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Jugendliche in Ostdeutschland: Wir waren wie Brüder

erschienen in taz vom 1. Oktober 2018

Unser Autor ist vor Neonazis weggelaufen und er war mit Rechten befreundet. In den Neunzigern in Ostdeutschland ging das zusammen. Und heute?

von Daniel Schulz

Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man sie umarmt und das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom.

Als ich bei über hundert Kilometern pro Stunde einem BMW hinter uns auf die Motorhaube pisse, spüre ich diese Macht. Als ich da im Dachfenster stehe, die Hose bis zu den Oberschenkeln heruntergelassen, sehe ich das große weiße Gesicht des Fahrers: Die Augen geweitet, vor Schreck, Entsetzen, Empörung, bläht es sich auf wie ein Ballon, ich würde gern mit einer Nadel hineinstechen.

Ich bin neunzehn, ich bin zehn Meter groß und acht Meter breit, ich bin unverwundbar.

Als am 27. August 2018 Männer meiner Generation, so um die vierzig, in Chemnitz einen „Trauermarsch“ veranstalten und einige ihre nackten Hintern in die Kameras halten, wie man es bei YouTube sehen kann, denke ich an meine Autobahnfahrt. Als schwere Männer Hitlergrüße zeigen und Menschen angreifen, deren Hautfarbe ihnen nicht passt, als die Polizisten nicht einschreiten, bin ich paralysiert, als würde etwas Dunkles hochkommen, von dem ich dachte, ich hätte es hinter mir gelassen. Aber ich erinnere mich auch an diesen Machtrausch, den Kick, wenn du jemandem klarmachst: Regeln? Und was, wenn ich auf deine Regeln scheiße, mein Freund? Was dann?

Ich sehe Chemnitz und frage mich: Was habt ihr mit mir zu tun? Was ich mit euch? (mehr…)

Verein kritisiert CDU-Duo

erschienen in Freie Presse vom 28. September 2018

Für Freiberg Grenzenlos ist AfD keine Machtoption

Freiberg. In die Debatte um eine mögliche Koalition von CDU und AfD, die die beiden Christdemokraten Holger Reuter und Jörg Woidniok ins Spiel gebracht hatten, schaltet sich nun der Verein Freiberg Grenzenlos ein. Sprecher Jörn Grabenhorst wirft den CDU-Politikern eine „scheinheilige Argumentation“ vor. Denn der umgarnte Koalitionspartner rücke in atemberaubendem Tempo immer weiter nach rechts, mache Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig. Noch dazu sei das Personal der AfD eng verwoben mit rechten Organisationen und marschiere nicht weit von Freiberg Seite an Seite mit Neonazis. (mehr…)

AfD schwört Anhänger auf Wahljahr ein

erschienen in Freie Presse vom 24. September 2018

Mit Ansprachen und Freibier hat die Partei am Samstag in Dorfchemnitz einen Ausblick auf 2019 geworfen.

Von Steffen Jankowski

Dorfchemnitz – Etwa 120 Mitglieder und Sympathisanten der Alternative für Deutschland (AfD) sind am Sonnabend der Einladung des AfD-Kreisvorstands Mittelsachsen zu einer „Motivations- und Dankeschön-Veranstaltung“ in die Gaststätte „Am Chemnitzbach“ in Dorfchemnitz gefolgt. Anlass war das Ergebnis, das die Partei bei der Bundestagswahl vor einem Jahr in der Gemeinde erzielt hatte. (mehr…)

Diskussion über schwarz-blaue Ideen

Nachdem die Rechtspopulisten Holger Reuter und Jörg Woidniok im Magazin Kontraste über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD spekuliert haben, ist in Freiberg eine Debatte über das Verhältnis der CDU zu den anderen Rechtspopulisten entbrannt. (mehr…)

„Fremdscham“ – Freiberger Bürgermeister tritt aus SPD aus

erschienen auf Welt online

Der Freiberger Oberbürgermeister Krüger gibt in einem Facebook-Post seinen Austritt aus der SPD bekannt. Bundesweite Aufmerksamkeit hatte der 44-Jährige für seine Forderung nach einem vierjährigen Zuzugsstopp für Flüchtlinge bekommen.

Seit August 2015 ist Sven Krüger Oberbürgermeister der sächsischen 42.000-Einwohner-Stadt Freiberg, vor knapp 20 Jahren trat er in die SPD ein. Anfang des Jahres machte er bundesweite Schlagzeilen, als er einen vierjährigen Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge forderte: „Ich möchte verhindern, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt.“ (mehr…)

Rassistische Mobilisierungen in Chemnitz – eine Einordnung

erschienen im Antifaschistischen Infoblatt

Um die 1000 Personen folgten am 26. August 2018 diversen Aufrufen aus den sozialen Netzwerken, sich in der Chemnitzer Innenstadt nahe des Karl-Marx-Monuments zu treffen. Grund dafür war eine Auseinandersetzung auf dem alljährlichen Stadtfest der drittgrößten Stadt Sachsens in der Nacht zuvor, die für einen 35-jährigen Chemnitzer tödlich endete. Schnell wurde sich auf einschlägigen rechten Webseiten auf einen möglichen Migrationshintergrund der Täter geeinigt und, die Tat in den Kontext anhaltender Auseinandersetzungen mit Geflüchteten in der Chemnitzer Innenstadt gesetzt.

Uns als Redaktionskollektiv haben die Vorfälle bestürzt. Nicht nur hinsichtlich des tragischen Todes von Daniel H., einem Familienvater der auch der linken Subkultur nahe stand, sondern auch in Bezug auf die Dynamik der rassistischen Mobilisierung. Die Instrumentalisierung des Todes, die darauf folgenden Hetzjagden auf Migrant_innen und Geflüchtete sowie die Bereitschaft Tausender, mit einer militanten Neonaziszene an Aufmärschen teilzunehmen waren Gründe, uns dem Thema zeitnah anzunehmen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

„Stadt der Moderne“

Chemnitz, eine Stadt mit geringem Bevölkerungszuwachs, hat wochentags wie am Wochenende wenig Großstadtflair zu bieten. Der historische Brühl-Boulevard unweit des Hauptbahnhofs wird erst seit ein paar Jahren wieder mit Leben gefüllt, vorrangig von Kreativen. Eine Einkaufsmeile im Zentrum gilt daher als beliebter und belebter. Besonders der Bereich zwischen Stadthallenpark und der Zentralen Umsteigestelle ist ein stark frequentierter Treffpunkt von Jugendlichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Die damit verbundenen Konflikte veranlassten die Behörden, diesen Ort als „gefährlich und verrufen“ einzuordnen – Kriminalitätsschwerpunkte, wie sie in jeder anderen Großstadt existieren, wenn viele Menschen aufeinander treffen. Die Gerüchte um die Gefahr an Orten wie der „Zenti“, wo selbst die Busfahrer Angst hätten auszusteigen, sind der Nährboden für Ressentiments, die vor allem gegenüber Geflüchteten bestehen. Schon im August letzten Jahres heizten Vertreter der lokalen AfD die Gerüchteküche an, indem behauptet wurde, dass das Stadtfest vorzeitig beendet werden musste. Grund sei eine Massenschlägerei gewesen, an der sich nach Polizeiangaben 100 Personen beteiligt hätten. In den Auseinandersetzungen hätten sich zum Großteil Geflüchtete befunden und nur vereinzelt Deutsche, wie Augenzeugen später zu berichten wussten. Laut rechter Webseiten wäre die Stimmung aggressiv gewesen, es soll angeblich auch sexuelle Übergriffe gegeben haben. Die Polizei dementierte Letzteres. Gerüchte um eine Messerstecherei konnte sie ebenfalls nicht bestätigen. (mehr…)

Holger Reuter und Jörg Woidniok offen für eine Koalition mit der AfD

In einem Beitrag von Kontraste vom 13. September 2018 über die zukünftigen Koalitionsmöglichkeiten der AfD in Ostdeutschland äußern sich Lokal- und Landespolitiker der CDU aus Brandenburg äußert pragmatisch gegenüber der Linkspartei. In Sachsen ist es ausgerechnet der CDU-Stadtverband Freiberg, in dem Holger Reuter und Jörg Woidniok ihre Sympathien gegenüber einer schwarz-blauen Koalition bekennen. (im Video ab Minute 5:13)

CDU im Osten Koalieren mit der Linken oder der AfD?

Rote Socken Kampagne? Das war einmal! Die CDU im Osten braucht dringend neue Machtoptionen. In einem Jahr stehen Wahlen an. Rechnerisch könnte es dann vielleicht nur noch mit den Linken oder der AfD zu einer Regierung reichen. Vor diese Wahl gestellt, schielen in Sachsen die ersten CDU-Politiker auf die AfD. Und in Brandenburg geht die CDU konkrete Kooperationen mit der Linken ein. Beides ist ein Tabubruch gegen den erklärten Willen der CDU-Bundesvorsitzenden Merkel. (mehr…)

Jugendarbeiter über Rechtsextremismus: „Wir sind nicht mehr“

Hunderte von rechtsextremen Anschlägen auf das Schalom in Chemnitz – kein einziger Täter gefasst

Anlässlich der aktuellen Vorfälle in Chemnitz möchten wir auf dieses sechs Jahre alte Interview aufmerksam machen.

erschienen auf belltower.news

1998 gründete Uwe Dziuballa zusammen mit sechs anderen jüdischen und nicht-jüdischen Engagierten den Verein Schalom e.V. in Chemnitz. Ziel war es, deutsch-jüdisches Leben wieder in die Alltagskultur der Bundesrepublik einzubinden. Ein Vorsatz, der eindeutig geglückt ist: Der Verein hat inzwischen 130 Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern und ist als Stütze für Einwanderer/innen so wie Chemnitzer/innen aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Doch nicht alle sind für dieses Anliegen offen: Davon zeugen hunderte von rechtsextremen Angriffen, die seit der Vereinsgründung gegen den Verein und sein Restaurant verübt worden sind. Das hindert Uwe Dziuballa allerdings nicht, sich weiter mit beispiellosem Engagement für den Fortbestand des jüdischen Lebens in Chemnitz einzusetzen.

Das Interview führte Antonia Oettingen.

Was hat Sie dazu bewegt, den Verein und das Restaurant Schalom in Chemnitz zu eröffnen?
Ich habe in den USA erlebt, wie jüdisches Leben zum Alltag gehören kann. Der Umgang mit dem Judentum erfolgt dort, ohne das Fingerspitzengefühl notwendig wäre. Ähnliches wollten wir auch in Deutschland ermöglichen. Deswegen haben wir 1998 den Verein Schalom e.V. gegründet. Wir bieten unter anderem Hilfe für jüdische Immigranten an, laden sie zunächst einmal zu einer Suppe und einem Gespräch ein und begleiten Sie dann auf dem Weg zu den Behörden. Ich bin in Karl-Marx-Stadt geboren und war dann in Jugoslawien im Kindergarten. Ich weiss also wie es ist sich fremd zu fühlen. In so einer Situation ist Praktikabilität gefragt. Wir haben durch unseren Verein seit etwa fünf Jahren die Möglichkeit, Verfahrenswege für Neuangekommene zu verkürzen. 1999 entstand dann die Idee, ein gleichnamiges Restaurant zu eröffnen. Zunächst einmal erhofften wir uns, mit dem Vorsatz den Verein weiter zu fördern. Außerdem wollten wir neue Gesichter für Schalom e.V. begeistern. Und wir glaubten daran, über das Kulinarische den ‚Aha-Effekt‘ bei den Leuten zu erreichen. (mehr…)

Wir trauern

Ohne Raimund Hethey, Gründungsmitglied des FreibÄrger und langjähriger Mentor für so viele, wäre Freiberg heute wahrscheinlich ein noch tristerer Ort, viele Naziaktivitäten unbekannt und Alfred Concina vergessen worden. Dieses Blog hätte es wahrscheinlich nicht geben. Am 28. August ist Raimund an einer schweren Krankheit gestorben. Du wirst uns fehlen.

Demo setzt sich für Seenotrettung ein

erschienen in Freie Presse vom 16. Juli 2018

Knapp 100 junge Leute haben am Sonnabend in Freiberg ihre Solidarität mit Hilfsorganisationen im Mittelmeer bekundet.

Freiberg – Das Junge Netzwerk Freiberg hatte am Sonnabend zu einer Demonstration für die in Seenot geratenen Menschen und die Helfer des Dresdner Seerettungsschiffs „Lifeline“ aufgerufen. „Ich bin super zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung“, sagte Paul Kaluza gestern. Er hatte die Kundgebung angemeldet. Trotz der Urlaubszeit seien fast 100 Teilnehmer ab 13 Uhr vom Freiberger Bahnhof über den Roten Weg und den Obermarkt zum Schlossplatz gezogen, so das Mitglied der Grünen Jugend weiter: „Es gab keine Zwischenfälle oder Störungen.“

Anlass für die Demo ist der Fall des Kapitäns Claus-Peter Reisch, der nun vor Gericht angeklagt werden soll. Der Protest richte sich gegen die Kriminalisierung des Engagements der sächsischen Seenotrettungsorganisation, war in dem Aufruf erklärt worden. In diesem Sinne habe sich eine Freiberger Gruppe dem bundesweiten „Netzwerk Seebrücke“ angeschlossen.

„Wir brauchen eine politische Lösung, um das massenhafte Ertrinken im Mittelmeer zu stoppen. Menschen mit einem Herz am rechten Fleck können nicht einfach zusehen, wenn Menschen beim Versuch, vor Kriegen zu fliehen, ertrinken“, erklärte Kaluza. Es könne ja nicht die Lösung sein, so der Veranstalter weiter, einfach zu sagen, das geht uns alle nichts an. „Wenn die Frage, ob ertrinkenden Menschen geholfen werden muss, diskutabel erscheint, ist es höchste Zeit laut zu widersprechen“, erklärt der junge Mann. (mehr…)

Zuzugsstopp als Atempause

erschienen in FAZ vom 26. Mai 2018

In Freiberg funktioniert die Integration von Flüchtlingen beispielhaft. Dennoch kämpft das Rathaus für einen Zuzugsstopp, auch um die Erfolge nicht zu gefährden. Doch nun gerät der Bürgermeister zwischen die Fronten.

von Stefan Locke

Vor gut zwei Jahren wurde Firas Almohamed aus Bayern in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Chemnitz überstellt. Ihm war nicht wohl dabei. „Alle haben gesagt: Sachsen ist schlecht für Leute wie mich“, erzählt er. „Meine Mutter hat sich große Sorgen gemacht.“ Heute kann der 33 Jahre alte Mann darüber lachen. Er hat inzwischen viel von Sachsen gesehen. Von Chemnitz aus schickte man ihn erst nach Meißen und dann nach Freiberg. „Ist überhaupt nicht schlimm hier. Persönlich habe ich nie etwas Schlechtes erlebt“, erzählt Almohamed an einem Abend im Mai. Zusammen mit seiner Frau und vielen Freunden sitzt er in einem Hof im Zentrum der Bergstadt, wohin der Verein „Grenzenlos“ einmal im Monat Alt- und Neufreiberger einlädt. Es gibt Salate, Wurst und Brot, Kinder toben, vor allem aber wird erzählt. (mehr…)

Do it yourself Fest


Eine Stadt unter Druck

erschienen in Freie Presse vom 14. April 2018

Freiberg will keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Seit Monaten kämpft die Stadt um einen Zuzugsstopp, der Beschluss spaltet die Bevölkerung. Und das Land zögert mit einer Entscheidung. Doch eigentlich hat der Oberbürgermeister längst sein Ziel erreicht.

Von Oliver Hach und Ulrich Wolf

Freiberg – Das Polizeiprotokoll führt den Vorfall vom 3. Mai 2017 als „Körperverletzung – Ausländerbezug“. An der Oberschule „Gottfried Pabst von Ohain“ geraten zwei deutsche und zwei syrische Schüler aneinander. Von Rangelei ist die Rede, dann folgt der Satz: „Ein 48-jähriger Lehrer, der schlichten wollte, ging dazwischen und bekam versehentlich einen Schlag gegen die Schläfe.“

Der Schulleiter schildert den Fall als Prügelei. Ein Lehrer sei derartig beschimpft und beleidigt worden, dass man die Polizei rief, so Dieter Heydenreich. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art an der Freiberger Oberschule. Zuvor hatte bereits ein ausländischer Schüler einen Lehrer mit den Worten bedroht: „Ich komme zurück und bringe dich um!“ (mehr…)

Wer nicht zählen kann, muss hetzen. „Zuwanderer“ in der Sächsischen Kriminalstatistik

erschienen auf Sprachlos Blog

von Tobias Wilke

Dem Landeskriminalamt Sachsen ist es offenbar eine „Herzensangelegenheit“, eine sogenannte „Tatverdächtigenbelastungszahl“ für die Gruppe der Zuwanderer zu benennen, also den Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an den Zuwanderern in Sachsen insgesamt. Trotz ausdrücklicher Warnung des Bundeskriminalamt (BKA), dass diese Berechnung hochkomplex ist und etliche Fallstricke birgt. Deren Kollegen aus Sachsen haben es dennoch versucht und entsprechende Zahlen veröffentlicht – mit gravierenden Fehlern, die Populisten in die Hände spielen.

Eine kleine Denksportaufgabe

Im Zuständigkeitsbereich der (fiktiven) sächsischen Polizeidirektion Adam-Ries-Stadt lebten im Jahr 2017 genau 10 Ausländer: zwei Tunesier und ein unverheiratetes marokkanische Paar im laufenden Asylverfahren, eine Bergbaustudentin aus Shanghai, bulgarische Zwillingsschwestern, ein rumänischer Taxifahrer, ein subsidiär Geschützter aus Aleppo sowie ein Albaner, der bereits in den 90ern illegal eingereist war. Im Juli fahren die Marokkanerin und der Albaner im gleichen Bus, beide werden jedoch in der Tarifzone B mit Fahrkarten für die Tarifzone A kontrolliert. Die herbeigerufene Polizei nimmt die Personalien auf. Die Chinesin vergisst zu Semesterbeginn im Oktober, ihr Studentenvisum zu verlängern. Ende November erkrankt der Marokkaner schwer, kurz vor Weihnachten erhalten er und seine Lebensgefährtin sowie die beiden Tunesier Ablehnungsbescheide des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Preisfrage: Wie viel Prozent der Zuwanderer im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Adam-Ries-Stadt tauchen nach dem „Lösungsweg“ des Landeskriminalamt (LKA) Sachen in dessen Kriminalstatistik 2017 als Tatverdächtige auf? (mehr…)

AfD-Abgeordnete beschäftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde

erschienen auf ZEIT online

Ein Nazi-Netzwerk im Deutschen Bundestag: Mindestens 27 Mitarbeiter von AfD-Abgeordneten sind Aktivisten und Anhänger rechtsradikaler Organisationen.

Von Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke und Tilman Steffen

Das Bundestagsgebäude Unter den Linden 50 liegt 800 Meter vom Reichstag entfernt, ein grauer Zweckbau mit langen, fensterlosen Fluren auf sechs Etagen. Es beherbergt Büros der Abgeordneten. Kleine, quadratische Milchglasschilder zeigen, wer hinter den dunklen Holztüren arbeitet. Namen sind darauf zu lesen und politische Funktionen. Doch im ersten Stock sticht eine der Glasplaketten heraus. „Boelcke-Stüberl“ steht auf dem Viereck neben Raum 1069 und darunter „Landesgruppe Sachsen-Anhalt“.

Oswald Boelcke war Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Bis heute wird er von manchen Militärs als Held und Erfinder des modernen Luftkampfs verehrt. Der Konferenzraum 1069 gehört der AfD-Fraktion. Deren Mitglieder haben offensichtlich einen Hang zum Kriegerischen. Die Mitarbeiter des baden-württembergischen Abgeordneten Thomas Seitz nennen sich selbst „Brigade Seitz“ und haben eine entsprechende Facebook-Seite eingerichtet. Ihren Abgeordneten bezeichnen sie als ihren „Kommandeur“ und posten auf der Seite beispielsweise das Panzerlied, ein Soldatenlied der Wehrmacht, das 2017 aus dem Liedgut der Bundeswehr gestrichen wurde. (mehr…)

Bürgermeisterwahl: AfD stellt Kandidat für Großschirma auf

erschienen in Freie Presse vom 7. März 2018

Großschirma – Die AfD wird zu den diesjährigen Bürgermeisterwahlen in den beiden Städten Großschirma und Hainichen Kandidaten aufstellen. Das sagte der Kreissprecher der Partei, Rolf Weigand, gestern auf Anfrage der „Freien Presse“. Die Entscheidung sei auf dem jüngsten Kreisparteitag in Seelitz gefallen. Allerdings könne er noch nicht die Namen der Bewerber nennen, so Weigand. „Bis Ostern werden wir die Kandidaten öffentlich bekanntgeben“, kündigte der Ingenieur an, der seit Ende Januar Mitglied des Sächsischen Landtages ist. Rolf Weigand wohnt in Großschirma. Auf die Frage, ob er selbst als Stadtchef kandidieren wird, sagte er: „Kein Kommentar.“ Die Bürgermeisterwahl in Großschirma findet am 17. Juni statt, bis Mitte April müssen die Wahlvorschläge vorliegen. Die Bürgermeisterwahl in Hainichen ist für den 16. September anberaumt. Außerdem stehen in Mittelsachsen in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen in Großweitzschen und Altmittweida an. In diesen Gemeinden will die AfD nach eigenen Angaben keine Kandidaten aufstellen. (hh)

Wirt widerspricht der AfD

erschienen in Freie Presse vom 7. März 2018

Schwanenschlösschen: Chef sieht sich getäuscht

Freiberg – Zwischen der AfD Mittelsachsen und Sanja Koch, dem Inhaber des Restaurants Schwanenschlösschen in Freiberg, ist es zu Unstimmigkeiten hinsichtlich einer Veranstaltung gekommen, die die Partei für heute Abend in dem Restaurant am Kreuzteich angekündigt hatte. Der Bundestagsabgeordnete Heiko Hessenkemper hatte eingeladen, um über die von ihm befundene „Perversion der polit-medialen Klasse“ zu sprechen. Inzwischen aber ist die Veranstaltung ins Gartenlokal „Zur Erholung“, Scheunenstraße 24 in Freiberg verlegt. (mehr…)

Zuzugsstopp: Protest der Grünen Jugend

erschienen in Freie Presse vom 3. März 2018

Freiberg – Gegen den von der Stadt Freiberg forcierten Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge hat die Grüne Jugend am Donnerstag protestiert. Im Vorfeld des Stadtrats entrollten vier Mitstreiter der Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen ein Transparent vor dem Rathaus. Darauf ist ein Gesicht zu sehen, das an Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) erinnert. Dazu die Aufschriften „KRÜGERS WALL“ und „We will build a wall & Merkel will pay.“ Sprecherin Lea Fränzle: Der Freiberger Antrag stehe auf rechtlich unsicherer Grundlage. „Es geht nicht an, dass der Landrat die Stadt mit der Verantwortung für die Geflüchteten des Landkreises allein lässt.“ Dass der Stadtordnungsdienst nach wenigen Minuten die Aktion unterband, ärgert die Grüne Jugend. Vorstand Paul Kaluza spricht von einem „äußert fragwürdigen Verständnis“ von Meinungsfreiheit. Laut Stadt war weder eine Versammlung noch eine Sondernutzung angemeldet. „Wir leben in einer Demokratie – und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Es hätte jedoch jeder Zeit die Möglichkeit bestanden, mit mir direkt ins Gespräch zu kommen“, ergänzte OB Krüger. (acr)

Wenn der Ton rauer wird

erschienen in Freie Presse vom 2. März 2018

Volksverhetzende Beiträge im Internet, Fremdenfeindlichkeit auf der Straße und eine Region, die im Vergleich zu anderen Gegenden schlecht dasteht. Freiberg im Zeichen von Bestandsaufnahme und Zukunftsdiskussion.

Von Eva-Maria Hommel

Freiberg. „Warum Sachsen?“ – So lautet die Leitfrage eines Buches, das rund 70 Zuhörer am Mittwochabend im Städtischen Festsaal kennenlernten. Herausgeber sind Matthias Meisner, Redakteur beim „Tagesspiegel“, und Heike Kleffner, Journalistin und Fachreferentin für die NSU-Untersuchungsausschüsse im Bundestag für Die Linke.

Im Buch „Unter Sachsen“ untersuchen 29 Autoren, warum Rassismus im Freistaat besonders hervortritt. Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage „Warum Freiberg?“ Warum ist Freiberg in den Schlagzeilen als die Stadt, die keine Flüchtlinge mehr will?

Einer der Autoren ist Oliver Hach, Redakteur der „Freien Presse“. Er las aus seinem Beitrag über Clausnitz, wo Anfang 2016 ein Mob die Ankunft eines Flüchtlingsbusses blockiert hatte. Hach, der in Freiberg lebt, eröffnete die Diskussion: „Ich bin überrascht von der Wendung unseres Oberbürgermeisters.“ Als die Flüchtlingswelle begann, sei er noch besonnen aufgetreten. (mehr…)