Archiv der Kategorie 'Ankündigungen'

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Die Wiedergutwerdung der Deutschen

Auf diese Veranstaltung in Leipzig möchten wir gern hinweisen:

Lesung und Filmvorführung
29. Januar | 20 Uhr | Cineding (Karl-Heine-Straße 83)

Die Wiedergutwerdung der Deutschen. Essays und Polemiken von Eike Geisel

Lesung mit dem Herausgeber Klaus Bittermann

»Some of my best friends are German«, machte sich Eike Geisel (1945-1997) gerne über das antisemitische Stereotyp lustig, demzufolge einige Juden zu den besten Freunden zählen. Geisel war aber nicht nur ein unnachgiebiger Kritiker des deutsch-jüdischen Verbrüderungskitsches und des Recyclings deutscher Vergangenheit, sondern machte als Historiker mit seinen Arbeiten u. a. über den jüdischen Kulturbund und das Berliner Scheunenviertel auf sich aufmerksam. Der 2015 erschienene Band »Die Wiedergutwerdung der Deutschen« versammelt seine großen essayistischen Arbeiten, beispielsweise über den Antisemitismus des »anderen Deutschland« und den Mythos vom Widerstand des 20. Juli. Klaus Bittermann referiert Eike Geisels wichtigste Thesen und ihren Entstehungszusammenhang. Eike Geisel war Soziologe, Buchautor, Journalist, Übersetzer, Kurator, Filmemacher und Historiker. Seine Essays und Polemiken lösten teilweise große Kontroversen aus. Er starb am 6. August 1997.

Klaus Bittermann ist Verleger der Edition Tiamat, in der die politischen Essays von Eike Geisel erschienen sind. Er ist außerdem Buchautor, Journalist und schreibt für die tageszeitung und Tagesspiegel.

Triumph des guten Willens (Dokumentarfilm, 2016, 97 Minuten)

Film und Gespräch mit dem Regisseur Mikko Linnemann

Der vorerst letzte Teil der Filmreihe »Wie erinnern?« setzt sich mit den Texten des Publizisten Eike Geisel auseinander. Im Zentrum stehen Geisels Kritiken an der deutschen Erinnerungspolitik und seine These über die »Wiedergutwerdung der Deutschen«. Geisels Texte aus den 1990er Jahren unter anderem über die Neue Wache und das Holocaust-Mahnmal kontrastieren die heutigen Bilder der beschriebenen Gedenkstätten. Sie zeigen eine Normalität, die es eigentlich nicht geben dürfte. Zudem analysieren ausführliche Interviews mit Alex Feuerherdt, Klaus Bittermann, Hermann L. Gremliza und Henryk M. Broder Geisels Thesen in Hinblick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse heute. Von der politischen Biografie Eike Geisels ausgehend, zeichnet »Triumph des guten Willens« ein Bild linker Debatten der letzten Jahrzehnte und fragt schließlich nach der Möglichkeit von Kritik in unmöglichen Zeiten.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen der Buchhandlung drift, dem Arbeitskreis Gesellschaftskritik und dem Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig.

Das Nachleben des Nationalsozialismus

An dieser Stelle möchten wir gern auf die Konferenz der AG Antifa (Halle) hinweisen, die am 5. Dezember 2015 in der Burse zur Tulpe am Universitätsplatz in Halle (Saale) stattfindet.

70 Jahre nach Kriegsende: Die alten Nazis, die das öffentliche Leben der Bundesrepublik lange prägten, sind tot, die Staatsdoktrin heißt Antifaschismus. So gilt der 8. Mai 1945 den Deutschen längst nicht mehr als Datum der Niederlage, sondern als Tag der Befreiung. Die Bundeskanzlerin nutzte jüngst selbst ihre Neujahrsansprache, um zum Kampf gegen Neonazis und andere tatsächlich oder vermeintlich Ewiggestrige aufzurufen. Hunderttausende folgten ihrem Appell und gingen gegen Pegida und Co. auf die Straße. Wer die ausländerfeindlichen Aufwallungen der letzten Monate, so widerwärtig sie auch sind, vor diesem Hintergrund zu Vorboten eines neuen ’33 erklärt, tut das, was den Konservativen oft von linker Seite vorgeworfen wurde: Er relativiert den Nationalsozialismus.

Eine ähnliche Verharmlosung betreiben auch diejenigen, die die gegenwärtige deutsche Außenpolitik immer nur mit der des „Dritten Reiches“ assoziieren. Die Imperative, die in der einstigen Reichshauptstadt in internationaler Hinsicht formuliert werden, heißen nicht mehr Eroberungswillen und Kampfesmut, sondern Friedensstiftung und Ausgleich. Die Bundesrepublik steht dementsprechend, wie vor einiger Zeit ermittelt wurde, auf dem ersten Platz der Länder, die weltweit das größte Ansehen und die größten Sympathien genießen.

Aus all diesen Gründen stellt sich eine Reihe von Fragen: Lässt sich 70 Jahre nach dem Untergang des „Dritten Reiches“ und 25 Jahre nach dem Ende der Nachkriegsordnung noch von jenem Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie sprechen, das Theodor W. Adorno einst für gefährlicher hielt als gegen sie gerichtete Bestrebungen? Was hat sich im Verhältnis von Kontinuität und Bruch, das die Beziehung der Bundesrepublik zum NS-Staat einmal bestimmte, verändert? In welchem Verhältnis steht das neue Deutschland, das sich modern, weltoffen und geschichtsbewusst gibt, also zum Nationalsozialismus? Und was hat sich am deutschen Blick auf die Vergangenheit verändert? Diesen Fragen soll auf drei Podien nachgegangen werden.

Podium 1: 13:00–14:30 Uhr
Nationalsozialismus – Das Ende der Geschichte
Robert Zwarg (Leipzig) fragt angesichts interessierter Missverständnisse: War der Nationalsozialismus ein Nationalismus?
Jan-Georg Gerber (Halle) stellt Nationalsozialismus und Stalinismus gegenüber, um den Begriff der NS-Herrschaft zu schärfen: Willkür und Kalkül.

Podium 2: 15:00–16:30 Uhr
Erinnerung – German Gedenken
Jan Singer (Berlin) führt aus, warum die Erinnerung an den Holocaust und das Gedenken an das Leiden der Wehrmachtssoldaten so gut zueinander passen: Unsere Opfer, unsere Täter.
Justus Wertmüller (Berlin) kritisiert die antideutsche Feld-, Wald- und Wiesenauffassung des Nationalsozialismus: Von der Kritik zur Parole.

Podium 3: 17:00–18:30 Uhr
Postnazismus – Past and Present
Johannes Alberti (Halle) fragt, was im Karneval der Kulturen an die Stelle der autoritären Persönlichkeitsstruktur getreten ist: Wo wohnt eigentlich der autoritäre Charakter?
Uli Krug (Berlin) fragt, was aus der mobilisierten Gesellschaft geworden ist: Demokratische Volksgemeinschaft revisited.

Demo am Dienstag: „Asyl verstehen, Chancen sehen!“

erschienen in Freie Presse vom 30. Oktober 2015

Unter dem Motto „Asyl verstehen, Chancen sehen!“ steht eine Demonstration am Dienstag in Freiberg, die 18 Uhr an der Chemnitzer Straße beginnen und über den Wernerplatz bis zur Frauensteiner Straße führen soll. Das hat der Freiberger Grünen-Stadtrat Sebastian Tröbs am Freitag mitgeteilt.

Ihm zufolge stehen Vertreter der lokalen Agenda 21, des evangelischen Jugendtreffs Tee-Ei, des Studentenrats sowie von SPD, Linken und Grünen hinter der Veranstaltung. „Wir fordern die Handelnden in der Politik auf, Lösungen vor allem für ein friedliches und bereicherndes Miteinander zu suchen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Anlass der Demo ist eine Kundgebung der AfD unter dem Motto „Asylchaos stoppen“, die ebenfalls am Dienstag ab 19 Uhr vorm Landratsamt in der Frauensteiner Straße stattfinden soll. (mehr…)

Islamdebatte und Rechtspopulismus

Vortrag

Freiberg – Die Volkshochschule Freiberg bietet am Montag, den 2. November, ab 19 Uhr einen Vortrag zur Islamdebatte an. Als Referent konnte Winfried Rust, Mitarbeiter des Informationszentrums Dritte Welt aus Freiburg, gewonnen werden.

Rechtspopulistische Parteien und „Bürger“-Bewegungen haben den Islam als Feindbild erkoren, um mit einem plumpen Freund-Feind-Denken auf Stimmenfang zu gehen. Gesellschaftliche Umbrüche und Krisen und die damit einhergehenden Ängste werden kanalisiert und mit einer vermeintlich fremden Kultur in Verbindung gebracht: dem Islam. Winfried Rust analysiert in seinem Vortrag die rechtspopulistischen Bewegungen und legt ihre Schnittstellen zu rechtem Gedankengut frei. Darüber hinaus zeigt er auf, wie der Islam für fremdenfeindliche und rassistische Ziele instrumentalisiert wird.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen sowie der Volkshochschulen Chemnitz und Mittelsachsen. (fp)

Der Vortrag findet am 2. November ab 19 Uhr in der Volkshochschule Freiberg im Berufsschulzentrum, Schachtweg 2, statt. Der Eintritt ist frei, es wird dennoch um eine Anmeldung unter Telefon 03731 1613060 gebeten.

Asyl – AfD organisiert Kundgebung

erschienen in Freie Presse vom 22. Oktober 2015

Freiberg. Unter dem Motto „Asylchaos stoppen“ hat die AfD für den 3. November, 19 Uhr, eine Kundgebung vor dem Landratsamt Freiberg angemeldet. Eine entsprechende Information im Netz bestätigte gestern René Kaiser, Vorsitzender der AfD Mittelsachsen. Eine Demonstration soll es Kaiser zufolge nicht geben. Die Veranstaltung ist Teil der sogenannten „Herbstoffensive“ der Partei mit mehreren Kundgebungen in ganz Sachsen. (fhob)

Blut muss fließen. Rechtsrock in Sachsen

Veranstaltungshinweis

blut-muss-fliesen

Dienstag, 11. Februar 2014 |17.00 Uhr | Haus der Begegnung,
Schillerstraße 3, 09599 Freiberg

BLUT MUSS FLIEßEN. Rechtsrock in Sachsen

Gerade junge Menschen werden mit Musik an die rechtsextreme Szene herangeführt und dort radikalisiert, Nazimusik und Nazikonzerte sorgen für Zusammenhalt unter Rechtsextremen. Daher wäre es falsch, Nazimusik leichtfertig als Jugendkultur neben anderen abzutun, aus denen die Betroffenen mit zunehmenden Alter ‚herauswachsen‘.
Darüber hinaus hat sich dieser Bereich auch zu einem blühenden Geschäft entwickelt: Allein in Sachsen wird der Umsatz der Musik- und Merchandisingversandhandel auf ca. 3,5 Mio € im Jahr geschätzt. Der Verfassungsschutz schätzt, dass 2011 bei 37 Konzerten in Sachsen 80.000-100.000 € eingenommen wurden.

Der Journalist Thomas Kuban und der Filmemacher Peter Ohlendorf haben mit hohem Risiko in ihrem Film ‚Blut muss Fließen‘ mit versteckter Kamera gefilmt, was bei Nazikonzerten in Sachsen, Deutschland und im Ausland hinter verschlossenen Türen geschieht. Die Bilder dokumentieren Hass, Gewaltphantasien und Nazipropaganda als zentrale Merkmale der rechten Szene.

Welche Bedeutung Musik und Konzerte für die rechtsextreme Szene haben, wie sich die Naziszene vor Ort auswirkt und wie man sich wehren kann, soll im Anschluss an den Film gemeinsam mit:

Sebastian Tröbs, Moderation, KV Mittelsachsen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Peter Ohlendorf, Filmemacher

Danilo Starosta, Kulturbüro Sachsen und

Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag

Der 7. Oktober wirft seine Schatten voraus

Am Wochenende jährt sich der Tag der Bombardierung Freibergs im Zweiten Weltkrieg – ein Tag, der für Neonazis aus der Region bereits seit Jahren Anlass ist, in geschichtsrevisionistischer Manier um tote Deutsche zu trauern. So beteiligten sich im letzten Jahr etwa 40 Neonazis an einer Kundgebung am Roßplatz. Im Jahr 2010 demonstrierten 70 Neonazis samt Fackeln auf dem Weg zum Donatsfriedhof; ein Jahr zuvor versammelten sie sich zu einer Kundgebung vor der Jakobikirche.

Doch nicht nur für die Neonazis ist der Jahrestag der Bombardierung ein wichtiges Ereignis. Seit einigen Jahren erinnern auch Vertreter der Stadt an diesen Tag und stoßen dabei in ein ähnlich geschichtsrevisionistisches Horn wie die brauen Spielverderber. So reagierte man 2009 mit einem Banner „Kein Krieg – Kein Extremismus“ auf das Treiben der Neonazis, ohne inhaltliche Kritik an ihrem Gedankengut zu üben. Auch die darauf folgenden Jahre übte sich die Stadtobrigkeit in Beschwichtigungen und Externalisierung des Problems: die Nazis wären von außerhalb angereist, ihr Auftreten vor allem schädlich für das Image der Stadt. Folgerichtig organisierte man so vor allem Veranstaltungen, die der Außendarstellung der Stadt dienen sollten, ohne die Neonazisaktionen überhaupt zu erwähnen. Im Jahr 2011 organisierte die Agenda 21 e.V. gar selbst einen Trauermarsch, an dem sich das who is who der Freiberger Stadtverwaltung beteiligte und mit den Neonazis um das authentische Gedenken konkurrierte. Thematisiert wurden dabei ausschließlich die alliierten Bombardierungen – auf die Neonazis, die sich eine halbe Stunde später ebenfalls am Bahnhof versammelten, ging man mit keinem Wort ein.

Auch in diesem Jahr will die Stadt am 7. Oktober mit ihrem eigenen Programm glänzen. Unter dem Motto “Wir sind Freiberg – Wir sind bunt” soll ab 19 Uhr ein Lampionumzug stattfinden. In der Ankündigung heißt es: „Der 7. Oktober ist in Freiberg nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, sondern wird auch von der rechten Szene zur Verbreitung ihrer Ideologie genutzt. Dass es für rechtes Gedankengut in Freiberg keinen Platz gibt, soll ein großer Umzug mit bunten Lampions und Musik am 7. Oktober zeigen. Im Vorfeld haben Kinder und Erwachsene die Möglichkeit, in Bastelwerkstätten farbenfrohe Lampions zu basteln.“
Die Form des Lampionumzuges lässt es bereits erahnen, dass auch dieses Jahr vor allem die Betonung der „Weltoffenheit“ im Zentrum des städtischen Agierens steht und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Gedankengut der Neonazis nicht gewünscht ist. Entsprechend heißt es im Amtsblatt: „Den Höhepunkt der Interkulturellen Woche jedoch bildet ein großer Lampionumzug zum 7. Oktober unter dem Motto „Wir sind Freiberg – Wir sind bunt“, bei dem alle Freibergerinnen und Freiberger zeigen können, wie weltoffen ihre Stadt ist.“ Bürger sollen sich beteiligen, um ein Zeichen zu setzen, das außer für Darstellungen in der Presse völlig nutzlos ist. Weltoffenheit durch Bekenntnis. Es bleibt jedoch dabei: wer die alliierten Bombardierungen zum Anlass nimmt, entkontextualisiert, kollektiv in der Öffentlichkeit um tote Deutsche zu trauern, ist ein Geschichtsrevisionist – egal ob braun oder bunt. Wem das Image seiner Heimatstadt wichtiger ist, als eine inhaltliche Auseinandersetzung mit menschenverachtendem Gedankengut, leistet diesem durch Verdrängung Vorschub. Stadt wie Neonazis – sie sind beide Teil des Problems.

Vortrag: Ein Staat des Rechts?

Im Rahmen der sachsenweiten Veranstaltungsreihe „Alle unter Verdacht – Sachsen außer Kontrolle“ findet eine weitere Veranstaltung statt:

Vortrag und Diskussion mit Dipl. Politologe Jan Schlemermeyer (Institut für kategoriale Analyse, Inkatan) zu Grundrechtsabbau, autoritäre Formierung und die Transformation der Demokratie aus der Perspektive von Johannes Agnolis Staatskritik

Freitag, 24. Februar 2012, 19:00 im AJZ Chemnitz/M54

Dass es um die Aushängeschilder des westlichen Kapitalismus, nämlich Rechtsstaat und Demokratie, nicht zum Besten steht, ist spätestens seit der Krise der Staatsfinanzen in Europa in der, eher nebenbei, auf parlamentarischem Wege gewählte Regierungen in Griechenland und Italien durch technokratisch „Expertenteams“ ersetzt wurden, sogar im konservativen Feuilleton angekommen. Unklar scheint jedoch allgemein, wie der Abbau der Grundrechte im Namen der „Terrorismusbekämpfung“ und die Einschränkung der parlamentarrischen Demokratie in der Eurokrise zusammenhängen, erklärt werden können und wie der Etablierung einer postdemokratischen Regierungsform aus emanzipatporischer Perspektive beizukommen wäre.

Selbst viele liberale und linke Gegner_innen des autoritären Staates sehen beispielsweise in der Lobbyarbeit der (Finanz-)Konzerne und/oder einer außer Kontrolle geratenen Exekutive den wesentlichen Schlüssel zum Verständnis der aktuellen Situation. Dementsprechend erhoffen sie sich von einer besseren rechtlichen Regulierung der Märkte und einer größeren Transparenz politischer Entscheidungen eine Demokratisierung der Gesellschaft. Gegenüber solchen einigermaßen oberflächlichen Vorstellungen hat Johannes Agnolis Analyse von Staat und Demokratie im Kapitalismus schon vor Jahren auf die strukturellen Grenzen der Demokratie innerhalb dieser gesellschaftlichen Verhältnissen hingewiesen und eine „Verhärtung der politischen Form“ im globalen Kapitalismus prognostiziert. Seine Kritik am „Staat des Kapitals“ und dessen „institutionellen Strategien“, wie z. B. insbesondere der Extremismustheorie, sind dementsprechend gerade heute aktuell.

Come to where the NAZI is

Mügeln, Wurzen, Pirna, Potzlow: Erbärmliche Orte, die sich einen Namen gemacht haben. Wodurch? Ansässige Nazi-Truppen treten hier nicht nur besonders selbstbewusst und öffentlich auf, sie dürfen auch auf Verständnis seitens der eingesessenen Bevölkerung, dem Schmierblatt des Dorfes und seiner obersten Repräsentanten rechnen. National befreite Zone ist hier nicht mehr nur Konzept! Migranten und Alternative werden terrorisiert – wenn man davon keine mehr auftreiben kann, erklärt man halt den Nächtbesten zum »Juden« und tritt ihn in der Jauchegrube tot. Auf der Liste der besonders schäbigen Ecken Deutschlands möchte die sächsische Kreisstadt Limbach-Oberfrohna natürlich nicht hintanstehen: Gewalttätige Übergiffe gehören zum Alltag für die wenigen verbliebenen linken Jugendlichen, denen die Nazis letztes Jahr zur Krönung das Vereinshaus anzündeten. Die »Verantwortungsträger der Politik« reagierten blitzschnell: Ein »Bürgerbündnis gegen Extremismus« wurde gegründet, freilich sollte die NPD mit an Bord sein, die ja schliesslich »nicht verboten ist«. Als öffentlich Kritik laut wurde, entschloss man sich notgedrungen, die NPD auszuschliessen, warf dafür die LINKE aber gleich mit raus. Extremist ist schliesslich Extremist! Und um nochmal zu unterstreichen, wen man als den eigentlichen Störenfried ausgemacht hat, bekamen die örtlichen Schlägernazis beim Versuch den hiesigen Infoladen zu stürmen, tatkräftige Unterstützung von der Polizei. Die Beamten sahen sich das Treiben der Rechten zunächst untätig an, um dann beherzt die linken Jugendlichen zu verhaften und ein sichergestelltes Düngemittel der dankbaren Lokalpresse als vermutlichen Sprengstoff zu verkaufen. Die Linken schaden also nicht nur dem Ansehen der braven Gemeinde, weil sie sich immer von Nazis verprügeln lassen, Sie sind die eigentlichen Terroristen! Aktuell (12.12.2011) wurden die Scheiben einer Kindertagesstätte eingeworfen, da die Inhaberin einen Jugendlichen unterstützt hatte, der vor den Rechten geflohen war. Und so weiter und so fort. Zu Retten ist in solchen Browntowns freilich nichts mehr – trotzdem gibt es Menschen mit Restvernunft, die auf weiteres dort wohnen müssen. Wie man die unterstützen kann? Geld sammeln, damit sie sich einen Umzug leisten können oder Care-Pakete schicken, wie bei den Punx in Indonesien? Zumindest kann es nicht schaden die Werbetrommel zu rühren, wenn auf kulturellem Terrain der deutschen Gesamtscheisse für einen Abend eine deutliche Absage vor Ort erteilt wird. Und somit möchten wir hier explizit darauf hinweisen, dass EGOTRONIC und SUPERSHIRT am 07.01.2011 im Jugendhaus Ruszdorf/Limbach-O auftreten werden. Dem Konzert wünschen wir massenweise Gäste, damit ein sicherer Ablauf sichergestellt werden kann. Vielleicht fühlt sich ja der Eine oder die Andere EGOTRONIC-Freundin berufen, dafür auch mal einen etwas längeren Weg zurückzulegen…

via Beatpunk (mehr…)

Die Wut der Demokratie

Veranstaltungsreihe im AJZ Chemnitz

Dort wo die, die mit ihrem Bahnhof oben bleiben wollten um dem Staat sinnlose Ausgaben zu ersparen im direkten demokratischen Volksentscheid unterliegen, dort wo der Atomausstieg demokratisch erst durchgesetzt, dann abgewickelt und im Lichte einer atomaren Katastrophe wieder in Rechtgeltung gebracht wurde, aber sicherheitshalber doch fleißig Gleise besetzt werden, dort wo Nazis eine mörderische Terrorwelle entfachen, geheime staatliche Stellen dies auch noch unterstützen, Nazigegner_innen einerseits staatlich alimentiert, aber andererseits als Blockierer_innen, Störer_innen und Extremist_innen verfolgt werden, dort stellt sich die Frage nach dem Charakter der gesellschaftlichen Verfassung. Demokratie oder Oligarchie? Marktanarchie oder Neofeudalismus? Bröselige freiheitlich-demokratische Grundordnung oder Blüte der kommunikativen Demokratie dank „facebook“?
Mit der dreiteiligen Veranstaltungsreihe soll etwas Licht in die aktuellen Debatten gebracht werden. Ist der Diskurs über die Demokratie heute im Zeitalter der marktförmigen Zurichtung und Selbstkontrolle die letzte Zuflucht kritischer Geister? Sind die Ideologien von gestern die Utopien von heute?

Dienstag, 6. Dezember, 19 Uhr im AJZ Chemnitz / M54
Herrschaft der Demokratie? Zur Auseinandersetzung um Demokratie-Ideal und Wirklichkeit.
Vortrag und Diskussion mit Robert Feustel (Politikwissenschaftler, Universität Leipzig, u.a. Veröffentlichung im Band “Ordnung. Macht. Extremismus” des Forums für kritische Rechtsextremismusforschung)

Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen im Namen der Demokratie werden aggressiver. Robert Feustel vertritt die These, dass die hier und heute gängige, formalistische Vorstellung von Demokratie im eigentlichen Sinne undemokratisch ist. In ihrem Geschäftsordnungsdenken von Demokratie als abgeschlossenem Ist-Zustand liegt das Paradox der Demokratie. Demokratie beschreibt zweierlei: Eine Form des politischen Handelns sowie eine Herrschaftsform. Wenn Demokratie herrscht, ist sie schon in einer bestimmten Weise verfasst und in festgesetzten Prozeduren verwirklicht. Demokratie als Herrschaftsform filtert Positionen und regelt über organisierte Verfahren die Durchsetzung von Entscheidungen, gleichzeitig sorgt ihr Prinzip für deren Rechtfertigung. Das Schwert ist und bleibt zweischneidig. Über den Versuch, die Zivilgesellschaft zu aktivieren und einzubinden sollen brisante politische Entscheidungen legitimiert werden, dabei werden die Staatsbürger verstärkt als handlungsfähige und entscheidende Personen angesprochen. Im gleichen Zug kann, wie gegenwärtig in Sachsen zu besichtigen, der Selbstschutz des bestehenden Systems durch eine polizeilich-repressive Vorverlagerung von Zwang und Kontrolle in die Zivilgesellschaft verstärkt werden. Dies drängt zu der entscheidenden Frage, wie sich Kritik und Protest zu diesem Doppelprinzip demokratischer Herrschaft und Politik verhalten, wie sie sich auf den offenen, prinzipiell anarchischen Aspekt von Demokratie beziehen. Bleibt zwischen demokratischer Integration und Repression noch Platz zum Denken? Oder bleibt nur die Wut der Demokratie?

Donnerstag, 8. Dezember, 19 Uhr im AJZ Chemnitz / M54
Antidemokratischer Sonderfall oder autoritäres Modellprojekt? Der sächsische Weg.
Vortrag und Diskussion mit Vertreter_innen der Kampagne “Sachsens Demokratie”

Die Kampange „Sachsens Demokratie“ ist ein Zusammenschluss von Menschen mit dem Ziel den unhaltbaren, autoritären Zuständen im Freistaat Sachsen etwas entgegen zu setzen. Anlass die Kampagne ins Leben zu rufen, war einerseits eine Zuspitzung der politischen Situation in Sachsen, in welcher der Raum für politisches Engagement immer mehr eingeengt wird. Andererseits sind es die Ermittlungen gegen antifaschistisch engagierte Personen in Sachsen nach §129 StGB, die immer abstrusere Ausmaße annehmen. Im Rahmen der Veranstaltung wollen wir einerseits versuchen die politische Situation in Sachsen zu analysieren und andererseits die Frage diskutieren, wie eine linke Antwort auf diese Situation aussehen kann.

Dienstag, 15. Dezember, 19 Uhr im AJZ Chemnitz / M54
Wer blockiert hier eigentlich wen? Zur Verteidigung des zivilen Ungehorsams.
Vortrag und Diskussion mit Kristin Pietrzyk (Rechtsanwältin, Jena)

Im Februar 2011 wurde der Aufmarsch mehrerer tausend Nazis in Dresden erneut durch entschlossene Blockaden verhindert. Dies konnte erst durch groß angelegte bundesweite Mobilisierungen und starke Unterstützung von außerhalb erreicht werden – in Dresden selbst fühlten sich nur wenige zuständig oder anständig: Den Nazis wurde zuvor der Weg freigemacht und das Problem in antifaschistischen Protesten gesehen. Geht es nach dem sächsische Generalstaatsanwalt Klaus Fleischmann hätte das auch so bleiben sollen. Nach seiner Auffassung gehören alle Menschen strafrechtlich verfolgt, welche sich nichtverbotenen Versammlungen mit friedlichen Mitteln in den Weg stellen, auch nazis hätten ein Recht auf Versammlungsfreiheit. Demgegenüber steht die Notwendigkeit, faschistischer Ideologie und Propaganda entschieden entgegen zu treten. Wie ist also das Verhältnis des deutschen/sächsischen Rechtsstaates zu zivilen Ungehorsam übenden und antifaschistischen Bürger_innen?

Eine Veranstaltungsreihe des Hasek e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bildungskollektiv und dem AJZ Chemnitz. Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch den Lokalen Aktionsplan für Demokratie, Toleranz und für ein weltoffenes Chemnitz.

Nie wieder Zwickau!

25. No­vem­ber – 18 Uhr – Georgenplatz – Zwickau: Den Op­fern der Na­zi­ge­walt wür­dig ge­den­ken! Na­zi­struk­tu­ren of­fen­le­gen & be­kämp­fen! Deut­scher Schuld­ab­wehr wi­der­spre­chen!

Am 11. No­vem­ber 2011 wur­den zwei Nazis nach einem miss­glück­ten Bank­über­fall in Ei­se­nach tot in ihrem Wohn­mo­bil ge­fun­den. Kurz dar­auf ex­plo­dier­te im Zwi­ckau­er Stadt­teil Wei­ßen­born eine Woh­nung. Wie sich bald her­aus­stel­len soll­te, war diese Woh­nung jah­re­lang zen­tra­ler Kno­ten­punkt und Un­ter­schlupf einer Na­zi-​Ter­ror­zel­le, die sich selbst als „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Un­ter­grund“ (NSU) be­zeich­net. Die wei­te­ren Un­ter­su­chun­gen er­ga­ben, dass die Grup­pie­rung in den ver­gan­ge­nen elf Jah­ren mut­maß­lich zehn Morde und meh­re­re An­schlä­ge ver­übt hatte.

Der Staat soll’s rich­ten

Die me­dia­le Em­pö­rung über diese Ver­bre­chen kennt keine Gren­zen. Wie konn­te das pas­sie­ren? Wer trägt die Schuld? Die Mehr­zahl der Me­di­en sieht im Ver­sa­gen des Ver­fas­sungs­schut­zes die zen­tra­le Ur­sa­che. In deut­scher Tra­di­ti­on rich­tet sich die An­kla­ge an die staat­li­che Au­to­ri­tät, schließ­lich haben der Staat und seine Or­ga­ne für Ord­nung in die­sem Land zu sor­gen. So­fern ihm dies nicht ge­lingt, ist er zu schwach und muss mit wei­te­ren Kom­pe­ten­zen aus­ge­stat­tet wer­den. Mit die­ser Er­klä­rung kön­nen sich die Deut­schen ent­spannt zu­rück­leh­nen. Nur in Zwi­ckau ist es in den ver­gan­ge­nen bei­den Wo­chen nicht mehr ganz so ge­müt­lich. Die bun­des­wei­ten Me­di­en haben die Na­zi-​Ter­ro­ris­ten zur »Zwi­ckau­er Zelle« ge­tauft und das passt den Wür­den­trä­gern in die­ser Stadt nun über­haupt nicht.

„Mit Zwi­ckau hat das Ganze nichts zu tun!“

So er­klärt die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te aus Zwi­ckau Sa­bi­ne Zim­mer­mann in der »Frei­en Pres­se« vom 21. No­vem­ber: „Mit Zwi­ckau hat das Ganze nichts zu tun!“ Diese Aus­sa­ge bil­det den Auf­takt für eine um­fas­sen­de Schuld­ab­wehr, wie sie nur aus dem Land der Auf­ar­bei­tungs­welt­meis­ter kom­men kann. In glei­chem Ar­ti­kel wird sich dar­über be­schwert, dass sich Zwi­ckau­er in der gan­zen Welt nun für die Taten der zu­fäl­lig in die Stadt ge­kom­me­nen Nazis recht­fer­ti­gen müs­sen. Von ver­hee­ren­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ist die Rede. Doch die Stadt­obe­ren wol­len sich nun gegen den dro­hen­den Ima­ge­scha­den zur Wehr set­zen. Auch die Ober­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Zwi­ckau Pia Find­eiß ist nun krampf­haft be­müht das Image ihrer Stadt wie­der auf­zu­po­lie­ren.

Be­trof­fen­heit soll Image ret­ten

Dabei kam den bei­den eine an ekel­er­re­gen­der Raf­fi­nes­se kaum zu über­bie­ten­de Idee. Knapp zwei Wo­chen nach Be­kannt­wer­den der »Zwi­ckau­er Zelle« wurde den Me­di­en ein »Ap­pell für De­mo­kra­tie und To­le­ranz« zu­ge­spielt. Die­ser Be­trof­fen­heits­ap­pell – be­ste­hend aus sie­ben Sät­zen – will der Öf­fent­lich­keit nun eine glat­te Lüge auf­ti­schen, näm­lich „dass Zwi­ckau keine Heim­stät­te rechts­ex­tre­men Ter­rors ist und dem brau­nen Ge­dan­ken­gut eine klare Ab­sa­ge er­teilt“. Das Ge­gen­teil ist der Fall! Als wäre das nicht schon genug der heuch­le­ri­schen An­teil­nah­me, wer­den die Morde der »Zwi­ckau­er Zelle« noch re­la­ti­viert, indem darin auf die im ver­ei­nig­ten Deutsch­land „über 130 durch rech­te Ge­walt zu Tode ge­kom­me­nen Men­schen“ ver­wie­sen wird.

Zwi­ckau is in Ger­ma­ny

Um es kurz zu ma­chen: Zwi­ckau ist für Nazis seit vie­len Jah­ren eine aus­ge­zeich­ne­te Adres­se. Es exis­tiert eine um­fang­rei­che na­zis­ti­sche Er­leb­nis­welt aus Kla­mot­ten-​ und Ta­too­lä­den, aus Kampf­sport­ver­an­stal­tun­gen und Kon­zer­ten mit ein­schlä­gi­gen Na­zi-​Bands. Eine ehe­ma­li­ge Be­ra­te­rin von Hel­mut Kohl hat der NPD ein Bür­ger­bü­ro ver­mie­tet und auf dem dies­jäh­ri­gen Stadt­fest durf­ten or­ga­ni­sier­te Nazis meh­re­re Pun­ker ver­prü­geln, ohne dass es der Lo­kal­zei­tung auch nur eine Rand­be­mer­kung wert war. Die Stadt hat sich einen Pa­pier­ti­ger na­mens »Bünd­nis für De­mo­kra­tie und To­le­ranz« ge­schaf­fen, der zwar eine kom­mu­na­le Ein­rich­tung vor dem fi­nan­zi­el­len Kol­laps be­wahrt, aber an­läss­lich einer De­mons­tra­ti­on von Nazis zum Weg­se­hen auf­ruft. Kein Mensch in die­ser Stadt wi­der­spricht die­sen Zu­stän­den! Wer sich den­noch gegen Nazis stellt, gilt als be­dau­erns­wer­ter, pa­ra­no­ider Spin­ner oder links­ex­tre­mis­ti­scher Nest­be­schmut­zer. Fol­ge­rich­tig wird eine Grup­pe Ju­gend­li­cher, die der igno­ran­ten All­tags­kul­tur ein »Al­ter­na­ti­ves Ju­gend­zen­trum« ent­ge­gen­set­zen möch­te, von der Ober­bür­ger­meis­te­rin zur kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung er­klärt. Diese Auf­zäh­lung ließe sich pro­blem­los fort­füh­ren. So steht es also um die Stadt, die mit der »Zwi­ckau­er Zelle« an­geb­lich nichts zu tun hat.

Nie wie­der Zwi­ckau!

Nicht zu­letzt mit dem »Zwi­ckau­er Ap­pell« wird ex­em­pla­risch vor­ge­führt, dass Teile Deutsch­lands von de­mo­kra­ti­schen Min­dest­stan­dards ab­ge­kop­pelt sind! Die­sem wi­der­wär­ti­gem Lehr­bei­spiel deut­scher Schuld­ab­wehr muss von Sei­ten eman­zi­pa­to­ri­scher Über­bleib­sel deut­lich wi­der­spro­chen wer­den!
Am 25. No­vem­ber fin­det um 18:00 Uhr der so­ge­nann­te »Marsch der An­stän­di­gen« in Zwi­ckau statt. Wir rufen zu einer kri­ti­schen Teil­nah­me auf und tre­ten für ein wür­di­ges Ge­den­ken an die Opfer der »Zwi­ckau­er Zelle« ein. Wir for­dern eine öf­fent­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit all­täg­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung und na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ideo­lo­gie! Na­zi­struk­tu­ren of­fen­le­gen und be­kämp­fen! Nie wie­der Deutsch­land!

via: aaz.blogsport.de
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Die Zi­ta­te stam­men aus dem Ar­ti­kel „Zwi­ckau kämpft um sein Image“ in der Ta­ges­zei­tung »Freie Pres­se« vom 21.​11.​2011 und dem »Ap­pell für De­mo­kra­tie und To­le­ranz« der Stadt Zwi­ckau.

Russland – Kein Weg aus dem postkommunistischen Übergang?

Veranstaltungshinweis:

Mo, 14.11.11 19:30 bis 21:30 Uhr
Buchhandlung im Kunsthof Dresden

Lesung und Gespräch mit dem Autor Lev Gudkov und Detlev Claussen

Stillgelegte Fabriken und aufgegebene Menschen, Megakonzerne und eine reiche Führungsklasse, dahinter ein autoritärer Staat, der unliebsame Oligarchen hinter Gitter bringt – widersprüchlich sind die Nachrichten aus der früheren Sowjetunion. Zaslavsky und Gudkov analysieren mit großer Kenntnis und schonungslos das heutige Russland.
Der postkommunistische Übergang ist in Russland historisch einzigartig. Anders als in den ostmitteleuropäischen Staaten fand kein nennenswerter Austausch der Führungselite statt. Veränderungen gab es in der Wirtschaft, wo sich eine gewisse Entstaatlichung vollzog, aber dennoch hat der erbitterte Widerstand des militärisch-industriellen Sektors und der Staats- und Parteibürokratie den Übergang zu einer postindustriellen Gesellschaft verhindert. In der Politik hingegen wird eine Rückbildung zum autoritären Staat immer deutlicher. Das heute herrschende Regime setzt auf die Tradition, Großmachtgehabe, einen paranoiden Nationalismus, die Gleichschaltung der Justiz und eine deklarierte orthodoxe Religiosität und fördert eine Atmosphäre des allgemeinen Zynismus und Massenkonsums. Belegt durch reiches Datenmaterial, beschreiben die Autoren den Weg Russlands vom Ende des Kommunismus zur großen Krise 1998, über den Aufstieg Putins bis hin zu Medwedjew. Und sie kritisieren die westlichen Staaten, deren Haltung mehr von energiepolitischen Erwägungen bestimmt wird als dem Drängen auf Einhaltung der Menschenrechte und die so die autoritäre Staatsmacht festigen. (Verlagsankündigung)

Die Autoren schonen weder die Führungselite – deren Beschaffenheit sich seit dem Fall der Sowjetunion kaum verändert hat, die aber reicher geworden ist – noch den Staats- und Parteiapparat. … Das Bild eines zerrissenen, stagnierenden Landes steht hier auf, zerrissen zwischen Mega-Reichtum und wirtschaftlichem Ruin, zwischen Staatsautorität und Demokratie. Ein erhellendes Buch. (Deutschlandradio Kultur)

Lev Gudkov, 1946 in Moskau geboren, hat Soziologie, Journalismus und Philologie studiert. Er ist Direktor des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts «Levada Center» und Herausgeber der Zeitschrift «The Russian Public Opinion Herald». Victor Zaslavsky, geboren 1937 in Leningrad, lehrte nach zehn Jahren als Ingenieur Soziologie an der Universität Leningrad. Nach der Emigration 1975 unterrichtete er u.a. an der Universität LUISS Guido Carli in Rom. Er starb 2009 während der Fertigstellung dieses Buchs.

Das Gespräch führt Prof. Dr. Detlev Claussen. Er hatte bis 2011 die Professur für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover inne. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen die Untersuchung von Antisemitismus, Xenophobie, Nationalismus, Rassismus, Transformationsgesellschaften, Migrationsbewegungen und Psychoanalyse. In der taz schrieb er über das Buch: «Wer wissen will, was in Russland wirklich los ist, muss dieses Buch gelesen haben. Der schmale Band überzeugt durch Übersichtlichkeit und seinen unaufgeregten Argumentationsstil.»

Lev Gudkov, Victor Zaslavsky
«Russland – Kein Weg aus dem postkommunistischen Übergang?» ist 2011 im Verlag Klaus Wagenbach erschienen.

Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das Gespräch findet in russischr Sprache statt und wird ins Deutsche übersetzt.
Veranstalter: Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Film und Gespräch: Zur falschen Zeit am falschen Ort

Veranstaltungshinweis

Donnerstag, 03. November 2011 | 19:00 Uhr | Alte Mensa Petersstraße
Zur falschen Zeit am falschen Ort
Film und Gespräch mit der Regisseurin Tamara Milosevic

Potzlow, Brandenburg 450 Einwohner. Im Juli 2002 wurde hier der 17-jährige Marinus von drei Jugendlichen brutal gefoltert, zu Tode misshandelt und in einer Jauchegrube verscharrt. Matthias war Marinus Freund und hat seine Leiche ausgegraben. Seitdem ist er traumatisiert und leidet unter schweren Depressionen. Die Schule hat er, der „Verräter“ abgebrochen und die nächsten Monate vor dem Fernseher auf seinem Zimmer verbracht. Nun sucht er einen Neuanfang. Er sei nur verstockt, sagt sein Vater, er ruhe sich darauf aus, auf der „schlimmen Sache“ und früher hätte man sich mehr um die Kinder gekümmert. Die Eltern sind schuld sagt der Bürgermeister, und die Medien wollen nur schnelle Antworten, dabei sei doch die Tat nicht geplant gewesen, die wollten nur mal die Sau rauslassen. Man hat darüber geredet, aber „irgendwann muss das mal wieder aufhören“. Potzlow ist zur Tagesordnung zurückgekehrt: man trinkt, kifft und trinkt. Wer grübelt, der ist schwach, einer wie Marinus, einer wie Matthias.

Zur falschen Zeit am falschen Ort ist ein Dokumentarfilm von Tamara Milosevic aus dem Jahre 2005, der sich mit dem im Juli 2002 verübten Mord an dem 16-jährigen Marinus Schöberl durch drei Jugendliche auseinandersetzt.

Tamara Milosevic hat die Filmakademie Baden Württemberg absolviert, der mehrfach ausgezeichnete Film war ihre Abschlussarbeit.

„Ein Ort in Brandenburg, wie jeder andere, wie kein anderer. Tamara Milosevic erzählt nicht einfach die Geschichte eines grausamen Mordes, sie macht den Schauplatz eines Verbrechens bildlebendig. Der Film führt seine Figuren nicht vor, er verfügt nicht über sie, sondern erschrickt selbst über das Geschehen. Ein Gehege voll klirrender Kälte und drogenseliger Gemütlichkeit, ein Überfall auf den Zuschauer ohne pädagogischen Rat und kurzschlüssige Folgerungen.“

Aus der Begründung der Jury zum First Steps Award

Von der Veranstaltung ausgeschlossen sind Personen, die neonazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind.

10 Years After. 9/11 und die Folgen.

Antifaschistische Hochschultage 2011 in Halle

Als am 11. September 2001 zwei von Islamisten gesteuerte Passagierflugzeuge die Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, hieß es in Politiker- und Fernsehkommentaren, dass von nun an nichts mehr so sei wie bisher. Die Bundesregierung stellte für den Krieg in Afghanistan einige Einheiten zur Verfügung; ein Teil der Linken ergriff auf Demonstrationen mit Amerika- und Israelflaggen Partei für den »War on Terror«; und es schien sich ein Problembewusstsein gegenüber dem Islam zu entwickeln. Bereits ein Jahr später rettete ein amerikafeindlicher Wahlkampf die Sozialdemokraten vor der Niederlage bei der Bundestagswahl, und 2003 demonstrierten die zahlreichen Friedensfreunde – von der PDS bis zu den Grünen und der SPD – gemeinsam mit Neonazis gegen den Irak-Krieg. Zehn Jahre nach den Anschlägen will von einer Solidarität mit den USA niemand mehr etwas wissen.
Als Ossama bin Laden Anfang Mai 2011 von amerikanischen Eliteeinheiten aufgespürt wurde, hielt die Aufmerksamkeit gerade bis zur nächsten Unwetterwarnung. Für Israel und Amerika scheinen sich jedoch die schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu haben. Vor diesem Hintergrund soll sich im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage mit den Folgen des 11. Septembers und seiner Bedeutung für die Gesellschaftskritik auseinandergesetzt werden.

Donnerstag, 13. Oktober, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Das Ende Israels? Israel und die palästinensische Staatsgründung.
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat.

Der einzige Staat, dessen Existenzzweck es ist, die Juden vor allen möglichen Zugriffen von Antisemiten zu schützen, hat bekanntermaßen viele Feinde. Doch nicht nur seine Nachbarn bzw. das Atomwaffenprogramm des Mullahregimes im Iran stellen eine permanente Gefahr für den jüdischen Staat dar, sondern eine weltweite Allianz, die mal in NGOs organisiert in der Form von »Hilfsflotillen« auftritt und sich mal in der UNO versammelt, delegitimiert beständig die Existenz Israels.
Im September 2011 kamen die Vereinten Nationen nun in eben jener Stadt zusammen, in der zehn Jahre zuvor der antisemitische Wahn im Massenmord an fast 3.000 Menschen im World Trade Center kulminierte, um unter tosendem Beifall der Delegierten den Antrag des PLO-Häuptlings Mahmud Abbas für einen Staat Palästina zu feiern. Gleichzeitig fand ebenfalls in New York die dritte Auflage der sogenannten Antirassismus-Konferenz der UNO statt, deren Premiere im südafrikanischen Durban wenige Tage vor den Anschlägen vom 11. September 2001 zum antisemitischen Spektakel geriet.
Kurzum: Den militanten Feinden Israels im Nahen Osten und überall wurde wieder einmal zu verstehen gegeben, dass die Weltgemeinschaft ihnen nicht nur keinesfalls in den Arm fallen wird, sondern ausdrücklich hinter ihnen steht.
Warum dieser globalen Allianz der Antisemiten nur eine bedingungslose Solidarität mit Israel entgegenzusetzen ist, wird Stephan Grigat in seinem Vortrag ausführen.

Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Von New York bis Kairo. Amerika und seine Feinde.
Vortrag und Diskussion mit Bernd Volkert und Justus Wertmüller.

Als im libyschen Bengasi anlässlich der NATO-Angriffe auf die Schergen Muhammar al-Gaddafis amerikanische Fahnen geschwenkt wurden, wirkte dies fast wie eine nachträgliche Bestätigung George W. Bushs und seiner Greater Middle East Initiative. Dabei ist es jedoch mehr als fraglich, was auf die Aufstände gegen arabische Despoten und deren Sturz folgen wird, ob es sich also um eine verspätete Folge der Befreiung des Irak und um eine freiheitliche Entwicklung handelt, oder ob die Unterdrückung des Individuums in den arabischen Ländern nur demokratisiert werden soll. Nicht zuletzt davon hängt es ab, ob diese Länder ein selbstverständlicher Teil der antiamerikanischen Internationale zwischen Teheran und Caracas bleiben, an deren Wahn auch die Präsidentschaft Barack Obamas nichts zu ändern vermochte. Eine Einschätzung der »Arabellion« und des antiamerikanischen Stand der Dinge in der Welt seit 9 / 11 werden Justus Wertmüller und Bernd Volkert in ihren Vorträgen abgeben.

Donnerstag, 10. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Nothing Left to Lose. Die Linke nach 9/11.
Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Jan-Georg Gerber

Nach dem 11. September 2001 kam es innerhalb der Linken zu eigenartigen Koalitionen: War es von den traditionellen Freun­den des antiimperialistischen Befreiungskampfes nicht anders zu erwarten, dass sie die Anschläge von New York begrüßten, verwunderte es auf den ersten Blick schon, dass auch poststrukturalistische Feministinnen, Queer- und Gender-Aktivisten plötzlich besonderes Verständnis für den Islam zeigten. Immerhin waren im Kontext der Attentate auch die repressiven Züge des Islam, der Verschleierungszwang, die Herrschaft der Scharia, Ehrenmorde usw. in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Freun­de Israels und des amerikanischen Engagements in Afghanistan und im Irak erhielten bei ihren Versuchen, die große antiameri kanische und israelfeindliche Einheitsfront – von Kanzler Schröder über die deutschen Anhänger Judith Butlers bis zur NPD – zu stören, die sich in dieser Zeit Geltung verschaffte, plötzlich Unterstützung von Bewegungslinken, die wenige Monate zuvor noch Neonaziaufmärsche verhindert und zu den Antiglobalisierungsprotesten nach Prag, Genua oder Kopenhagen mobilisiert hatten. Während die antideutschen Antifagruppen, die im Nachgang von 9/11 und im Zuge des Irakkrieges entstanden, inzwischen schon wieder Geschichte sind, ist sowohl der antiisraelische Furor der Mehrheitslinken als auch die Faszination, die der Islam auf poststrukturalistische Genderaktivisten ausübt, noch immer ungebrochen. Die Referenten werden einerseits ausführen, warum gerade Judith Butler und Co. eine solche Begeisterung für den Islam entfalten. Andererseits soll der Frage nach den Ursachen des schnellen Aufstiegs und des ebenso schnellen Verschwindens »antideutscher Bewegungspolitik« nachgegangen werden.


Freitag, 18. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Koran und Kapital. Zum Stand der Islamkritik.
Podiumsdiskussion mit Thomas Maul, Niklaas Machunsky und einem Vertreter der Gruppe Morgenthau

In den 1840er Jahren schrieben Marx und Engels, dass die Bourgeoisie, die von ihnen damals noch synonym mit dem Kapitalverhältnis gesetzt wurde, an jedem Ort der Welt für die Zerstörung der Traditionen, der Herrschaft der Religion sowie der Bindungen an Blut, Boden, Sippe und Scholle sorge. Ohne diesen Prozess zu verklären, wurde er von beiden doch als Voraussetzung der Herausbildung einer Gesellschaft begriffen, in der, wie es an gleicher Stelle heißt, die freie Entwicklung der Einzelnen zur Voraussetzung der freien Entwicklung aller geworden ist. Insbesondere (aber nicht nur) mit Blick auf die sogenannte islamische Welt, wo die Anschläge vom 11. September mit Freudenfeiern begrüßt wurden, stellt sich die Frage nach der traditionssprengenden Kraft des Weltmarktes neu. Wenn Marx und Engels recht hatten und das Kapital an jedem Ort der Welt für die Zertrümmerung des Althergebrachten sorgt, welcher Art sind dann die Zustände in weiten Teilen des Maghreb, des Nahen und Mittleren Ostens, wo man sich, mehr als hundert Jahre nach der Durchsetzung des Weltmarktes, scheinbar ungebrochen auf die Geltung von Tradition und Sippe beruft? Wenn sie Unrecht hatten, von welchen falschen Voraussetzungen gingen sie dann aus? Warum scheint sich insbesondere der historische Einflussbereich des Islam dem Prozess von Individuation und Säkularisierung zu entziehen?

„Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt.“ Judenverfolgung in Freiberg 1933 – 1945

Unter dem Titel

„‘Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt‘. Judenverfolgung in Freiberg 1933 – 1945“

hat am 20.09.2011; 11 Uhr im Rathaus Freiberg; Obermarkt
die erste umfassende Dokumentation zur Judenverfolgung im sächsischen Freiberg Premiere.

„Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt“, schrieb 1939 resigniert der Weinhändler Max Freud an den damaligen Freiberger OB, Dr. Werner Hartenstein. Der Jude Max Freud sah nach der Vernichtung seiner wirtschaftlichen Existenz durch NS-Staat und Gestapo und nach den andauernden Demütigungen durch Freiberger Bürger für sich keinen Ausweg mehr. Er schien zu ahnen, was ihm noch bevor stand. Max Freud starb 1942 im KZ Dachau. Seine Geschichte ist durch eine schmale Akte im Stadtarchiv Freiberg belegt. (mehr…)

Bierputsch gegen Ideologiekritiker

Mittwoch, den 27.7.2011 um 19 Uhr

Max & Moritz, Oranienstraße 162, in 10969 Berlin

Mit Thomas Maul und Justus Wertmüller

Mitmachen ist Ehrensache

Die radikale Linke rüstet sich zum Bierputsch gegen Ideologiekritiker

Seit einem Jahr häufen sich von Linksradikalen zu verantwortende Versuche, Referenten aus dem Umfeld der Ideologiekritiker und hier ganz besonders Autoren und Redakteure der Bahamas am Reden zu hindern. Das geschieht nach bewährtem Schema: zuerst erscheinen Fatwas im Internet, die stets aufs Neue beweisen, wie rassistisch, imperialistisch, rechtsradikal, frauenfeindlich und islamophob Bahamas und Freude seien, wobei man die Vorarbeiten von Verleumdern und häufig auch Zitatenfälschern recycelt, die manchmal Namen haben wie Bernhard Schmid (Jungle World) oder Peter Nowak (ND bzw. Junge Welt), meist aber unter Pseudonymen wie lysis oder rhizom ihr Unwesen treiben. Danach drängt es einige zumeist ziemlich derangierte Übriggebliebene aus alten Kameradschaften wie Volx-Küche, Frauen-Lesben-Zusammenhängen oder der Antifa zur „interventionistischen Praxis“. Diese reicht mittlerweile von anonymen Drohungen und Einschüchterungen der Wirte oder Vereine, in deren Lokalen die Vorträge stattfinden sollten (wie mehrfach in München, Lübeck und Jena), über eine öffentliche Sitzung, in der sich die entsprechende Szene gleich selbst für Raumverbot, also Zensur, aussprach (wie in Leipzig), zur Sprengung der jeweiligen Veranstaltung, wie es in Bonn versucht wurde und in Marburg gelungen ist.

Zwar bringen diese Interventionisten nichts Eigenes mehr zustande, das von Interesse wäre, wohl aber können sie den Terror von Verbot, Drohung und Nötigung gegen Kritiker überall dort einsetzen, wo man sie lässt, d.h. z.B.: nicht öffentlich zurechtweist, worauf auch „strömungsübergreifende“ linke Medien wie Jungle World oder Phase 2 bis jetzt verzichten. Insofern haben Bahamas-Autoren und die, die ihnen zuhören wollen, kein kleines Problem.

Auf einer Diskussionsveranstaltung sollen ein paar inhaltliche Fragen geklärt werden:

  • Die radikale Linke als Vorfeldorganisation des gesunden Volksempfindens,
  • Die Privatisierung des Verfassungsschutzes,
  • Warum Mitmachen in Deutschland gerade für Linke Ehrensache ist.
  • Aber auch darüber, wie diese jüngsten Entwicklungen der (zum Teil auch „antideutschen“) Linken einzuschätzen sind und was künftig zu tun wäre, um den störungsfreien Ablauf ideologiekritischer Veranstaltungen zu gewährleisten, kann mit Thomas Maul und Justus Wertmüller diskutiert werden.

    Antiziganismus – das Gerücht über die „Zigeuner”

    Workshop der Initiative „Geschichte vermitteln“ aus Leipzig

    Zeit: Samstag, 16.07.2011, ab 11 Uhr
    Ort: Roter-Weg e.v., Roter Weg 43, Freiberg

    Antiziganismus ist auch in der Bundesrepublik nach wie vor präsent. Antziganistische Diskriminierungen sind dabei keineswegs bloß Einzelerscheinungen. Die von solcherlei Diskriminierungen betroffenen Menschen sind längst nicht mehr nur verbalen Beleidigungen ausgesetzt. Körperverletzungen aber auch Brandanschläge gehören leider zum traurigen Repertoire von antiziganistischen Zuständen in diesem Land. Das jene Menschen nebenher auch jede Menge Erfahrung mit institutioneller Diskriminierung machen, muss nicht sonderlich betont werden.

    Dieser Workshop soll einer Einführung in die Thematik dienen. Zunächst werden vermittels einer historischen Explikation des Phänomens „Antiziganismus“, mit besonderem Fokus auf die Ausgrenzungs- und Vernichtungspraxis während des Nationalsozialismus, die historischen Dimensionen von antiziganistischer Diskriminierung dokumentiert. Anschließend wird der schwierige Kampf um die Anerkennung als Opfergruppe thematisiert. Dabei soll bereits deutlich werden, dass sich antiziganistische Kontinuitäten ohne größere Brüche bis in die heutige Zeit fortschreiben konnten.
    Im zweiten Teil des Workshops wird die aktuelle Situation von „Roma und Sinti“ dargestellt. Neben den antiziganistischen Zuständen in der Bundesrepublik liegt der Schwerpunkt unserer Betrachtung auf einigen ausgewählten osteuropäischen Ländern.
    Abschließend möchten wir in einer gemeinsamen Diskussion mögliche Strategien der Dekonstruktion von antiziganistischen Bilder erörtern.

    Die Leipziger Initiative „Geschichte vermitteln“ arbeitet bereits seit über einem Jahr an diesem Thema. Sie hat im vergangenen Jahr in Leipzig und der näheren Umgebung zahlreiche Veranstaltungen organisiert, die sich allesamt kritisch mit der traurigen Aktualität des Antiziganismus beschäftigten.

    „Wer liegt im Staub und träumt da vor sich hin?“

    Ausstellung und Veranstaltungsreihe zur Kritik des Antiziganismus

    Der Begriff des Antiziganismus ist innerhalb der deutschen Gesellschaft nach wie vor wenig bekannt und ist somit kaum Bestandteil einer öffentlichen Diskussion, die die Kritik von vielschichtigen Diskriminierungen von Menschen zum Ziel hat. Jedoch ist die Feindschaft gegen Roma und Sinti ein aktuelles und akutes europäisches Problem und keineswegs nur Bestandteil der nationalsozialistischen Rassenideologie gewesen, welcher allein in Auschwitz-Birkenau über 15000 Menschen, die man als „Zigeuner“ stigmatisierte, zum Opfer fielen.
    Immer wieder kommt es in verschiedenen europäischen Ländern zu Einschüchterungen, Übergriffen oder pogromartigen Zuständen gegenüber Roma und Sinti.
    Im tschechischen Litvinov, welches circa 50 km von Freiberg entfernt liegt, versuchten im November 2008 über 600 Nazis aus der gesamten Tschechischen Republik gewaltsam in das von Roma bewohnte Stadtviertel Janov einzudringen. Eine große Anzahl von Anwohnern unterstützte sie dabei, indem sie die Polizeiarbeit behinderten und den zugereisten Nazis unter anderem mit Verpflegung halfen. Seitdem kommt es gehäuft zu Übergriffen und Kundgebungen von rechtsradikalen Gruppen. Ein anderes aktuelles Beispiel manifestierte sich in Ungarn, wo seit März diesen Jahres rechte Bürgerwehren – unterstützt durch die drittstärkste ungarische Partei Jobbik – das Dorf Gyöngyöspata belagern, um die dort 100 lebenden Romas einzuschüchtern und zu vertreiben. Ähnliche Meldungen hört man regelmäßig aus Italien und der Slowakei.
    Aber auch in Deutschland sind gegenwärtig viele Menschen vom Antiziganismus betroffen, auch wenn er sich hierzulande meist subtiler zeigt, was jedoch nicht bedeutet, dass die Folgen für die Betroffenen weniger schwer wären.

    Mit der Veranstaltungsreihe möchten wir Menschen in Freiberg für die Thematik sensibilisieren und sowohl über historische wie auch aktuelle Formen des Antiziganismus aufklären. Der Blick soll dabei auf die Betroffenen und ihre vielfältigen Probleme, aber auch auf die gesellschaftlichen Ursprünge und die Genese der antiziganistischen Ideologie gerichtet werden.

    Geschichte, Gegenwart und Kritik des Antiziganismus

    Vortrag mit Markus End

    Im Vortrag wird – nach einer kurzen Begriffsklärung – zunächst auf die lange Geschichte und die gewalttätige Gegenwart des Antiziganismus in Europa eingegangen. In einem zweiten theoretischen Teil werden Ansätze zu einer Theorie des Antiziganismus auf der Basis Kritischer Theorie vorgestellt. Dabei werden verschiedene Ebenen dieser Vorurteilsstruktur – die Stereotype, die Sinnstruktur und die sozialen Hintergründe dargestellt und analysiert.

    Markus End promoviert am Zentrum für Antisemitismusforschung zur Struktur und Funktionsweise des modernen Antiziganismus und ist Mitherausgeber des Sammelbandes „Antiziganistische Zustände“.

    Zeit: Montag, 04.07.2011, 18 Uhr
    Ort: Jugendtreff Tee Ei, Untermarkt 5, Freiberg

    Auf dem Dienstwege…

    Ausstellung zur Erfassung, Ausgrenzung und Deportation der Leipziger Sinti und Roma im Nationalsozialismus

    Diese Ausstellung des Bildungswerks der Heinrich Böll Stiftung zeigt erstmalig Dokumente der rassistisch motivierten Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma in Leipzig. Sie geschah schrittweise und öffentlich. Die Erfassung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen Polizei und Forschung – dem damaligen „Institut für Rassen und Völkerkunde“ der Leipziger Universität.
    Nach der Erfassung durften die Aufenthaltsorte nicht mehr verlassen werden, die Kleidung musste mit einem „Z“ gekennzeichnet werden. Auf den Entzug der Wohnungen und Arbeitsmöglichkeiten erfolgten Internierungen. Von dort aus wurden die Sinti und Roma später ins KZ bzw. direkt in die Vernichtungslager deportiert. Die massenhafte Beteiligung am Völkermord fand seine Wege über die Gewohnheiten alltäglicher „Pflichterfüllung“.
    Denunziationen wurden als „Anfragen“ oder „Beschwerden“ deklariert. Das Vokabular der „Sachbearbeitung“ bezeichnete Verwaltungsakte zur Deportation in Vernichtungslager. Die Bereitschaft dazu entstand weder plötzlich noch nahtlos. Sie erwuchs aus vielen Entscheidungen und diese wurden nicht unablässig mit rassistischen Schlagworten kommentiert. Die Ungeheuerlichkeiten offenbaren sich heute in den kleinen Schritten…

    Autorin: Annett Seese, Leipzig
    Zeit: In der Woche vom 4.7.- 8.7.2011 täglich zwischen 16 und 19 Uhr.
    Ort : Jugendtreff Tee Ei, Untermarkt 5, Freiberg

    Antiziganismus – das Gerücht über die „Zigeuner”

    Workshop der Initiative „Geschichte vermitteln“ aus Leipzig

    Antiziganismus ist auch in der Bundesrepublik nach wie vor präsent. Antziganistische Diskriminierungen sind dabei keineswegs bloß Einzelerscheinungen. Die von solcherlei Diskriminierungen betroffenen Menschen sind längst nicht mehr nur verbalen Beleidigungen ausgesetzt. Körperverletzungen aber auch Brandanschläge gehören leider zum traurigen Repertoire von antiziganistischen Zuständen in diesem Land. Das jene Menschen nebenher auch jede Menge Erfahrung mit institutioneller Diskriminierung machen, muss nicht sonderlich betont werden.

    Dieser Workshop soll einer Einführung in die Thematik dienen. Zunächst werden vermittels einer historischen Explikation des Phänomens „Antiziganismus“, mit besonderem Fokus auf die Ausgrenzungs- und Vernichtungspraxis während des Nationalsozialismus, die historischen Dimensionen von antiziganistischer Diskriminierung dokumentiert. Anschließend wird der schwierige Kampf um die Anerkennung als Opfergruppe thematisiert. Dabei soll bereits deutlich werden, dass sich antiziganistische Kontinuitäten ohne größere Brüche bis in die heutige Zeit fortschreiben konnten.
    Im zweiten Teil des Workshops wird die aktuelle Situation von „Roma und Sinti“ dargestellt. Neben den antiziganistischen Zuständen in der Bundesrepublik liegt der Schwerpunkt unserer Betrachtung auf einigen ausgewählten osteuropäischen Ländern.
    Abschließend möchten wir in einer gemeinsamen Diskussion mögliche Strategien der Dekonstruktion von antiziganistischen Bilder erörtern.

    Die Leipziger Initiative „Geschichte vermitteln“ arbeitet bereits seit über einem Jahr an diesem Thema. Sie hat im vergangenen Jahr in Leipzig und der näheren Umgebung zahlreiche Veranstaltungen organisiert, die sich allesamt kritisch mit der traurigen Aktualität des Antiziganismus beschäftigten.

    Zeit: Samstag, 16.07.2011, ab 11 Uhr
    Ort: Roter-Weg e.v., Roter Weg 43, Freiberg

    Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit „Weiterdenken- Heinrich Böll Stiftung Sachsen“, dem Verein „Roter Weg“, der Redaktion FreibÄrger, dem Jugendtreff Tee Ei und dem „Treibhaus Döbeln“ statt.

    Mehr Infos: www.roter-weg.de // www.tee-ei-freiberg.de