Von Veronika Bellmann zur AfD und zurück

erschienen in Freie Presse vom 14. September 2019

Dirk Czaja hat lange für die Abgeordnete gearbeitet. Nach der Bundestagswahl ging er zu einem AfD-Neuling, verließ im Streit mit dem CDU-Kreischef die Partei. Nun ist er wieder bei seiner alten Chefin, schließt eines aber aus.

von Michael Kunze

Freiberg/Berlin. Wen die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann in ihren Mail- und Presseverteiler aufgenommen hat, der konnte zuletzt stutzig werden. Denn Empfänger stoßen bei Post aus ihrem Büro nun wieder auf Dirk Czaja, andere treffen ihn bei Terminen. Sechseinhalb Jahre war der 42-Jährige Bellmanns Mitarbeiter, hatte das Team der CDU-Politikerin aber Ende 2017 verlassen. Nach der Bundestagswahl wechselte er als Büroleiter zu deren thüringischem Kollegen Marcus Bühl (AfD). Dabei zählt Bellmann zum konservativen Unionsflügel.

Czaja, der seit 1996 in Leisnig lebt, war im Streit mit dem mittelsächsischen Kreisvorsitzenden, heutigen Döbelner OB und vormaligen Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser aus der CDU aus- und nach eigenen Angaben im Mai 2018 in die AfD eingetreten. Die verließ er im Januar wieder. Vor seinem Austritt aus der CDU hatte sich Unmut angestaut – 2016 bewarb sich Czaja um den Kreisvorsitz, sah seine Kandidatur aber vom Kreisvorstand hintertrieben. Gewählt wurde Liebhauser.

Nun ist Czaja zurück bei Bellmann. Kritik daran habe es laut der Politikerin keine aus der Partei gegeben, sondern neben „Willkommen-zurück-Mails“ nur ein paar verwunderte Nachfragen. Schon seit 1. Mai läuft Czajas Vertrag, bestätigt er. Trotzdem fehlt sein Profil mit Foto auf der Internetseite der Abgeordneten, anders als jene von fünf weiteren Mitarbeitern. Technische Gründe seien dafür ausschlaggebend, bekunden Bellmann und Czaja; die Website werde überarbeitet. Im „Sommerbrief“, der an Parteimitglieder und Freunde gegangen sei, habe sie auf Czajas neuerliche Mitarbeit verwiesen.

Wie aber erklären beide die Rückkehr? „Was mir bei meinem bisherigen Chef sehr fehlte, auch wenn ich mehrmals im Monat nach Thüringen zur Begleitung von Wahlkreisterminen fuhr“, sagt Czaja, „war die bürgernahe Wahlkreisarbeit.“ Dass er bei ihr nicht nur in Berlin, sondern regelmäßig im Wahlkreis eingesetzt wird, bestätigt Bellmann, spricht von einer „zweiten Chance“ und der Hoffnung: „Wenn wir Mitarbeiter nach einer Episode und um diverse Erfahrungen und Einsichten reicher aus anderen Parteien zurückgewinnen, dann sollte uns das auch mit Wählern gelingen.“

Aus dem Berliner Büro von AfD-Mann Bühl heißt es zu Czajas Abschied, die Kündigung sei „in auffälliger zeitlicher Nähe“ zu der Veranstaltung eingegangen, bei der die Partei ihren Direktkandidaten für Döbeln zur Landtagswahl nominierte. Czaja warf seinen Hut in den Ring – erfolglos. „Ich habe am 22. November 2018 nur meine eigene Stimme bekommen“, sagt er und will nur kandidiert haben, da einige führende AfD-Leute einen parlamentserfahrenen Kandidaten gesucht hätten. Die Parteimitglieder vor Ort sahen es anders.

Das Döbelner Direktmandat, das CDU-Kreischef Liebhauser bis zu seiner Wahl auf den OB-Sessel im Sommer innehatte und dann niederlegte, ging jüngst an die AfD. Czaja kann über die Gründe seines Scheiterns zur AfD-Nominierung nur spekulieren: Die Skepsis gegenüber einem ehemaligen CDU-Mann sei womöglich zu groß gewesen. „Da dachte man wohl, ich will nur ein Mandat.“ Er sei aus inhaltlichen, nicht monetären Gründen zu Bellmann zurückgekehrt. Das Büro von AfD-Mann Bühl ließ verlauten, man wünsche Czaja „alles Gute, auf dass er seine politische Heimat finden möge, wo immer sie liegt“.

Nun pendelt der gebürtige Leipziger wie einst zwischen Berlin und Wahlkreis, ist jetzt Bellmanns Referent für Verkehr, Breitbandversorgung und Denkmalschutz. Einen Wiedereintritt in die CDU schließt er „kategorisch aus“. Die Situation sei „doch die gleiche, wie zum Zeitpunkt, als ich sie verlassen habe“.

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