Anfang 2019 insgesamt 77 mehrfach tatverdächtige Zuwanderer erfasst. Das teilte Sachsens Innenministerium auf eine Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Sebastian Wippel mit.

So trägt die Freie Presse effektiv, journalistisch unseriös und verunglimpfend zur Verfestigung von Ängsten und falschen Bildern in der Freiberger Bevölkerung bei.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter

0 Antworten auf “Das rassistische Framing der Freien Presse”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


vier × = sechzehn