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Die Stille nach dem Aufstand

erschienen in FAZ vom 10. Januar 2019

Vor drei Jahren wurde Clausnitz weltweit bekannt, nachdem Bürger einen Bus mit Flüchtlingen darin blockiert hatten. Heute kämpft der Ort wieder mit dem Alltag.

Von Stefan Locke

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist ein erklärter Fan des ländlichen Raums, und als solcher lädt ihn am Dienstagabend ein Bürger in Clausnitz ein, doch mal am Wochenende gemeinsam im Bus vom benachbarten Holzhau nach Rehefeld zu fahren und dort essen zu gehen. Auf den Bus werde man vergeblich warten, und falls man doch irgendwie ans Ziel gelangen sollte, dort auf keine Gaststätte treffen, prophezeit der sichtlich aufgebrachte Mann. Das Busnetz werde nämlich immer weiter ausgedünnt, und jüngst habe auch noch die letzte Gaststätte geschlossen. „Wir haben den Eindruck, als würden wir gar nicht mehr zu Sachsen oder Deutschland gehören“, ruft er und dann natürlich auch noch, dass er Kretschmer „diesmal zu 90 Prozent nicht wählen“ werde. (mehr…)

Frau in Sachsen getötet – Polizei kritisiert AfD

erschienen in Göttinger Tageblatt vom 7. Januar 2018

In Sachsen wurde eine 35-Jährige getötet. Der Tatverdächtige nahm sich anschließend offenbar das Leben. Der AfD-Kreisverband Salzgitter nutzt das mögliche Beziehungsdrama als Stoff für obszöne Falschbehauptungen.

Von RND/dpa/mat

Brand-Erbisdorf. Eine 35-Jährige, die am Freitagmorgen tot an einer Straße im sächsischen Brand-Erbisdorf neben einer Kleingartenanlage entdeckt wurde, ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Die Obduktion habe den Verdacht eines Tötungsdelikts bestätigt, teilte die Polizeidirektion Chemnitz mit.

Als Tatverdächtiger gelte ein Bekannter aus dem Umfeld der Frau. Dessen Leiche sei im Zuge der Ermittlungen in einer Wohnung gefunden worden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Auch der Mann solle obduziert werden. Die Frau stammte aus der Region, auch der Verdächtige sei ein Deutscher, sagte eine Polizeisprecherin. Ob der Fundort der Leiche auch der Tatort war, wollte die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht bekanntgeben. Auch wann und wie die 35-Jährige umgebracht wurde, blieb offen.

Im Internet hatte die Polizei am Wochenende versucht, der Verbreitung falscher Spekulationen Einhalt zu gebieten. Auf Twitter bat sie den Kreisverband der AfD-Salzgitter, die Verbreitung von Fake-News zu unterlassen. Die AfD hatte den Artikel eines als rechtsextrem bekannten Nutzers, der die Tat in Zusammenhang mit Ausländern bringt, im Netz weiterverbreitet. „Erst wurde die “Kuffar-Schlampe” wie ein Stück Vieh durchvergewaltigt, dann geschlachtet und wie Müll im Straßengraben entsorgt? Nein, nicht in Arabien, sondern in #Freiberg #Sachsen“, zitiert die AfD Salzgitter aus dem Text.

Das Landeskriminalamt reagierte auf die obszönen Bemerkungen, bezeichnete die Äußerungen als „hetzerisch, infam und schlicht #FakeNews“, die sie zu korrigieren hätten. Außerdem wiesen die Beamten den Kreisverband darauf hin, dass der Tatverdächtiger ein Deutscher ist.

Kindererziehung beim „III. Weg“

erschienen auf blick nach rechts

Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ verstärkt ihre Bemühungen, Kinder und Jugendliche anzusprechen. In Plauen ist neuerdings sogar ein eigener Jugendtreff im Angebot.

Von Johannes Hartl

Sonntag, 13. Mai 2018. Im sächsischen Plauen öffnete die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ wieder einmal die Türen ihres Parteibüros, um für Kinder einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs anzubieten. Auf Bildern, die später im Internet veröffentlicht werden, sind mindestens acht Minderjährige zu erkennen. Sie zeigen die Teilnehmer, wie sie Sportübungen ausführen und Selbstverteidigungstechniken einüben – angeleitet durch Funktionäre, die T-Shirts mit Parteilogos tragen. Nach Abschluss des Trainings erhielten die Kinder dann sogar „wohlverdiente Sporthemden“, heißt es stolz auf der Website der Gruppierung. Als Motiv bilden sie einen martialischen Wolf auf beigem Hintergrund ab, umgeben von einem Lorbeerkranz in der dunkelgrünen Parteifarbe. (mehr…)

Dritter Weg Mittelsachsen/Hammerleubsdorf- ein starkes Stück Erzgebirge. Hier wird Tradition groß geschrieben.

erschienen auf Indymedia

Wir wohnen im Freiberger Umkreis, wir beobachten die Nazis hier und wir berichten über sie

von Die Häsinnen vom Flöhatal

Dieser Text möchte über Aktivitäten der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ (DW) informieren, speziell über ihren Stützpunkt Mittelsachen.Ein weiterer Fokus wird auf das Fehlverhalten von Behörden und bürgerlicher Kräfte gelegt. Im Gesamten haben wir diesen über eineinhalb Jahre beobachtet. In der Darstellung unserer gesammelten Erkenntnisse über ihre Strukturen, möchten wir auf eine theoriegeleitete, mit Fachbegriffen überlaufende Sprache verzichten, um den Bericht so transparent wie möglich darzustellen und ihn somit für einen breiten Teil der Bevölkerung zugänglich zu machen. Mit diesem Bericht wenden wir uns von einem üblichen Outing einzelner Akteure ab, da es uns vordergründig um Aufklärung über die Aktivitäten dieser Gruppe extremer Rechter geht. Weiter wollen wir den Versuch einer Einordnung wagen, warum es trotz hoher medialer Aufmerksamkeit für die extreme Rechte einfach ist, in Sachsen zu agieren. Auf dieser Basis werden wir lediglich einzelne Akteure beleuchten, deren Aktionen in einen gesellschaftlichen Kontext setzen und damit verbunden die Missstände im Verständnis von Demokratie in der ansässigen Bevölkerung beschreiben. (mehr…)

Die hässliche Seite von Freiberg (8)

Auf Klassenfahrt mit der AfD

erschienen in Freie Presse vom 19. Dezember 2018

Abgeordnete laden Schüler ein, damit die den Politikbetrieb in Berlin kennenlernen. Lange war das eine Praxis, die geräuschlos ablief. Doch das ändert sich gerade.

Von Oliver Hach

Freiberg – Mittagessen in einem Restaurant in Kreuzberg, Besuch des NS-Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“, schließlich die Plenarsitzung des Bundestages: Den Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Freiberg wurde einiges geboten vergangene Woche in Berlin. Bevor der Tag in der Kuppel des Reichstagsgebäudes ausklang, war noch der Termin im Abgeordnetenbüro. „Diskussion mit MdB“ hieß es im Programm.

Klassenfahrten wie diese gibt es seit langem. Jeder Bundestagsabgeordnete darf jährlich drei Gruppen mit je 50 Personen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen. Das Presse-und Informationsamt der Bundesregierung organisiert diese politischen Infotouren und stellt einen Betreuer. Programm, Unterkunft, Verpflegung und Bahnfahrt zahlt der Staat aus Steuermitteln. (mehr…)

Und dann räumen wir hier auf

erschienen in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Dezember 2018

Neonazis, Schusswaffen, Crystal Meth: Ein Syrer wird in Torgau angeschossen und stirbt fast. Schuld daran wird er wohl selber sein

von Carolin Wiedemann und Leo Forell

Firas Karim* spürt nicht, wie die Kugel sich in seinen Körper bohrt, durch ihn hindurchstößt, knapp an seinem Herzen vorbei. Er hört nur das Knallen, nachdem sie ihn geschubst haben und er zurückschubsen wollte, den einen Mann, die zwei Männer, die plötzlich vor ihm standen, und die anderen, die dahinter waren. Er stolpert. Die Laternen erhellen den Marktplatz von Torgau in Sachsen. Keine Spur von seinen Cousins, die gerade noch neben ihm waren. Karim beginnt zu laufen. Das Knallen war ein Schuss, das weiß er jetzt. Er muss hier weg.

Kenneth E., der Mann, der aus knapp zwei Meter Entfernung auf ihn zielte, ist aber ohnehin schon zurück in der Wohnung direkt am Marktplatz. Zu seiner Freundin auf der Couch sagt er, „der Asylant“ habe Stunk gemacht.

Der „Asylant“. Karim ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Achtmal muss er operiert werden, damit er den Abend in Torgau überlebt. Das Landgericht Leipzig hat den Täter gerade wegen versuchten Mordes zu 13Jahren Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Kaum jemand hat von diesem Fall gehört. Mitten auf dem Marktplatz einer deutschen Kleinstadt versucht ein Mann, einen Syrer umzubringen, und keine überregionale Zeitung berichtet darüber. Die sächsische Polizei hakt den Mordversuch unter „Schießerei“ ab; ein rassistisches Tatmotiv wird in der kurzen Meldung nicht erwähnt. Der Torgauer Lokalzeitung ist das Verbrechen nicht einmal einen eigenen Artikel wert. (mehr…)

Maos Schläger aus Berlin-Neukölln

erschienen in Tagesspiegel vom 10. Dezember 2018

Der „Jugendwiderstand“ attackiert systematisch Andersdenkende – am liebsten ebenfalls Linke. Nun kommt raus: Ihr Wortführer ist ein Kreuzberger Kindergärtner.

von Maja Friedrich und Jan Werkener

Es braucht nicht viel, um zu ihrem Ziel zu werden. Ein falsches T-Shirt, die falsche Zeitung in der Hand. Oder eine politische Meinung, die sie nicht teilen. Attackiert wird zum Beispiel, wer in ihrer Gegenwart den chinesischen Staatsgründer Mao Zedong kritisiert. Oder wer es wagt, sich öffentlich zum Existenzrecht Israels zu bekennen. Auf der diesjährigen Demonstration am 1. Mai stürmten sie den feministischen Block und entrissen Teilnehmern ein Transparent, auf dem stand: „Den antisemitischen Konsens brechen! Jugend gegen Antisemitismus und Rassismus!“ Solche Slogans seien Teil einer schmutzigen Kampagne, rechtfertigten sie sich später in einer Erklärung.

Die Gruppe nennt sich „Jugendwiderstand“ und ist derzeit die mit Abstand bizarrste Strömung in der politischen Linken Berlins – vor allem die aggressivste. Ihre Mitglieder beanspruchen den Bezirk Neukölln für sich, gehen aber auch in Kreuzberg, Mitte und Wedding gegen Andersdenkende vor. Am liebsten gegen Linke. Der Verfassungsschutz stuft sie als gewaltbereit und antisemitisch ein, der Staatsschutz beim LKA ermittelt. Ihre Angriffe hat das nicht gestoppt. (mehr…)

FDP-Idee: Bergmann als Ampelmännchen

erschienen in Freie Presse vom 11. Dezember 2018

Vor der morgigen Berg- parade in Freiberg meldet sich ein Landtagskandidat zu Wort. Er will die Tradition stärker im Stadtbild verankern. Brandneu ist der Gedanke nicht.

Von Frank Hommel

Freiberg – Wer hätte gedacht, dass Ampelmännchen mal solch eine Karriere hinlegen? Nicht nur, dass die Ost-Variante einem ganzen Landstrich Identität verleiht. Und millionenfach Tassen, T-Shirts und Stoffbeutel ziert. Nein, einige handverlesene Städte zeigen stolz ihre eigenen Ampelmännchen vor. Lokalstolz in Rot-Grün. So Mainz seine Mainzelmännchen, Bremen seine Stadtmusikanten. Im hessischen Friedberg fängt bei Grün ein Elvis an zu tanzen, im vogtländischen Plauen zeigen die Comicfiguren „Vater und Sohn“ des Zeichners Erich Ohser an, wann sich Straßen sicher überqueren lassen und wann davon besser Abstand zu nehmen ist. (mehr…)

AfD gegen Migrationspakt

erschienen in Freie Presse vom 6. Dezember 2018

Partei schart auf dem Freiberger Schloßplatz Anhänger um sich

Freiberg – Eine Kundgebung der (AfD) zum Thema „Migrationspakt stoppen!“ fand gestern Abend auf dem Schloßplatz statt. Nach Angaben der Veranstalter waren es zunächst etwa 200, später 350 Teilnehmer, die mit Fahnen, Transparenten und Rufen wie „Merkel muss weg“ demonstrierten. Bei der laut Polizei angemeldeten Kundgebung sprachen der mittelsächsische AfD-Kreisvorsitzende Dirk Zobel, Landtagsabgeordneter Rolf Weigand und Mike Moncsek vom Landesvorstand. Nach seinen Worten will die AfD bei den Wahlen 2019 unter anderem „das Land zum Wackeln“ bringen.

Thema war die Ablehnung des Migrationspaktes, den Deutschland auf einem UN-Gipfel kommende Woche unterzeichnen will. Die AfD kritisiert, dass die Bundesregierung „hinter verschlossenen Türen“ über den Pakt verhandelt und ihn den Bürgern vorenthalten habe. Martina Böswald, laut AfD wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten der Partei, griff ebenfalls zum Mikrofon. Sie nimmt für sich in Anspruch, ihre Fraktion auf das Thema und damit die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht zu haben. Am Rande der Kundgebung wurden Unterschriften gegen die Unterzeichnung des Paktes gesammelt.ar

Die Angst im Lehrerzimmer vor der AfD

erschienen auf Spiegel ONLINE

Anfang November vor einem Jahr bekam Frank Wehrmeister, Leiter eines Beruflichen Schulzentrums im sächsischen Freiberg, eine Mail. Sie stammte aus dem Büro des frisch gewählten AfD-Abgeordneten Heiko Heßenkemper. Der hatte sie an einen Gemeinschaftskundelehrer der Schule geschickt, welcher sie weiterleitete. Besagter Lehrer wollte mit einer Klasse angehender Immobilienkaufleute nach Berlin fahren und sich den Bundestag anschauen. Heßenkemper lud ihn und die Schüler ein. Jeder Abgeordnete darf übers Jahr verteilt bis zu 230 Besucher empfangen, der Bundestag zahlt ihre Bahntickets in der zweiten Klasse. (mehr…)

AfD nominiert Rolf Weigand

erschienen in Freie Presse vom 24. November 2018

Großvoigtsberg – Die mittelsächsische AfD hat bei ihrer Nominierungsveranstaltung für die Landtagswahlen 2019 den promovierten Ingenieur Rolf Weigand als Direktkandidat für den Wahlkreis 19 (Mittelsachsen 2) aufgestellt. Der dreifache Familienvater erhielt ohne Gegenkandidaten mit 18 Ja-Stimmen und einer Enthaltung die Unterstützung aus seiner Region, heißt es in einer Pressemitteilung der AfD. In seiner Bewerbungsrede stellte Weigand seine Schwerpunkte vor. „Familie und Bildung sind für mich die großen Themen für unsere Region. Dazu gehört eine bessere finanzielle Ausstattung für sächsische Familien nach der Geburt eines Kindes und die Schaffung der Wahlfreiheit bei der Kindererziehung“, sagte Weigand. Dazu müsste das Landeserziehungsgeld deutlich erhöht und auf zwei Jahre verlängert werden.bk

Verein erinnert an Euthanasie-Opfer

erschienen in Freie Presse vom 24. November 2018

Mitglieder des Freiberger Altertumsvereins haben in der Tötungsanstalt in Pirna-Sonnenstein einen Kranz niedergelegt.

Von Steffen Jankowski

Freiberg/Pirna – Der Freiberger Altertumsverein hält es nach den Worten seines Vorsitzenden Jürgen Bellmann für erforderlich, die Verbrechen der Nationalsozialisten weiter aufzuarbeiten und in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Im Gedenken an die Opfer haben Mitglieder des Vereins am Donnerstag in der ehemaligen Euthanasie-Anstalt in Pirna-Sonnenstein einen Kranz niedergelegt.

Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom Januar 1934 sei die menschenverachtende Grundlage gewesen, auf der bis 1945 etwa 400.000 Menschen ohne ihre Einwilligung unfruchtbar gemacht worden seien: „Die Opfer waren Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen sowie Alkoholkranke, die häufig in psychiatrischen Heil- oder Pflegeanstalten behandelt oder versorgt wurden.“ In Freiberg sei dabei eines von sachsenweit sieben „Erbgesundheitsgerichten“ gewesen, so Bellmann. (mehr…)

AfD stützt Wirt: Dreikampf um Chefsessel im Rathaus Bobritzsch

erschienen in Freie Presse vom 24. November 2018

Neben der CDU schicken auch die Freien Wähler einen Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl ins Rennen. Darüber hinaus tritt ein Gemeinderat an – als Einzelkandidat, aber mit Unterstützung einer ehrgeizigen Partei.

Von Frank Hommel

Bobritzsch-Hilbersdorf – Drei Kandidaten buhlen bei der Bürgermeisterwahl in Bobritzsch-Hilbersdorf Anfang kommenden Jahres um die Gunst der Wähler. Das steht fest, nachdem der Wahlausschuss am Donnerstagabend die entsprechenden Kandidaten bestätigt hat. Demnach geht, wie bereits bekannt, der Gemeinderat und jetzige zweite stellvertretende Bürgermeister René Straßberger aus Oberbobritzsch für die CDU ins Rennen. Für die Freien Wähler hat der Feuerwehr-Beamte Jens Merkel aus Niederbobritzsch seinen Hut in den Ring geworfen. Darüber hinaus erreichte Jens Uhlemann, Wirt das Gasthofs „Goldener Löwe“ in Niederbobritzsch, als Einzelkandidat die Anzahl der für eine solche Kandidatur nötigen Unterstützungsunterschriften. (mehr…)

Hardcore im Kriminalpräventiven Rat

erschienen in Jungle World 46/2018

Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz überwacht allein im Erzgebirgskreis mehr linke Bands als alle anderen Landesämter im restlichen Bundesgebiet zusammengenommen. Die Kunstfreiheit sieht das Amt dadurch nicht verletzt.

Von Michael Bergmann

Mindestens zwölf sächsische Bands beziehungsweise Liedermacher ordnet das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) derzeit dem Beobachtungsobjekt »Linksextremistische Musikszene« zu. »Bei Bekanntwerden von Konzerten mit Beteiligung linksextremistischer Bands in Sachsen ­informiert das LfV Sachsen die zuständigen Behörden und die Polizei vorab über die geplanten Auftritte«, sagte Martin Döring, der Pressesprecher des LfV Sachsen, der Jungle World. Die ­zuständigen Polizeidirektionen und Stadtverwaltungen werden tätig, sobald sie derartige Informationen vom LfV erhalten. Das behördliche Proze­dere sieht in einem solchen Fall eine »Prüfung des Veranstaltungsraums auf Geeignetheit zur Durchführung von Veranstaltungen« vor. (mehr…)

Am Ort der Entladung

erschienen in FAZ vom 15. November 2018

Drei Monate nach den Ausschreitungen besucht Angela Merkel Chemnitz. Sie trifft auf eine tief verunsicherte Stadt, die noch lange nicht verarbeitet hat, was dort im Sommer geschah.

Von Stefan Locke

Es sei ja schön, dass jetzt so viele Bundespolitiker nach Chemnitz kämen, sagt Sebastian Schulz. „Aber dass es dafür erst so einen Anlass braucht, das ist doch verkehrt.“ Schulz ist preisgekrönter Tischlermeister in Chemnitz und staunt, was sich seit einigen Wochen in seiner Stadt tut, für die, wie er sagt, sich lange niemand interessiert habe. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) war die Erste und schon zweimal da nach den Ausschreitungen Ende August; im Oktober kam Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zum Gespräch mit Bürgern, auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) besucht Chemnitz jetzt häufig und nun also Angela Merkel (CDU). Der Besuch der Bundeskanzlerin ist ein Höhepunkt vor allem für ihre Gegner, erst recht seit sie ihren politischen Rückzug verkündet hat; schon seit Wochen rufen sie deshalb zu einer Art letztem Gefecht nach Chemnitz. (mehr…)

CDU-Urgestein zu Debatte um Merkel: Nachtreten gehört sich nicht

erschienen in Freie Presse vom 15. November 2018

In der Diskussion um den angekündigten Rückzug der CDU-Parteichefin meldet sich der ehemalige Mittelsachsen-Chef zu Wort.

Von Grit Baldauf

Freiberg/Krummenhennersdorf – Die Richtungsdebatte in der Mittelsachsen-Union geht weiter: Nachdem Vertreter der CDU-Stadtspitze den angekündigten Rückzug von Angela Merkel vom Parteivorsitz begrüßt hatten, stellte sich der ehemalige Kreischef Christian Rüdiger jetzt demonstrativ hinter die Vorsitzende: Merkels Ankündigung verdiene Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit, schreibt er in einem offenen Brief. „Ein Nachtreten hat nichts mit Anstand zu tun und ist zu verurteilen. Das gehört sich nicht.“

Rüdiger verweist unter anderem auf die Äußerungen der Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann („Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen“) und des Leubsdorfer Ex-Bürgermeister Ralf Börner („Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken“) zu Merkel – ebenso auf den Freiberger Holger Reuter. Der CDU-Stadtchef hatte geäußert, mitunter habe man das Gefühl gehabt, die CDU sei von Merkel „nach dem Bilde der alten SED geformt“. (mehr…)

Freiberger Thesen: CDU-Basis flirtet mit AfD

erschienen in Freie Presse vom 12. November 2018

Das Positionspapier des CDU-Stadtverbands war vor einem Jahr umstritten und ist es immer noch – auch innerhalb der Christdemokraten.

Von Steffen Jankowski

Freiberg – Die Freiberger CDU fremdelt mit ihrem Generalsekretär in Sachsen. Das ist am Freitagabend auf der öffentlichen Mitgliederversammlung zum Thema „Ein Jahr Freiberger Thesen“ deutlich geworden. „Die Schnittmenge zwischen uns könnte bei 50 Prozent liegen“, sagte CDU-Stadtverbandschef Holger Reuter vor rund 50 Anwesenden in Richtung des Chemnitzers. Alexander Dierks konterte: „Dafür sind wir eine Volkspartei.“

Im Oktober vorigen Jahres hatte die Freiberger CDU Forderungen gegenüber ihrer eigenen Parteispitze im Bund aufgemacht, die auch als „Freiberger Thesen“ apostrophiert werden. Neben dem Rücktritt Angela Merkels vom Parteivorsitz und ihrem Verzicht auf eine erneute Kanzlerkandidatur sowie einer Energiepolitik mit Braunkohle und Kernkraft ging es dabei vor allem um eine härtere Gangart in der Asylpolitik. So waren beispielsweise ein Aufnahmestopp für Asylbewerber und die sofortige Abschiebung aller Ausreisepflichtigen verlangt worden. (mehr…)

Die Novemberpogrome in Freiberg 1938

Veranstaltungshinweis: Michael Düsing hält am 14. November um 19:00 Uhr im Stadt- und Bergbaumuseum auf Einladung des Freiberger Altertumsvereins einen Vortrag über die Novemberpogrome in Freiberg.

„Ein lange vorbereiteter Bruch der Zivilisation“

erschienen in Freie Presse vom 8. November 2018

Geschichtsforscher Michael Düsing über die Reichskristallnacht in Freiberg

Freiberg. Morgen jährt sich zum 80. Mal die sogenannte Reichskristallnacht, bei der auch in Freiberg Juden drangsaliert wurden und der Holocaust eingeläutet wurde. Im Dom wird mit einer Gedenkveranstaltung daran erinnert. Und der Freiberger Geschichtsforscher Michael Düsing hat ein neues Buch zu dem Thema herausgebracht. Frank Hommel sprach mit ihm.

Freie Presse: Herr Düsing, die Nacht vom 9. zum 10. November 1938 ging als Reichskristallnacht in die Geschichte ein. Überall in Deutschland gab es organisierte Ausschreitungen gegen Juden. Was geschah damals in Freiberg?

Michael Düsing : Im Freiberger Anzeiger hieß es danach, es seien „ein paar Fensterscheiben“ zu Bruch gegangen. Meine Recherchen stützen sich auf Zeitzeugenberichte und die Protokolle der Polizei. Da ergibt sich ein anderes Bild. In der ersten Eintragung vom 10. November 5.20 Uhr hieß es, bei einem jüdischen Modeladen in der Burgstraße/Ecke Rinnengasse seien die Fenster eingeschlagen worden. Kurz darauf brach auch ein Brand aus. In den Polizeiprotokollen findet sich weiter der Satz, bei sämtlichen jüdischen Geschäften seien fast sämtliche Schaufenster eingeschlagen worden. (mehr…)

„Nachtreten der CDU in Mittelsachsen unangebracht“

erschienen in Freie Presse vom 2. November 2018

Grünen-Kreisrat Sebastian Walther kritisiert Reaktion auf Merkels Rückzug

Von Steffen Jankowski

Freiberg – Die Ankündigung von Angela Merkel, im Dezember den Parteivorsitz in der CDU abzugeben und 2021 nicht wieder als Kanzlerkandidatin anzutreten, hat Kreisrat Sebastian Walter (Grüne) als Schritt bezeichnet, „selbstbestimmt den Übergang einzuleiten“. Das gelinge den wenigsten Amtsinhabern in der Politik und verdiene Respekt. Der Niederwiesaer weiter: „Dieses Nachtreten, wie wir es jetzt in der CDU Mittelsachsen erleben, ist völlig unangebracht. Es ist auch dieser fehlende Stil in der politischen Auseinandersetzung, der in unserer Region immer mehr Menschen von der Politik wegtreibt.“ Er verweist dabei auf die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann („Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen“) und den Leubsdorfer Ex-Bürgermeister Ralf Börner („Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken“). (mehr…)